27. Juli 2021

Czech Open in Pardubice – Dicke Großmeister und ungeplante Verluste

Sonntag, der erste und einzige Tag mit einer Doppelrunde steht an. Draußen sind es 30 Grad, im Spielsaal auch. Mit Klimaanlage spielen dürfen nur das A- und B-Open.

Zuerst wartet ein junger Tscheche, der höchst angeespannt drein schaut. Das Schachkid versucht mit ihm englisch zu reden, versteht aber nur Spanisch im warsten Sinne des Wortes. Das Schachkid ist so im Spanischtraining, dass ihm die einfachsten englischen Worte nicht einfallen. Der Tscheche kommt aus Prag und arbeitet in Pardubice. Das ist mal eine Pendlerstrecke.

Hoffnung am Nebenbrett. Der Gegner kommt nicht – eine Stunde Karenzzeit. 10 Minuten vor Blättchenfall kommt ein junger Tscheche angerannt. Er hat augenscheinlich eine kurze Nacht hinter sich und sieht genauso fertig aus wie der Schachwizard in seinen besten Tagen. er fängt an zu Blitzen und versucht, am Brett zu meditieren. Hilft nix, nach zwei Stunden lässt er die Dame stehen. Ein Schauspiel vor dem Herrn.

Die ganze Partie steht es ausgeglichen. Das Schachkid ist schon ganz verzeifelt, weil es keinen Angriffspunkt und Gewinnplan sieht. Dann mit 38. Se1 ein Fehler des Schachkids. Der Springer soll zum Damenflügel. Das nutzt der Tscheche gnadenlos aus und gewinnt erst einen Bauern. Genau genommen nimmt ihn das Schachkid nicht, da der weiße König das Einzugsfeld hält. Da hat das Schachkid aber die Rechnung ohne den Tschechen gemacht, der das gnadenlos ausnutzt und ein hüsches Matt zaubert.

„I was shocked, that you not played 1. e4“. Es stellt sich raus, dass sich der Tscheche in der Nacht drei Stunden lang auf das Schachkid vorbereitet hat. Drei Stunden hat sich der Tscheche mit dem Grand-Prix-Angriff beschäftigt. Zu blöd, dass das Schachkid 1.c4 seit kurzer Zeit spielt. Der Tscheche mit seiner 1100 Elo hat kurz vor der Pandemie mit Schach angefangen, nur ein Turnier gespielt und dann den Lockdown zum Traning genutzt, was seinen spielerischen Fähigkeiten offenbar gut getan hat. Elozahlen sind hier offenbar nur Schall und Rauch.

Das Hotel, das hat das Schachkid so noch nicht gesehen, bietet einen HD-Fernseher samt den Streamingdiensten Netflix und Amazon Prime an. Zur Ablenkung kann die geliebte Serie Lucifer geschaut werden. Die vorherigen Bewohner des Hotelzimmers haben sich nicht aus den Streamingdiensten ausgeloggt. Da schaut das Schachkid gleich mal, was diese so geschaut haben. Mainstream, nur Mainstrem, so scheint es.

Nach einem kühlen Bierchen trifft das Schachkid auf eine junge, sehr ernst schauende Polin. Das Mädel ist 12, guckt aber, als trage sie all das Leid der Welt auf ihren Schultern.

Die Polin spielt ein sehr merkwürdiges Caro-Kann. Das Schachkid kann das aber nicht recht ausnutzen. Es tauscht sich alles ab. Das Schachkid weiß nicht recht, was es sich gedacht hat, als es sich mit 13. …  fg einen Problembauer auf e6 schafft. Gott sei Dank tauscht die Polin gleich den Springer auf d5 ab, sodass der Bauer wieder verschwindet.  Im Endspiel steht die weiße Dame abseits. Aber auch das lässt sich nicht so richtig ausnutzen. Schließlich wird nicht schön, aber ganz banal gewonnen. Ein entfernter Freibauer wird gebildet und aus die Maus.

Das Schachkid geht mal gucken, was das A-Turnier so macht. Auch die ertsen Bretter hocken relativ zusammengepfercht am Tisch und haben wenig Platz. Das scheint auch GM Nisipeanu nicht zu behagen. Er tigert im Hintergrund herum und „macht Strecke“. Er hat tatsächlich einen beeindruckenden langen Pferdeschwanz, aber auch reichlich Übergewicht. Er sieht ein bisschen aus wie einer dieser alternden Rockstars, die auf der Bühne stehen und mit langen Haaren krampfhaft jung wirken wollen. Sonst scheint nicht viel Prominienz da zu sein. Das Schachkid sichtet noch Roven Vogel, der gerade sehr konzentriert schaut.

Das Schachkid wollte diese Woche keinen Alkohol trinken und sinniert daher bei einem kühlen Bier, das mit 1,5 aus 3 Punkten  bei den Gegnern die Leistung eher suboptimal ist. In 6 Runden kann allerdings auch noch viel passieren.

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