Schlampen und Großes Kino beim Briesener Open

Freitag Abend erste Runde. Der Schachwizard ist da und befragt das Schachkid, was dieses für Ziele habe. „Überleben“, denkt das Schachkid mit Schrecken an das letzte Briesener Open zurück. Der Schachwizard ist hoch gesetzt und fast zum Gewinnen verdammt. Das ist immer unschön. Als Underdog spielt es sich meist leichter.

Los geht es mit der ersten Runde. Gott sei Dank kein kleines Mädchen, sondern mit Jens Stegmann ein alter netter Bekannter. Das Schachkid spürt ein motivierendes Kribbeln in den Fingern, spielt aber nicht gerne Abendpartien. Jens verkündet, seine Bilanz gegen das Schachkid sei 0:3, daran kann sich das Schachkid gar nicht erinnern. Psychologischer Vorteil für das Schachkid.

Den der Gegner gleich ausgleicht und das Schachkid mal als Schlampe bezeichnet. Freundschaftlich gemeint, natürlich. Nur weil die Figuren etwas schief stehen. Also ziemlich schief. Das Genie beherrscht das Chaos.

Es wird was Sizilianisches. Das Schachkid kommt im 5. Zug ins Grübeln. Was nun spielen? Den Machotzky-Aufbau versuchen? Würde nur passen, wenn Schwarz einen Drachen spielt. Wonach es bisher nicht aussieht. F3 kann nicht falsch sein. Was aber dann nach 5. … Db6 tun? Der Punkt b22 ist potenziell bedroht. Und Weiß kann nicht mehr rochieren. Das muss wohl nochmal mit einem Trainer diskutiert werden. Gott sei Dank spielt Schwarz 5. … g6. Also doch ein Drachen.

12. b3 scheint wirklich zu gehen. Der Sc3 hängt zwar kurz. Aber Schwarz hat keinen Abzug für Sf6. Das Schachkid überlegt 14. Sb5. Was aber tun nach … Sb4? Sieht unangenehm aus.

Das kann nix werden, Beide Seiten spielen sehr passiv. An 15. Lf1 überlegt das Schachkid schon ewig herum. Nach 20. … Tb8 bietet Schwarz Remis. Es ist 20.30 Uhr, die Stellung gibt nix Greifbares her. Wer sich zuerst rührt, verliert, so scheint es. Also remis.

Der Schachwizard bekommt einen Eisenhüttenstädter, den er auch pflichtgemäß umlegt. Wenn das Schachkid aufs Brett sah, schien es kompliziert zu sein. Der Schachwizard hat einen Bauern weniger. Alles Theorie, erklärt er später dem Schachkid. Damen und Läufer bleiben übrig. Schwarz öffnet seinen Königsflügel. Weiß schlägt auf den langen Diagonalen zu.

Optimistisch fährt man zur Wohnung und beschließt zu gucken, was Netflix so zu bieten hat. Überraschend wenig, viele Filme fehlen einfach. Das Schachkid ist überrascht vom cineastischen Feingeist seines Gegenübers. „Ziemlich beste Freunde“ – Verdammt guter Film.

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