25. August 2021

Innsbrucker Chessfestival – Möchtegerngegner und dumme Puten

Bergfest beim Turnier, die 5. Runde steht an. Der Doktor remisiert sich so durch das Turnier. Komme wer da wolle. Heute kommt ein junger Gegner, nicht mehr Knabe, noch nicht Mann, mit 1700 Elo und  null Punkten ziemlich traurig. Aber gegen den Doktor wehrt er sich, da kann er nix machen, der Doktor. Da muss der halbe Punkt abgegeben werden.

Für den CM scheint es ein sehr erfolgreiches Turnier zu werden, er haut einen FM nach dem anderen weg. Heute hat er einen dicken Brocken, einen sehr dicken FM. Und der CM weiß nicht, was er will. Das Schachkid isst im Foyer ein Fleichlaibl und ärgert sich über die Schiris. Diese pfeifen das Schachkid ständig zusammen, wenn es mit Ipad oder Handy da sitzt. Heute sitzen im Foyer massenhaft Leute, die am Handy daddeln. Da rennen die Schiris dran vorbei und sagen nix. Das findet das Schachkid schon frech.

Der CM jedenfalls erscheint beim Schachkid und erteilt Order, am Brett des CMs zu kommen, wenn der dicke Doktor fertig sei. Er könne dann aufgeben. Das Schachid tut wie geheißen. Wer nicht kommt, ist der CM. Der dicke Doktor erkundet im Turniersaal die Laage. Und kommt zurück  mit der Order, dem CM Wasser zu besorgen. Der hält die Leute auf Trab. Das Wunder geschieht dann offenbar. Der dicke FM taucht irgendwann schnaufend im Flur auf, holt sich ein Bier und flucht etwas vom schlechten Schach. Dahinter wackelt ein breit grinsender CM aus dem Turniersaal, der seine schlechte Stellung drehen und den Punkt verbuchen konnte.

Das Schachkid hat es dagegen mit einem Möchtegern zu tun, der glaubt, Ahnung vom Schach zu haben. Nach der Partie meinte er, das Schachkid hätte im 10. Zug eine Leichtfigur auf f6 gewinnen können. Die Engine sieht nur einen Bauerngewinn. Auch, so der Gegner weiter, stehe  er viel besser. Die Engine bewertet die Stellung des vorletzten Zuges mit +10 für das Schachkid.

Umso bitterer ist der Partieausgang. Das Schachkid probiert das Botwinik-Dreieck aus und greift an. Der gegnerische Läufer wird erobert. Der Gegner versucht nun seinerseits anzugreifen. Das Schachkid verteidigt und sieht sich, ganz im Tunnel gefangen, auf der Zielgeraden. Schnell zieht das Schachkid  zum finalen Schlag ohne großes Nachdenken. Und übersieht dabei ein einzügiges Matt. Das ist eine ganz bittere Niederlage, wenn man so eine Partie wegwirft und dann der Gegner  noch solche haarsträubenden Kommentare abgibt. Imerhin im schönen Schweizer Dialekt. „Eine dumme Pute ist der Gegner!“, wie der dicke Doktor zutreffend anmerkt.

Am Vormittag gibt es Kultur. Innsbruck hat eine sehr schöne Hofburg, die dem Kaiser oder der Kaiserin aus Wien wahlweise als Sommerresidenz oder auch mal als Rasthaus für eine Nacht auf Durchfahrt mit einem Gefolge von 200 Mann incl. Beichtvätern dienten. Der CM und der dicke Doktor kommen brav mit und wirken erleichert, den Kulturteil geschafft zu haben. Zur Belohnung gibts Likörchen, zumindest für das Schachkid.

Ein absoluter Fehlgriff ist die Elfriede. Diese dumme Pute ist kein Weibsbild, sondern ein Lokal, das merkwürdigerweise bei Google als Restaurant geführt wird. Offenbar gibt es dieses Etablissement noch nicht lange. Zuvor gab es ein legendäres 11er am gleichen Ort. Eine Nutzerin bewertet jedenfalls „Die Karte ähnelt eher der eines Seniorenstifts als einer Bar. “ Das kann das Schachkid nur bestätigen. Ausnahmsweise will das Schachkid mal Salat essen und dann gibt es keinen. Die Karte ist, vornehm ausgedrückt, übersichtlich. Ein paar kalte vegane Speisen, Wurstteller und Tapas – und das in einer Bar, die keine Tapasbar ist. Allein schon deshalb sollte man den Laden zur Rechenschaft ziehen. Das nervigste ist die Geräuschkulisse incl. der gackernden Puten vom Nebentisch. Dem CM und dem Doktor scheints zu schmecken. Dem Schachkid reichts, drückt dem Doktor Geld in die Hand und rollert davon an der Inn entlang. Nie war ruhige Natur erholsamer.

 

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