1. November 2021

3. Heidelberger Schachherbst – Auf der Siegerstraße

Der Tag beginnt mit einer guten Nachricht. Das Schachkid steht mit Brötchen in der Hand vor der Tür der Cahos-WG. Das ist auch dringend notwendig, da der baldige FM in einer nächtlichen Hungerattacke den Kühlschrank geplündert hat. In der WG sieht es aus wie in einem Startup – schummriges Licht, aufgeklappte Laptops und ein CM, der konzentriert auf den Bildschirm starrt.

Auch der Veeranstalter hat gute Nachrichten. Aufgrund der großen Teilnehmerzahl habe man den Preisfond erhöht und schreibe auch zusätzliche Jugendpreise aus. Eine gute Sache. Weniger Teilnehmer würden jedoch die Luftqualität erhöhen. Das Hygienekonzept des Turniers beschreibt, dass in regelmäßigen Abständen die Luft ausgetauscht werden würde. Davon kriegt das Schachkid nichts mit. Wenn man in den Spielsaal kommt, steht die Luft.

Der Schachwizard nimmt derweil die Toilettenhygiene in die Hand. Seife und Papier ist alle. Die Mülleimer quellen über. Ein weiterer Punkt, den der Organisator offenbar nicht auf dem Schirm hat. Der Schachwizard schreitet zur Tat und macht dem „Bernd“ zwei Ansagen – eine gestern und eine heute. Und es geht voran, die Toiletten freuen sich über neue Ausstattung mit Seife und Papier.

Das Schachkid möchte an dieser Stelle noch erwähnen, dass es äußert genervt ist von den Kindern, die aus dem Spielsaal auf die Terrasse gehen und dabei gefühlt alle 30 Sekunden die Türen knallen. Die Hoffnung auf einen Schiedsrichter, der dies unterbinden könnte, versiegt schnell. Im Spielsaal mit 350 Teilnehmern gibt es keinen Schiedsrichter. Es wurde auch kein Schiri vorgestellt. DIe Turnierleitung sitzt meist futternd vor dem Spielsaal, aber ein Schiri ist nicht zu sehen!

Heute spielt das Schachkid gegen einen jungen Mann, der wie so viele hier sein erstes Turnier spielt und das Schachspiel während der Pandemie im Internet gelernt hat. Da gibt es hier eine ganze Menge von. Wenigstens diese gute Seite hat die Pandemie gezeigt, es gibt Schachnachwuchs. Und dieser hat die Zeit genutzt und viel trainiert. Die hiesigen Elozahlen, sofern vorhanden, sind kaum aussagekräftig.

Der Gegner kann zumindest die Theorie perfekt. Das Schachkid weicht daher lieber mit 5. … Ld7 ab. Prompt denkt der Gegner nun bei jeden Zug 10 Minuten nach. Aber er spielt weiter sehr aggressiv und druckvoll und schiebt das Schachkid mehr oder weniger zusammen.

Der CM schiebt ein Remis ein gegen die Nummer 3 des Turniers. Das ist erlaubt. Der baldige FM macht einen Punkt und freut sich, dass er nur noch wenige Elo verliert. Der Schachwizard schiebt das nächste Remis ein und droht mit Turnierabbruch, wenn es so weiter geht. Und überhaupt würde er einen auf Nakamura machen und nur noch Blitz und Bullet spielen. Der tapfere dicke Doktor kommt endlich in die Spur und macht seinen ersten Punkt.

Gegessen wird heute im Hotel im Zimmer. Der Schachwizard schmiedet Pläne, beim Griechen zu speisen und den Gegner anschließend mit einer Knoblauchfahne zu verwirren. Das Schachkid gibt sich beeindruckt und kann dieses kühne Unterfangen nur  unterstützen. Leider ist der Grieche voll.  So muss mit alternativen Methoden gespielt werden.

Das Schachkid hat nun wieder einen Jungen mit Zahl, der aber sehr verwirrend spielt.

Erstmal macht der Gegner den Schachkid alles nach. Das Nebenbrett schaut irritiert. Das Schachkid hat aber Weiß und den Anzugsvorteil. Irgendwann muss der Gegner aus der Symetrie ausbrechen. Und das gelingt auch. Am Königsflügel wird angegriffen und ein Bauer gewonnen. Irgendwann fällt noch die Qualität. Der Gegner gibt auf.

Die siegreiche Runde wird im Hotelrestaurant gefeiert. Einer nach dem Anderen erscheint am Tisch und vekündet einen Sieg. Der CM, der das Turnier seines Lebens spielt, hat die längste Partie der Runde und trifft kurz vor 21.00 Uhr ein.  Da  hat der Rest der Runde schon drei Runden getankt. Mit diesen Schwung geht es in den letzten Spieltag mit der Hoffnung auf volle Punktausbeute.

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