26. August 2021

Innsbrucker Chessfestival – Hotelterror Deluxe

Das Hotel ist wie eine Wundertüte, neu gebaut, aber man weiß nicht, was drinnen steckt. Der dicke Doktor schläft gerne lange aus und bestückt daher am Dienstag seine Zimmertür mit einem Schild „Nicht stören“. Das hält die Putzkraft nicht davon ab, um 9.00 Uhr ins Zimmer zu stürmen, besorgt den dicken Doktor zu wecken und sich zu erkundigen, ob es ihm gut gehe. Das findet der dicke Doktor gar nicht witzig. Die Putzfrau lässt sich nicht beirren und meint, sie müsse ins Zimmer, es könne ja was sein.

Am Mittwoch beugt der dicke Doktor vor, stellt sich den Wecker für 9.00 Uhr und begibt sicht um 9.30 Uhr in die Lobby. Wer nicht auftaucht, ist die Putzraft. Ist der Doktor ganz umsonst aufgestanden. Um 14.00 Uhr kehrt man ins Hotel zurück. Die Zimmer des CM und des Doktors sind gemacht. Das direkt daneben liegende Zimmer des Schachkids ist unberührt. So muss das Schachkid nach der Putzfrau und nach Handtüchern fanden. Die Putzfrau fragt auch ganz erstaunt, ob das Zimmer noch nicht gemacht sei. Da fragt sich das Schachkid, wer hier eigentlich im Hotel arbeitet.

Am Montag und Dienstag fängt sich das Schachkid jeweils einen Strafzettel a 25 € an, da es vor dem Hotel parkt. Auf dem Boden ist eine blaue Linie gemalt, es stehen andere Autos da. Offenbar benötigt man einen Parkschein. Dazu steht nirgends ein Schild. Dafür kann natürlich das Hotel nix. Das Hotel kann dann aber was dafür, wenn das Schachkid samt Auto vor der Tiefgarage steht und nicht hinein kommt. Das Schachkid hat nun Tiefgarage gebucht, aber keinen Ausweis zum Öffnen bekommen.

Ein Mitarbeiter kommt geeilt und öffnet. Dabei erwähnt der Mitarbeiter nebenbei, dass alle Buchungen um einen Tag verlängert wurden und im System vermerkt sei, dass man schon am Freitag angereist ist. Ursächlich ist der CM. Dieser bleibt eine Nacht länger und reist mit dem Zug zurück. Zwecks Verlängerung war er an der Rezeption. Dort verlängerte man ihm auch gleich um einen Monat. Dies wurde dann auf eine Nacht korrigiert. Dabei wurden offenbar auch der dicke Doktor und das Schachkid verlängert, die nicht verlängern wollen. Wie es zur Anreise am Freitag kam, wenn man erst Samstag da war, bleibt das Geheimnis des Hotels.

Zu wünschen übrig lässt auch das Frühstück. Um 8.15 Uhr erscheint das Schachkid und es ist nichts eingedeckt. Für 82 € je Nacht muss sich das Schachkid wie in einer Jugendherberge Teller und Besteck selber besorgen. Als später weitere Gäste kommen, ist der Kellner gnädig und deckt diesen ein. Am Montag weilte das Schachkid erst um 9.00 Uhr zum Frühstück. Bis um 10.00 Uhr ist das Frühstück offen. Um 9.15 Uhr fängt der Kellner an, die eingedeckten Tische abzuräumen. Da fühlt man sich als Gast, der noch da sitzt, herauskomplementiert.

Es fehlen den zweiten Tag im Folge Eier. Der Kellner hat offenbar das Buffet nicht im Blick. Bei der Marmelade fehlen Schälchen, wo man seine Marmelade einfüllen kann. Das Schachkid fragt danach. Der Kellner nickt und eilt in die Küche. Nach 30 Minuten sind immer noch keine Schälchen da. Für ein Haufen Geld, den man hier zahlt, eine schwache Leistung.

Umso lieblicher ist die Landschaft. Der dicke Doktor, der CM und das Schachkid bewegen sich von 577m Höhe auf den 2.344 hohen Hafelekar. Dank einer Seilbahn, die man in drei Etappen bewältigt, schafft man das in 30 Minuten. Es gibt natürlich auch einen Wanderweg. Leider ist es etwas neblig, aber wenn die Wolken mal aufbrechen, hat man einen wunderbaren Blick über die Nordkette und das Karwendelgebirge. Wirklich lohnenswert. Der CM und der dicke Doktor erklimmen noch den Gipfel incl. Gipfelkreuz. Dem Schachkid ist das mit seiner Höhenangst zu heikel und bleibt lieber auf  den sicheren Plateue. Kann man auf jeden Fall mal machen.

Der CM und der dicke Doktor sitzen wieder im Hotel und bereiten sich auf die Gegner vor. Das Schachkid sitzt auch wo, nämlich im Vinovarium und beguckt bei Wein und Jauseplatte das Gebirge.

Heute wieder ein Senior. Und wieder gewinnt das Schachkid nicht, wobei langsam ein Muster zu erkennen ist.

Nach einer langweiligen slawischen Eröffnung greift  das Schachkid entschlossen am Königsflügel an. Und steht alsbald besser. Die Engine bewertet die Stellung zwischenzeitlich mit -5 für das Schachkid. Allein das Schachkid  sieht nicht die taktischen Gewinnwege und wickelt in ein verlorenes Endspiel ab. Es wird offensichtlich, dass sich das durch viele Partien durchzieht.

Ähnlich wie beim dicken Doktor, dem laut eigener Aussage der letzte Pfiff  fehlt, aber immer noch mehr Pfiff als das Schachkid hat. Der dicke Doktor hat das Remis als Trend für sich erkannt und macht folgerichtig Remis gegen eine schwächere junge Dame. Damit kann der Doktor eigentlich nicht zufrieden sein.

Auch nicht rund lief es für den CM. Gesundheitlich etwas angeschlagen hat das möglicherweise auch Auswirkung auf die mentale Verfassung. Für seine Verhältnisse außergewöhnlich früh musste er die gegen einen stärkeren Gegner die Waffen strecken. Mit der bisherigen Bilanz kann der CM aber sicher zufrieden sein.

Das Turnier tut derweil alles, damit die Spieler nix  machen müssen. Die Homepage gibt kaum Informationen her. Am Mittwoch, den 25.8. wird eine kostenlose Stadtführung angeboten. Leider wird es weder angesagt noch ausgehangen. Das Schachkid sieht zufällig einen Flyer auf einem Stehtisch. Da ist es schon zu spät.

Am Samstag wird ein Blitzturnier angeboten. Möchte man dort kurzfristig mitspielen, zahlt man üppige 53,- € Startgeld. Zum Vergleich – ein beim Schachopen in Pardubice angebotenes Blitzturnier kostet bzgl. des Startgeldes 3 €, also glatte 50 € weniger. Da geht das Schachkid lieber zweimal schön in einem Restaurant essen.

Für Ärger sorgt auch eine Verlosung. Es werden unter allen Teilnehmern Bücher und Schachuhren verlost. Das ist erstmal schön, nur weiß davon keiner. Den Preis bekommt nur, wer da ist. Dummerweise wird nicht angesagt und auch keine Information ausgehangen, dass eine Verlorsung ist. So sind einige Spieler nicht pünktlich anwesend – bei einer großzügigen Karenzzeit von einer Stunde auch nicht verwunderlich. Das B-Open ist auf drei Räume aufgeteilt. Die Verlosung findet im Hauptsaal statt. In den beiden anderen Räumen sitzen die Spieler, wundern sich über fehlende Gegner und kriegen von der Verlosung nix mit. Der dicke Doktor und das Schachkid sind sich einig. Innsbruck kann man sich mal angucken. Das Turnier ist definitiv keine Empfehlung.

Das ficht das Schachkid nicht an. Mit dem Elektroroller geht es zum Spiellokal des dicken Doktors und des CMs. Und wird fast über den Haufen gefahen. Ein SUV nimmt den Schachkid die Vorfahrt, was eine Vollbremsung hinlegt. Ein Wunder, dass das Schachkid nicht vorne über fliegt. Der SUV fährt davon, das Schachkid nimmt mit 20 km/h die Verfolgung auf. Und hat Glück, der SUV parkt ein. Das Schachkid braust heran, klopft gegen die Seitenscheibe und stellt die blonde Fahrerin zur Rede und ermahnt selbige, sie müsse dringend vorsichtiger fahren.

Aber wie das Leben so spielt, war das wohl eine göttliche Fügung. Das Schachkid fährt nun einen anderen Weg zum Spiellokal, den es nicht kennt. Und kommt an einer Jesuitenkirche vorbei, die das Schachkid sonst nicht entdeckt hatte. Das Schachkid hält an und auch ein und betritt den sakralen Bau. Und ist erschlagen von all der Schönheit und der Pracht. Das Schachkid wundert  sich noch, wieso vereinzelt Leute in den Reihen sitzen, als es auch schon bimmelt. Offenbar startet gerade ein Gottestdienst, das Abendmahl um genau zu sein. Rausgehen ist jetzt blöd, also bleibt das Schachkid und feiert gewissermaßen das Abendmahl mit. Das Schachkid ist nicht religiös und kann daher  weder mitsingen, noch die Gebete sprechen. Der Gottesdienst folgt einen festen Ritus incl. Wein und Hostien. Zumindest diese spart sich das Schachkid. Der Gottesdienst ist auf seine Weise beeindruckend, wirkt entschleunigend. Das Schachkid kann durchaus verstehen, warum für viele Menschen Kirche und Glaube ein wichtiger Ankerpunkt im Leben sind. Und dieses Erlebnis hätte es ohne den Fastunfall mit den SUV nicht gegeben. Gottes Wege sind unergründlich.

 

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