Regionalliga Ost: Potsdamer SV Mitte III – ESV 1949 Eberswalde III

Ankunft im Spiellokal – Eberswalder, wohin man guckt. Vorne, hinten, überall. Mit 17 Mann sind sie gekommen. Vermutlich haben sie einen eigenen Mannschaftsbus.

Der Mannschaftsleiter gibt schon wieder Süßes aus. Krapfen – heute ist ja Fasching. Mal sehen, ob jemand um 11.11 Uhr Hellau schreit. Das Schachkid kommt in diesem Schachverein einfach nicht zu seiner Diät. Um 11.00 Uhr fühlt sich das Schachkid auch schon total unterzuckert. Das achte Brett hat Mitleid und spendet seinen Krapfen an das Schachkid. Nach zwei verputzten Krapfen kann sich der Gegner nun warm anziehen.

Mätzkow sen. schießt Fotos. Dem Schachkid geht das Geblitze auf die Nerven. Es überlegt kurz als frisch ernannter Datenschutzbeauftragter des PSV Potsdam Mätzkow sen. darüber zu informieren, dass er nach der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) die Einwilligung der Fotografierten benötigt. Kurz ist das Schachkid versucht, ein paar Artikel aus der DSGVO zu zitieren.

Achtes Brett, beide Seiten sind empört. Die Eberwalder Seniorin ruft laut „Danke schön!“. Entsetztes Stöhnen auf der Potsdamer Gegenseite. Offenbar ging die Dame verlustig. Die Eberswalderin fragt ganz empört: „Haben Sie den Zug denn nicht gesehen?“ und packt zusammen. Sie wird aber schnell darauf aufmerkam gemacht, dass die Partie noch nicht gewonnen habe, da der Gegner weiterspielt. Da half auch der Hinweis „Aber ich habe seine Dame genommen.“ nicht. Eine Partie ist eben erst dann zu Ende, wenn sie zu Ende ist.

Das zweite Potsdamer Brett gleicht um 11.30 Uhr aus und zerrupft seinen Gegner förmlich. Dame und Springer haben den gegnerischen König eingekreist und bringen diesen zur Strecke.

Heute mal mit Weiß, Hoffnung auf Schottisch. Dem geht der Gegner gleich mit 2. … De7 aus dem Weg, und blockiert gleich mal den eigenen Läufer. Die Eröffnung kann nicht gut ein. Es geht munter mit einem Angriff 8. … g5 weiter. Der hier aber mit wenig Sinn und Verstand erfolgt. Es sind einfach keine Figuren entwickelt, die nachstoßen könnten. Weiß hat dagegen deutlichen Entwicklungsvorsprung, kann den aber auch nicht nutzen. 12. … Dxe6 ist ein wenig unsauber gespielt. 12. … Sx6, und der schwarze Springer hat Perspektiven.

Im 16. Zug stellt sich für Weiß die Frage, wie nun weiter? Was ist der korrekte Plan? Wenn man nicht weiter weiß, stellt man eine schlecht stehende Figur besser. Der Abtausch ist ganz gut. Vielleicht können die Türme ja nach d7 vordringen. Aber Schwarz verteidigt sich umsichtig. Aber man nährt sich dem Endspiel. Und das Schachkid ist zuversichtlich, mit einem Springer auf f5 hier besser zu stehen. Mit 21. Lxb6 wird der aktive schwarze Springer abgetauscht. Nun hat Schwarz zwar den Läufer, aber der taugt nix. Die Stellung ist geschlossen. Die schwarzen Bauern stehen auf der Farbe des schwarzen Läufers.

Nun beginnt ein langes Manövrieren. Der Vereinsvorsitzende schaut am Brett vorbei und rollt kurz mit dem Augen. Offenbar sieht das Schachkid den Gewinnweg nicht gleich. Aber schließlich wird der schwarze König abgedrängt. Der weiße Springer dominiert den schwarzen Läufer völlig, der zur Untätigkeit verdammt ist. Ein Bauer fällt, dem nächsten droht das gleiche Schicksal. Schwarz gibt auf.

Daheim reibt sich das Schachkid verwundert die Augen. Die Mannschaft hat 6:2 gewonnen. Danach sah es beim besten Willen nicht aus, als sich das Schachkid vom Acker machte. Insbesondere das erste Brett schien seine Partie vollkommen gedreht zu haben. Erst ein Bauer weniger, dann die Qualität für zwei Bauern mehr – da sitzt halt ein Könner.

PSV III ist  als Spaßmannschaft ohne größere Ambitionen gestartet. Dafür läuft es mit zwei Siegen in Folge dann doch überraschend sehr gut.

21. Eckbauer-Open – Konfuses Sizilianisch

Zweite Runde in Berlin, wieder ein Montag. Der Montag als Turniertag hat den Vorteil, man ist noch vom Wochenende fit. Einige sind offenbar schon aus dem Turnier ausgestiegen. Jedenfalls warten einige vergebens auf ihre Gegner.

Das Schachkid hat es nicht leicht, eine veritable 2000 wartet. Immerhin die Nr. 5 der Setzliste. Auch nicht leicht hat es der Spieler einige Bretter weiter. Sein Gegner beschwert sich lautstark und im grimmigen Tonfall, da er immer so doll auf die Uhr hauen würde. Da hat wohl jemand eine schlechte Stellung.

Das ist wieder so eine typische Ich-will-nach-Hause-aufs-Sofa-Montagspartie. Das Schachkid sitzt da, fragt sich, was es eigentlich hier macht und will nach Hause aufs Sofa. Defenders gucken bei Netflix zum Beispiel. Von der Eröffnung kein Plan, das Schachkid arbeitet gefühlt seit 100 Jahren an einem Repertoire. Im 13. Zug wird erstmal ein Bauer eingestellt. Doch das Schachkid schlägt zurück, und zwar im 19. Zug. Schwups, wird der Bauer zurück gewonnen. Dies scheint den Gegner zu beschäftigen, denn jetzt überlegt er 30 Minuten lang. Dann entschließt er sich zum Angriff, den das Schachkid wenig entgegenzusetzen hat. Das Schachkid versucht Gegenspiel am Damenflügel und spekuliert auf den schwarzen Bauermflügel auf b5. Aber der Gegner spielt klar energischer. Und den Schlusszug hat das Schachkid gar nicht gesehen. Schwarz gewinnt völlig verdient.

Der Superdave bekommt bei so Open immer die stärksten Gegner. Erst in Zehlendorf den IM Brustkern, den er ummacht. Jetzt IM Ulf von Hermann am Brett 1. Das Schachkid sitzt praktischerweise gleich ums Eck und muss nur mit den Stuhl kippeln und den Hals recken, um die Stellung zu sehen. Wenn das Schachkid um die Ecke lugt, sieht es aber meist nur einen die Stirn runzelnden Superdave, der offenbar unzufrieden ist. Ulf von Hermann spielt offenbar unorthodox und gewinnt im Verlaufe der Partie 2 Bauern. Der Superdave flüchtet mit der kurzne Rochade und geht mit g4 zum Gegenangriff über. Nicht der einzige Königsbauer, den er in die Schlacht wirft. Doch IM von Hermann ist routiniert und holt den Punkt. Und schien doch vom Superdave beeindruckt zu sein, so dass der IM früh ausgetretene Theoriepfade in der Partie vermeidet.

Noch ein kleiner Zwischenstopp wo in Berlin eingelegt. Schwupps, ist es 0.30 Uhr. Arbeitendes Volk, das Schach spielen will, hat es nicht leicht.

Potsdam PSV III – Fürstenwalde II – Der Einschlag auf f7

14. Oktober 2018 – Berliner Verhältnisse in Brandenburg. Die Saison geht dieses Jahr sehr spät los, während die Berliner schon die zweite Runde spielen. In den letzten beiden Jahren war es anders herum. Das Schachkid muss es wissen. Es besitzt in beiden Bundesländern reichlich Spielerfahrung.

Mitttlerweile ist das Schachkid beim PSV Potsdam angekommen. Hier spielt das Schachkid in der 3. Mannschaft, kurioserweise in der Regionalliga Ost. Das Schachkid zieht von Fürstenwalde nach Potsdam um, um dann lustigerweise in deer Schachliga zu spielen, wo das Schachkid viele Jahre mit Briesen gespielt hat. Das lässt auf vertraute Gesichter hoffen Immerhin kommt Schwedt nach Potsdam.

Heute wird es noch vertrauter, Fürstenwalde ist da. Das Schachkid war mal Mitglied bei Fürstenwalde. Gut, wo war das Schachkid mal nicht Mitglied, wird sich jetzt mancher Leser denken. Seinerzeit war der Schachverein gespalten in zwei Mannschaften. Die eine Fraktion trat sehr arrogant auf und war gar nicht nett. Die andere Fraktion war nett und symphatisch. Heute sind die Netten da.

Der PSV spielt in einer Schule, was großzügige Räumlichkeiten zulässt. Da kennt das Schachkid auch andere Spiellokale. Die Kirchenbaracke in Briesen zum Beispiel mit einer Toilette für 16 Spieler. Wenn da einer länger sitzt, wird es eng. Genütlich war es da trotzdem immer. Der Potsdamer Mannschaftsleiter verteilt vorbeugend Hanuta an seine Schäfchen. Also heute keine Diät, Hanuta ist wichtiger. Eine sehr nette Geste vom Mannschaftsleiter.

Heute ist Daniela am Brett 3. Der Gatte spielt ein Brett weiter. Daniela und das Schachkid kennen sich seit vielen Jahren. Nominell ist das Schachkid stärker und sollte gewinnen.

Es wird ein Königsinder. Daniela kennt sich aus, wie sie später sagt, da sie ihn selber spielt. Das Schachkid wird den Königsinder nun sein lassen. Immer steht man als Schwarzer so gedrückt da. Das ist dem Schachkid nix. Das Schachkid ist fertig entwickelt, es wird b5 geplant. Daniela plant derweil Aktivitäten am Königsflügel,die das Schachkid eher als ungefährlich ansieht. Vorsichtshalber wird mit 17. … Sxe3 der weiße Läufer weggetauscht. Jetzt kann nix mehr passieren.

Um so perpflexer ist das Schachkid nach dem Einschlag 21. Sxf7. Kommt völlig überraschend und unauffällig gut von Daniela vorbereitet. Was nun tun? Die Partie ist weg. Genommen werden kann der Springer nicht. Sonst folgt Lxg6. Bleibt nur 21. … Lf5, um den Angriff abzuschwächen. Nun könnte 22. Sxh6+ kommen und der König wird zum Freiwild.

Es kommt zum Damentausch, der Angriff schwächt sich ab. Nun muss das Schachkid mühevoll die Stellung wieder ausgleichen. Ab dem 30. Zug kommt es zum Turmendspiel. Fast 40 Züge braucht das Schachkid noch, um zu gewinnen. Es kann aber auch anders enden. Für beide Seiten ist es sicher schwer, einen Plan zu finden. Vielleicht muss Daniela etwas aktiver spielen und versuchen, die schwarzen Bauern von hinten anzugreifen, z.B. über Th8 den Ba5 . Wie sagte des Schachkids Trainer? Turmendspiele haben eine große Remisbreite und sind sehr rechenintensiv. Das gilt besonders bei einem Stand von 3,5-3,5, wenn beide Mannschaften zugucken, weil der Sieg in der Partie den Mannschaftssieg sichert.

Der PSV gewinnt knapp mit 4,5:3,5 gegen Fürstenwalde. Daniela hatte gegen das Schachkid eigentlich gewonnen. Aber Glück gehört manchmal dazu, sodass das Schachkid den Punkt einfahren konnte. Das wird ja eine lustige Saison werden.

21. Eckbauer Open – Auftakt nach Maß

Das 21. Eckbauer-Open stehen an. Das Schachkid und der Superdave spielen mit.  7 Runden jeweils Montag werden bei dem nach eigener Aussage ältesten Schachverein der Welt gespielt. 65 Teilnehmer haben sich eingefunden.

Das Schachkid ist nicht sehr motiviert. Abends spielen ist nicht so sien Ding. Aber ehe man daheim auf dem Sofa hockt. Und die Gegner haben ja auch einen Arbeitstag hinter sich. Das Schachkid ist schon eine Stunde eher da. Die braucht es auch. Parkplätze sind hier rar und die Suche danach eine Katastrophe. Aber das Schachkid hat bei zwei Sachen immer Glück – einen leeren Tisch im vollen Cafe zu finden und einen Parkplatz zu ergattern. Das Spiellokal liegt in einemm netten Kiez. Gegenüber ist eine Bierstube, die wird nach der zweiten Runde ausprobiert. Heute muss die urige Pizzeria gegenüber her halten, Dem Schachkid ist nach Rotwein und Pizza. Der Service legt Zucherro auf. Der Superdave trinkt Cappuccino, hungert vor sich hin und macht große Augen, als die Pizza des Schachkids kommt. Ist aber auch ein riesiges Ding, die Pizza…

Gleich in der ersten Runde kommt ein starker Gegner. Erwin erinnert sich mit Wonne an eine Partie, die man vor vier Wochen beim Amateurcup der Schachfreunde Berlin gespielt hat. Da hat das Schachkid im 9. Zug eine Fifur stehen gelassen und aufgegeben. Da hat der Gegner aber Glück, dass er nett ist. Sonst wäre das Schachkid jetzt sauer. Und nimmt sich heimlich vor, diesmal mindestens 10 Züge zu machen.

Es entwockelt sich ein Königsinder. Mit dieser Eröffnung hat das Schachkid sehr wechselvolle Erfahrungen gemacht. Heute läuft es, Erwin spielt nicht sehr aggressiv. Bolognan hält 5. … d5 nicht für sehr ambitioniert. 9. Lxf6 tauscht ohne Sinn den Läufer ab. Zumindest sieht das Schachkid keinen Sinn. Vo 13. Sd6 hatte das Schachkid etwas Angst, kommt aber nicht. 18. Dh4 findet das Schachkid stark. Plötzlich  drohen Drohungen am Königsflügel auf. Der weiße Springer wird jetzt aber erstmal über das Brett gejagt und macht keine gute Figur. 21. h4 ist etwas fraglich und nach 21. Se5 hhat der weiße Springer keine Felder mehr. Leider fällt das Schachkid in alte Muster zurück und denkt nicht nach. Statt 22. … Txd1 mit Springergewinn zu spielen, wird es nur  ein Mehrbauer, aber immerhin…

Erwin scheint nach einigen Zügen aber doch besser zu stehen. Zumidnest die d-Linie sieht stark aus. Und die schwarzen Türme können sich kaum bewegen. Das Schachkid versucht ein Läuferopfer und setzt auf Remis durch Dauerschach. Das kann Weiß kaum vermeiden. Ein Auftakt nach Maß. Das Schachkid ist zufrieden.

Der Superdave hat offenbar rasch viel abgetauscht und findet sich in einem zähen Turmendspiel wieder, was er stundenlang kneten muss. Aber erst schraubt er dem Gegner einen Bauern ab, dann noch einen Bauern. Endspiele scheint der Superdave zu können und gewinnt.

Kommende Woche wird es ganz schwer. Der Superdave muss gegen IM Ulf  von Hermann ran. Aber in Zehlendorf hat der Superdave ja schon FM Brustkern erledigt. Da muss sich der Superdave warm anziehen. Mit Martin Gebigke bekommt das Schachkid auch kein Leichtgewicht. Mal sehen…

14. Wildauer Dahmelandpokal – Beschwipst am Brett

4. Runde am Tag 3. So eine verrückte Auslosung hat das Schachkid noch nie erlebt. Die Gegner werden von Runde zu Runde stärker, obwohl das nicht punktet. Heute geht es gegen einen Vereinskameraden. Jose ist an Nr. 2 gesetzt, hat aber offenbar noch nichts gerissen. Was auch kein Wunder ist. Der Arme ist schwer erkältet und schnieft am Brett vor sich hin.

Wieder so eine verrückte Caro-Kann-Variante, die sich das Schachkid dringend mal anschauen muss. Jedenfalls wird das Schachkid in der Variante regelmäßig vom Schachwizartd im Blitz zerpflückt. Das Schachkid weiß gar nicht, warum Weiß nicht 9. Sxh5 nimmt. Immerhin ein Bauer mehr. Jose spielt recht dynamisch und greift gleich an. Andererseits weiß der weiße König aber auch nicht recht, wohin er rochieren soll. Schwarz steht dafür gedrückt, kann sich aber etwas Luft verschaffen. Dann will Schwarz am Königsflügel angreifen mit g5. 23. … Le7, um g5 zu decken, bringt aber offenbar die schwarze Stellung zum kippen. Jose greift konsequent an und fährt seinen ersten Punkt ein.

Das Wetter gibt nicht viel her. Das Schachkid speist im nahe gelegenen Bootshaus am See. Der Kellner überhört die Bestellung der Vorsuppe, wird diese eben nach dem Hauptgang verspeist. Am Nebentisch empfiehlt der Kellner Erdbeerbowle zum Aperativ, dem Schachkid nicht. Am weiteren Nebentisch empfiehlt der Kellner Dessert und Esspresso. Das Schachkid wird nur kurz nach weiteren Wünschen gefragt. Offenbar sieht das Schachkid heute mit roter Hose, roten Pullover und Dreitagebart nicht sehr seriös aus. Das Schachkid protestiert, der Kellner bringt die Erdbeerbowle zum Nachtisch und macht den Rest mit Humor wett. In Kombination mit einem großen Bier namens Rotkehlchen wird der Rückweg zum Spiellokal recht beschwingt. Dort dreht sich das Schachbrett.

Am selbigen sitzt nun ein 11-jähriger aus Fürstenwalde, der sich wie Bolle freut, dass er in 37 Tagen 12 Jahre wird.  Das Schachkid ist veersucht, kurz zu erwähnen, dass es ab 18 nur noch abwärts geht, lässt es dann aber doch bleiben.

Zur Partie muss nicht viel gesagt werden. „Er zieht die Bauern noch rückwärts.“ wie der geschätzte und in 2018 viel zu früh verstorbene Dr. Jochen Weigend, der Jugendtrainer des Schachkids, gesagt hätte. Hoffentlich sitzt er gerade auf einer Wolke und schaut zu. Es ist schön zu sehen, dass der Schachverein Fürstenwalde offenbar mit viel Engagement und Herz Nachwuchsarbeit betreibt.

Nur 1,5 Punkte sind kein dolles Ergebnis, aber bei den starken Gegnern auch keine Überraschung. Die Wildauer haben wieder ein schönes Turnier ausgerichtet. Und auch aus verlorenen Partien kann man ja was lernen.

14. Wildauer Dahmelandpokal – Keine Punkte, Starke Gegner

Heute mal eine problemlose Anreise, die Gegnerin wartet schon. WFM Müller-Ludwig spielt sonst in der Oberliga oder auch bei den Frauen in der 2. Bundesliga. Heute muss sie mit dem Schachkid vorlieb nehmen. Die Erfurterun begleitet ihre Tochter, die den Dahmelandpokal als Trainingsturnier nutzt.

In dieser Partie findet das Schachkid überhaupt keinen vernünftigen Plan. Vielleicht wäre 6. …Sbd7 korrekt gewesen. Aber der Läufer ist auch nach Sh4 weg. Schwarz steht im Laufe der Partie immer beengter. Mit 25, … g5 wird noch eine Drohung übersehen. Danach fliegt die Stellung sofort auseinander.

Zeit für die täglich Dosis Bewegung. Das Schachkid möchte abnehmen und versucht sich täglich zu bewegen. Dazu gibt es zwei Hilfsmittel. Ein Fitnssarmband Fitbit Charge 2 und Pokemon Go. Wenn man letzteres spielt, muss man sich zwangsläufig bewegen. Im nu sind 3000 Schritte getan und in den letzten vier Wochen 2 kg verdampft.

Pokemon und Schrittzähler führen das Schachkid zu einem Asiaten. Es schmeckt na ja…

Dritte Runde, die Auslosung meint es diees Jahr nicht gut. Das Schachkid macht keine Punkte, die Gegner werden trotzdem immer stärker. Mit Ole Zeuner wartet ein Schachzwerg mit einer stolzen 1900. Der Kleine spielt den Dahmelandpokal jedes Jahr mit. Aber am Brett  trifft man sich das erste Mal.

Nach 6. Sb5, der den Blumfeld-Angriff in der schottischen Eröffnung einleitet, runzelt der Kleine die Stirm. Er denkt nach, dann hat er es aber drauf. Er kennt sich aus und spielt die Variante völlig korrekt runter. Es wird recht taktisch. Am Ende macht das Schachkid mit 13. Sb5 den falschen Zug. Nach … Dxe3+ ist es für Weiß sofort vorbei. Das Schachkid spielt noch etwas weiter und kann die Partie noch etwas halten. Aber eigentlich ist es spätestens nach dem Damentausch vorbei aufgrund des Bauern weniger und der schlechten Bauernstruktur von Weiß.

Was am Sonntag kommt, weiß niemand. Die Turnierleitung hatt statt der 4. Runde die Auslosung der 1. Runde online gestellt. Die Tabelle deutet aber mit Jose Lopez auf einen starken Gegner hin.

14. Wildauer Dahmelandpokal – Start mit Tücken

Der 14. Wildauer Dahmelandpokal findet statt. Das ist umso erfreulicher, da es im letzten Jahr ungewiss schien, ob das Turnier auch im Jahr 2018 stattfinden würde.

Der Start in das Turnier verläuft mit einigen Schwierigkeiten. Dem Schachkid fallen die abendlichen Partien immer sehr schwer. Das Schachkid ist eher ein Morgenmensch. Um so schwerer fällt es, sich abends zu konzentrieren, erst recht nach einem Arbeitstag.

So auch dieses Mal. Der Arbeitstag dauert etwas länger als erwartet. Große und kleine Katastrophen wollen bewältigt werden. Das Schachkid arbeitet als Krisenmanager. Als solcher hat das Schachkid die Erfahrung gemacht, dass Ereignisse mit einem gewissen Krisenpotenzial grundsätzlich am Freitag, vor dem Wochenende, vor dem Urlaub und meist alles zusammen passieren.

Es bleiben immerhin 30 Minuten Zeit, um auf dem Sofa einen grünen Tee zu trinken. Der Sommer verabschiedet sich gerade mit einer Riesenshow, Regen und Sturm. Chaos auf dem Weg zum Turnier. Staubwolken von trockenen Feldern werden aufgewirbelt. Auf der Autobahn geht bei 10m Sichtweise nur Schrittgeschwindigkeit. Dann passiert es. Kurz vor dem Schachkid sind auf der Mittelspur drei Autos aufeinander gefahren. Der Wagen in der Mitte sieht übel aus, die Passagiere scheinen unverletzt.

Über 80 Spieler haben sich in Wildau eingefunden, erstaunlich wenig Brandenburger aus der Umgebung sind da. Keine Fürstenwalder oder Briesener, dafür Rüdersdorfer und Müncheberger und die unvermeidlichen Magdeburger Schachzwerge. Der dortige Nachwuchs weist beeindruckende ELO-Zahlen aus.

Das Schachkid hat Schwarz gegen Wolfgang Fiedler.Der Gegner ist ein netter Senior aus Berlin. Er will sich mit dem Schachkid unterhalten. Das Schachkid will seine Ruhe. Es kommt das Gespräch auf die Energiewende. Das Schachkid ist mittlerweile richtig genervt und erlaubt sich einen Hinweis, dass es seit mehr als einem Jahrzent bei E.ON arbeitet. In der Hoffnung, die Diskussion zu beenden. Der Gegner zeigt wenig Emphatie, versteht die Körpersprache des Schachkids nicht und redet unbeirrt auf das Schachkid ein. Das Schachkid hat wirklich nichts gegen nette Gespräche, aber für alles gibt es eine Zeit. Und am Brett will das Schachkid seine Ruhe haben.

Es kommt eine Variante im Caro-Kann mit Se5 auf das Brett, was das Schachkid nicht kennt. Manchmal geschehen Wunder. Die Tunierleitung erscheint. Es muss neu ausgelost werden. Gleicher Gegner, aber Farbwechsel.

Aljechin kommt aufs Brett. Das Schachkid nimmt sich Zeit. Neu erlernte Methoden der Stelungsbwertung kommen zu Einsatz FM-Bike und DFA. Es hilft tatsächlich, sich ausreichend Zeit zu nehmen, keine taktischen Einsteller vorzunehmen und Pläne zu finden. Ob diese korekt sind, ist eien völlig andere Frage.

Der Gegner spielt sehr zögerlich. 9. … Lb4 wäre ev. besser gewesen. Nach dem 17. Zug steht Schwarz wohl etwas besser. Insbesondere die weißen Läufer haben keine Perspektiven. Abtauschen oder nicht ist die Frage. Der Abtausch der Türme scheint nichts zu bringen. Daher entscheidet sich das Schachkid für Sd4. Vieleicht kann man den weißfeldrigen schwarzen Läufer vom Brett nehmen.

18. … a6 scheint besser. Nach c6 kommt der Springer nach d6. Weiß kann gleichsam einen Brückenkopf im gegnerischen Lager installieren, der Schwarz lähmt. Nach dem Abtausch der Figuren sieht das Schachkid aber nicht recht einen Gewinnweg und bietet daher Remis an.

Mit dem Start in das Turnier ist das Schachkid zufrieden, Mit WFM Kristin Müller-Ludwig wartet allerdings ein schwerer Brocken in der nächsten Runde.

1. Offenes Karlshorster Schachturnier

Zum 1. Offenen Karlshorster Schachturnier in Berlin begab sich das Schachkid mit dem Tiarks am 16. September 2018. Standesgemäß fuhr das Schachkid wieder zu spät los, aber auch der Tiarks verbummelte 3 Minuten. Aber das Schachkid hatte vorgesorgt und die Ausschreibung schon auf das IPad geladen. So konnte der Tiarks gleich anrufen und verkünden, dass man 10 Minuten nach Meldeschluss kommen würde.

Das Turnier ist ein offenes Turnier, und zwar wortwörtlich. Es findet draußen statt.

20180915_101120 Schach auf offener Straße

Die Theatergasse ist saniert wurden. Man spielt unter einer Pergola, an der sich bald wilder Wein ranken wird. Die Bilder im Hintergrund zeigen historische Ansichten der Straße. Mit dem Schachturnier möchte man nicht nur Werbung für den lokalen Verein machen, sondern auch die Theatergasse wiederbeleben.

29 Spieler haben sich eingefunden, darunter sogar ein starker Spieler aus Lübeck. Der Turnierleiter kriegt sich vor Freude gar nicht mehr ein, als er den Tiarks sieht. Endlich ein leibhaftiger CM, was der Turnierleiter auch kundtut. Noch nie habe er ein Turnier mit einem CM geleitet.

Die erste Partie ist schon nach 10 Zügen beendet. Das Schachkid lässt den Läufer stehen. Zitternd sitzt der Tiarks am Brett neben dem Schachkid. Er friert, die ganze Bank bebt, weil er mit dem Knien schlottert.

Ähnlich auch die zweite Partie. Die ging länger, aber wieder ist der Läufer weg.  Das Schachkid geht in einen Feinkostladen nebenan und kauft spanischen Rotwein. Man weiß ja nie…. Auch die Stiersalami wird abends schmecken.

Business as Usual beim Tiarks. Er punktet in den ersten drei Runden, schaut aber schon wieder sehr hungrig aus und stürmt alsbald den Edeka nebenan. Auch der Veranstalter lässt sich nicht lumpen. Ein Startgeld wurde nicht erhoben. Essen und Getränke gibt es gratis bzw. gegen einen freiwilligen Unkostenbeitrag. Der Turnierorganisator hat leckeren Apfelkuchen gebacken. Wieder kein guter Tag für eine Diät.

Das Turnier läuft durchwachsen. Das Schachkid ist nicht recht motiviert und auf Sieg getrimmt. Die 3.+4. Runde reichen zum Sieg. Danach wird zweimal Remis geschoben. Der letzte Gegner schiebt das Schachkid nochmal richtig zusammen.

Der Tiarks macht es besser. Irgendwo gibt er mal ein Remis ab. Sonst punktet er und holt sich den Turniersieg.

20180915_101127 Der spätere Turniersieger

Ein schönes Turnier. Das ist schon was besonders, auf offener Straße zu spielen. Das kann wiederholt werden.

Die Preise gehen an:

1. Jann-Christian Tiarks, USV Potsdam
2. Julian Schwarzat, Preetzer TSV
3. Thomas Neumann, SC Borussia Lichtenberg

u14:
1. Adrian Kraft, SC Borussia Lichtenberg
2. Bagrat Torosyan, Schachpinguine Berlin

u18:
1. Johannes Tschernatsch, USV Potsdam
2. Jeremy Wadepfuhl, SC Borussia Lichtenberg
3. Niels Bennett Lilienthal, SC Borussia Lichtenberg

Damen:
1. Paula Wiesner, SC Borussia Lichtenberg
2. Swenja Wagner, SC Borussia Lichtenberg

Senioren:
1. Franz Jacobi, SG Eckturm
2. Matthias Hahlbohm, TSG Oberschöneweide
3. Dr. Rolf Bartonek, SG Eckturm

6. Amateurcup der Schachfreunde Berlin

Manche können ja nie genug vom Schach bekommen, so auch Lucky und das Schachkid. Nach der gestrigen Exkursion nach Barlinek geht es heute schon wieder zum Amateurcup der Schachfreunde Berlin. Das Turnier hat den Charme, dass es bis 2000 DWZ begrenzt ist. Man hat ein breites Feld, aber nicht die superstarken Gegner.

Bahn oder Auto ist die Frage, die sich dem Schachkid stellt. Das Auto ist schneller und bequemer. Die S-Bahn trumpft mit zwei laut schmatzenden Japanern auf den Nebensitz auf, die sich ein Baguette reinschieben. Die S-Bahn ist noch nicht in Potsdam losgefahren. Und das Schachkid ist jetzt schon genervt. Dafür muss man einige Schritte laufen. Das Schachkid trägt einen Schrittzähler und will fitter werden.

Am Spielort angekommen sind diesmal noch keine Nutten in Sicht. Vermutlich ist es selbst für sie zu früh. Um die 100 Spieler haben sich eingefunden, darunter auch wieder einige Potsdamer, die üblichen Verdächtigen.

In der ersten Runde verschlägt es das Schachkid gleich ans 7. Brett. Diesmal braucht das Schachkid nur 6 Züge, um einen Läufer stehen zu lassen. Neuer Rekord. Dafür kann man wenigstens in der Sonne sitzen. Lucky muss in den Nebenraum an Brett 34 spielen, ein leichter Gegner. Er hat so seine Schwierigkeiten, gewinnt aber.

Über überehrgeizige Väter hat sich das Schachkid ja schon an anderer Stelle ausgiebig ausgelassen…

In der 2. Runde bekommt das Schachkid einen Gegner, der gar nicht da ist. Also Freipunkt und Zeit für eine Boulette. Lucky hat einen Bauern mehr, kriegt auch eine Dame, der Gegner aber auch. Dieser nutzt die Dame besser und macht den Punkt.

In der 3. Runde zeigt sich, dass man die Bauern vor dem eigenen König stehen lassen sollte. Aufziehen reizt nur die gegnerischen Schwerfiguren, die den eigenen König gerne mal mattsetzen. Lucky arbeitet und gewinnt. Er überrascht den kleinen Russen mit b4, nach dem der Vater Anweisung für e4 und d4 gegeben hatte.

Nun gegen die Nr. 72 des Turniers. Er fasst einen Bauern an, sieht, dass er ihn verliert und will was anderes ziehen. Das Schachkid besteht vorsichtshalber auf berührt, geführt. Also Bauer gewonnen und später einzügig matt angedroht, was nicht abzuwehren ist. Der Gegner guckt 5 Minuten, ehe er es realisiert und aufgibt. Er bedankt sich und steht auf, ohne aufzubauen. Das kann das Schachkid gar nicht leiden. Lucky verliert, man liegt wieder gleich auf.

Die fünfte Runde ist dann mal wieder so eine Partie, wo das Schachkid so ziemlich alles stehen lässt, was man auch nur stehen lassen kann. Die Nr. 18 freut es. Und das Schachkid sitzt wieder einmal früh in der Sonne.

Zu Mittag gibt es Döner. Danach findet sich Lucky an Brett 10 wieder. Aber die Nr. 2 des Turnieres ist zu stark. Am anderen Ende am Brett 34 wartet die Nr. 72 des auf das Schachkid. Der Gegner hat das Konzept von Schnellschach noch nicht verinnerlicht und denkt bei jedem Zug eine Minute nach. Folglich verliert er auf Zeit, allerdings in leicht besserer Stellung.

Lucky gewinnt gegen eine angehende Hotelmanagerin. Das Schachkid sitzt daneben und hatte einen Turm mehr, der Gegner aber zwei Freibauern. Bestimmt ist es theoretisch gewonnen, aber auf die Schnelle den Gewinnweg finden? Also Remis.

Die Nr. 17 des Turnieres, ein junger Asiate spielt gut, aber das Schachkid hält mit. Aber ein kleiner Fehler entscheidet. Jeder hat einen Freibauern. Das Schachkid muss seinen König ziehen. Und zieht dummerweise auf ein Feld, wo der König im Schach steht, wenn der Gegner einzieht. Wählt das Schachkid das andere Feld, zieht man gleichzeitig ein.

In der letzten Runde geh es gegen einen Potsdamer vom SV Babelsberg 03. Der Junge ist auf Dauerschach aus, also wieder nur Remis. Lucky gewinnt, hat ein Punkt mehr als das Schachkid, was schon sehr frech ist.

Spielerisch war es heute ok, aber nicht berauschend. Das Turnier war nach der gestrigen polnischen Erfahrung angenehm straff durchorganisiert. Da bleibt sogar noch Zeit für ein Bier im schönen Schöneberg.

Internationales E. LASKER – Schachturnier im Schnellschach

Das Schachkid wälzt sich früh um 5.17 Uhr aus dem Bett. Bis 9.45 Uhr gilt es, im 300km entfernten Barlinek zu sein. In Berlinchen, wie der Ort einmal hieß, wurde Emanuel Lasker geboren. Der deutsche Schachbund gedenkt zum 100. Geburtstag diesem deutschen Großmeister. Die Lasker-Gesellschaft aus Berlin pflegt offenbar eine langjährige enge Beziehung nach Barlinek.

Den ersten, den man in Barlinek erspäht, ist Mätzkow sen. Er führt einen Trupp Jugendlicher aus Ostbrandenburg an. Eine Mischung aus Briesen, Rüdersdorf und Eberswalde. Sonst sind ein paar wenige Deutsche da. Was schade ist, denn Barlinek scheint ein hübsches Örtchen zu sein.

Zur Turniereröffnung sammelt sich alles auf der Terrasse. Es wird feierlich. Reden werden gehalten, lokale Würdenträger in Schlips und Kragen. Die Laskergesellschaft verleiht Ehrenmedaillen. Das Schachkid versteht wieder kein Wort und klatscht an den passenden Stellen mit. Lucky sorgt für Kaffee und gießt in diesem Milch rein. Gott, schmeckt das räudig.

Dann folgt die Anwesenheitskontrolle. Lucky hat die Gutscheine zum Mittag gekauft, aber die Anmeldung vergessen. Man steht nicht auf der Startliste. Dann streikt der Drucker. Nun werden die Paarungen einzeln vorgelesen, statt diese einfach mit Beamer an die Wand zu werfen, was auch gemacht wird. Man hat schon eine Stunde Verspätung mit der 1. Runde. Aber keiner regt sich auf. In Deutschland würden die Spieler schon Terror machen. Typisch polnische Mentalität. Alles wirkt irgendwie improvisiert. Aber alle sind entspannt.

In der ersten Runde geht es gegen einen ganz kleinen Polen. Der Junge fragt etwas mit Kategorie, vermutlich nach der Spielstärke. Das Schachkid kann nur mit den Schultern zucken, es versteht ja ni. Dem Gesichtsausdruck des kleinen Polen nach zu deuten hält er das Schachkid für bekloppt.

Der Punkt ist schnell gemacht. Auch Lucky gewinnt fix. Das wird in den nächsten Runden schwerer.

Und zwar gleich in der zweiten Runde. Lucky muss gegen die Nr. 5 des Turnieres spielen und verliert. Beide in Zeitnot, aber er lässt den Läufer stehen. Das Schachkid hat es mit der Nr. 10 unwesentlich leichter. Eine kleine Kombination, und das Schachkid hat einen Läufer weniger. Der Gegner scheint nicht glücklich, sondern eher ein Miesepeter zu sein. Die Sonne brennt, 25 Grad, 80 Mann im Raum. Der Pole an Brett 7 klappt trotzdem alle erreichbaren Fenster zu. Ist wohl ein empfindliches Gemüt.

Dafür wartet in der dritten Runde eine nette Dame. Total der mütterliche Typ, der bestimmt toll Piroggen kochen kann. Sie fragt vor der Partie „Alles richtig?“ und bedankt sich, nachdem das Schachkid gewonnen hat. Sehr höflich und nett, diese Dame. Lucky spielt gegen einen Knirps und muss ganz schön kämpfen, gewinnt aber das Bauernendspiel.

Beginn der vierten Runde. Der Schiri hält einen langen Vortrag. Das Schachkid versteht wieder nix. Der Schiri erzählt und erzählt. Er kommt offenbar nicht auf den Punkt. Selbst die geduldigen Polen beginnen, mit den Augen zu rollen.

Dafür ist das Schachkid schnell fertig. Die Eröffnung krude gespielt. Zeit, sich um das Mittag essen zu kümmern. Das Süppchen ist lecker, satt wird das Schachkid davon nicht. Neben dem Schachkid kracht es. Die Bank samt darauf sitzenden und speisenden Senior kracht zusammen. Gott sei Dank nix schlimmes passiert. In Fußweite ist ein Netto. Zeit für polnische Wiener.

14.35 Uhr, die 7. Runde sollte jetzt beginnen. Man hat aber erst die 4. Runde gespielt, hat also mächtig Verspätung. Und die Organisatoren schieben tatsächlich noch einen 25-minütigen Vortrag über Lasker ein. Bei allem Engagement des Gastgebers, man sollte doch halbwegs im Zeitplan bleiben oder gleich eine sinnvolle Zeitplanung machen. Damit man als Besucher weiß, auf was man sich einlässt. Das Schachkid wollte nicht bis Mitternacht bleiben. Außerdem gehen gewisse Anwesende dem Schachkid auf den Keks.

Der Gegner aus der vierten Runde überreicht dem Schachkid einen Gruß des Bürgermeisters, eine Anstecknadel mit dem Stadtwappen, für die deutschen Gäste. Nett, der Bürgermeister.

15.15 Uhr, die 5. Runde hat immer noch nicht begonnen.

Endlich die 5. Runde. Lucky hat in der letzten Runde gewonnen und sitzt nun am Brett 3. Hier bekommt er aber seine Grenzen aufgezeigt. Das Schachkid spielt gegen einen Senior. Die Sonne knallt auf den Rücken des Schachkids und dem Gegner in die Augen. Er denkt lange und verliert auf Zeit, hat aber auch zwei Figuren weniger. Er bedankt sich. Auffällig, jeder Spieler bedankt sich für die Partie, egal ob er gewonnen oder verloren hat. Die Polen sind viel höflicher als deutsche Spieler.

Nun geht es flott in die 6. Runde. Ein Kind, das aber schon 3 aus 5 hat. Das Schachkid gibt ein dezentes Schach. Der Kleine hat sich gegen die Stirn, brüllt „Mosche“, zu Deutsch wahrscheinlich Mist, und gibt auf. Dabei war seine Dame gar nicht weg, wie er glaubte.

Der Turnierveranstalter stellt Snacks bereit. Nicht förderlich für die Diät des Schachkids, aber sehr lecker.

Zur 7. Runde erscheint das Schachkid 2 Minuten zu spät. Beide Seiten haben nur noch Turm und Springer, der unhöfliche polnische Gegner aber zwei Minuten mehr. Und drückt das Schachkid gnadenlos über die Zeit. Und geht wortlos, der bedankt sich nicht. Lucky sieht dagegen beim Briesener Daniel Woithe seine Dame einschlagen, wo sie gar nicht einschlagen kann. Daniel macht den Punkt.

In der achten Runde versucht das Schachkid, mal seinen Gegner über die Zeit zu drücken. Dieser hat einen Bauern und 5 Minuten weniger auf der Uhr und bietet Remis an. Leider hat er auch einen aktiven König, was das Schachkid ein paar Bauern und 5 Sekunden vor Blättchenfall beim Gegner auch Matt wird. Lucky gewinnt und liegt nun tatsächlich einen halben Punkt vor dem Schachkid. Das wird sich hoffentlich noch zurecht ruckeln.

Zwischendurch gab es schon Verluste. Weil das Turnier so ewig und ungeplant dauert, sind 12 Spieler von den 80 Teilnehmern vor der achten Runde schon losgegangen.

In der letzten Runde muss ein Punkt her. Kommt auch so. Leider sehr unbefriedigend. Das Kind hat zwar auch 4 Punkte, stellt nun aber alle Figuren bin. So macht Siegen keinen Spaß. Lucky macht ein Remis, wirkt aber nicht sehr zufrieden damit. Das Schachkid ist mit seinen 5 Punkten halbwegs zufrieden.

Ein schönes Turnier bis auf die nervenaufreibende Verzögerung, die den Tag insgesamt doch recht anstrengend macht. Gerne wieder, aber das nächste Mal mit Übernachtung, um das Städtchen Barlinek und die köstliche polnische Küche zu erkunden.