Das Schachkid, Düsterness und der Frühling

Das Vereinsheim der TSG Oberschönweide liegt für Berliner Verhältnisse im Nirgendwo, dafür idyllisch an der Wuhlheide und der Spree gelegen. Die Sonne scheint, Vögel zwitschern. Der Ruderclub von nebenan putzt die Boote. Und am 7. März 2015 fand hier ein Schnellschachturnier statt.

Das Schachkid tritt vor das Spiellokal und fragt sich, ob man wirklich schon vor selbigen. um elf Uhr morgens eine Flasche Bier trinken muss. Drinnen hängt ein altes Bild. Sieht aus, als ob Picasso Stalin gemalt hätte.

Drinnen wartet die übliche sehr bunte Mischung. Großmeister und Kinder, Kinder die schon fast eine 2000 haben. Elegant gekleidete Spieler, aber die Mehrzahl übergewichtig und etwas verlotternd aussehend, das Schachkid mit seiner Sturmfrisur eingeschlossen. Man sieht gleich, es sind Schachspieler. Wieso gibt es bei Schachspielern keinen David Beckam, was das Aussehen angeht? Da hat der Fussball dem Schach eindeutig was voraus.

Gespräch an der Bar: Wer mehr Fehler macht, hat weniger DWZ. Aber gut sind wir alle. Der Wirt grinst und massiert einen Spieler zur Motivation die Schultern. Der Turnierbeginn verzögert sich,man wartet auf den Schienenersatzverkehr. Typisch Berlin. Wo kein Flugzeug fliegt, fährt eben auch keine Bahn.

Das Schachkid legte gleicht standesgemäß los und stellte gegen den symphatischen Christian Peters von Alt Tegel erst die Qualität und dann den ganzen Turm ein. Um sowas zu gewinnen, muss der Gegner keine 2100 haben. Das Schachkid hat schon keine Lust mehr und überlegt, bei dem schönen Wetter sich samt Laptop in ein Kaffee zu setzen und etwas für die Schule zu tun.

Die nächste Runde gegen Schachfreund Burkhardt begann so, wie die letzte Runde endete. Das Schachkid misshandelte die slawische Eröffnung und hatte nach fünf Zügen zwei Bauern weniger. Der filmende Vater war dafür wieder von der Partie und filmte die Partie des Junior am Nachbarbrett. Das Schachkid überlegt nun ganz intensiv, nach Hause zu gehen und die Sonne zu genießen. zumal das Spiellokal sehr dunkel ist und eine miese Luft hat.

Dritte Runde, draußen scheint die Sonnne. Es geht gegen einen Nachwuchsspieler namens Johann, den Nachnamen hat das Schachkid schon verdrängt. Es wird was englisches, bald hat das Schachkid komischerweise einen Läufer weniger, die Nase voll und Hunger.

Das nach der 3. Runde versprochene Mittag Essen ist nicht in Sicht. Der Wirt meint auf Nachfrage nur genervt: Da musste den Turnierleiter fragen. Dem Schachkid ist es nun endgültig zu viel. Es sagt dem Schiri, dass es nun zu gehen Gedenke. Der meint nur unwirsch: „Da brauchst Du Dich hier nicht wieder sehen zu lassen. “ Vielleicht hätte das Schachkid an dieser Stelle sein Startgeld zurück fordern sollen. Oder dezent darauf hinweisen, dass für dicke Oberschönweider das Briesener Open ab sofort tabu ist. Allein,  das ficht das Schachkid nicht an. Es ist gefürchtet für seine spontanen Entscheidungen und ist im Spreewald auch schon mal nach der dritten Runde zwei Stunden lang mit dem Boot durch die Gegend gefahren, um die siebte Runde noch zu gewinnen.

Also raus aus dem muffigen und dunklen Spiellokal und ab in die warme Frühlingssonne. Die Stimmung steigt und das Schachkid weiß, richtige Entscheidung getroffen. Am Potsdamer Platz protestieren singend als Gemüse verkleidet kleine Japanerinnen gegen Atomkraft. Das gibt es echt nur in Berlin. Und das Schachkid sitzt gut gelaunt bei Starbucks und schreibt entspannt diese Zeilen.

 

 

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