23. August 2021

5. Innsbrucker Schachfestival – Das Schachkid ist unzufrieden

Das Schachkid ist unzufrieden. Mit den Rahmenbedingungen und überhaupt. Die  diversen Opendes  5. Innsbrucker Schachfestivals verteilen sich über drei verschiene Spielorte. Laut Ausschreibung sollten das A- und B Open im Congresszentrum stattfinden. Das wurde aufgetrennt. Das Schachkid wandelt jetzt durch das „Haus der Begnung“, während der dicke Doktor und der CM 500m weit weg im Congresscentrum sitzen. Wenn das Schachkid hätte allein ein Schachopen spielen wollen, wäre das Schachkid woanders hingereist, so war das nicht geplant.

Das Hotel ist 2,5 km vom Spielort weg. Das ständige Gefahre und Gelaufe geht dem Schachkid auch auf die Nerven. Zumal kostenlose Parkplätze Mangelware sind und die Tiefgarage am Spielort gleich mit 15 € pro Tag zu Buche schlägt.

Das neu erbaute Hotel bekleckert sich auch nicht gerade mit Ruhm. Das Schachkid hat drei Zimmer gebucht, es stehen nur zwei Zimmer bereit. Der Empfang sucht das dritte Zimmer heraus. Das Schachkid hat Zimmer mit Doppelbett bestellt. Es gibt ein Zimmer mit Einzelbetten. Das Schachkid dekoriert noch in der Nacht um und schiebt die Betten zusammen. Das Schachkid fragt  am Empfang, ob das Zimmer zur Strasse raus ist. Der Empfang verneint. Das Schachkid öffnet die Gardine des Fensters und erblickt die Strasse. Da fühlt sich das Schachkid vereimert und geht erneut zum Empfang. Man könne kein Zimmer tauschen, man rufe das Schachkid zurück. 48h später wartet das Schachkid immer noch auf das Telefonat.

Schließlich beim Schachopen angekommen denkt sich das Schachkid, dass man für stolze 88 € erwarten könne, dass ein Schachopen pünktlich losgeht. Um 16.00 Uhr ist Rundenstart geplant. Um 17.15 Uhr geht es dann los. Nicht erschienene Spieler seien der Grund.  Warum wird dann eigentlich eine Anwesenheitskontrolle gemacht, wenn dann doch nach nicht anwesendenden Spieler gefahndet wird? Acht anwesende Spieler werden dann dafür im B-Open nicht ausgelost, die werden händisch nachgepaart.

Bis jetzt ganz klar keine Empfehlung – dieses Innbsrucker Schachfestival. Immerhin, im Spiellokal gibt es ein Cafe, wogegen der dicke Doktor und der CM auf dem Trocknen sitzen, aber musikalisch mit einer singenden Dame am Keyboard unterhalten werden.

Das Schachkid spielt gegen einen bayrischen Doktor, einen 71jährigen Senior, der sehr nett ist. Er war schon mehrfach da und erzählt begeistert von seinen Bergwanderungen. Und ist nach der Partie ganz fröhlich und stolz, dass er so eine Krauteröffnung gespielt hat. Da habe man was zum Nachdenken.

Während der Partie tutet ein Handy. Der Schiri läuft durch den Spielsaal, kann das Geräusch nicht lokalisieren. Nach 10 Minuten piept es erneut. Der Schiri ruft in den Raum, jeder solle sein Handy checken, er habe spitze Ohren und werde es finden. 10 Minuten später erneutes Piepen. Die im Nachdenken versunkenen Spieler schrecken hoch, als der Schiri laut „Atencion“ ruft und einen Vortrag hält, dass man das Handy ausschalten müsse. 10 Minuten später ein erneutes Tuten – der Schiri stellt sich einen Senior in den Weg, der an einem Brett zuguckt, und beschlagnahmt dessen Herrentäschchen. In dem aber kein Handy ist. 15 Minuten später – es klingelt am Brett 12. Daneben steht der Senior, der gespannt einer Partie zuschaut. Und das Klingeln in der Hosentasche nicht bemerkt. Der Schiri mit den spitzen Ohren richt nun Lunte und komplementiert den Senor mit großen Gesten aus dem Raum. Für eingeweihte Leser – dieser Schiri war dem Prager  Schiri (Wilkin!) nicht unähnlich.

Es ist ein merkwürdiger Mix aus Englisch und irgendwas. Beide Seiten bilden einen Freibauern, das Schachkid auf der a-Linie, der Doktor auf der c-Linie. Nun versucht man, diesen zu blockieren oder voran zu bringen. Der Gegner schauft höhrbar durch, das Schachkid bietet probehalber mal Remis an, was der Gegner auch sofort annimmt. Das Schachkid ist der Auffassung, dass der a-Bauer nicht durchzukriegen ist und fallen wird. Die Engine hält die Stellung für ausgeglichen. Der Gegner drückt es treffend aus: „Ein Remis in der ersten Runde ist für beide Seiten gut.“

Erfreulicherweise lief die Anreise gut. Das Schachkid fragt sich erneut, warum es in Bamberg als Zwischenstation in dem lauten Ibis Hotel schläft, dass für 82 € je Nacht ein Frühstück auf dem Niveau einer Jugendherberge zaubert. Der CM jammert über das harte Sofa des Doktors, hat dafür aber einen ganzen Kühlschrank in der Nähe. Der dicke Doktor bietet derweil erhebliche kulinarische  Genüsse, reicht zur Vorspeise eine Rauchpeitsche, setzt mit einem fränkischen Kartoffelauflauf mit einer Knackernote fort und kredenzt zum Abschluss Eis nebst Einerlikör. Zur Speise wird ein Schlenkerla gereicht. Da sagt das Schachkid nicht nein ob dieses kulinarischen gastronomischen bisher unbekannten Services und futtert drei Teller weg.

Am ersten Turniertag sind der dicke Doktor und der CM schnell fertig – die Gegner sind ein ordentliches Kaliber. Sodass am Abend was zu Essen gesucht und mit dem Stiftskeller auch was mit Bier gefunden wird. Der Kellner ist ziemlich fesch, in Lederhose und könnte einem Modelkatalog entsprungen sein. Das Schachkid will ihn mitnehmen. Der dicke Doktor gibt zu bedenken, dass im Hotel zu wenig Platz sei und man dann den CM da lassen müsse. Das fände das Schachkid jetzt nicht schädlich, aber nun ja…

Der Kellner will Nachweise sehen. Der Turnierausweis mit angekreuzten „Geimpft“ reicht nicht.  Der dicke Doktor hat alles im Hotel liegen. Ein Notfallplan wird geschmiedet, das Schachkid ist ja ausgebildeter Krisenmanager. Der CM wird beauftragt, den Tisch zu hüten. Mit dem dicken Doktor wird ins Hotel gebraust. Vorher wird das Auto aus der Tiefgarage ausgelost. Dafür muss ein Notruf betätigt werden, da der Parkticketautomat konstant die Zahlung verweigert und dies erst im dritten Anlauf klappt. Ironischerweise geht beim Ranfahren die Schranke ohne Vorzeigen des Tickets automatisch auf.

Dem Schachkid ist nach Party, der Rest will ins Bett oder um 23.15 Uhr einen Blick in die Megabase werfen. Das Schachkid schreibt dem dicken CM zurück, dass es schon halbnackt im Bett liege. Der CM nimmt vom der Megabase vorsichtshalber Abstand und schreibt „Gute Nacht!“. Verrückte Welt…

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