26. Dezember 2019

29. Erfurter Schachfestival – Der Turnierleiter kann auch Fliege

Das Schachkid hat sich aufgemacht, das Amateurturnier beim 29. Erfurter Schachfestival zu gewinnen. Leider muss das Schachkid zur Kenntnis nehmen, dass es aus Versehen zwei gute Schachopen in Folge gespielt hat. Nun ist die DWZ über 1600. Wird halt die 1700 ins Visier genommen.

Das Hotel hat alle Daten gelöscht wegen der DSGVO und eines neuen Systems. Vorbildlich holt das Hotel eine Einwilligung zur Datenspeicherung, wie das Schachkid als Profi-Datenschutzbeauftragter feststellt. Dafür gibt’s dieses Jahr keine Kekse auf dem Zimmer, weil auch der Reward-Status gelöscht wurde.

Sonst alles sehr harmonisch hier. Die Fahrstühle wurden saniert, zischen schnell durch die Gegend und blinken dabei hübsch. Das Schachkid trinkt in Ruhe einen Kaffee. Dieses Jahr nerven keine Sachsen am Nachbartisch. Zum Schachkid setzt sich eine nette 80-jährige. Deren Motto – man sei ein Reisebus voller Witwen. Das könne man auch zu Weihnachten durch die Gegend reisen. Daheim würde man nur depressiv und krank werden. Gute Einstellung findet das Schachkid.

Im Fahrstuhl wird das Schachkid befragt, ob es auch ein Schachfuchs sei. Das Schachkid ist sich nicht ganz sicher, was gemeint ist und verneint vorsichtshalber. Vermutlich sind die Schachfüchse eine dunkle Verschwörung, die alljährlich in Erfurt einfallen.

Das Schachkid begibt sich erstmal ins Hotelzimmer und nimmt eine Stunde Spanischunterricht bei Alberto. Das Internet macht es möglich. Das Schachkid lernt seit einem Jahr Spanisch und ist sehr faszinierend, welche Möglichkeiten sich mit einer neuen Sprache eröffnen. Vermutlich Schachturniere im spanisch sprechenden Raum.

Noch kurz beim Weihnachtsmarkt an der Krämerbrücke vorbeigeschaut und den üblichen Jahresvorrat Nüsse aufgekauft. Zurück im Hotel zur Eröffnung des Schachfestivals – Business as Usual. Hoteldirektor und Turnierleiter bilden die üblich smarte Einheit und halten launige Eröffnungsreden. Der Turnierleiter Daniel Wantzek versucht es dieses Jahr mal mit einer Fliege -kann er tragen. Er sieht aus wie ein Showmaster. Nächstes Jahr zum 30jährigen Jubiläum ist der Smoking Pflicht!

In der Schiririege wird schmerzlich der kürzlich verstorbene Albrecht Beer vermisst. Das Geraer Schachurgestein hat viel für das Thüringer Schach als auch für das Seniorenschach getan. Er wird mit seiner liebenswerten Art vielen Schachspielern fehlen und folgt dem Schachfestival hoffentlich von einer Wolke aus.

Die Eröffnungsreden geraten erfreulich kurz – noch 15 Minuten bis zur ersten Partie. Die kriegt man schon rum. Wichtigste Erkenntnis der Eröffnungsrede – der Kaffeeautomat versteckt sich hinter dem Schiri Stefan Koch.

Das Schachkid begrüßt freudig den Detlef Zoll aus Eberswalde. Das Schachkid will gerade fragen, wo der Bart hin ist und will zum schlanken Bauch gratulieren. Der Detlef Zoll schaut irritiert. Das Schachkid verkneift sich den Hinweis und stellt fest, dass der Detlef Zoll einige Tische weiter vorne spielt. Nun ja, ein irritierter Senior mehr in Erfurt…

Brett 23 – fast hätte es das Schachkid in die Etage der Meister geschafft. Dort spielt man bis Brett 22. Am Brett sitzt ein Pfälzer. Gemeinsam schickt man diverse Spieler nach oben, die verzweifelt ihr Brett suchen.

Die Eröffnung beginnt langweilig, Caro-Kann-Hauptvariante. Weiß weicht jedoch frühzeitig mit 7. Ld3 ab. Das Schachkid kontert mit 10. … Ld6. Der fatale Zug, der die Partie entscheidet. Danach geht nix mehr. Weiß findet das schöne 11.Sf5. Danach bleibt nur Lf8. Schwarz hängt mit der Entwicklung hinterher. Und geht auch bald matt, die Stellung ist nicht mehr zu retten.

Kein Problem, morgen kommt Ralfi aus Vacha. Der hat schon einen halben Punkt, weil er erst zur 2. Runde kommt. Da ist das Schachkid hoch motiviert und wird überholen, ohne einzuholen.

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