31. Oktober 2020

2. Heidelberger Schachherbst – Noch mehr Warten

Bei diesem Schachopen wartet quasi immer irgendwer igendwo auf irgendwem. Der Dr. Dave wartet am Auto auf das Schachkid. Pablo wartet am Hotel. Das Schachkid wartet auf den Dr. Dave zwischen den Runden. Alle warten vor der Toilette. Das Leben entschleunigt sich in Heidelberg.

Der Dr. Dave behauptet, das Schachkid sei unpünktlich. Dabei zeigt die Uhr des Schachkids die verabredete Zeit an. Jetzt geht der Dr. Dave auf die Uhr des Schachkids los und verdächtigt diese, falsch zu gehen. Dabei setzt der Dr. Dave seine ganze Autorität ein, die ihm sein dicker Bausch und der flauschige Vollbart geben. Das Schachkid fühlt sich kurz an Al Borland erinnert.

Heute streikt in Heidelberg der Busverkehr. Scheint aber nicht geschadet zu haben. Der Spielsaal ist voll, offenbar sind alle Spieler anwesend.

Heute nun ein Kind. Der Kleine ist immerhin schon im Spielerlexikon von Chessbase vertreten. Das Schachkid tut sich wirklich schwer und kann sich wegen schlechten Schlafes nur schwer konzentrieren. Letzlich, nachdem die Eröffnung etwas merkwürdig verläuft, ist das Endspiel doch einfach. Die Könige werden zentralisiert, dann ein Freibauer gebildet. Fix die Felder abzählen, das Schachkid zieht zuerst ein, kann die gegnerische Dame beseitigen und hat noch einen Freibauern übrig.

Nach der Partie macht das Schachkid erstmal einen Spanischeinstufungstest und ist erfreulicherweise nach 9 Monaten Lernen auf dem Level B1 angekommen. Das Schachkid überlegt, nach Gran Canaria zu fliegen und dort einen Sprachkurs zu belegen. Die Kanarischen Inseln sind offenbar weltweit der einzige Platz auf der ganzen Welt, die kein Risikogebiet sind. Aber Maske muss überall getragen werden. In der Sprachschule – wie spricht man da mit Maske. Auch sonst innen wie außen, sogar am Strand, muss Maske getragen werden. Das ist dem Schachkid echt zu stressig. Im Geiste entwirft das Schachkoch einen Alternativplan für die kommende Urlaubswoche. Zeit, um Suppenrezepte auszutesten und das zweite Seitenprojekt „Nackte Menschen„, ein Fotobuchblog, auszubauen.

Das Spiellokal ist extrem weit vom Schuss. Mal eben so nach Heidelberg reinfahren ist nicht. Das regnerische Novemberwetter lädt auch nicht zum Spaziergang ein. So wartet das Schachkid wieder mal im Cafe und widmet sich der Nekromantentriologie.

Der Dr. Dave macht es heute spannend. Er spielt gegen einen deutlich stärkeren Gegner und nutzt natürlich wieder die volle Zeit aus. Aber er macht den Punkt und ist jetzt, aufgrund seines starken Gegnerdurchschnitts, für sofortigen Turnierabbruch. Er spielt aber auch wirklich nach längerer Zeit wieder ein starkes Turnier.

Am Nachmittag mal kein Kind, sondern eine ältere nette Dame. Bei Schottisch muss sie etwas überlegen, findet aber stets die richtigen Züge. Das Schachkid opfert einen Bauern und hofft auf Angriff am Königsflügel.

Vor dem Angriff am Damenflügel steht die Katastrophe auf der Herrentoilette. Das Schachkid hat seinen Magneten verbummelt und kann nun nicht seine Anwesenhheit auf der Toilette bekunden. Erfreulicherweise hat der Veranstalter Ersatz. Im A-Turnier muss derweil ein Brett trocken gelegt werden, da eine Kaffeekanne umgekippt ist.

Der Königsangriff ist nicht der große Burner. Zwar wird der Bauer zurück gewonnen. Aber übrig bleibt ein Endspiel mit dem Läuferpaar auf jeder Seite. Die Gegnerin meint, für sie sei es nun ein Glücksspiel. Das Schachkid stimmt zu. Wenn beide Seiten keine Ahnung vom Endspiel haben, einigt man sich vorsichtshalber auf Remis.

Der Dr. Dave steht auf seinem Brett etwas unharmonisch und wird von seinem Gegner, einen älteren FM, doch arg bedrängt. Er scheint sich jedoch wieder etwas zu berappeln. Aber nach drei Stunden ist es trotzdem vorbei. Der Dr. Dave ist der Ansicht, dass der FM so gar nicht wie ein FM gespielt habe, aber es dann eben doch noch reicht.

Man beschließt den Abend im urigen Restaurant Krokodil. Das Schachkid hat selten ein Hirschragout gegessen, dass so ruiniert war. Der Dr. Dave kann es nicht fassen und verspachtelt nicht nur seinen eigenen Teller, sondern den des Schachkids gleich mit. Den Hirsch findet er toll. Als Preuße kann er natürlich nicht wissen, dass das Schachkid aus dem Hirschland Thüringen zarteres Hirschragout gewohnt ist.

Geschmacklich bleibt der Tag ein Reinfall, schachlich kann es so weitergehen. Man hofft nun auf den nächsten Tag.

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