22. September 2020

Czech-Open in Pardubice – Tour der Erinnerungen

Im Hotel, das eigentlich eine Pension ist, sollen viele Japaner hausen. Die Herbergsmutter berichtet, und dabei oft „Yo“ sagt, dass diese aber ganz früh aufstehen würden, um 7.00 Uhr nur kurz beim Frühstück sind und dann nicht mehr gesehen werden. Tatsächlich sind diese auch quasi unsichtbar und nicht zu orten. Sind ja auch sehr klein, diese Japaner.

Das Czech-Open ist in diesem Jahr nicht wie gewohnt in der Eishockey-Arena, sondern im Ideon-Kongresszentrum. Am Morgen nach dem Frühstück wird erstmal tschechisches Geld besorgt. Die hiesige Sparkasse verlangt satte 5 € zum Geld abheben, da muss die Raifeisenbank gegenüber herhalten. Etwas teurer wird es für den Dr. Dave, der 440 € Startgeld berechnet bekommt. Das Schachkid versucht, dass Mißerständnis mit dem stornierten Hotel aufzuklären. Hat aber gewisse Schwierigkeiten mit dem Englischen, da das Schachkid ständig spanische Wörter einstreut und sich beim besten Willen nicht an das englische Vokabular erinnern kann. Offenbar sind diese nach  einigen Monaten Spanisch lernen aus dem Gedächtnis getilgt.

Nach der Anmeldung bekommt der Dr. Dave erst einmal einen kleinen Stadtrundgang verpasst. Das Schachkid war schon viermal da und erkennt doch so einiges wieder. Insbesondere etliche Locations, an denen das Schachkid mit Lucky und dem Schachwizard so einiges erlebt hat. Der Dr. Dave bekommt so einiges zu hören und ist alsbald ein bisschen genervt. Da muss er mit dem Schachkid noch einige Zeit herum reisen, ehe er auch so viele Schwänke erzählen kann.

Der Dr. Dave will nun seinerseits in Erinnerungen schwelgen und sich daher einen Kaufland suchen. Das Schachkid versucht es lieber mit der Taverna Europa auf dem zentralen Platz, zwei Bier und dem Essen. Bedauerlicherweise gab es einen Betreiberwechsel und der hat auch keine Knödel.

In Tschechien steigen die Corona-Zahlen stetig, was auch kein Wunder ist. Dem korrekten Deutschen, der sich in den letzten Monaten so einige neue Verhaltensweisen antrainiert hat, fällt sofort auf – die Maskenpflicht wird nicht sehr ernst genommen und ist praktisch nicht vorhanden. Abstände sind hierzulande  unbekannt. Selbst im Turniersaal stehen die Bretter dicht an dicht, kein Vergleich mit dem Schachopen in St. Veit. Der Dr. Dave und das Schachkid schauen sich die neuesten Infektionszahlen in Tschechien an. Das Schachkid beginnt zu überlegen, dass am Turnier auch viele Teilnehmer mitspielen, die ihrerseits aus Risikogebieten kommen. So langsam reift die Erkenntnis, ob es wirklich so schlau war, hierher zu kommen. Es spricht dann doch einiges dafür, dass Tschechien in zwei Tagen zum Risikogebiet erklärt wird und der Dr. Dave und das Schachkid nach der Rückreise 14 Tage in die Quarantäne dürfen. Ob man das zusammen macht, wird man bei einem Bier noch diskutieren müssen.

Der Wiedersehensfreude tut das keinen Abbruch, als das Schachkid vom dicken Jugendwart der Thüringer Schachjugend begrüßt wird. Der legt gleich los und berichtet empört, dass das Turnier zu einer sehr späten Uhrzeit anfange, was die Chancen am Abend vermindere, noch etwas Gescheites zu Essen zu bekommen. Da hat er recht, der gute Mann. Das ist ein echter Thüringer. Das Schachkid streut ein paar „Nuus“ und „Noos“ ein, um seinen Gesprächspartner zur Abgabe derselben Laute zu animieren. Der Dr. Dave guckt krampfhaft zur Seite und versucht so zu tun, als sitze er nur zufällig da.

Gleich in der ersten Runde geht es gegen ein einheimisches Kind. Der Kleine spielt die Eröffnung ganz passabel, macht dann aber doch ein paar Fehler, sodass das Schachkid keine Mühe hat. Da hat der Dr. Dave mit seinem jugendlichem FM schon mehr zu tun. Er gewinnt aber einen Bauern und lenkt später ins Remis. Nur an seinem Zeitmanagement muss er noch arbeiten.

Während der Runde begibt sich das Schachkid auf dem Balkon. Dort steht der Thüringer Jugendwart und wird von einem deutschen Mitbürger belegt, der sich über allerlei und sehr vieles sehr stark empört. Von so Typen ist das Schachkid immer sehr genervt. Das Schachkid hört sich eine Weile diesen Unsinn an und tritt sodann heran. Es merkt an, dass der gute Mann mal kurz seinen Redefluss unterbrechen müsse, da es den Jugendwart befragen wolle, wie er denn gespielt habe. Dieser hat tatsächlich gewonnen. Das Schachkid nimmt dies erfreut zur Kenntnis und wendet sich erneut an den Mann, dass dieser sich nun weiter empören könne.

Da kann man für den ersten Tag sehr zufrieden sein. Während der Dr. Dave noch denkt, begibt sich das Schachkid zu einer Thaimassage, die es hier wie so vieles zum Schnäppchenpreis gibt. Etwas Wellness für den vom ständigen herum Sitzen im Office geplagten Rücken tut selbigem gut.

Der Abend wird im Restaurant zum Hahn beschlossen. Dieses ist komplett leer, der Dr. Dave und das Schachkid sind die einizigen Gäste. Das Lokal sieht sehr edel aus. Wie der Dr. Dave zutreffend anmerkt, findet das Schachkid derartige Lokalitäten mit sicherem Instinkt. Ein Googlerezensent möchte den Koch am liebsten heiraten und glücklich „nach Hause rollen“. Knödel gibt es hier aber auch nicht. Der Rezensonist hat dennoch nicht zuviel versprochen – ein gelungener erster Urlaubstag.

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