29. Oktober 2020

Abfahrt aus Pardubice

Man startet in die letzte Runde. Letzte Runden sind immer so eine Sache, wenn man danach nach Hause fahren will. Man hat am Morgen Streß mit dem Checkout aus der Herberge. Und ist bei der Partie gedanklich schon auf dem Heimweg und hat im Grund genommen keine Lust mehr auf ein langes Spiel. Das Schachkid überlegt, ob es sich für den spielerischen Erfolg lohnt, bei künftigen Turnieren eine Nach nach der letzten Runde dran zu hängen.

Die letzte Partie läuft wie das ganze Turnier – sehr wechselhaft. Der Gegner, ein Senior, spielt irgendwas nicht so ganz gebräuchliches uur Eröffnung. Das Schachkid steht schnell wesentlich besser, verheddert sich dann aber in der Stellung und der Gegner bekommt wesentlichen Vorteil. Aber auch er kann diesen nicht ummünzen und so steht es bald wieder ausgelichen. Um dem 28.Zug herum gibt das Schachkid dem Gegner die Gelegenheit, sich nochmal besser hinzustellen und die Partie zu gewinnen. Der Gegner will aber mit der Leichtfigur mehr nicht gewinnen und macht ob der komplizierten und rechenintensiven Partie einen erschöpften Eindruck. Das Schachkid kann erfreulicherweise die Körpersprache seines Gegenübers lesen und bietet probehalber Remis, was erfreulicherweise angenommen wird. Diesen psychologischen Aspekt des Schachspiels mag das Schachkid sehr, das findet sich nicht online.

Der Dr. Dave bekommt mit dem Deutschen Kevin Narr nochmal einen starken Gegner zugelost. Dieser ist zwar offenbar ein starker Spieler, hat aber anscheinend keine Manieren. Jedenfalls kommt er nicht, was dem Dr. Dave zwar einen Punkt, aber auch einigen Frust und eines an Wartezeit einbringt. Der Kevin Narr macht mit dieser Aktion seinen Namen jedenfalls alle Ehre.

Die Wartezeit hat der Dr. Dave genutzt, um die Restaurants der Umgebung auszuspähen. Seine Recherchen sind erfolgreich. Er hat ein uriges Restaurant gefunden, wo mitten im Gastraum spannende Aquarien und mehrere Bäume stehen. Lange rätselt man, ob nun der Baum ins Haus gepflanzt wurde oder man das Restaurant um den Baum herum gebaut hat. Umfangeiche Analysen und Untersuchungen, u.a. Anwendung des bekannten Klopftests, ergeben jedoch, dass der Baum künstlicher Natur ist. Der Dr. Dave nutzt die günstige Gelegenheit, um sich noch zwei leckere tschechische Bier hinter die Binde zu kippen. Das Schachkid muss als Autofahrer bei Wasser darben.

Das Schachkid und der Dr. Dave verlassen das Turnier in Pardubice mit gemischten Gefühlen. Spielerisch ist der Dr. Dave ganz zufrieden. Das Schachkid hat überhaupt nicht ins Turnier, dafür aber etwas erhoffte Erholung gefunden. Die Pension war ganz nett und preiswert. Aber das Schachkid bevorzugt wohl doch ein schönes Hotel mit etwas mehr  Erholungswert.

Über dem Turnier hing der drohende Schatten von Corona. Eine sich zuspitzende Infektionslage, erste verschärfte Maßnahmen noch während der Turnierwoche, mangelnde Schutzmaßnahmen beim Turnier, Coronatest und Quarantäne nach der Rückkehr nach Deutschland und viele Teilnehmer, die vorzeitig abreisten. Dieses diffuse Gefühl der Gefährdung und der Unsicherheit beeiträchtigt doch etwas die erhoffte Gefühl der Entspannung. Dem Gegenüber steht die Vorahnung des Schachkids und des Dr. Dave, bald für lange Zeit kein Schachturnier mehr spielen zu können. Zumindest das Schachkid ist froh, nochmal diese Schachwoche im September verleben zu dürfen.

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