5. September 2020

20. Nittenauer Stadtmeisterschaft – Schach in der rustikalen Oberpfalz

In Zeiten von Corona darf man nicht wählerisch sein. Da sind die Schachturniere rar gesäht. Da legt man schon mal etwas weitere Strecken zurück, um seinem Hobby zu fröhnen. Vor einem Jahr hätte das Schachkid jedenfalls nicht gedacht, dass es mit dem Dr. Dave zusammen die 20. Stadtmeisterschaft in Nittenau in der schönen Oberpfalz spielen würde.

Der Tag jedoch beginnt erstmal mit einem Desaster. Das Schachkid packt seinen Koffer und stellt fest, offenbar sind über Nacht alle Hosen eingelaufen. Nichts passt mehr. Noch im Büro bestellt das Schachkid bei herrenausstatter.de Hosennachschub. Zum Mittag nach Feierabend wird losgerast Fast 500 km wollen vor der ersten Runde bewältigt werden.

Der Dr. Dave wartet in Schwandorf. Und muss noch etwas länger warten. Das Schachkid muss zuerst eine Vollsperrung und dann noch einen Unfall umkurven. Und dann muss noch dieser leckere Landmetzger kurz vor Schwandorf angesteuert werden. Das Schachkid verlangt harte Knacker. Die hilflos guckene Verkäuferin deutet auf die Bockwürste. Das Schachkid besinnt sich, übersetzt und will nun richtig harte Salami. Der erste leckere Pfefferbeißer wird gleich im Auto niedergemacht. Neue Hosen sind ja unterwegs.

Der Dr. Dave ist fassungslos. Man ist überpünktlich beim Turnier. Das kennt er sonst vom Schachkid nicht. Er vermisst den üblichen Adrenalinschub. Das Hotel ist rustikal ländlich – viel dunkles Holz, an den Wänden und den Decken und in der Mitte Messingkronleuchter. Kartenzahlung iat nicht möglich. Die Anfrage nach verfügbaren WLAN beantwortet der Hotelier routiniert mit „Haben wir hier nicht, und das tut uns auch nicht weh!“ Der D. Dave hat ein Doppelbett und tauscht freundlicherweise mit dem Schachkid das Zimmer, der nur ein Einzelbett hat, aber dafür größere Ausmaße.

Vor der ersten Runde reicht es sogar noch für Bier und einen Speckdeitschi, der Dr. Dave findet die Käsespätzle nicht doll. Die Hygienemaßnahmen sind moderat. 30 Bretter können gut im schönen Saal mit Abstand stehen. Hier hängt schon oder noch die Weihnachtsdeko, man weiß es nicht. Zur vollen Stunde wird die Luft abgesaugt und mittels offenen Fenstern analog nachbelüftet. Auf den Verkehrswegen wird Maske getragen, am Brett nicht. Der bayrische Schachverband hat für Turniere ein Hygienekonzept rausgegeben. Das Schachkid fragt sich, wieso man zum Thema Corona eigentlich vom Brandenburger Landesschachbund wenig bis nichts hört.

Der gastgebende Verein will pünktlich anfangen. Der Turnierleiter lost aus aus, ohne die Teilnehmerliste zu sortieren. Fünf Mann versuchen anschließend, am Computer die Auslosung zurück zu setzen. WinSwiss ist offenbar keine Software, die sehr intuitiv zu bedienen ist. Nach einer Stunde warten werden alle Spieler von Hand in den Computer neu eingegeben. Eine händische Auslosung wäre vielleicht schneller gewesen.

Zur Eröffnung ist sogar der Bürgermeister da und hält eine kleine Ansprache. Der erst 19-jährige Vereinsvorsitzende wurde gerade frisch gewählt. Ein echter Generationswechsel. Der Vater hatte 16 Jahre zuvor das Amt inne. Auch hier wird Hygiene groß geschrieben. Nach jedem Redner wird das Mikrofon hektisch mit neuer Frischhaltefolie umwickelt.

Das Schachkid kippt vor Müdigkeit fast vom Stuhl, muss aber noch gegen ein hübsches Mädel ran. Es wird mit dem verkürzten Fischermodus gespielt, 90 Minuten für alle Züge mit 30 Sekunden Bonus für jeden Zug.

Caro-Kann, bis zum 17. Zug brauchen beide Seiten 5 Minuten, danach beginnt das Mädel zu  denken. Es wird um das Zentrum gekämpft. Mit 24. dxc5 hätte die Gegnerin diesen auch gewonnen. Mit d5 wird das aber nix. Da kann das Schachkid gut abwickeln. Nach 27. Dg4 und der Turmfesselung glaubt das Schachkid an den Verlust, ist dann aber sehr erleichtetr, als es 27. … Dc6 findet. Nach 42. … Te4+ steht das Schachkid plötzlich richtig hut und kann vermutlich sogar den h-Bauern gewinnen. Die Gegnerin bietet Remis. Das Schachkid nimmtt an, bevor es am Bett zu schnarchen anfängt.

Der Dr. Dave liegt schon seit 45 Minuten mit seinem erbeueten Punkt im Bett, als das Schachkid endlich Remis schafft. Für den Auftakt nicht schlecht.

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