1. November 2020

2. Heidelberger Schachherbst – Maue Endspiele und taktische Schläge

Die Sonne scheint, heute ist das Schachkid motiviert. Der Dr. Dave hängt wie ein träger Kartoffelsack auf dem Beifahrersitz. Er vermisst sein geliebtes regnerisches Herbstwetter. Das wird das Schachkid nie verstehen, wie man so einer Wetterlage anhägen kann.

Heute geht es gegen Rupprecht, nicht den Knecht, sondern den Jürgen. Dieser hat das Format des Schachkids und  ist auch sonst ein lustiger Geselle. Man trifft sich während der Partie öfters in der Cafeteria statt am Schachbrett. Irgendeiner holt immer gerade Kaffee.

Das Schachkid hat einen Plan gefasst und will am Damenflügel spielen. Die B-Linie wird eröffnet und das Schachkid versucht, die Kontrolle über die Linie zu bekommen. Das gelingt auch temporär. Leider tauschen sich hier alle Schwerfiguren ab. Das ficht das Schachkid nicht an. Es denkt, es steht besser. Schließlich hat das Schachkid einen weißfeldrigen Läufer. Den hat der Gegner zwar auch. Aber die Bauern des Gegners stehen auf den weißen Feldern. Vorwärts geht es trotzdem nicht. Es findet sich nicht recht ein Weg, in die gegnernische Stellung einzudringen. Der Rupprecht findet seinerseits keinen Weg in die Stellung des Schachkids. Also remis.

Draußen ist es warm, das Schachkid geht im T-Shirt durch die Stadt. An der Kreuzung, die das Schachkid queren möchte, zeigt die Ampel Dauerrot. Wildes Gehupe, auf der anderen Strasse ist es dauergrün. Auf der Strasse mit der roten Ampel wird es ungemütlich. Es staut sich. Eine Straßenbahn, die rot hat, ignoriert mutig die Ampel und fährt auf die Kreuzung ein. Auf der Gegenspur quietschende Reifen eines Autos, der einen Radfahrer nur knapp verfehlt. Das Schachkid zückt das Handy unnd ruft die 110 an. Der Polizist fragt ewig, wo denn die Kreuzug sei. Das Schachkid benennt die Strasse, der Polizist kommt nicht klar, wo das denn nun sei. Das Schachkid gibt zu bedenken, dass er und nicht das Schachkid aus Heidelberg komme. 20 Minuten später ist die Ampel wieder gerichtet.

Der Dr. Dave spielt schon wieder vier Stunden. Der Mann ist ein Phänomen. Er spielt doppet so lange wie das Schachkid in jeder Partie, hat aber trotzdem einen Punkt weniger. Vermutlich fackelt man im B-Open nicht so lange wie im A-Open und macht wahlweise Remis  oder kurzen Prozess mit dem Gegner. Der Dr. Dave braucht etwas länger, gewinnt dann gegen seinen stärkeren Gegner.

Am Nachmittag wird gegen einen thüringer Jugendlichen gespielt. Der will erst noch ein dicker Thüringer werden, sowas braucht seine Zeit. Er sieht noch etwas zart besaitet aus.

Das Schachkid verkündet sogleich vor der Partie, keine Lust zu haben. Der Gegner bietet sogleich Remis an. Das Schachkid besteht zumindest auf die ersten 10 Züge. Der Dr. Dave braucht bestimmt wieder lange. Und tatsächlich macht sich das Schachkid zum Angriff bereit, geschlossener Sizilianer. Da kann bestimmt auf h6 geopfert werden. Soweit kommt es nicht. Mit 15. Lg5 kann bequem die Dame gewonnen werden.

Der Dr. Dave ist schuld daran, dass das Schachkid immer dicker wird. Das Schachkid muss die ständige Warterei im angeschlossenen Cafe mit Kaffee und Kuchen überbrücken. Nach drei Stunden kommt er angewatschelt und verkündet, es ginge nun ganz schnell. Er habe nun geopfert. Das Schachkid reportet schon mal an den Trainer des Dr. Dave, dass sich dieser von der fetten Gewinnprämie verabschieden kann. Offenbar hat der Trainer eine prozentuale Beteiligung an der Erhöhrung des Ratings des Dr. Dave abgeschlossen, ein cleverer Schachzug, der heute aber nicht aufgeht. Das wird heute nix mit dem Punkt. Wobei 3 aus 6 sicher ein akzeptables Ergebnis bei dem Gegnerschnitt ist.

Heute soll klassisch gespeist werden. Es wird zum Gasthaus zum Löwen gefahren. Dort angekommen entpuppt sicht das Traditionsgasthaus als schnöder Italiener. Einige Strassen weiter im Gasthaus zum Ochsen gibt es Burger und Pommes. Diesen Niedergang der traditionellen deutschen Gastkultur bedauert das Schachkid wirklich sehr. Aber wie der Dr. Dave zu Recht anmerkt, sind Pommes, Burger und Pizza offenbar sehr gefragt.

Da müssen Maßnahmen ergriffen werden – man geht in ein interessantes Restaurant „Die Maske Afrikas„. Eritreische und ähtiopische Spiezialitäten bestimmen die Karte. Der Dr. Dave und das Schachkid bekommen sozusagen eine gemeinsame Schüssel serviert, wo man drauss ist, jeder in seiner Hälfte. Die afrikanische Küche ist ungewöhnlich scharf. Das braucht Bier zum runterspülen. Eine wirklich interessante Erfahrung.

Am letzten Spieltag will jeder noch mal punkten, da ist noch was drin.

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