24. September 2020

Czech Open in Pardubice – Spielen im Risikogebiet

Nun ist es amtlich. Der Dr. Dave und das Schachkid urlauben in einem Risikogebiet. Jedenfalls hat am Abend das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für Tschechien heraus gegeben. Aus deutscher Sicht ist es auch kaum verwunderlich, dass die Infektionszahlen rasant steigen. Die Schutzmaßnahmen des Turnieres sind eher abschreckend. Eine einzige kleine Flasche mit Desinfektionsmittel steht im Foyer für 220 Spieler herum. Bim Verlassen des Brettes müssen Masken getragen werden. Die meisten Spieler betrachten das eher als Empfehlung und lassen es sein. Selbst die Schiedsrichter tragen nicht immer Maske.

Acht Personen werden an einem Spieltisch platziert und sitzen aufeinander dicht an dicht. Neben dem Spielsaal existieren zwei weitere große Säle, die komplett leer stehen. Es wäre ein leichtes, dort Tische und Stühle unterzubringen, sodass  man zwischen den Spielern Abstand wahren würde.

Als erfahrener Krisenmanager wendet sich das Schachkid gleich nach der heutigen Partie  an den Veranstalter und sendet diesen eine Email, um auf diese Mißstände hinzuweisen.

Nach der Rückkehr nach Deutchland ist dann erstmal Quarantäne angesagt. Die Rückkehr muss dem lokalen Gesundheitsamt gemeldet werden, sonst drohen hohe Bußgelder. Da haben der Dr. Dave und das Schachkid am nächsten Tag einiges zu tun. Termine müssen verlegt werden, der Arbeitgeber benachrichtigt und der Einkauf online erledigt werden.

Aber erstmal nutzt das Schachkid das scböne Herbstwetter und setzt sich in einem Park, um in der Sonne etwas zu lesen. Wenn man dafür mehrere Stunden Zeit und Muße hat, dann ist Urlaub angesagt. Schade, dass man diese Ruhe nicht oft im Alltag findet. Der Dr. Dave dagegen schläft schon wieder.

Zeit, um die hiesigen Buchläden zu erkunden. Die riesige Filiale von Betonland, einer tschechischen Musikladenkette, hat sich in eine Art Kiosk verwandelt. Tonträger verkaufen sich offenbar nicht mehr gut. Die Tschechen scheinen ein Faible für Diktatoren zu haben. In den Buchläden stehen reihenweise reich bebilderte Bücher über Stalin und Hitler.

Zeit für  Mittag essen und dem täglichen Bier, das uns heute gegeben wird. Dummerweise kommt eine Weintaverne dazwischen, wo es spanischen Vino Tinto für einen sagenhaften Euro gibt. Den muss das Schachkid einschieben und bestellt „Kuce“ dazu. Das Schachkid hofft auf Käse und bekommt gesalzene Erdnüsse serviert. Offenbar sind die Sprachähnlichkeiten zwischen Deutsch und Tschechisch doch eher difizil.

Der dicke Dr. Dave gibt vor, sich vorzubereiten, spielt im Internet aber heimlich Blitzschach.  Dennoch holt er einen Punkt, Dank „seiner Vorbereitung“, sagt er später. Er schleppt in seinen Köfferchen tatsächlich ein komplettes Schachspiel und 4 dicke Schachbücher mit. Das Schachkid fragt sich, wie er das alles in sein Köfferchen bekommen hat. Das Schachkid reist mit einem Schrankkoffer und weiteren zwei Gepäckstücken.

Der Dr. Dave gewinnt in der Eröffnung einen Bauern und muss dann wieder stundenlang das Turmendspiel kneten, bis  er endlich den Punkt hat. Zahlreiche verlorene Endspiele gegen den Schachwizard würden sich nun endlich bezahlt machen wegen des Lerneffektes. Da hat das Schachkid schon zwei Stunden Siesta gemacht.

Das Schachkid muss nicht auf Endspiele hoffen. Es spekuliert einfach mangels anderer Ideen darauf, dass der Gegner nach dem Läuferturm auf d5 stellt. Der Gegner schielt schon lange auf das Feld. Das Schachkid pflückt dann auch freudig den Turm heraus, der Gegner kann wegen Grundreihenmatt nicht wiedernehmen und ist untröstlich. Schadensfreude ist unangebracht, sowas passiert dem Schachkid auch in schöner Regelmäßigkeit. Das Schachkid rät dem Gegner zum Trinken eines Bieres, dann sei die Welt in Ordnung. Der Gegner bedankt sich artig für den Ratschlag und zieht von dannen.

Das Czech-Open wird vom Nachwuchs zur Erprobung des Kampfes genutzt. Es ist unfassbar. Ganz vorne spielt ein 14-jähriger IM aus den Niederlanden mit 2485 Elo mit. Am Brett 6 spielt ein tschechischer FM mit 2344  Elo mit. Er ist zarte 10 Jahre alt! Erfreulicherweise ist das Czech Open sehr entspannt. Man kann nahe ran an die Bretter, die GMs spielen nicht auf einer Bühne. Man kann ohne Scheu zuschauen.

Abends noch mal Knödel und Bier, am nächsten Tag wird bestimmt gefastet!

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