30. Oktober 2021

3. Heidelberger Schachherbst – Organisationschaos pur

Am Freitag geht der 3. Heidelberger Schachherbst los – und verursacht vor allem Frust. Erstmal heißt es Schlange stehen. Impfnachweis oder Testergebnis, der Check Inn mit der Luca-App  und der Personalausweis müssen bereitgehalten werden. Wer hätte gedacht, dass es mal bei einem Schachturnier solche Kontrollen geben würde. Es gibt eine Schlange für das B-Open und eine Schlange für das A-Open. Das Schachkid steht schon seit 15 Minuten beim B-Open an, während die restliche Potsdamer Bande ganz entspannt heran geschlendert kommt, sich beim A-Open anmeldet und das Spielareal schon wieder verlässt. Da steht das Schachkid immer noch in der Schlange und ist bedient.

Das zweite Mal bedient ist das Schachkid im Hotel, in dem es eincheckt. Das Zimmer ist, vornehm ausgedrückt, funktional. Statt des gebuchten Kingsize Bett sieht sich das Schachkid mit zwei schmalen Einzelbetten konfrontiert, wo das Schachkid nachts sicher herunterfallen wird. Das schlimmste jedoch – es gibt kein Handynetz. Wie soll das jetzt die nächsten Tage gehen.

Das Schachkid war einkaufen und hat sich neue Beinkleider beschafft, da die alten Hosen etwas spannen. Also wird sich schnell umgezogen, man will ja nicht so eingeschnürt am Brett wie ein Rollmops am Brett sitzen. Das Schachkid hatte ja keine Ahnung, wie bequem so eine Hose sein kann.

Das dritte Mal bedient ist das Schachkid dann im Café des Spiellokals. Das Schachkid ist eine Stunde eher da und gedenkt, noch einen Kaffee zu trinken. Vor dem Schachkid stehen drei Mann in der Schlange. Das Schachkid wartet geschlagene 20 Minuten, bis das Schachkid endlich Kaffee und Kuchen hat. Das Schachkid hat natürlich Verständnis dafür, wenn das integrative Café Menschen fördert, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben. Aber wenn das Café gleichzeitig den Anspruch erhebt, 350 Schachspieler verköstigen zu wollen, dann muss anders geplant werden als eine Mitarbeiterin, die pro Gast in der Warteschlange 10 Minuten benötigt.

Auch sonst ist die Organisation eine Katastrophe. Um 15.30 Uhr soll es losgehen mit der 1. Runde. Um 16.15 Uhr ist dann auch mal die Auslosung da. Der Ausrichter hängt ein Zettelchen aus, um den sich 350 Spieler dicht an dicht scharen. Und das in Zeiten von Corona. Online ist nichts zu finden. Schließlich sitzen alle 350 Spieler, als der Veranstalter das A- und B-Open neu auslost. Offenbar ist jeweils ein Spieler noch dazu gekommen. Leider schweigt sich die neue Auslosung herum. Bis der Ausrichter zum Mikro greift und die neue Auslosung verkündet, sind bereits 100 Spieler in Bewegung und weitere 15 Minuten vergangen. Mit reichlicher Verspätung geht es dann los.

Seine Gemütlichkeit vom Vorjahr hat das Turnier eingebüßt. Wo im letzten Jahr noch ca. 150 Spieler spielten, sind es dieses Jahr 200 Spieler mehr – bei gleichen räumlichen Bedingungen. Der Spielsaal ist so vollgestellt, dass man sich als Spieler weder am Brett noch zwischen den Tischen bewegen kann. Von Mindestabstand in Zeiten von Corona ganz zu schweigen. So sitzen 350 Spieler ohne Maske wie die Ölsardinen auf der Büchse. Die weitläufige Toilette darf dagegen nur mit max. 3 Mann belegt werden, selbstverständlich nur mit Maske. Das Schachkid fragt sich, was sich das lokale Gesundheitsamt und der Organisator dabei gedacht haben. Letzterer ist nicht ein lokaler Verein, sondern ein Profi, der solche Sachen eben professionell macht. Aber angesichts der Umstände und des nicht eben preiswerten Startgeldes hat das Schachkid hier so seine Zweifel.

Das Schachkid spielt gegen eine freundliche ältere Dame und ist auch schnell fertig.

Mit Sxe6 wird der Gegnerin ein Doppelbauer verpasst. Dann werden stückweise Bauern einkassiert und Schwerfiguren abgetauscht. Erfreulicherweise lässt sich das die Gegnerin nicht zeigen und gibt auf.

Das Schachkid erkundet schonmal das Hotelrestaurant. Im Gegensatz zum Zimmer kann dieses mit langen Öffnungszeiten, einer großen Speisekarte und leckeren Essen überzeugen. Es führt sogar Thüringer Bratwürste aus Eisenach.

Der dicke Doktor stößt alsbald dazu und hat verloren – gegen eine 1600 DWZ. Da ist das Turnier schon fast gelaufen und es wird schwer, die 2.000 zu erreichen. Der später ankommende Schachwizard benötigt erstmal ein Bier und macht sich seiner Empörung lautstark Luft. Die Gegnerin, eine Spanierin, hält das Remis und zeigt, dass der Schachwizard nicht als Einziger Turmendspiele kann.

Der baldige FM wurde für den Rest des Abends nicht mehr gesehen. Auch er erzielt nur ein Remis und stapft offenbar verschnupft zur Unterkunft. Die Bilanz aufpolieren kann der CM, der als letzter im Restaurant eintrifft und einen Punkt verkünden kann. Mit der Apfelschorle fällt er am alkohollastigen Tisch etwas auf, sieht aber sonst zufrieden aus.

Man wird sehen, was der nächste Spieltag bringt.

 

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