15. Juli 2020

39. St. Veiter Jacques-Lemans-Open – Scheitern am Lorenziberg

Letzter Tag mit schönen Wetter heute – die Reisebegleiter schlafen noch. Da ist das Schachkid schon on the Road und erkundet das kleine St. Veit. Offenbar kann man froh sein, dass Kärntnen noch zu Österreich gehört. Ein Denkmal informiert, dass „die Slawen anno 1920 Kärnten in zwei Zonen“ aufteilen wollten. Aber dank der Kärntner Freiheitskämpfer ging es nochmal gut.

Die Verkäuferin im Eine-Welt-Laden weiß noch mehr zu erzählen. St. Veit sei einmal Landeshauptstadt gewesen, im 16.Jahrhundert. Heute sei das ja leider Klagenfurt. Und überhaupt, dieses Klagenfurt. Seit es die Schnellstraße gäbe, fährt alles zum Einkaufen nach Klagenfurt. Als sie noch Kind gewesen sei, habe es drei Hutläden in der Stadt gegeben. Der letzte Huthaleden habe just am Samstag nach 140 Jahren, als das Schachkid angereist ist, zugemacht. Die Stadt versucht gegenzusteuern und lasse jeden Mittwoch und Samstag Bands in der Stadt spielen. Traurig – aber offenbar ist es überall das Gleiche.

Das Schachkid forscht weiter und entdeckt einen kleinen versteckten Rosengarten, den Grabengarten,  das schöne Rathaus… Aber nun zurück zum Hotel, man will heute noch nach Klagenfurt. Der emsige Dr. Dave arbeitet an seinen Eröffnungen und digitalisiert ein Buch. Das Schachkid überlegt, ob es anregen soll, ein eBook zu kaufen, dass man gleich in Chessbase importieren kann. Der künftige FM schläft noch und ward nicht gesehen. Das Schachkid empfiehlt dem Dr. Dave, dass man die Zimmertür aufbrechen müsse, wenn man bis 17.00 Uhr nichts vom künftigen FM höre oder sehe.

Im 5. Stock flötet ein Flötist die ganze Etage zusammen. Das Schachkid fragt einen Nachwuchsmenschen, der im Sessel rumlümmelt, wo das sei. Dieser guckt ganz unwirsch und erwidert, es sei sein Vater. Das Schachkid möchte nun wirklich keinen Flötisten zum Vater und wundert sich, dass sich keiner ob des infernalischen Lärms beschwert.

Das Schachkid lotst den dicken Dr. Dave zu einem Italiener in einem alten Wherturm, dem La Torre. Dieses entpuppt sich als Edelitaliener. Alle Tische sind frei. Aber man wird erstmal gefragt, ob man reserviert habe. Die Speisekarte umfasst zwei Seiten, die Weinkarte 40 Seiten. Die Kellnerin muss den Arm des Dr. Dave zur Seite schieben, damit sie eindecken kann. Der Kellner hat einen sehr eigenen Humor, steht die ganze Zeit an den Tischen und macht Small Talk mit den Gästen. Der Dr. Dave braucht ein wenig Zeit zum Aklimatisieren, das Schachkid genießt und trinkt und ißt.

Die Fahrt mach Klagenfurt wird verschoben, der künftige FM ist inzwischen wach und zeigt Präsenz beim Dönerstand. Der Dr. Dave und das Schachkid nehmen andere Ziele ins Auge. In der Ferne wird ein Berg mit einer Kirche drauf erspäht. Der Lorenziberg ist es, eine Ortschaft mit genau zwei Einwohnern  auf 971m Höhe. Das Auto wird bestiegen, zwei Abfahren verpasst und durch enge Gässchen navigiert. Google weiß Bescheid und will das Auto durch den Wald lotsen. Das Schachkid und der Dr. Dave sind skeptisch ob des schmalen Wanderwegs und versuchen, andere Zugangswege zu finden. Allein es hilft nix, der Berg lässt sich nur zu Fuß bezwingen. 2,4 km scheinen nach spontaner Überlegung kein Hinderniss zu sein. Nach 100m legt das Schachkid die erste Pause ein. Der Weg ist nicht so steil, aber es geht bergan. Der Dr. Dave guckt ratlos. Er ist zwar etwas fülliger, aber fit. 5km Fussmarsch täglich zur Arbeit und zurück halten offenbar fit. Das Schachkid schafft es bis zur ersten Wegeskurve. Das Navi zeigt immer noch 2,4 km an. Der Dr. Dave zeigt sich besorgt, ob man rechtzeitig um 19.00 Uhr zur Runde zurück sei und fragt die Nummer der Bergwacht an. Sich das erschöpfte Schachkid über die Schulter zu werfen, traut er sich nicht. Man bricht vorsichtshalber ab. Das Schachkid ist frustriert ob seiner mangelden Fitness und bestellt sich bei Amazon  erstmal ein Buch „Traumkörper mit 40“.

Zeit, beim Skat zurück zu schlagen. Der künftige FM fühlt sich in seinem Metier, aber der Dr. Dave, aufgefrischt und vertrieben vom Flötisten, ist motiviert. Und gewinnt ein Spiel nach dem anderen. Das Schachkid zieht heran und am künftigen FM vorbei. Doch am Ende reicht es nicht, das letzte Spiel, was das Schachkid versemmelt, hievt den künftigen FM auf den 2. Platz.

Zurück auf dem Zimmer versucht das Schachkid ein kleines Schläfchen. Der Flötist flötet immer noch. Das Schachkid ist genervt und überlegt, eine Etage hinauf zum Flötisten zu steigen und ihm seine Flöte um die Ohren zu hauen. Der Flötist hat Glück, das Schachkid ist zu faul. Der Dr. Dave merkt später an, man könne auch die Rezeption anrufen.  Das Offensichtliche ist eben manchmal zu kompliziert.

Heute nun ein einheimischer Senior. Das Schachkid fühlt sich unterzuckert und verlangt an der Bar ein Stück Guglhupf. Die Damen, die hier bedienen, pausieren gerade. Der einzig verbliebene Mensch ist ein mittleren Alters, der sehr freundlich, aber vermutlich wie das Schachkid in der Küche eine Katastrophe ist. Er versucht engagiert und dann verzweifelt, den Viertel Guglhupf mit einem Messer  zu verteilen. Dieser wehrt sich. Der Mann fällt eine Entscheidung. Das Schachkid bekommt das ganze Viertel Guglhupf gereicht. Das ratlose Schachkid steht daher nun ratlos mit dem Guglhupf vor der Halle, ist am Zug und fragt sich – was tun nun mit dem Guglhupf? Runter damit. 10 Minuten später liegt das Schachkid völlig überfressen am Schachbrett und hat Mühe, sich zu konzentrieren.

Der Senior spielt abenteuerlich und bringt den Zug Ld2-g5 aufs Brett. Das Schachkid ist irritiert, irgendwas ist komisch. Die Glitzerprinzessin am Nebentisch entfernt verschämt den Nasenschutz. Weiß hat nun zwei dunkelfeldrige Läufer. Das Schachkid weist dezent darauf hin, das da was nicht stimme. Der Gegner ist außer sich. Und hat Angst, dass die Partie nun wegen eines ungültigen Zuges verloren ist. Das Schachkid tauscht die Läufer und dann ist gut.  Der Gegner ist nun wieder außer sich und kann es nicht fassen. Er hätte reklamiert, meint er später und spendiert dem Schachkid einen Verlängerten. In der Partie leistet sich das Schachkid wieder einen Klops und stellt einen Bauern ein. Erfreulicherweise kann das Schachkid den aktiven Springer des Gegners abtauschen und mit 27. Le3+ den gegnerichen König auf Abstand halten. Nun wird blockiert und der Gegner muss sehen, wie er seinen Mehrbauern verwertet. Es ist ihm auch zu kompliziert, er nimmt das Remisangebot an. Man geht zur Bar.

Der künftige FM hat einen Mehrbauern, aber die Qualität weniger. Dr. Dave und das Schachkid glauben, dass er verliert. Das Gegeneil ist der Fall. Der künftige FM steht um 22.00 Uhr freudig vor des Schachkids Zimmertür, das bereits im Nachtgewand unterwegs ist, und will blitzen. Offenbr hat er gewonnen. Der Dr. Dave wollte gegen 21.00 Uhr einen Bauern gewinnen und müht sich im Turmendspiel ab. Es recht zum Remis. Passable Ergebnisse heute…

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