14. Wildauer Dahmelandpokal – Beschwipst am Brett

4. Runde am Tag 3. So eine verrückte Auslosung hat das Schachkid noch nie erlebt. Die Gegner werden von Runde zu Runde stärker, obwohl das nicht punktet. Heute geht es gegen einen Vereinskameraden. Jose ist an Nr. 2 gesetzt, hat aber offenbar noch nichts gerissen. Was auch kein Wunder ist. Der Arme ist schwer erkältet und schnieft am Brett vor sich hin.

Wieder so eine verrückte Caro-Kann-Variante, die sich das Schachkid dringend mal anschauen muss. Jedenfalls wird das Schachkid in der Variante regelmäßig vom Schachwizartd im Blitz zerpflückt. Das Schachkid weiß gar nicht, warum Weiß nicht 9. Sxh5 nimmt. Immerhin ein Bauer mehr. Jose spielt recht dynamisch und greift gleich an. Andererseits weiß der weiße König aber auch nicht recht, wohin er rochieren soll. Schwarz steht dafür gedrückt, kann sich aber etwas Luft verschaffen. Dann will Schwarz am Königsflügel angreifen mit g5. 23. … Le7, um g5 zu decken, bringt aber offenbar die schwarze Stellung zum kippen. Jose greift konsequent an und fährt seinen ersten Punkt ein.

Das Wetter gibt nicht viel her. Das Schachkid speist im nahe gelegenen Bootshaus am See. Der Kellner überhört die Bestellung der Vorsuppe, wird diese eben nach dem Hauptgang verspeist. Am Nebentisch empfiehlt der Kellner Erdbeerbowle zum Aperativ, dem Schachkid nicht. Am weiteren Nebentisch empfiehlt der Kellner Dessert und Esspresso. Das Schachkid wird nur kurz nach weiteren Wünschen gefragt. Offenbar sieht das Schachkid heute mit roter Hose, roten Pullover und Dreitagebart nicht sehr seriös aus. Das Schachkid protestiert, der Kellner bringt die Erdbeerbowle zum Nachtisch und macht den Rest mit Humor wett. In Kombination mit einem großen Bier namens Rotkehlchen wird der Rückweg zum Spiellokal recht beschwingt. Dort dreht sich das Schachbrett.

Am selbigen sitzt nun ein 11-jähriger aus Fürstenwalde, der sich wie Bolle freut, dass er in 37 Tagen 12 Jahre wird.  Das Schachkid ist veersucht, kurz zu erwähnen, dass es ab 18 nur noch abwärts geht, lässt es dann aber doch bleiben.

Zur Partie muss nicht viel gesagt werden. „Er zieht die Bauern noch rückwärts.“ wie der geschätzte und in 2018 viel zu früh verstorbene Dr. Jochen Weigend, der Jugendtrainer des Schachkids, gesagt hätte. Hoffentlich sitzt er gerade auf einer Wolke und schaut zu. Es ist schön zu sehen, dass der Schachverein Fürstenwalde offenbar mit viel Engagement und Herz Nachwuchsarbeit betreibt.

Nur 1,5 Punkte sind kein dolles Ergebnis, aber bei den starken Gegnern auch keine Überraschung. Die Wildauer haben wieder ein schönes Turnier ausgerichtet. Und auch aus verlorenen Partien kann man ja was lernen.

14. Wildauer Dahmelandpokal – Keine Punkte, Starke Gegner

Heute mal eine problemlose Anreise, die Gegnerin wartet schon. WFM Müller-Ludwig spielt sonst in der Oberliga oder auch bei den Frauen in der 2. Bundesliga. Heute muss sie mit dem Schachkid vorlieb nehmen. Die Erfurterun begleitet ihre Tochter, die den Dahmelandpokal als Trainingsturnier nutzt.

In dieser Partie findet das Schachkid überhaupt keinen vernünftigen Plan. Vielleicht wäre 6. …Sbd7 korrekt gewesen. Aber der Läufer ist auch nach Sh4 weg. Schwarz steht im Laufe der Partie immer beengter. Mit 25, … g5 wird noch eine Drohung übersehen. Danach fliegt die Stellung sofort auseinander.

Zeit für die täglich Dosis Bewegung. Das Schachkid möchte abnehmen und versucht sich täglich zu bewegen. Dazu gibt es zwei Hilfsmittel. Ein Fitnssarmband Fitbit Charge 2 und Pokemon Go. Wenn man letzteres spielt, muss man sich zwangsläufig bewegen. Im nu sind 3000 Schritte getan und in den letzten vier Wochen 2 kg verdampft.

Pokemon und Schrittzähler führen das Schachkid zu einem Asiaten. Es schmeckt na ja…

Dritte Runde, die Auslosung meint es diees Jahr nicht gut. Das Schachkid macht keine Punkte, die Gegner werden trotzdem immer stärker. Mit Ole Zeuner wartet ein Schachzwerg mit einer stolzen 1900. Der Kleine spielt den Dahmelandpokal jedes Jahr mit. Aber am Brett  trifft man sich das erste Mal.

Nach 6. Sb5, der den Blumfeld-Angriff in der schottischen Eröffnung einleitet, runzelt der Kleine die Stirm. Er denkt nach, dann hat er es aber drauf. Er kennt sich aus und spielt die Variante völlig korrekt runter. Es wird recht taktisch. Am Ende macht das Schachkid mit 13. Sb5 den falschen Zug. Nach … Dxe3+ ist es für Weiß sofort vorbei. Das Schachkid spielt noch etwas weiter und kann die Partie noch etwas halten. Aber eigentlich ist es spätestens nach dem Damentausch vorbei aufgrund des Bauern weniger und der schlechten Bauernstruktur von Weiß.

Was am Sonntag kommt, weiß niemand. Die Turnierleitung hatt statt der 4. Runde die Auslosung der 1. Runde online gestellt. Die Tabelle deutet aber mit Jose Lopez auf einen starken Gegner hin.

14. Wildauer Dahmelandpokal – Start mit Tücken

Der 14. Wildauer Dahmelandpokal findet statt. Das ist umso erfreulicher, da es im letzten Jahr ungewiss schien, ob das Turnier auch im Jahr 2018 stattfinden würde.

Der Start in das Turnier verläuft mit einigen Schwierigkeiten. Dem Schachkid fallen die abendlichen Partien immer sehr schwer. Das Schachkid ist eher ein Morgenmensch. Um so schwerer fällt es, sich abends zu konzentrieren, erst recht nach einem Arbeitstag.

So auch dieses Mal. Der Arbeitstag dauert etwas länger als erwartet. Große und kleine Katastrophen wollen bewältigt werden. Das Schachkid arbeitet als Krisenmanager. Als solcher hat das Schachkid die Erfahrung gemacht, dass Ereignisse mit einem gewissen Krisenpotenzial grundsätzlich am Freitag, vor dem Wochenende, vor dem Urlaub und meist alles zusammen passieren.

Es bleiben immerhin 30 Minuten Zeit, um auf dem Sofa einen grünen Tee zu trinken. Der Sommer verabschiedet sich gerade mit einer Riesenshow, Regen und Sturm. Chaos auf dem Weg zum Turnier. Staubwolken von trockenen Feldern werden aufgewirbelt. Auf der Autobahn geht bei 10m Sichtweise nur Schrittgeschwindigkeit. Dann passiert es. Kurz vor dem Schachkid sind auf der Mittelspur drei Autos aufeinander gefahren. Der Wagen in der Mitte sieht übel aus, die Passagiere scheinen unverletzt.

Über 80 Spieler haben sich in Wildau eingefunden, erstaunlich wenig Brandenburger aus der Umgebung sind da. Keine Fürstenwalder oder Briesener, dafür Rüdersdorfer und Müncheberger und die unvermeidlichen Magdeburger Schachzwerge. Der dortige Nachwuchs weist beeindruckende ELO-Zahlen aus.

Das Schachkid hat Schwarz gegen Wolfgang Fiedler.Der Gegner ist ein netter Senior aus Berlin. Er will sich mit dem Schachkid unterhalten. Das Schachkid will seine Ruhe. Es kommt das Gespräch auf die Energiewende. Das Schachkid ist mittlerweile richtig genervt und erlaubt sich einen Hinweis, dass es seit mehr als einem Jahrzent bei E.ON arbeitet. In der Hoffnung, die Diskussion zu beenden. Der Gegner zeigt wenig Emphatie, versteht die Körpersprache des Schachkids nicht und redet unbeirrt auf das Schachkid ein. Das Schachkid hat wirklich nichts gegen nette Gespräche, aber für alles gibt es eine Zeit. Und am Brett will das Schachkid seine Ruhe haben.

Es kommt eine Variante im Caro-Kann mit Se5 auf das Brett, was das Schachkid nicht kennt. Manchmal geschehen Wunder. Die Tunierleitung erscheint. Es muss neu ausgelost werden. Gleicher Gegner, aber Farbwechsel.

Aljechin kommt aufs Brett. Das Schachkid nimmt sich Zeit. Neu erlernte Methoden der Stelungsbwertung kommen zu Einsatz FM-Bike und DFA. Es hilft tatsächlich, sich ausreichend Zeit zu nehmen, keine taktischen Einsteller vorzunehmen und Pläne zu finden. Ob diese korekt sind, ist eien völlig andere Frage.

Der Gegner spielt sehr zögerlich. 9. … Lb4 wäre ev. besser gewesen. Nach dem 17. Zug steht Schwarz wohl etwas besser. Insbesondere die weißen Läufer haben keine Perspektiven. Abtauschen oder nicht ist die Frage. Der Abtausch der Türme scheint nichts zu bringen. Daher entscheidet sich das Schachkid für Sd4. Vieleicht kann man den weißfeldrigen schwarzen Läufer vom Brett nehmen.

18. … a6 scheint besser. Nach c6 kommt der Springer nach d6. Weiß kann gleichsam einen Brückenkopf im gegnerischen Lager installieren, der Schwarz lähmt. Nach dem Abtausch der Figuren sieht das Schachkid aber nicht recht einen Gewinnweg und bietet daher Remis an.

Mit dem Start in das Turnier ist das Schachkid zufrieden, Mit WFM Kristin Müller-Ludwig wartet allerdings ein schwerer Brocken in der nächsten Runde.

1. Offenes Karlshorster Schachturnier

Zum 1. Offenen Karlshorster Schachturnier in Berlin begab sich das Schachkid mit dem Tiarks am 16. September 2018. Standesgemäß fuhr das Schachkid wieder zu spät los, aber auch der Tiarks verbummelte 3 Minuten. Aber das Schachkid hatte vorgesorgt und die Ausschreibung schon auf das IPad geladen. So konnte der Tiarks gleich anrufen und verkünden, dass man 10 Minuten nach Meldeschluss kommen würde.

Das Turnier ist ein offenes Turnier, und zwar wortwörtlich. Es findet draußen statt.

20180915_101120 Schach auf offener Straße

Die Theatergasse ist saniert wurden. Man spielt unter einer Pergola, an der sich bald wilder Wein ranken wird. Die Bilder im Hintergrund zeigen historische Ansichten der Straße. Mit dem Schachturnier möchte man nicht nur Werbung für den lokalen Verein machen, sondern auch die Theatergasse wiederbeleben.

29 Spieler haben sich eingefunden, darunter sogar ein starker Spieler aus Lübeck. Der Turnierleiter kriegt sich vor Freude gar nicht mehr ein, als er den Tiarks sieht. Endlich ein leibhaftiger CM, was der Turnierleiter auch kundtut. Noch nie habe er ein Turnier mit einem CM geleitet.

Die erste Partie ist schon nach 10 Zügen beendet. Das Schachkid lässt den Läufer stehen. Zitternd sitzt der Tiarks am Brett neben dem Schachkid. Er friert, die ganze Bank bebt, weil er mit dem Knien schlottert.

Ähnlich auch die zweite Partie. Die ging länger, aber wieder ist der Läufer weg.  Das Schachkid geht in einen Feinkostladen nebenan und kauft spanischen Rotwein. Man weiß ja nie…. Auch die Stiersalami wird abends schmecken.

Business as Usual beim Tiarks. Er punktet in den ersten drei Runden, schaut aber schon wieder sehr hungrig aus und stürmt alsbald den Edeka nebenan. Auch der Veranstalter lässt sich nicht lumpen. Ein Startgeld wurde nicht erhoben. Essen und Getränke gibt es gratis bzw. gegen einen freiwilligen Unkostenbeitrag. Der Turnierorganisator hat leckeren Apfelkuchen gebacken. Wieder kein guter Tag für eine Diät.

Das Turnier läuft durchwachsen. Das Schachkid ist nicht recht motiviert und auf Sieg getrimmt. Die 3.+4. Runde reichen zum Sieg. Danach wird zweimal Remis geschoben. Der letzte Gegner schiebt das Schachkid nochmal richtig zusammen.

Der Tiarks macht es besser. Irgendwo gibt er mal ein Remis ab. Sonst punktet er und holt sich den Turniersieg.

20180915_101127 Der spätere Turniersieger

Ein schönes Turnier. Das ist schon was besonders, auf offener Straße zu spielen. Das kann wiederholt werden.

Die Preise gehen an:

1. Jann-Christian Tiarks, USV Potsdam
2. Julian Schwarzat, Preetzer TSV
3. Thomas Neumann, SC Borussia Lichtenberg

u14:
1. Adrian Kraft, SC Borussia Lichtenberg
2. Bagrat Torosyan, Schachpinguine Berlin

u18:
1. Johannes Tschernatsch, USV Potsdam
2. Jeremy Wadepfuhl, SC Borussia Lichtenberg
3. Niels Bennett Lilienthal, SC Borussia Lichtenberg

Damen:
1. Paula Wiesner, SC Borussia Lichtenberg
2. Swenja Wagner, SC Borussia Lichtenberg

Senioren:
1. Franz Jacobi, SG Eckturm
2. Matthias Hahlbohm, TSG Oberschöneweide
3. Dr. Rolf Bartonek, SG Eckturm

6. Amateurcup der Schachfreunde Berlin

Manche können ja nie genug vom Schach bekommen, so auch Lucky und das Schachkid. Nach der gestrigen Exkursion nach Barlinek geht es heute schon wieder zum Amateurcup der Schachfreunde Berlin. Das Turnier hat den Charme, dass es bis 2000 DWZ begrenzt ist. Man hat ein breites Feld, aber nicht die superstarken Gegner.

Bahn oder Auto ist die Frage, die sich dem Schachkid stellt. Das Auto ist schneller und bequemer. Die S-Bahn trumpft mit zwei laut schmatzenden Japanern auf den Nebensitz auf, die sich ein Baguette reinschieben. Die S-Bahn ist noch nicht in Potsdam losgefahren. Und das Schachkid ist jetzt schon genervt. Dafür muss man einige Schritte laufen. Das Schachkid trägt einen Schrittzähler und will fitter werden.

Am Spielort angekommen sind diesmal noch keine Nutten in Sicht. Vermutlich ist es selbst für sie zu früh. Um die 100 Spieler haben sich eingefunden, darunter auch wieder einige Potsdamer, die üblichen Verdächtigen.

In der ersten Runde verschlägt es das Schachkid gleich ans 7. Brett. Diesmal braucht das Schachkid nur 6 Züge, um einen Läufer stehen zu lassen. Neuer Rekord. Dafür kann man wenigstens in der Sonne sitzen. Lucky muss in den Nebenraum an Brett 34 spielen, ein leichter Gegner. Er hat so seine Schwierigkeiten, gewinnt aber.

Über überehrgeizige Väter hat sich das Schachkid ja schon an anderer Stelle ausgiebig ausgelassen…

In der 2. Runde bekommt das Schachkid einen Gegner, der gar nicht da ist. Also Freipunkt und Zeit für eine Boulette. Lucky hat einen Bauern mehr, kriegt auch eine Dame, der Gegner aber auch. Dieser nutzt die Dame besser und macht den Punkt.

In der 3. Runde zeigt sich, dass man die Bauern vor dem eigenen König stehen lassen sollte. Aufziehen reizt nur die gegnerischen Schwerfiguren, die den eigenen König gerne mal mattsetzen. Lucky arbeitet und gewinnt. Er überrascht den kleinen Russen mit b4, nach dem der Vater Anweisung für e4 und d4 gegeben hatte.

Nun gegen die Nr. 72 des Turniers. Er fasst einen Bauern an, sieht, dass er ihn verliert und will was anderes ziehen. Das Schachkid besteht vorsichtshalber auf berührt, geführt. Also Bauer gewonnen und später einzügig matt angedroht, was nicht abzuwehren ist. Der Gegner guckt 5 Minuten, ehe er es realisiert und aufgibt. Er bedankt sich und steht auf, ohne aufzubauen. Das kann das Schachkid gar nicht leiden. Lucky verliert, man liegt wieder gleich auf.

Die fünfte Runde ist dann mal wieder so eine Partie, wo das Schachkid so ziemlich alles stehen lässt, was man auch nur stehen lassen kann. Die Nr. 18 freut es. Und das Schachkid sitzt wieder einmal früh in der Sonne.

Zu Mittag gibt es Döner. Danach findet sich Lucky an Brett 10 wieder. Aber die Nr. 2 des Turnieres ist zu stark. Am anderen Ende am Brett 34 wartet die Nr. 72 des auf das Schachkid. Der Gegner hat das Konzept von Schnellschach noch nicht verinnerlicht und denkt bei jedem Zug eine Minute nach. Folglich verliert er auf Zeit, allerdings in leicht besserer Stellung.

Lucky gewinnt gegen eine angehende Hotelmanagerin. Das Schachkid sitzt daneben und hatte einen Turm mehr, der Gegner aber zwei Freibauern. Bestimmt ist es theoretisch gewonnen, aber auf die Schnelle den Gewinnweg finden? Also Remis.

Die Nr. 17 des Turnieres, ein junger Asiate spielt gut, aber das Schachkid hält mit. Aber ein kleiner Fehler entscheidet. Jeder hat einen Freibauern. Das Schachkid muss seinen König ziehen. Und zieht dummerweise auf ein Feld, wo der König im Schach steht, wenn der Gegner einzieht. Wählt das Schachkid das andere Feld, zieht man gleichzeitig ein.

In der letzten Runde geh es gegen einen Potsdamer vom SV Babelsberg 03. Der Junge ist auf Dauerschach aus, also wieder nur Remis. Lucky gewinnt, hat ein Punkt mehr als das Schachkid, was schon sehr frech ist.

Spielerisch war es heute ok, aber nicht berauschend. Das Turnier war nach der gestrigen polnischen Erfahrung angenehm straff durchorganisiert. Da bleibt sogar noch Zeit für ein Bier im schönen Schöneberg.

Internationales E. LASKER – Schachturnier im Schnellschach

Das Schachkid wälzt sich früh um 5.17 Uhr aus dem Bett. Bis 9.45 Uhr gilt es, im 300km entfernten Barlinek zu sein. In Berlinchen, wie der Ort einmal hieß, wurde Emanuel Lasker geboren. Der deutsche Schachbund gedenkt zum 100. Geburtstag diesem deutschen Großmeister. Die Lasker-Gesellschaft aus Berlin pflegt offenbar eine langjährige enge Beziehung nach Barlinek.

Den ersten, den man in Barlinek erspäht, ist Mätzkow sen. Er führt einen Trupp Jugendlicher aus Ostbrandenburg an. Eine Mischung aus Briesen, Rüdersdorf und Eberswalde. Sonst sind ein paar wenige Deutsche da. Was schade ist, denn Barlinek scheint ein hübsches Örtchen zu sein.

Zur Turniereröffnung sammelt sich alles auf der Terrasse. Es wird feierlich. Reden werden gehalten, lokale Würdenträger in Schlips und Kragen. Die Laskergesellschaft verleiht Ehrenmedaillen. Das Schachkid versteht wieder kein Wort und klatscht an den passenden Stellen mit. Lucky sorgt für Kaffee und gießt in diesem Milch rein. Gott, schmeckt das räudig.

Dann folgt die Anwesenheitskontrolle. Lucky hat die Gutscheine zum Mittag gekauft, aber die Anmeldung vergessen. Man steht nicht auf der Startliste. Dann streikt der Drucker. Nun werden die Paarungen einzeln vorgelesen, statt diese einfach mit Beamer an die Wand zu werfen, was auch gemacht wird. Man hat schon eine Stunde Verspätung mit der 1. Runde. Aber keiner regt sich auf. In Deutschland würden die Spieler schon Terror machen. Typisch polnische Mentalität. Alles wirkt irgendwie improvisiert. Aber alle sind entspannt.

In der ersten Runde geht es gegen einen ganz kleinen Polen. Der Junge fragt etwas mit Kategorie, vermutlich nach der Spielstärke. Das Schachkid kann nur mit den Schultern zucken, es versteht ja ni. Dem Gesichtsausdruck des kleinen Polen nach zu deuten hält er das Schachkid für bekloppt.

Der Punkt ist schnell gemacht. Auch Lucky gewinnt fix. Das wird in den nächsten Runden schwerer.

Und zwar gleich in der zweiten Runde. Lucky muss gegen die Nr. 5 des Turnieres spielen und verliert. Beide in Zeitnot, aber er lässt den Läufer stehen. Das Schachkid hat es mit der Nr. 10 unwesentlich leichter. Eine kleine Kombination, und das Schachkid hat einen Läufer weniger. Der Gegner scheint nicht glücklich, sondern eher ein Miesepeter zu sein. Die Sonne brennt, 25 Grad, 80 Mann im Raum. Der Pole an Brett 7 klappt trotzdem alle erreichbaren Fenster zu. Ist wohl ein empfindliches Gemüt.

Dafür wartet in der dritten Runde eine nette Dame. Total der mütterliche Typ, der bestimmt toll Piroggen kochen kann. Sie fragt vor der Partie „Alles richtig?“ und bedankt sich, nachdem das Schachkid gewonnen hat. Sehr höflich und nett, diese Dame. Lucky spielt gegen einen Knirps und muss ganz schön kämpfen, gewinnt aber das Bauernendspiel.

Beginn der vierten Runde. Der Schiri hält einen langen Vortrag. Das Schachkid versteht wieder nix. Der Schiri erzählt und erzählt. Er kommt offenbar nicht auf den Punkt. Selbst die geduldigen Polen beginnen, mit den Augen zu rollen.

Dafür ist das Schachkid schnell fertig. Die Eröffnung krude gespielt. Zeit, sich um das Mittag essen zu kümmern. Das Süppchen ist lecker, satt wird das Schachkid davon nicht. Neben dem Schachkid kracht es. Die Bank samt darauf sitzenden und speisenden Senior kracht zusammen. Gott sei Dank nix schlimmes passiert. In Fußweite ist ein Netto. Zeit für polnische Wiener.

14.35 Uhr, die 7. Runde sollte jetzt beginnen. Man hat aber erst die 4. Runde gespielt, hat also mächtig Verspätung. Und die Organisatoren schieben tatsächlich noch einen 25-minütigen Vortrag über Lasker ein. Bei allem Engagement des Gastgebers, man sollte doch halbwegs im Zeitplan bleiben oder gleich eine sinnvolle Zeitplanung machen. Damit man als Besucher weiß, auf was man sich einlässt. Das Schachkid wollte nicht bis Mitternacht bleiben. Außerdem gehen gewisse Anwesende dem Schachkid auf den Keks.

Der Gegner aus der vierten Runde überreicht dem Schachkid einen Gruß des Bürgermeisters, eine Anstecknadel mit dem Stadtwappen, für die deutschen Gäste. Nett, der Bürgermeister.

15.15 Uhr, die 5. Runde hat immer noch nicht begonnen.

Endlich die 5. Runde. Lucky hat in der letzten Runde gewonnen und sitzt nun am Brett 3. Hier bekommt er aber seine Grenzen aufgezeigt. Das Schachkid spielt gegen einen Senior. Die Sonne knallt auf den Rücken des Schachkids und dem Gegner in die Augen. Er denkt lange und verliert auf Zeit, hat aber auch zwei Figuren weniger. Er bedankt sich. Auffällig, jeder Spieler bedankt sich für die Partie, egal ob er gewonnen oder verloren hat. Die Polen sind viel höflicher als deutsche Spieler.

Nun geht es flott in die 6. Runde. Ein Kind, das aber schon 3 aus 5 hat. Das Schachkid gibt ein dezentes Schach. Der Kleine hat sich gegen die Stirn, brüllt „Mosche“, zu Deutsch wahrscheinlich Mist, und gibt auf. Dabei war seine Dame gar nicht weg, wie er glaubte.

Der Turnierveranstalter stellt Snacks bereit. Nicht förderlich für die Diät des Schachkids, aber sehr lecker.

Zur 7. Runde erscheint das Schachkid 2 Minuten zu spät. Beide Seiten haben nur noch Turm und Springer, der unhöfliche polnische Gegner aber zwei Minuten mehr. Und drückt das Schachkid gnadenlos über die Zeit. Und geht wortlos, der bedankt sich nicht. Lucky sieht dagegen beim Briesener Daniel Woithe seine Dame einschlagen, wo sie gar nicht einschlagen kann. Daniel macht den Punkt.

In der achten Runde versucht das Schachkid, mal seinen Gegner über die Zeit zu drücken. Dieser hat einen Bauern und 5 Minuten weniger auf der Uhr und bietet Remis an. Leider hat er auch einen aktiven König, was das Schachkid ein paar Bauern und 5 Sekunden vor Blättchenfall beim Gegner auch Matt wird. Lucky gewinnt und liegt nun tatsächlich einen halben Punkt vor dem Schachkid. Das wird sich hoffentlich noch zurecht ruckeln.

Zwischendurch gab es schon Verluste. Weil das Turnier so ewig und ungeplant dauert, sind 12 Spieler von den 80 Teilnehmern vor der achten Runde schon losgegangen.

In der letzten Runde muss ein Punkt her. Kommt auch so. Leider sehr unbefriedigend. Das Kind hat zwar auch 4 Punkte, stellt nun aber alle Figuren bin. So macht Siegen keinen Spaß. Lucky macht ein Remis, wirkt aber nicht sehr zufrieden damit. Das Schachkid ist mit seinen 5 Punkten halbwegs zufrieden.

Ein schönes Turnier bis auf die nervenaufreibende Verzögerung, die den Tag insgesamt doch recht anstrengend macht. Gerne wieder, aber das nächste Mal mit Übernachtung, um das Städtchen Barlinek und die köstliche polnische Küche zu erkunden.

 

 

 

 

 

16. Schlacht von Dennewitz

Heuer findet das Schnellschachturnier 16. Schlacht von Dennewitz statt, ausgerichtet vom SV Marzahna 57 e.V. Letztes Jahr war das Schachkid auch schon da, es regnete nur. Dieses Jahr scheint die Sonne. Der Saal und überhaupt die ganze Umgebung wirkt gleich viel freundlicher.

Diesmal geht auf dem Weg alles glatt. Man ist pünktlich. Durch eine Baustelle in einem Dorf, durch die man nicht fahren darf, wird kurzerhand forsch durchgefahren. Nicht so pünktlich, sondern mit 20 Minuten Verzug, kommen zwei Spieler aus Norderstedt. Wer fährt von Hamburg aus wegen eines Turnieres bis nach Dennewitz? Die beiden müssen Schach lieben.

Alles sitzt schon. Nun muss neu ausgelost werden. Das findet das Schachkid. nicht schlimm, wenn es dadurch etwas später losgeht. Ganz blöd findet das Schachkid aber diesen einen Spieler, der gleich losquakt, man solle die Mittagspause von einer Stunde auf eine halbe Stunde verkürzen. Die Mittagspause ist dem Schachkid heilig. So ein Stress kann das Schachkid gar nicht leiden. Wenn man für ein Turnier keine Zeit hat, sollte man es nicht mitspielen. Folglich protestiert das Schachkid auch sogleich.

50 Spieler haben sich eingefunden, darunter mit Sergej Kalinitschew ein Berliner Großmeister sowie die Nachwuchstrainerin von Sachsen-Anhalt, ein WGM. Das Schachkid ist auf Platz 43 gesetzt, das wird heute ganz schwer. Der Altersdurchschnitt ist wieder ganz hoch, kein Nachwuchs weit und breit.

Das Schachkid lässt gleich in der ersten Runde gegen die Nr. 16 diverse Bauern stehen. Und spielt viel zu schnell und hat eigentlich auch keine Lust. Nach 5 Minuten ist Schluss. Der Tiarks gewinnt an Brett 9, offenbar in einer wilden skandinavischen Eröffnung. Der Tiarks hat versucht, es dem Schachkid zu erläutern. Dieses weilte jedoch in anderen geistigen Sphären und bekam nicht alles mit.

Zeit, die Umgebung zu erkunden. Dennewitz mit rund 300 Einwohnern hat weder einen Bäcker noch einen Supermarkt, was den hungrigen Tiarks fast rasend macht. Das ist gut, da wird er aggressiv am Brett. Dafür hat es eine Kirche und viele Gedenksteine und ein hübsches Dorfmuseum, dass sich mit der Schlacht von Dennewitz beschäftigt.

In der zweiten Runde geht es gegen die Nr. 30 des Turniers. Nach 5 Zügen packt der Gegner die Brille aus, jetzt wird’s gefährlich. Der Gegner besetzt die zweite Reihe mit Dame und Turm. Das Schachkid greift den gegnerischen Turm mit dem eigenen Turm an, der nicht verteidigt ist. Totaler Blackout, heute scheint es nicht so zu laufen. Der Tiarks muss es ausblitzen, Es wird Remis.

Dritte Runde, endlich mit der Nr. 52 ein schaffbarer Gegner. Der fackelt aber nicht lange, sondern nimmt den Königsflügel den Schachkids auseinander. Leider begeht er dann einige taktische Fehler und versiebt es und verliert.

Der Schrittzähler mahnt die pro Stunde fälligen 250 Schritte an. Das Schachkid stapft los und trifft auf die Sächsisch-königliche Pionierleibgarde, die zufällig in der Gegend weilt und „Preußen klatschen“ will, so das Zitat. Natürlich sind sie nicht gewalttätig, sondern spielen auf die Schlacht von Dennewitz an.

soldat Sächsisch-Königliche Kanonierleibgarde mit Schachkid

Vierte Runde, die ersten beiden Bretter schieben ohne einen Zug Remis, alles Titelträger. Das ist ein wenig schade, wenn wegen der Preise schon so früh nicht gekämpft wird.

Das Schachkid wird irgendwie zusammen geschobenen. Der Tiarks verliert auch. Zeit, sich ein Bier zu gönnen.

Das Mittagessen ist dieses Jahr akzeptabel und das Bier sehr lecker. Beschwingt startet man in die 5. Runde. Des Schachkids Gegner wartet umsonst. Das Schachkid besichtigt spontan das Dorfmuseum, ein wahres Kleinod.

mueseum Szene aus Museum

Der Tiarks spielt lieber Schach, baut aber doch nur ein Remis. Und wirkt sehr unzufrieden.

In der sechsten Runde spielt der Roland Schimmel einen scharfen Sizilianer gegen das Schachkid. Das lässt schon wieder einen Turm spielen. Na ja, was macht das, wenn man im Anschluss mit Eis und Espresso in der Sonne sitzen kann und das Leben genießen kann.

Siebte Runde. Der CM Tiarks, ja er hat seit neuestem einem Titel, spielt immer noch vorne mit. Das Schachkid droht gerne mal ein Matt an. Dummerweise hat der Gegner einen Zwischenzug und schon wieder ist ein Turm weg. In der nächsten Runde wird das Schachkid vorbeugend gleich alle Türme entfernen. Und setzt sich erstmal in die Sonne. Am Nebentisch bestellt eine Dame auf Inlineskates ein Eiscafé, will aber nur halb so viel Sahne draufhaben. Als ob es das jetzt bringt und die Hüften schmelzen lässt.

Achte Runde, Tiarks gewinnt schon wieder und ist ganz vorne mit dabei. Das Schachkid ist ganz hinten mit dabei und stellt in gewohnter Weise einen Turm hin. Macht nix, das historisch Interessierte Schachkid geht die Kirche begucken. Und bekommt dank der reizenden Schwester des Turnierorganisators eine Privatführung. Auch die Kirche ist ein Kleinod und zeichnet sich durch einen Altar mit integrierter Kanzel aus, was wohl ganz selten ist.

kirche Altar mit Kanzel in der Kirche zu Dennewitz

Letzte Runde, der Tiarks am ersten Brett, das Schachkid am letzten Brett, maximaler Abstand voneinander. Aber die Ergebnisse stimmen. Der Tiarks remisiert gegen FM Ferenc Langheinrich. Das Schachkid gewinnt zur Abwechslung und macht aus Versehen einen Punkt.

Das Schachkid hat heute ganz schlecht gespielt, aber den schönen Tag genossen und ist daher zufrieden. Der Tiarks hat es auf Platz 6 geschafft, was für dieses Feld sicher ein gutes Ergebnis ist. Und das Örtchen Dennewitz empfiehlt sich durchaus für historisch Interessierte.

 

 

20. Briesener Open – Trainerfrust und Trainerlust

 

20. Briesener Open – Verflixte Endspiele

Abends um 23.00 Uhr aufs Handy geschaut. Prima, die Auslosung ist da. Bett 1, der nächste Briesener. Auch wenn Sebastian Lischke ein Eisenhüttenstädter ist und somit Neubriesener. Zuletzt spielte man in Jacobsdorf gegeneinander, damals mit Sieg für das Schachkid.  Der Trainer gibt um Mitternacht ein spontanes Mentaltraining und hilfreiche Tipps. Psychologie ist alles.

Tatsächlich, die Trainertipps funktionieren. Die Angriffsfiguren sind schnell abgetauscht, die Stellung lange ausgeglichen.

Trotz des verkorksten Endspiels ist das Schachkid zufrieden mit der Partie. Gründlich nachgedacht und keine schnellen Züge heben die Qualität der eigenen Züge deutlich an.

20. Briesener Open – Alle weg

140 Spieler haben sich im beschaulichen Briesen zum 20. Briesener Open eingefunden. Das ist umso erstaunlicher, da Briesen in Richtung Berlin von der Autobahn abgeschnitten ist. Seit 12 Jahren ist das Schachkid in der Gegend. Und jedes Jahr wird ewig an der A12 gebaut. So eine Autobahn muss doch mal fertig werden. Wenn Unternehmen so „effizient“ arbeiten würden wie Behörden, die Autobahnbaustellen planen…

140 Spieler, aber erstaunlich viele Stammspieler fehlen. Viele Briesener, aber auch sonstige Spieler, die eigentlich zum Inventar gehören.

Das Startgeld ist in diesem Jahr für Erwachsene um 10 € aufgrund gestiegener Kosten höher. U.a. prüft die Gemeinde eine Erhöhung der Hallenmiete. Was gar zum Haus des beliebten Opens führen könnte, wie es am 18.4.2018 in der Märkischen Oderzeitung zu lesen war.

Das Wetter hat dafür ein Einsehen und unterbricht für drei Tage pünktlich zum Freitag die seit Wochen andauernde Hitzewelle, um diese erst nach dem Briesener Open am Montag fortzusetzen.

Natürlich gleich in der 1. Runde trifft das Schachkid mit Lothar Bindernagel auf einen ehemaligen Mannschaftskameraden.

In der Eröffnung geht es gemählich zu. Mit 9. Sxe7 kann Weiß das Läuferpaar von Schwarz spalten. 11. Lxf6 sollte Schwarz nict zulassen, da der Königsflügel dann schon fast strukturell in Trümmern liegt. Aber Schwarz verteidigt hartnäckig. Weiß wird ungeduldig, denkt nicht nach und zieht schnell 21. e5. Schwarz gewinnt den Bauern f5 und der weiße Angrff ist Geschichte.

Nun entwickelt sich ein Manövrieren auf beiden Seiten. Es wird abgetauscht. Letzentlich bringt die Entscheidung die Besetzung der e-Linie durch Weiß und den Gewinn eines Bauern mit 38. Txa7, den Schwarz gar nicht recht verhindern kann. 47. … d4 ist dann noch ein Fehler, wie sie  am Ende von Partien eben häifig passieren.

Der Auftakt hätte auch schief gehen können. Schön, mit dem ehemaligen netten Schuldirektor mal wieder die Klingen gekreuzt zu haben.