31. Juli 2022

3. Unterländer Schachtage – Der Mops ist gelutscht

Heute ist der Schachwizard motiviert und ist vom Ehrgeiz gepackt. Sozusagen mit der Sonne steht er auf und bereitet sich noch vor dem Frühstück drei Stunden vor. Der Erfolg gibt ihm Recht. Er hat den Biss, er kann es noch. Und wie er es kann.

In der ersten Runde muss er gegen einen stärkeren Gegner ran. Und spielt und spielt und spielt… Fast 5 Stunden lang. Das Schachkid fährt mit dem Doktor Einkaufen. Man isst im „Das Stadionrestaurant“ und schimpft auf diesen Saftladen. Der Schachwizard spielt immer noch. Das Schachkid hat sogar schon die Zeitung vom letzten Samstag ausgelesen. Da vermeldet der Doktor endlich Fortschritte. Der Gegner flucht, das deutet der Doktor als ein gutes Zeichen. Und tatsächlich, Aufgabe des Gegners. Der Schachwizard fährt den Punkt ein und spielt mit 3 aus 4 Punkten plötzlich vorne mit.

Eine Stunde Zeit zum Ausruhen, da muss er schon zur fünfen Runde ran. Er entscheidet sich spontan für Skandinavisch. Der aufstrebende 17-jährige Gegner ebenfalls stäker als der Schachwizard, schnauft hörbar durch und legt die Hände über den Kopf zusammen. Da ist die Vorbereitung wohl dahin. Wieder 4,5 Stunden – der Doktor und das Schachkid chillen schon zwei Stunden im Hotel. Der Gegner findet noch ein Dauerschach. Remis – die heutige Punkteausbeute kann sich aber wahrlich sehen lassen. Da hat sich der Schachwizard den Ouzo wirklich verdient.

Umgekehrte Vorzeichen beim dicken Doktor, er macht die lange Rochade 0-0-0. Drei Nullen in Folge, zum Glück braucht er ein Trösterchen und haut zum Mittag das bestellte Essen vom Schachkid weg, dass dieses nicht mag. Die Stadionspelunke ist ein echter Saftladen. Das Schachkid rät dem Nebentisch vom Essen ab. Die offenbar einheimischen Schwaben geben zu erkennen, dass sie öfters kommen, fragen aber vorsichtshalber die Bedienung nach, ob der Koch gewechselt habe. Diese Dörfler kennen offenbar nix anders. Der Saftladen ist lahm, das Essen schmeckt nicht. Die Schweinesteaks vom Schachkid waren totgebraten, sonst nur Fertigsoße auf dem Teller. Der Koch, der alle Nase lang zum Rauchen raus kommt, sieht aus, als hätte er wahrlich schon bessere Tage gesehen. Der Schachwizard hat Pommes, muss aber Ketchup nachordern, da dieser nicht automatisch gereicht wird. Besteck muss er sich selber vom Nebentisch besorgen. Das Schachkid ordert die Rechnung, nach 15 Minuten ist immer noch nix passiert. Das Schachkid sitzt mehrfach wahlweise mit dem Schachwizard und dem Doktor auf der Terrasse. Nach der ersten Bestellung und dem Servieren passiert mehr als 30 Minuten lang nix. Wenn man noch was ordern wöllte, Getränke oder Essen, hat man keine Chance. Die Bedienung spielt Verstecken. Dabei ist der Saftladen leer, drei  Tische sind maximal besetzt. Da ist der Schachwizard anderes gewohnt.

Aber zurück zum Doktor. Er ist der Krise, einer langfristigen Krise, sozusagen auf dem absteigenden Ast. DIe letzten Turniere liefen nicht gut. Es wird diskutiert, ob das Alter schuld ist. Der Doktor ist ja schon über 30. Oder ob die Gesamtstrategie geändert werden muss. Motivierte jugendliche Spieler sind das Problem. Der Doktor spielt scharfe Theorievarianten, die die Jugend kennt. Der Schachwizard rät zur Rentereröffnung a la 1.b3. Wie auch immer, in der 4. Runde fängt sich der Doktor und setzt seinen opferfreudigen Gegner, der Dame und Türme hergibt, realtiv schnell matt.

Frühs wird aber erstmal Fahrstuhl gefahren. Nach dem Frühstück will man hinauf in die 1. Etage. Das Treppenhaus scheidet aus logistischen Gründen aus. Der Doktor drückt den Knopf für Abwärts, der Schachwizard merkt an, man wolle doch aufwärts. Ja, es gehe  auch hoch, meint der Doktor. Geht es nicht, man landet in der Tiefgarage. Eine Dame steigt hinzu. Deren perplexer Blick lässt sich möglicherweise damit erklären, dass das Schachkid mit offener Hose im Fahrstuhl steht. Das viele Bier im Urlaub, die neu gekaufte Hose zwickt schon etwas. Man hält zunächst im Erdgeschoss. Der Doktor hatte auch den Knopf für Aufwärts gedrückt. Nächster Halt in der ersten Etage. Die Dame fragt, ob man hier wirklich wohne. Der Doktor und das Schachkid verlassen das Gefährt. Für den Schachwizard geht die wilde Fahrt weiter mit Zwischenhalt in der 2. Etage, dort steigt die Dame aus. Nach 5 Minuten hat der Schachwizard dann auch sein Ziel die 3. Etage erreicht.

Das Schachkid merkt schnell, heute ist nicht sein Tag. Der Turnierdirektor sucht zunächst erstmal den Eigentümer einer herrenlosen Banane. Diese liegt offenbar seit zwei Tagen herum  und wurde vergessen. Möglicherweise hatte der Eigentümer auch Magenprobleme. Denn der Turnierdirektor kritisiert  zu Recht, dass man nun wirklich  nicht ganze Toilettenrollen im Kloset versenken müsse.

Das Schachkid kommt gut ins Spiel, verpasst aber früh den Gewinnzug Sxh3+. Das hat der Doktor natürlich gleich gesehen beim Vorbeischlendern. Da hat das Schachkid wieder einmal zu schnell gespielt. Nun geht aber nichts mehr. Der Zug Sg3 sieht schön aus, bringt aber leider nur Schwierigkeiten., Später lässt das Schachkid noch den Läufer stehen.

Der Gegner referiert vor der Tür über das psychologische Profil des Schachkids. Er habe eingeschätzt, dass das Schachkid ein friedlicher Gegner sei und nicht gerne rechne. Deswegen habe er versucht, die Stellung lange komplex zu halten. Das Schachkid werde schon einen Fehler machen. Der Erfolg gibt ihm recht, die Einschätzung war zutreffend. DIe Frage ist, woher weiß er das? Entweder liest er das oder der dicke Doktor hat ihn heimlich instruiert.

Die Nachmittagsrunde verläuft eher schleppend. Es ist schon wieder warm. Man tauscht früh die Damen ab. Immerhin, das Schachkid hat was zum Gucken. Der  Gegner ist ein Mannsbild, wie er im Buche steht. Breite Schultern, braune Augen, leichter Bart, fesche Frisur. Das Schachkid wird ein wenig wuschig und bspritzt sich in der Toilette mit kalten Wasser. Der muss mit ins Hotel genommen werden. Der dicke Doktor ist dagegen. Das Schachkid bietet mal Remis an. Der Gegner antwortet, er denke mal darüber nach. Will dann aber lieber doch weiterspielen. Genau zwei Züge. Und bietet dann seinerseits Remis an. So wird man sich doch noch einig.

Der Abend wird beim Griechen beschlossen. Nicht ganz so gut, wie der Potsdamer Grieche. Aber der Grieche hat gleich gemerkt, dass man nicht einheimisch ist. Und Ouzo gab es reichlich. So ausgestattet, kann man am nächsten Tag wieder angreifen.

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