24. September 2020

Czech Open in Pardubice – Bier forever

Die Pensionswirtin Hannah vermutet Schlimmes. Ob es dem Dr. Dave schlecht gehe. Denn dieser ist nicht beim Frühstück aufgetaucht. Das Schachkid erklärt wortreich in einem Mix aus Deutsch, Englisch und Spanisch, dass der Dr. Dave mal ausschlafen muss. Vermutlich liegt es an den Matratzen. Diese sind in der Pension nur ungefär 5cm dick. Das Bett ist richtig hart. Der Pensionswirtin ist das Banane. Darauf angesprochen erklärt sie, dass sei die mittlere Stufe. Echte Tschechen schlafen noch viel härter.

Überhaupt ein sehr geselliges Völkchen die Tschechen. Es gibt viele Bars, Cafes und Restaurants, wo man draußen sitzen kann. Und immer sitzen tschechische Männer davor und trinken Bier. Schon morgens um 8.30 Uhr. Kein Wunder, dass die alle so fertig aussehen, merkt der Dr. Dave an. Selbst die Schiris werden vom Dr. Dave und dem Schachkid gegen Mittag biertrinkend gesichtet. Besonders auffällig die Schiedsrichterin. Sie ist etwa Mitte zwanzig, sieht sehr gut aus und trägt zum Schachturnier stets sehr elegante Kleidung. Und plötzlich sitzt sie da und setzt einen halben Liter Bier zum Trinken an. In dem Augenblick verliert sie doch etwas von ihrem weiblichem Charme.

Das Schachkid hat es sich zur Aufgabe gemacht, nach der ersten Thaimassage auch die anderen Massagecenter zu testen. Da hat das Schachkid eine kleine Marotte. Zum ersten Center gelatscht – man muss einen Termin ausmachen. Wird erledigt für Donnerstag. Zum zweiten Center hingelaufen, kein Mensch öffnet. Das dritte Center existiert nicht mehr. Von dem vielen Gelaufe ist das Schachkid völlig erledigt und muss rasten.

Der dicke Dr. Dave hat das Problem nicht und versucht, sich auf seinen Gegner vorzubereiten. Sein Trainer gibt weise Ratschläge. Er solle kein Caro-Kann spielen. Und ansonsten sieht der Trainer, ein gewisser Schachwizard, für den Dr. Dave sowieso schwarz. Er sollte recht behalten.

Dem Schachkid ist das nix, dieses stundenlange Vorbereiten, Das Schachkid passt sich lieber den lokalen Gegebenheiten an und hat schon zum Mittag Essen einen Liter Bier weg. Aber danach eine Siesta und man kann am Nachmittag beschwingt Schach spielen. Der Dr. Dave kommt hinzu und trinkt mit. Aber immer noch gibt es keine Knödel.

Nach dem Essen eilt der Dr. Dave schon wieder zurück ins Hotel. Er müsse dringend noch ein paar Varianten checken. Das Schachkid checkt lieber den Antikladen gegenüber der Kneipe und ist überhaupt der Meinung, dass dieser ganze Stress mit der Vorbereitung nur eins ist, Stress. Das Schachkid hat dem Dr. Dave schon Entspannungsmethoden nahe gelegt.

Im Antikladen fällt dem Schachkid sogleich ein Buchregal ins Auge. Dutzende Bücher über Schach aus dem Sportverlag der DDR stehen da, in deutscher Sprache. Darüber ein Regal mit russischen Schachbüchern. Ganz oben tront ein Schachspiel mit wunderschönen Figuren. Der Läufer ist zum Beispiel eine Raubkatze. Aus der Republik Kongo sei das, mein der Verkäufer. Das Schachkid nimmt es für 50 € mit und schleppt es mit Mühe in die Pension, ist sehr schwer das Teil. Der Dr. Dave ist mäßig begeistert.

Schachlich läuft es heute nicht. Das Schachkid muss gegen eine 13-jährige Trulla ran.

Diese wird beim Schachkid schon im 6. Zug aus der Theorie geworfen und guckt anschließend bei jeden Zug 10 Minuten in der Luft umher. Das geht dem Schachkid schon auf dem Keks. Im Mittelspiel macht sie auch komische Sachen und versucht einen mehr als unlogischen Königsangriff. Für 20 Züge hat sie nur noch 3 Minuten. Das Schachkid ist sehr optimistisch, dass sie in der Kürze der Zeit einen Fehler macht. Leider macht diesen dann das Schachkid. Die Trulla spielt 20 Züge dank 30 Sekunden inkrement rasant herunter, während sich das Schachkid mit einer Stunde Zeit auf der Uhr 22. … e5 gefolgt vom weißen f6 leistet. Der Rest der Partie ist ein Trauerspiel.

Beim Dr. Dave sieht es nicht viel besser aus. Nach dem pflegeleichten FM vom Vortag hat er heute einen 18-jährigen Gegner. Der macht kurzen Prozess. Der Dr. Dave spielt entgegen der Anweisung seines Trainers doch Caro-Kann. Der Gegner kann das, opfert eine Figur und mischt den gegnerischen Königsflügel auf. Da ist der Dr. Dave schnell fertig heute.

Dies ist jeoch kein Grund, sich dem Bier zu verweigern. Endlich wird eine Kneipe gefunden, die Knöel vorrätig hat. Man sitzt zwar draußen in der Dunkelheit und sieht weder die Speisekarte noch das Bier noch das Essen. Das Gesamtpaket passt jedoch. Insofern ein akzepzabler Urlaubstag.

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