27. Dezember 2019

29. Erfurter Schachfestival – Da wird der Hund in der Pfanne verrückt

7.00 Uhr – die Sonne geht über dem Dom auf. Hotel und Wetter meinen es mit dem Domblick gut mit dem Schachkid. Das Schachkid nutzt die frühe Stunde und absolviert seine täglichen Spanischlektionen. Um dann um 8.30 Uhr dem Kellner, der am Einlass zum Frühstücksraum wartet, gewohnheitsmäßig auf Spanisch die Zimmernummer mitzuteilen. Dieser schaut verdattert. Das Schachkid erinnert sich, dass es nicht mehr wie die letzten zwei Wochen in Madrid weilt. Das Hotel hat dann zum Frühstück auch folgerichtig weder Honigmelone und iberischen Schinken zum Frühstück. Das Schachkid möchte daher umgehend ins nächste Flugzeug zurück nach Madrid fliegen.

Heute zweite Runde, ein schaffbarer Gegner. Der Schiri geht mit der Zeit und warnt vor dem Tragen vor Smartwatches, mit denen man betrügen könnte. Wie wird sich so ein Turnier wohl erst gestalten, wenn Körperimplantate zur Normalität werden.

Wenig despektierlich verhalten sich die Jugendlichen, die um das Schachkid herum sitzen, während der Schiri redet. Sie lärmen herum und lassen so einige Kommentare ab. Ein Kommentar ist dabei so widerlich, dass es dem Schachkid die Schamesröte ins Gesicht treibt und das Schachkid dies hier nicht wiedergeben will. Dabei fragt sich das Schachkid, ob mancher Jugendlicher selten „Hier“ gerufen hat, als der liebe Gott das Hirn verteilt hat. Mit Pubertät und jugendlicher Rebellion kann das nichts zu tun haben, eher mit Dummheit.

Weitere Vereinskameraden, die Röhrs, sind nun auch gut angelandet. Der kleine Junior spielt im Meisterturnier, die Mama im Hauptturnier. Und ist ähnlich frustiert wie das Schachkid über die erste Runde. Der große Junior vertritt die Farben Sachsen-Anhalts bei der Deutschen Vereinsmeisterschaft.

Nun hier ein Franzose. Das Schachkid spielt sorgfältig und verpasst dem Gegner auf d5 einen Einzelbauern, der nun angegriffen wird. Schwarz hat auch wenig Optionen. Und so wird der Bauer mit 20. … d4 gegeben. Im Überschwang des Triumphes überlegt das Schachkid nicht lang und nimmt die Beute mit. Allerdings mit der falschen Figur. Plötzlich steht Schwarz glänzend da und freut sich über einen Mehrturm. Da wird der Hund in der Pfanne verrückt,  so schnell kann es gehen, dass sich eine Partie dreht.

Ralf hat schon eher verloren und schickt Bilder von der wilden Gera an das Schachkid. Für Unhiesige – dies ist das lokale Flüsschen, Fluss kann man es nicht nennen. Das Schachkid eilt hinaus zu Hilfe. Nicht, dass sich der frustriere Ralf noch in die kniehohe Gera stürzt.

Der Weihnachtsmarkt am Wenigemarkt ist nur noch heute. Das wird auch jedes Jahr kürzer, da nimmt es die Stadt genau. Es reicht noch für eine Bratwurst und einen Ritterfinger.

Das Schachkid hält nun Ausschau nach Taschentüchern. Es ist in Erfurt unglaublich schwer, Taschentücher zu kaufen. Der Teegut am Anger nennt sich Supermarkt, führt aber tatsächlich keine Taschentücher, wie das Schachkid auf Nachfrage erfährt. Supermarkt ist dann schon eine gewagte Bezeichnung für den Laden. Im benachbarten Einkaufszentrum findet das Schachkid einen Demeter Biomarkt. Hier gibt es alles mögliche, nur keine Taschentücher. Das Schachkid weiß ja nicht, wie sich Kunden von Demeter ökologisch korrekt schneuzen. Das Schachkid möchte jedenfalls seine reißfesten Tempos haben und nicht in getrockenete Biobaumblätter vom letzten Herbst hinein schneuzen. Der benachbarte Rossmann ist die Rettung. Der Ralf pfeift sich derweil schon wieder eine Bratwurst rein. Er hat zwei Hobbys – Kirchtürme besteigen und Thüringer Bratwürste essen.

Im Hotel angekommen begehrt das Schachkid ein Stück Stollen. Der Kellner verneint, Weihnachten sei vorbei. Das Schachkid setzt seinen Dackelblick auf. Der Kellner guckt und zückt das Telefon. 5 Minuten später verkündet er, dass er unter Einsatz seines Lebens Stollen organisiert habe. Ob das Schachkid dazu Sahne wolle. Das Schachkid will. Der Kellner hat nun Trinkgeld und das Hotel was gut. Auch dank der neuen hübsch leuchtenden und schnellen Fahrstühle.

Der nächste Gegner geht dem Schachkid schon auf die Nerven, ehe die Partie beginnt. Der Gegner reicht das Partieformular rüber. Das Schachkid soll seinen Namen rein schreiben. Das Schachkid reicht das Formular leer zurück. Neben dem Brett liegen die Ergebniszettel incl. Namen. Das Schachkid ist zugegebenermaßen etwas schlecht gelaunt und fühlt sich nicht bemüßigt, dem Gegner Arbeit abzunehmen.

Den beiden Jugendlichen neben dem Schachkid geht die Verlosung der vielen Preise auf die Nerven. Dem Schachkid gehen die renitenten Jugendlichen auf die Nerven.

Schwarz versucht den Panovangriff, glaubt das Schachkid jedenfalls. Das Schachkid ist ich nicht ganz sicher. Wird sich aber bei dem Dave erkundigen, der das sicher liest und sich da auskennt. Der große N.W. hat davon bestimmt keine Ahnung.

Mit 11. Se2 verlässt Weiß die Theorie. Der Zug macht in den Augen des Schachkids wenig Sinn. Gleichwohl gelingt es Weiß, einen Angriff aufzubauen. Schwarz muss seinen König recht luftig stellen. Aber irgendwie findet Weiß keine Fortsetzung. Und spielt irgendwie von der Rolle. Erst wird der Bauer auf d4 stehen gelassen. Dann noch der Se5. Das Schachkid findet nicht immer, also eigentlich nie, die beste Fortsetzung, Aber für heute reicht es. Der Gegner kauft beim Schachhändler im Foyer Bücher und gibt dann auf.

Bleibt nur noch zu prüfen, was das weihnachtliche Erfurt zum Abendessen und die Hotelbar als Betthupferl anbietet.

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