Salat am Brett, Basketball zum Dessert

In der dritten Runde geht es gegen Gina Gehrke. Ein vermeintlich leichtes Spiel. Das Mädel hat knapp über 1000 DWZ, aber die Kleine verteidigt sich solide.Kein Wunder, spielt der Papa doch auch Schach und das nicht mal schlecht.

Das Schachkid weiß immer nicht, wie es gegen Kinder spielen soll. Auf der einen Seite der schachliche Ehrgeiz, auf der anderen Seite die väterlichen Gefühle, die dann für den kindlichen Gegner durchbrechen.

Nach 12 Zügen ist nicht wirklich ein Gewinnweg in Sicht. Das Schachkid beschließt daher, in den Königsflügel hinein zu opfern. Das Opfer ist nicht berechtigt. Gina gibt zwei Bauern für eine Leichtfigur. Das Schachkid kann den Angriff nicht fortsetzen, da der Sf3 alle Felder abdeckt und Schwarz nicht schnell genug nachsetzen kann.

Das Schachkid gibt zu, es macht einen auf Psychologie und hofft, dass der kleinen Gegnerin beim Unterschied der Spielstärke ein Fehler unterläuft. So kam es auch, mit 22. Lxe4. Folgt stattdessen Sxe4, hat Schwarz nichts in der Hand.

Um es klar zu sagen, auf Verdacht zu spielen und zu hoffen, dass der Gegner keinen Fehler macht, ist keine vernünftige Spielweise. Gerade die Kleinen sind nicht zu unterschätzen, da sie von ihrer Zahl her oft unterbewertet sind. Eine solide Spielweise zeichnet sich dadurch aus, den Gegner zu überspielen und Varianten konkret zu berechnen. Dazu gehören auch berechtigte Opfer.

Gina und das Schachkid saßen an einem Kuschelbrett. Ein Tisch mit vier Spielern, an dem es etwas eng zuging, was aber nicht wirklich schlimm war. Der Gegner am Nebenbrett schien seine Gewinnbestrebungen unterstreichen zu wollen. Jedenfalls haute er die Figuren aufs Brett und auf die Uhr, dass sich das Schachkid ab und an fragte, ob der Spieler neben Gina ein gewisses Geltungsbedürfnis hat.

Potsdam feiert sein Brückenfest. Die Humboldtbrücke ist gesperrt. Nach 9 Jahren Bauzeit ist sie fertig, das muss gefeiert werden. Auf einem Freitag, an einem Werktag. Eine von zwei Brücken, die Potdam mit der Außenwelt jenseits der Havel verbinden. Diese Brücke muss gesperrt werden, wegen des Brückenfestes. Zur Fertigstellung, auch wenn die Brücke streng genommen erst in vier Monaten fertig ist. Aber die Baustelle hat 9-jähriges Jubiläum.

Mit ähnlichen Unverständnis wie das Schachkid reagieren wohl auch tausende andere Autofahrer, die in Potsdam stundenlang im Stau stehen, weil die unfertige Brücke gesperrt ist. Weil einige 100 Leute und Politiker eine unfertige Brücke feiern, die nach 9 Jahren immer noch nicht fertig ist.

Das sprachlose Schachkid kommt von einer Wohnungsbesichtigung in Potsdam Babelsberg gefahren und will zur Nachmittagsrunde des Schachturniers. Da wird das Schachkid angesichts des Staues doch sehr unruhig.

Die Wohnung gefiel dem Schachkid. Daher überlegt das Schachkid, ob Babelsberg ein lohnende Ziel ist. Und was ist dann mit dem Schachverein? Den SV Briesen verlassen und in Potsdam einen Verein suchen? Aber welchen? Empor, PSV Mitte oder USV? Das Schachkid wird sich alle Vereine genau ansehen und auf seinen Schachblog berichten.

Mit Erhard Bornhöft wartet ein 82-jähriger Senior mit einer stolzen 1851 DWZ und jeder Menge Schacherfahrung in der vierten Runde auf das Schachkid. Da heißt es überlegen.Im 13. Zug hat das Schachkid keinen Plan, 13. Lg5 scheint noch attraktiv zu sein. Der Zug lässt für Weiß einen Doppelbauern zu. Deswegen gefällt der Zug dem Schachkid nicht. Die Engine zeigt in der späteren Analyse aber genau diesen Zug an und empfiehlt auch nichts besseres.

Stärkung muss her. Drei Tische weiter liegen drei Salatköpfe neben dem Brett. Das Schachkid ist neugierig und rückt näher. „Ja“, erklärt die fesche Mecklenburgerin am Schachbrett, das sei Ihr Snack. Das Schachkid kann es kaum glauben. Die Mecklenburgerin lässt Taten folgen, schnappt sich Salatkopf und das Schachkid. Man begibt sich vor das Spiellokal. De Salatkopf wird gerupft. Nebenan stehen Schachspieler in der Ecke und drehen sich Zigaretten. Das Schachkid steht herum und dreht sich ein Salatblatt. Verdammt, ist das lecker. Das muss sich das Schachkid merken.

Es folgt eine Stellung, in der das Schachkid überhaupt keine Möglichkeiten hat. Man schiebt hin und her auf der Suche nach einem kleinen Vorteil. Eine Spielweise, die dem Schachkid überhaupt nicht behagt.

Das Schachkid ist schlecht gelaunt. Der Schachwizard sieht es und empfiehlt zur Stimmungsaufhellung einen Besuch bei Alba Berlin, es sind die Playoffs. Das Schachid denkt nach. Eishockey und Fussball kennt das Schachkid schon, Basketball nicht. Also schnell gespielt und aufgeben. Bei längeren Nachdenken schien die Stellung verteidigungsfähig. Andererseits, war eh bald matt. Manchmal muss man auch abseits des Schachbretts nach Gelegenheiten Ausschau halten.

Also ab mit dem Schachwizard und dem Stader zum Basketball. Beide haben Tickets im Fanblock. Das Schachkid hat noch nix. Ab zur Kasse. Es gibt nur noch Tickets im Oberrang. Da sieht man nix, also werden 50 € in ein Premiumticket investiert. Ist jetz auch egal, wo das Schachkid schonmal da ist.

Das Schachkid schaut dem Basketballspiel zu und wundert sich, denn es hat vom Basketball keine Ahnung. Da tutet es alle 25 Sekunden und das Spiel stoppt. Taktiken erkennt das Schachkid nicht, nur ab und an clevere Dribblingeinlagen. Reihenweise werden Fouls gepfiffen, wo das Schachkid nix sieht. Der Albatrainer macht den Berlusconi und flippt total aus. Cooler Typ! Die Atmosphäre ist toll.

Das Spiel ist vorbei, ab zum Auto. Wo ist das Auto? Das Schachkid war clever und hat sich B78, den Stellplatz gemerkt. Gut,dieses Parkhaus ist es nicht, da stehen nur A’s. Also ab ins nächste Parkhaus.

Wo ist die Etage B? Ach, es gibt 6 Etagen mit der Bezeichnung B? Merde… Man ist Treppen gelaufen, also muss das Auto oben stehen. 4 Etage nix, 5. Etage auch nix… Soweit oben kann es nicht gewesen sein. 6. Etage ganz oben? B78 ist durch einen häßlichen Open belegt, kein schnuckeliger Kia in Sicht. Wo ist das Auto?

Das Schachkid hat eine Idee. Kia hat für schusselige Leute wie das Schachkid vorgesorgt. An der Fernbedienung des Autos ist ein roter Knopf. Drückt man diesen, blinkt, trötet und hupt das Auto ohenbetäubend vor sich hin. Das Schachkid steht in der 6. Etage des Parkhaues und drückt den roten Knopf. Tatsächlich, es hupt von unten aus der Ferne. Das Schachkid arbeitet sich zur 5. Etage vor und drückt erneut auf den roten Knopf. Das Hupen ist näher, aber immernoch von unten.

Ab in die 4. Etage… Es hupt und blinkt von unten, das Schachkid sieht Lichtspiele in orangenen Farben in der Glasfront des gegenüberliegenden Hochhaus. Auto ich komme! 3. Etage, man ist wieder vereint. Glücklich schaut das Auto das Schachkid an!

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