27. August 2021

Innsbrucker Chessfestival – Olympisches

Heute wird es olympisch. Der dicke Doktor und das Schachkid besuchen die Bergisel Schanze. Diese ist eine Station der Vierschanzentournee. Hier fanden schon zweimal die olympischen Spiele statt. Wie die Ringe als auch die Schalen, in denen einst das olympische Feuer brandte, zeigen. Der Papst war 1988 auch schon da und hat eine Messe zelebriert. Diverse Popstars gaben sich hier die Klinke in die Hand.

Innsbruck liegt auf 577m Höhe. Die Schanze liegt auf einen Berg und ist 134m hoch. Der dicke Doktor und das Schachkid kraxeln etliche Höhenmeter in die Höhe. Der Aufzug wird links liegen gelassen und 174 Treppenstufen, mit vielen kleinen Pausen, werden bewältigt. Oben angekommen ist das Schachkid außer Atem, aber sehr stolz auf sich. Währen der durchtrainierte Doktor augenscheinlich weniger Mühen hat. Das muss man dem dicken Doktor lassen, stramm aber trainiert ist er.

Der Schanzenturm hält eine Aussichtsplattform und ein Cafe mit einer 360 Grad-Aussicht bereit. Hier wird geguckt und gespeist. Alles in allem muss man sagen, dass die Schanze wirklich beeindruckend ist. Ein Ausflugsziel, was unbedint zu empfehlen ist.

Im Hotel wird sich nun auf die Gegner vorbereitet. Der dicke Doktor studiert Eröffnungsvarianten, das Schachkid schläft.

Das Schachkid tritt ans Brett heran und ist überrascht. Die heutige Gegnerin ist blind und keine Unbekannte. Das Schachkid hat die Dame schon auf vielen Turnieren gesehen. Sie spielt gefühlt genauso viele Turniere mit wie das Schachkid. Die Schiedsrichgterin erkärt, was zu tun ist. Züge ansagen und deutlich reden. Die Gegnerin hat ein eigenes kleines Brett zum Ertasten der Stellung und ein Maschinchen, auf der sie die Züge mitschreibt und die Züge in Blindenschrift, die ertastet werden kann, ausgegeben werden.

Das Schachkid spielt nicht zum ersten Mal gegen einen blinden Menschen. Es ist immer wieder faszinierend, wie diese Spieler trotz Einschränkung das Brett und die Stellung wahr nehmen und jede taktische  Finte des Gegners „sehen“.

Die Gegnerin spielt Englisch, aber nicht so perfekt wie der Jugendliche einige Tage zuvor. Trotzdem fühlt sich das Schachkid etwas in der Sellung erdrückt, lässt diesmal aber h5 weg. Aber es ist erstmal nicht einfach, einen Plan zu finden. Schließlich wird die  gegnerische Dame zum Angriffsziel erklärt, die etwas unbeweglich ist und gefangen werden könnte. Weiß opfert unnötig mit 23. Sxe5 einen Bauern. Die Dame hätte durchaus frei kommen können. Mit 29. … Tf3 wird der Mattangriff gestartet. Letztlich verliert die Gegnerin auf Zeit. Was im Grunde schade ist. Es wird durchaus deutlich, dass das Ertasten der Stellung mehr Zeit in Anspruch nimmt als das Sehen. Vielleicht müsste man darüber nachdenken, eingeschränkten Menschen einen Zeitbonus einzuräumen.

Der dicke Doktor spielt heute gegen einen Franziskus Leopold, ein Nachwuchstalent aus Deutschland. Das Schachkid fragt sich immer, was sich die Eltern eigentlich denken, wenn sie ihre Kinder so benennen. Der Leopold hat bisher ein mieses Turnier gespielt und macht 100 Elo Miese. Gegen den dicken Doktor ist er aber motiviert und gewinnt. Das wird eine Strafprämie geben, zahlbar an den Trainer des dicken Doktors.

Noch schlimmer erwischt es den CM. Von einer Erkältung dahingerafft hält er sich mühevoll am Brett. Das Schachkid muss dreimal hingucken, als es den Gegner sieht. Selbiger sieht wie ein 10-jähriger aus, ist aber schon 13 Jahre und zudem schon FM. Offenbar ein französisches Talent. Der CM hat schon die Qualität weniger und bald ist die Partie auch aus.

Es regnet, es wird schnurtracks ins Hotel gefahren und das Hotelrestaurant ausprobiert, was wie alles an dem Hotel so la la ist. DIe vertrahlte Kellnerin ist wieder da. Diese hat schon am Mittwoch, als sie den dicken Doktor und das Schachkid zum Mittag bedient hat, nichts gehört und wirkte reichlich verpeilt. Was sie damit entschuldigte, dass das ihr erster Tag nach dem Wochenende sei und erstmal wieder rein kommen müsse. Sie reicht dem Schachkid die Karte und erklärt, die Gerichte auf Seite 1 könnten noch 5 Minuten bestellt werden. In dem Augenblick kommt der dicke Doktor. Aber auf die Idee, nach Getränken zu fragen oder eine zweite Karte zu reichen, kommt die Dame nicht.

Alsbald ist die Kellnerin wieder da  und guckt fordernd den dicken Doktor an. Zwei Minuten habe er noch, von Seite 1 zu bestellen. Der dicke Doktor lehnt ab und weicht auf Pizza aus. Die gibt es nämlich 30 Minuten länger. Die Kellnerin eilt hinfort und bringt sogleich eine lauwarme Vorsuppe, das Bier lässt auf sich warten. Immerhin, das Hotel hat beim Check-Inn Gutscheine ausgereicht, die in Limonchello umgewandelt werden können.

 

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