28. Erfurter Schachfestival – Alle zu schnell

Dritter Tag – es zeigt sich, nach 9.00 Uhr sollte man nicht zum Frühstück erscheinen. Sonst gibt es keine Tische mehr. Das Schachkid sitzt schon eine Weile und liest mit Wonne seine Tageszeitung, neuerdings auf dem IPad. Das macht das Schachkid sehr gerne, daher ist es ihm sehr wichtig. Der Gast, der sich wegen des vollen Raumes an den Tisch des Schachkids begibt, versteht jedoch die Signale nicht. Er murmelt ab und an etwas und stellt dem Schachkid eine Frage. Das Schachkid gibt eine kurze Antwort und widmet sich wieder seiner Lektüre. Was der Tischgenosse zum Anlass nimmt zu fragen: „Darf ich Sie beim Lesen stören?“ – Das Schachkid ist versucht zu antworten: „Nein“ oder „Hast Du gerade, Du Idiot“. Aber nein, das Schachkid ist ja höflich, sieht aus dem Augenwinkel die Lubbes, die auch verzweifelt einen Tisch suchen, und tauscht sich mit dem Tischnachbarn über fehlende Kaffeekannen aus. Zweifellos interessanter als die Analyse der Welt von Trumps neusten Eskapaden.

Nun ein Thüringer aus Mühlhausen. Die können nicht nur Pflaumenmus, sondern auch Schachspieler. Die Eröffnung der Runde folgt. Erfreulicherweise haben sich diverse Dinge wieder angefunden. Die Eröffnungsmusik der Runden, das Hotel hatte die CD verschlampt. Und der Fotograf, dem es erfreulicherweise wieder besser geht und der sogleich loslegt. Dazu noch schöne personalisierte Stifte mit eingeprägten Namen. Das Schachkid hat schon eine schöne Sammlung.

Der Gegner legt los und will offenbar Londoner System spielen. Das Schachkid fühlt sich an die Partie von gestern gegen den Schachfreund Töpfer erinnert und versucht ähnlich zu spielen. Weiß muss einen Läufer tauschen und erhält einen Einzelbauern auf e4. Schwarz beherrscht die c-Linie, eine annehmbare Stellung.

Aber beide Seiten spielen zu schnell, 40 Züge in einer Stunde, und übersehen so ihre taktischen Möglichkeiten. 22. Sxf7 sieht sehr gefährlich aus. Schwarz verpasst dafür den Bauerngewinn mit 29. …. Tc1+ 30. Txc1 Sx2 + 32. Kf1 Sc1 und der a- oder b-Bauer muss dran glauben. Das Remis ist gerechtfertigt. Zu schnelles Spiel und taktische Fehler, diese Schwächen hatte das Schachkid eigentlich schonmal abgestellt.

Ralf findet sich in einem Turmendspiel mit einem Bauern weniger wieder. Laut Karsten Müller ist hier die Remisbreite sehr hoch. Aber der Gegner weiß es besser. Also wieder kein Punkt für den armen Ralf.

Man sucht den mysteriösen Weihnachtsmarkt. Google zeigt ihn vor dem Dom. Ralf mit seinem scharfen Verstand zweifelt und hat ein anderes Navi, er soll hinter dem Dom sein. Ralf ist unerbittlich und jagt das Schachkid die Domstufen hoch. Und tatsächlich, ein wunderschöner Weihnachtsmarkt wie im Mittelalter. Ein Stand mit Brot – das Schachkid fragt nach dem Inhalt des Backbrotes. Die Verkäuferin fragt „Kannst Du Lesen?“ und deutet auf ein Schild. Das Schachkid möchte antworten „Kannst Du verkaufen?“ , spart sich aber die Antwort und isst am nächsten Stand ein Honigsteak bei freundlichen Personal.

Die Mohrenköpfe sind ein Flop – mi Erdbeerschaum, bäh… Das Schachkid erwirbt eine Lederhalskette mit einem Krummsäbel. Der wird Glück bringen. In den Katakomben des Doms sitzt ein Kreuzritter und fragt, ob das Schachkid „Die Rosen von Jericho“ kenne. Das Schachkid kennt nur die Posaunen. Offenbar handelt es sich um 300 Jahre alte Wüstenpflanzen, die grün werden, wenn man sie mit kochendem Wasser übergießt. Das Schachkid ist begeistert und nimmt drei Stück.

Der wunderbare Weihnachtsmarkt ist bedroht und soll nicht mehr stattfinden. Offenbar hat in der Nähe ein Ehepaar ein Haus gekauft und klagt nun wegen Lärmbelästigung. Da muss der Markt nun weg. Der Dom, der 2 m neben dem Weihnachtsmarkt steht und immer zur vollen Stunde bimmelt, kann offenbar noch nicht weggeklagt werden. Armes Erfurt! Eine Petition zum Erhalt des Weihnachtmarktes wird noch vor Ort unterschrieben.

Zweite Partie heute – das Mädel spielt Pirc. Das Schachkid glaubt sich im Franzosen, ist sich aber nicht ganz sicher und geht daher erstmal vorsichtshalber zur Bar, einen grünen Tee holen. Eine Stunde und 13 Züge später machen Weiß und Schwarz Verlegenheitszüge. Offenbar hat das Mädel keine Idee, das Schachkid aber auch nicht und bietet daher probehalber Remis an. Halber Punkt und wieder ab in die Bar, während Ralf noch zu tun hat. Aber dann auch nur ein Remis schafft. Schachlich läuft es dieses Jahr bei keinen so richtig rund.

Ab ins Lousiana  und Alligator essen. Hier es es voll, was für das Restaurant spricht. Danach ab in die Hotelsauna. Hier ist es voll, was für die Sauna spricht. Ab an die Bar. Hier ist es voll, was für die Bar spricht. Heute sind andere Mitarbeiter da und haben die Lage deutlich besser im Griff. Es ist voller und trotzdem geht es schneller und der Service ist aufmerksam.  Sicher ist der Job auch nicht einfach.

Dritter Tag vorbei und mit Bedauern muss das Schachkid feststellen, dass das Turnier sich schon wieder dem Ende neigt und das neue Jahr mit Riesenschritten naht.

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