26. Juli 2021

Czech Open in Pardubice – Rasende Anreise

Das Schachkid muss eine Woche arbeiten und fasst sogleich das nächste Open ins Auge. Geplant war, mit dem dicken Doktor das Bamberger Open zu spielen. Zeitgleich findet in Pardubice das übliche Sommeropen statt. Nicht mit 1.000 Teilnehmern in der Eishockeyarena wie vor der Pandemie, aber immerhin. Man ist froh, überhaupt wieder spielen zu können.

In Bayern sind die Behörden strenger als anderswo in Deutschland. Das Turnier wird auf 212 Teilnehmer begrenzt. Eine FFP2-Maske am Brett ist Pflicht, die übliche medizinische Maske reicht nicht. Darauf hat das Schachkid keine Lust. Natürlich ist eine FFP2-Maske zumutbar. Aber das Ausland tut sich leichter. Es ist schön, die Pandemie mal für eine gefühlte Weile hinter sich zu lassen.

In Pardubice gibt es ein A-, B- und C-Open. Der dicke CM, des Schachkids Trainer rät zum B-Open. Das Schachkid pfeift wie immer auf den Rat des Trainers und meldet sich für das C-Open an. An Nr. 14 gesetzt muss der Turniersieg möglich sein. Diese Illusion wird wie jedes Jahr schon in der 1. Runde zerfetzt.

Für die Einreise nach Tschechien muss man ein Formular ausfüllen. Ein Impfpass oder ein tagesaktueller Test sind Pflicht. Zumindest in der Theorie. An der Grenze sind keine Kontrollen zu sehen. Bei der Turnieranmeldung kreuzt das Schachkid „geimpft“ an, muss aber nix vorzeigen. Auch das Hotel und Restaurants sind nicht daran interessiert, etwas zu sehen und fragen nicht nach.

In gewohnter Weise kommt das Schachkid kurz vor Anmeldeschluss an. Stau auf der Autobahn, am Vortag wurde noch Skat gespielt. Das Schachkid gibt Gas und tankt aus Kostengründen an der ersten Tankstelle nach der Grenze. Dummerweise haben alle anderen Deutschen auch diese Idee. Und blockieren erstmal die Tapfsäule, um auf Toilette zu gehen und Kaffee und sonstige Dinge zu kaufen. Das Schachkid hat Mühe, den Fahrer des Autos vor ihm an der Zapfsäule nicht zu suchen und zu selbiger zu zerren. Konsequentes Gasgeben auf der Autobahn holt Zeit raus und etwas abgehetzt ist das Schachkid da.

Das A- und B-Open finden im klimatisierten Saal statt. Dafür hocken die Spieler ohne jeglichen Abstand an 4er-Tischen.

Selbst für die ersten Bretter des A-Opens gibt es keine Extrawurst. Keine Tribüne oder extra Tische, die GMs sitzen im Fussvolk.

Das C-Open wurde in einen separaten Saal ins Erdgeschoss verbannt. Da muss das Schachkid keine Treppen steigen und freut sich. Kaffee gibt es im großen Saal. Also doch wieder Treppen steigen. Der Saal des C-Opens kommt bei 30 Grad Außentemperatur ohne Klimaanlage aus und begnügt sich mit zwei Fenstern zum Lüften. Was offenbar nicht reicht, wie die stickige und warme Luft nach zwei Stunden Spiel beweist. Dafür sitzt man nur an 2er Tischen. Masken sind eher eine Empfehlung, müssen aber von Besuchern getragen werden. Das Schachkid vertraut dem Impfschutz.

Es spielt ein Rollstuhlfahrer mit. Dieser hat keinen festen Tisch mit viel Platz, wie man es von deutschen Schachopen kennt. Er wird jede Runde neu ausgelost. Und muss  sich dann zu seinen Platz manövrieren und den dort stehenden Stuhl irgendwie weg bugsieren.

Das Hotel ist immerhin nur 300m vom Spiellokal weg und kann mit einer gut ausgestatten Minibar aufwarten, die das Schachkid am Abend auch gleich plündert. Eine Seltenheit heutzutage. Das Schachkid bricht eine Lanze für die Minibar in Hotelzimmern, die es leider immer seltener gibt.

Gleich in der ersten Runde freut sich das Schachkid auf  einen schnellen Arbeitssieg. Der Gegner sieht das anders. Der 13jährige Ukrainer trägt Muskelshirt und sieht  auch so muskulös aus. Schwarze Maske und ein Fitnessring, mit dem er während der Partie ständig in der Hand pumpt.

Der kleine Muskelprotz geht aggressiv zu Werke und entwickelt sich schnell. Mit … 15. Dd5 hätte das Schachkid den Sack schnell zumachen können und auf f3 nach Leichtfigurentausch einen Bauern gewinnen können. Stattdessen kriegt es das Schachkid fertig, bald eine Stellung mit +8 zu haben, auf der schwarzen Seite wohlgemerkt. Weiß kann sich in der c-Linie festsetzen und paltziert im schwarzen Lager einen sehr ekligen Springer. Nach 28. Sxd5 ist ein Bauer weg. Das Schachkid gibt noch einen Läufer hinterher. Der erhoffte Doppelangriff und der Rückgewinn der Figur klappt nicht.

Das Schachkid hat jetzt keine Lust mehr, könnte aufgeben, will das dem Ukrainer aber nicht gönnen und spielt daher lustlos und zügig weiter. Das Schachkid hat eine Idee, die eigentlich nicht geht und will den weißen Läufer abklemmen. Der Gegner lässt sich vom schnellen Spiel mitreißen, spielt Nonsens und schafft es, die Stellung mit 37. Kg2 auszugleichen. Der weiße Läufer ist ein großer Bauer und spielt nicht mehr mit. Das Schachkid macht sich auf, Bauern zu gewinnen, wählt aber mit 41. … h5+ die falsche Strategie und steht mit +5 gleich wieder schlecht.

Das ficht den Ukrainer nicht an. Der wird leicht panisch und nervös, schnauft mehrfach durch und ruft „Draw?“ ohne einen Zug zu machen. Da denkt das Schachkid nicht lange nach und schlägt ein und gönnt sich auf diesen Schrecken erstmal ein Bier (siehe Beitragsbild).  Später im Hotel schwankt das Bett. Der zum Telefonsupport zugeschaltete Schachwizard kann keine hilfreichen Ratschläge geben. Da hilft nur Augen zu und hoffen auf den nächsten Tag.

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