20. Juli 2020

39. St. Veiter Jacques-Lemans-Open – Das gute Bierstüble

Letzter Tag, heute geht es schon um 10.00 Uhr los. Alle sind hochmotiviert.

Das Schachkid spielt gegen einen noch nicht ganz so alten Senior, der allerdings ziemlich nach Qualm riecht, offenbar ein starker Raucher. Der  Gegner zieht 1. d4 und bietet sogleich Remis an. Er müsse noch 400km fahren und könne nicht da bleiben. Das Schachkid will kein Remis und bietet ersatzweise an, etwas schneller zu ziehen. Das käme dem Schachkid auch entgegen. Der Gegner entgegnet, es gehe ihm nicht um die Dauer der Partie. Das Schachkid ist etwas ratlos.

12 Züge, Königsindisch ist auf dem Brett. Der Gegner spielt die Variante mit Lg2. Das Schachkid kann sich nur vage erinnern, das man nicht am Königsflügel angreifen soll, sondern am Damenflügel. Nach 12 Zügen steht das Schachkid ein wenig schlechter. Was auch der Gegner behauptet, nachdem er das Remisangebot des Schachkids annimmt. Depp, denkt das Schachkid, dann spiel halt weiter, wenn er meint, dass er besser steht.

Das Schachkid begibt sich erstmal in die Stadt, um in dem Eine-Welt-Laden ein paar schöne kulinarische Leckerlies zu kaufen. Erstmal ist aber der österreichische Bauernmarkt dran, den das Schachkid erspäht. Lauter Stände mit regionalen Produkten. Das Schachkid fragt nach, wie lange der Markt noch offen hat. 15 Minuten – das Schachkid ist Gott sei Dank erfreulicherweise mit Bargeld und Rucksack gut ausgerüstet. Innerhalb von 15 Minuten ist der Markt abgeklappert und 60 € in diverse Würste, Schinken und Alkoholika investiert.

Der Dr. Dave hat in der letzten Runde seinen Gegner vom Brett gefegt. Man kann sagen, er hat mit ihm den Boden gewischt. Ihn quasi gebrochen. Der Dr. Dave kennt da nix und ist wie auf dem Brett wie eine Dampfwalze, nur schneller, und alles platt machend. Nach diesen furiosen Sieg ist der Dr. Dave so erschöpft, dass er sich erstmal hinlegen muss. Das Schachkid klingelt ihn trozdem mal aus dem Schlaf und fragt nach, wo er ist. Aufgrund eines sehr rüden Anranzers des müden Dr. Daves begibt sich das Schachkid erstmal zur Hotelbar und trinkt einen kleinen Rotwein.

Der künftige FM spielt derweil lange gegen einen Titelträger, einen sagenumwobenen NM. Den Titel gibt es in Deutschland nicht, es ist eine österreichische Besonderheit. Für mehr als Remis reicht es in der letzten Runde nicht.

Noch zwei Stunden bis zur Siegereherung. Der Dr. Dave schleicht sich heimlich aus dem Hotel und kauft Sandwiches für die Rückfahrt. Seine Mitreisenden lässt er hungern. Das Schachkid erspäht ihn jedoch mit einem Glas Rotwein in der Hand von der Hotelbar aus, wie er sich wieder ins Hotel reinschleicht.

Die Siegerehrung erfolgt ohne Masken in der Halle, die Leute sitzen etwas dichter zusammen. Auch bei der Siegerehrung ist Abstand nicht unbedingt das Gebot der Stunde zwischen den Gewinnern und den zahlreichen anwesenden Funktionären – angefangen vom Bürgermeister, über Gemeinderatsmitgliedern bis hin zu Amtsträgern des österreichischen Schachbundes. So ganz konsequent wird das Hygienekonzept nicht durchgezogen frei nach dem Motto – in den letzten 20 Minuten wird sich jetzt auch keiner mehr anstecken.

Da das Schachkid die Hotelbar und das gemütliche Mobilar dort nicht mit nach Hause nehmen kann, muss zumindest der Wein mit. Aber erstmal muss der Dr. Dave mit zum Weingut, er kann ja nun nicht ständig schlafen. Das Weingut Taggenbrunn ist das größte Weingut Kärntens. Oben auf der Burg tront eine Burg. Unten gibt es ein edles Hotel. Das Schachkid will den Zweigelt, und ein wenig Weißwein für die nächste Skatrunde. Der Dr. Dave weigert sich beharrlich, das schöne Weingut zu betreten. Er ist mehr der Biertrinker. Das Schachkid schaut sich um und kauft vorsichtshalber den halben Laden ler. Und muss mehrmals zum Auto laufen, der Dr. Dave telefoniert ja noch. Das Weingut führt auch das gute österreichische Hirter Bier . Der Proviant für die Heimfahrt ist gesichert.

Der Dr. Dave und das Schachkid schmieden Pläne für den Abend. Der künftige FM soll befragt werden und ist weg, nicht auffindbar. Und nicht erreichbar. Im Laufe der nächsten drei Stunden werden mehrere SMS abgesetzt. Whats App hat er nicht, zumindest nicht in Österreich mangels Datenvolumen, da ist er altmodisch. Das Schachkid versucht mehrfach anzurufen und wird einmal sogar weggedrückt. Der Dr. Dave und das Schachkid haben den Verdacht, dass sich der künftige FM heimlich auf eine Fete zu anderen juegendliche Schachspielern geschlichen hat und sich besäuft. Müssen die beiden alten Herren eben alleine ins Bierstüble saufen gehen.

Der schnieke Kellner, der fast so aussieht wie der Dr. Dave, nur rockiger, ist wieder da und bietet in seinem bezaubernden Dialekt allerei Getränke und eine Grillplatte feil. Das Schachkid kann sich merkwürdigerweise nicht an so viel erinnern. Außer, das der rote Spritzer, eine Rotweinschorle, wirklich schlimm geschmeckt hat. Auf dem Rückweg gibt die Stadt nochmal alles zum Abschied. Auf zwei kleinen Bühnen spielen Bands, und das wirklich nicht schlecht. Das Schachkid tanzt den Dr. Dave probehalber mal an und versucht, sich bei diesem einzuhaken. Leider ist dieser etwas unmusikalisch und guckt das Schachkid etwas panisch an. Da muss das Schachkid wohl allein auf dem Zimmer weiter tanzen.

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