28. Dezember 2021

Bremer Silvesteropen – Pinkel in der Tapasbar

Man muss es loben – was für ein krasser Gegensatz zu Heidelberg, dem letzten Open. Die Spielbedingungen und die Organsation ist ziemlich perfekt. Im Spielsaal hat man Platz, jeder Spieler hat seinen eigenen Tisch. Man muss nicht stundenlang anstehen, um sich zu registrieren. Alle angemeldeten Spieler werden einfach ausgelost. Und es gibt tatsächlich keine Leerpartien. Die Auslosung steht online als auch an einer Wand. Jede Runde geht pünktlich los.

In der ersten Runde bekommt das Schachkid den Hamburger Robert Engel. Beim Namen Engel klingelt was, Robert ist der Zwillingsbruder von GM Louis Engel. Der hier spielende Bruder hatte offenbar nicht die ganz großen schachlichen Ambitionne. Gleichwohl hat er mehr als 2100 Elo und ist damit ein staker Spieler, erst recht mit seinen jungen 18 Jahren.

Zur Partie wird ein Edelwasser getrunken. Das Schachkid ersteht für stolze 6,50 € eine Flasche Selters an der Hotelbar. Morgen gibts Wasser aus dem Rewe. Nach 4. Lg2 investertiert er eine halbe Stunde Bedenkzeit und zaubert d5 hervor. Das Schachkid wird ganz schön in die Enge getrieben und nach 12 Zügen ist die Stellung desolat. Ein schwarzer Bauer auf d3, ein Doppelbauer auf der a-Linie, ein unrochierter König muss nach f1 und sperrt den Turm ein. Das muss sich das Schachkid nun wirklich nicht zeigen lassen und nimmt sich lieber Zeit für eine Statdbesichtigung.

Der dicke Doktor hat eine 1300 als Gegner und hoffte wohl auf raschen Gewinn. Der Gegner ist jedoch zäh und währt sich nach Leibeskräften. Der dicke Doktor, ohnehin nach einem feuchten Unfall körperlich dahingerafft und gehandicapt, ist nach der Partie und dem eingefahrenen Punkt völlig erschöpft.

Das Schachkid macht sich  auf den Weg in die Stadt, um sich den Dom anzuschauen, kommt aber nur bis zur nächsten Tapasbar. Die überraschenderweise Pinkel, ein typisches sehr leckeres norddeutsches Grünkohlgericht, serviert. Überaus köstlich, der dicke Doktor taucht alsbald mit Elisa auf. Nicht der Schneekönigin, sondern der Berlinerin, was eine nette Runde ergibt.

Dann aber zum Dom. Bremen hat eine hübsche und sehr sehenswerte Innenstadt. Aber Kirchen können sie nicht. Die Gegend ist evangelisch und die Kirchen kommen immer sehr schlicht daher. Selbst der Dom bietet nur einen Weihnachtsstern, viel Platz und bunte Fenster. Da lobt sich das Schachkid die prächtigen Kirchen beim Innsbrucker Schachfestival.

Im Zimmer angekommen ist dieses nicht aufgeräumt. Die Rezeption erklärt dem verblüfften Schachkid, aus hygienichen Gründen gäbe es keine Zimmerreinigung. Das Schachkid hat sich extra den billigen Tarif gespart, wo es keine Zimmerreinigung gibt. Und legt in einem 4+ Sternehotel durchaus Wert auf eine Zimmerreinigung. Sonst hätte das Schachkid ja auch in die Jugendherberge gehen können.

Frisch gstärkt geht in die 2. Runde. Der dicke Doktor hat sich für einen FM qualifiziert, der offenbar schon bessere Zeiten gesehen hat. Gerade so über 2200 Elo beschäftigt er den dicken Doktor vier Stunden lang. Der Doktor kann ein Remis herausschlagen. Eine beeindruckende Leistung dafür, dass er gehandicapt ist, noch kein Bier  hatte und unmotiviert ist. Das Schachkid hat sich schon zum Frühstück zur Belebung des Kreislaufes ein Gläschen Prosecco und zum Mittag ein viertelchen spanischen Rotwein gegönnt.

Dafür bekommt das Schachkid nun einen Gegner ohne DWZ. Der Mann ist kein Anfänger, hat aber seit 10 Jahren in keinem Verein mehr gespielt. Muss er ausgerechnet beim Schachkid seine Leidenschaft neu entdecken. Es wird dann auch eine fünfstündige Partie mit  71 Zügen. Das Schachkid hat Remisverbot vom Trainer bekommen und kämpft daher die Partie aus. Das Caro-Kann gerät etwas unkonventionell. Aber das Schachkid erspielt sich eine Stellung mit einer Bewertung von -8. Die Verwertung misslingt.

Mit 18. … Sxc3 hätte es sich das Schachkid leichter machen können. Aber ein starker Springer im Zentrum ist ja auch was wert, Frei nach GM Thomas Luther muss Schwarz  den Weißen im Caro-Kann kommen lassen. Der kommt auch und geht dabei Risiken ein. Weg ist die weiße Qualität. Die gibt das Schachkid in 32. … Txf4 wieder her, um Matt zu setzen. Dummerwei0e deckt die weiße Dame das Feld c1, was das Schachkid nicht gesehen hat. So wird es noch eine lange Partie. Aber Weiß wird zu gierig, und gönnt sich mit 57. Txa5 einen Bauern. Das Schachkid gönnt sich nun den gegnerischen Turm. Echte Gegner würden nun aufgeben. Das Schachkid hat keine Ahnung, was sich Weiß nun noch ausrechnet und weiterspielt.

Nach den eingefahrenen Punkt wird der dicke Doktor kontaktiert, der frecherweise schon Essen gesucht hat und dem Schachkid um die Ohren haut, es solle sich selber was zu Essen suchen. Dazu hat der dicke Doktor noch die Chupze, dem Schachkid Nüsschen als Abendmahlzeit zu präsentieren.

Noch befremdlicher ist die Dame an der Hotelbar. Die auf Anfrage des Schachkids um kurz vor 21.00 Uhr mitteilt, die Küche sei schon lange zu und Essen gäbe es keines mehr. Um dann um 22.10 Uhr anderen Gästen drei riesige Essensplatten zu servieren. Das gibt eine Beschwerdemail an das Hotel und kein Trinkgeld. den Mai Tai gibt es mangels Zutaten auch nicht, was ist das nur für eine Bar…

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