19. Lichtenberger Sommer – Die Punkte purzeln

2. Runde beim Lichtenberger Sommer 2019. Heute purzeln die Punkte. Johannes steht schon nach 30 Minuten am Schachbrett des Schachkids und guckt fragend um sich. Der Gegner, immerhin eine passable 1700, habe wenig geschlafen und den Läufer stehen lassen.

Das Schachkid hat es etwas mühevoller. Der symphatische Zehlendorfer spielt die Eröffnung etwas unglücklich und stellt einen Bauern ein. Danach wird es aber ein wenig zäh. Das Schachkid spielt wie immer schnell, das ist ja ein schwacher Gegner. Und nach dem komischen 14. a3 kann Schwarz doch seine Stellung verbessern, was das weiße Spiel dann etwas mühevoll macht.

Die Frage ist, ob Schwarz nach 36. g4 noch weiterspielen muss oder nicht aufgeben kann. Der weiße Vorteil ist mit dem verbundenen Freibauern jetzt ziemlich offensichtlich.

Die Partie wird mit einer Thüringer Bratwurst gekrönt. Leider mit Kümmel. Die vorgeblichen Thüringer am Wurststand  sind halt doch eher sächsisch geprägt. Diese wollen dem Schachkid, das aus dem schönen Schmalkalden in Südthüringen kommt, erzählen, das der Thüringer seine Bratwurst mit Kümmel esse. Das kann das Schachkid so nun wirklich nicht bestätigen.

Auf zum Mittag essen. Nach 700m Fußmarsch landet man beim Wernesgrüner. Das Schachkid hat ein wenig zugelegt und wäre gerne mit dem Auto gefahren. Aber nein, der Kompagnon des Schachkids besteht auf den Fussmarsch. Es seien nur 300m. Mit Entfernungen hat er es nicht so.

Das Schachkid entscheidet sich das Steak Oufour, was des Schachkids Gegenüber zu einer Bemerkung veranlasst, doch mal was neues auszuprobieren. Das Schachkid storniert und sucht was anderes. Gibt nix anderes, dann doch das Steak Oufour. Der Kellner hat die Stornierung offenbar übel genommen. Er ward nicht mehr gesehen und taucht gefühlt erst Stunden später wieder auf, um die BEstellung aufzunehmen. Und das Essen des Gegenübers zu bringen. Ein geschickterer Kellner hätte beide Essen gleichzeitig gebracht!

Die 3. Runde dürfte wieder schwerer werden, nach einem Arbeitstag und gegen einen stärkeren Gegner.

Lichtenberger Sommer 2019 – Ein Turnier gefühlt voller Verbote

Das Schachkid spielt den Lichtenberger Sommer 2019 mit, das erste Mal überhaupt. Nach dem Kreuzberger Sommer hat das Schachkid Gefallen an dem Format gefunden, täglich eine Runde zu spielen.

Zunächst geht das Schachkid erstmal zum Casting, a Star is born. Netflix sucht für eine Serie 500 männliche Schachspieler. Casting heißt erstmal Anstehen. Die Schlange ist 500m lang. Nach 30 Minuten anstehen kommt eine Dame der Agentur vorbei. Man könne sich auch online anmelden, was das Schachkid auch gleich macht. Gelobt sei das Smartphone. Jetzt muss das Schachkid in eine andere Schlange, um Fotos machen zu lassen. Die ist 400m lang, war vor 30 Minuten aber noch 10 m lang. Da wäre das Schachkid gleich hin, wenn diese dumme Agentur besser informiert hätte. Nun bleibt keine Zeit mehr für Fotos. Das Schachkid muss ja zum Turnier. Montag wird sich sogleich ein Fotograf gesucht. Der Weg zur Filmkarriere ist schwer.

Nun auf zur HTW, der Hochschule für Technik und Wirtschaft. Hier war das Schachkid noch nicht. Parken ist hier ganz schlecht. Das Turnier findet im Audimax statt, das unter Denkmalschutz steht. Das Schachkid weiß mangels architektonischer Kenntnisse nicht, wieso. Der Saal sieht aus wie jeder andere Saal, nicht besonders kunstvoll oder dergleichen, eher sehr nüchtern. Mit dem Roten Rathaus vom letzten Turnier kann er nicht mithalten. Aber jeder hat Platz, gute und angenehme Spielbedingungen.

Vor der Schachpartie hat der Veranstalter riesige Treppen gesetzt, die es zu bewältigen gilt. Das Audimax liegt im 1. Stock. Das faule Schachkid schaut sich suchend um und entdeckt bald den versteckten Fahrstuhl. Nachdem es die Treppe dreimal (!) bewältigt hat.

Der Caterer kommt tatsächlich aus Thüringen und wirbt mit echter Thüringer Bratwurst. Nur heute hat er keine. Er durfte nicht grillen. Aber für Sonntag verspricht er dem Schachkid hoch und heilig Würste.

Überhaupt gibt es viele Verbote. Der dicke Schiri ist da, der dem Schachkid als auch dem CM Tiarks schon einige Male sehr unfreundlich begegnet ist. Die Damentoilette im zweiten Stock ist tabu und darf nicht betreten werden. Irgendwo steht, dass es strengstens verboten ist, den Knopf zur zweiten Etage im Fahrstuhl zu drücken. Was mag die HTW da nur für Auflagen  machen.

Bei der Anmeldung bekommt man ein Turnierbulletin. Eine gute Sache. Die Eröffnungsrede ist feierlich, aber kurz. Alles Wesentliche kann man nachlesen. Sogar ein eigenes Kapitel zur Bedienung der Uhren gibt es. Aber auch hier Verbote:

„Die Spieler dürfen ausschließlich die Knöpfe, die sich oben auf der Uhr befinden, betätigen. Das sind die Knöpfe zum Abschalten der eigenen und Ingangsetzen der gegnerischen Uhr und der mittige Knopf zum Anhalten/Aus- und Einschalten der Uhr. Die Schalter an der Frontseite dienen der Bedienung der Uhr (Einstellfunktionen) und dürfen von den Spielern oder anderen Unbefugten zu keiner Zeit benutzt werden. Eine Zuwiderhandlung kann von den Schiedsrichtern nach Artikel 12.9 bestraft werden.“

Das hat das Schachkid noch nirgendswo gelesen. Das Schachkid hat auch noch nicht nachgeschlagen, wie die Strafe aussieht. Nach Beendigung der Partie verstößt das Schachkid gleich mal gegen das Verbot und hält die erste „Einstelltaste“ lange gedrückt, sodass die Uhr wieder gestellt ist. Hoffentlich wird das Schachkid jetzt nicht bestraft.

Highlight auch ein Zettel am Aushang. „Durch Drücken der Taste F5 aktualisiert sich die Internetseite.“ Offenbar hat der gastgebende Verein schon reichlich Erfahrung mit DAUs (=Dümmster anzunehmender User) gesammelt.

Das Schachkid sitzt am Brett und genießt die Aussicht, die sich so rundherum bietet. Da gibt’s einiges zum Gucken!

Die Partie ist langweilig, Slawische Eröffnung. Es tauscht sich alles ab. Der Gegner, er kann nix dafür, geht dem Schachkid auf die Nerven. Er denkt bei simplen Zügen extrem lange nach. Zum Schluss steht die Uhr beim Schachkid auf 1:19 und beim Gegner auf 0:11 mit dem Ergebnis, dass zum Schluss nach 20 Zügen ein Endspiel mit 6 Bauern auf dem Brett steht. Der Gegner hat das Läuferpaar, das Schachkid Springr und Läufer. Das Schachkid überlegt, zur Königsindischen Verteidigung zurück zu kehren. Da könnte es taktischer werden.

Klare gewonnene Stellung für Weiß. Der König wird frühzeitig aktiviert und an den Damenflügel geholt, während Schwarz völlig passiv steht und diesem langsam aber sicher die Züge ausgehen.

Das Schachkid hofft auf Champagner in Potsdam und hat nun wirklich keine Lust, noch stundenlang dieses Endspiel zu kneten. Also wird aufgegeben und das Leben genossen.

Abends im Bett rätselt das Schachkid, wieso beim Nachwuchs Tyron als auch Johannes verloren haben. Aber das ist offenbar eine andere Geschichte.

28. Open der SG Eintracht Neubrandenburg – Chaos bei der Anreise

Das erste Open seit der Deutschen Amateurmeisterschaft in Potsdam in der ersten Januarwoche. Auf nach Neubrandenburg –  das Schachkid möchte gerne seine 1600 DWZ wiederhaben. Laufender Stand ist 1598, zwei Punkte müssten wohl zu schaffen sein. Das Eintracht-Open hat das Schachkid schon oft mitgespielt, es ist immer sehr gemütlich hier. Zivile Startgelder und die ungezwungene Atmosphäre sind toll.

In Potsdam wird der J. aufgesammelt, der gerne mitwollte. Er versucht, sich mit Taktikaufgaben aufzuwärmen, was wohl nicht so klappt. Bald hat er dafür reichlich Zeit. Vor Gransee steht man im Stau. Unfall, Vollsperrung. Das Schachkid dreht und man fährt über schmale Straßen durch obskure Dörfer durch die Brandenburger Landschaft. Man kommt zu spät. In der Auschreibung steht eine Telefonnummer. Der J. spricht dem Turnierleiter auf die Mailox. Das Schachkid ruft den Turnierleiter im Viertel-Stunden-Takt an. Der geht nie ran. Das Schachkid gibt Gas. Abendessen fällt mangels Zeit aus.

Am Hotel angekommen steigt das Schachkid aus dem Auto aus. Zufällig kommt der Turnierleiter entgegen. Das Schachkid berichtet, 10 mal angerufen zu haben. Ja, meinte der Turlierleiter. Er gehe gerade zum Auto und schaue, wo eigentlich sein Handy sei. Da der Turnierleiter ein wirklich sehr netter und lieber  Mensch ist, verzichtet das Schachkid darauf, ihn kurz bei den Schultern zu packen und durchzuschütteln.

Drinnen bekannte Leute, das Schachkid grüßt den halben Turniersaal. Willi Woll und Dieter sind nicht da, Manfred und Dirk Hummel auch nicht. Dafür aber der nette Doppelgänger von Udo Jürgens, Holger Borchers, die Reyers, die keine Punktspiele mehr machen wollen und jede Menge andere Brandenburger.

Das Schachkid ist angemeldet und schaut sich suchend um. Der J. hat sich offenbar verdünnisiert. Also checkt das Schachkid ein und begibt sich dann zum Auto. Drei Autos weiter wartet der frierende J. Das Schachkid teilt ihm mit, das er am falschen Auto warte. Bei zwei roten Autos war es immerhin eine fiftyfifty Chance. Also wieder zurück zur Hotelrezeption.

Das Schachkid schleppt das Gepäck aufs Zimmer und begibt sich dann zurück zur Rezeption. Da steht der J. immer noch da. Das Hotel hat festgestellt, dass er aufgrund seines Alters noch nicht geschäftsfähig sei und möchte ihn nicht einchecken lassen. Das Schachkid gibt sich als Bekannter zu erkennen, unterschreibt ein Schriftstück und haftet nun voll. So schnell wird man „Papa“. Das Schachkid hofft, dass der jugendliche J. nicht sein Zimmer zerlegt.

10 Minuten vor Turnierbeginn – durch den Stau hat man noch nichts gegessen. Man wetzt ins Einkaufszentrum. Das Schachkid landet bei „Wolf Gute Wurst“ und ersteht drei Mettbrötchen mit viel Zwiebeln. Die Zeit reicht nicht mehr fürs Zimmer. Das Schachkid muss die Brötchen mit ans Brett nehmen und nebelt seinen 12-jährigen Gegner die nächsten Stunden mit strengen Zwiebelgeruch ein.

Der scheint ein lokaler Nachwuchsstar zu sein. Viele Leute bleiben am Brett stehen und gucken zu. Das Schachkid hofft auf eine schnelle und entspannte Partie. Aber der Kleine spielt gut und steht sogar während der ganzen Partie leicht besser. Obwohl das Schachkid nach 8. …. Kf8 die Partie schon gewonnen glaubt. 21.00 Uhr – das Schachkid beginnt wie immer zu dieser Uhrzeit langsam einzunicken und wird leichtsinnig Der Knabe auf der Gegenseite gewintn eiskalt einen Bauern. Nur dank der ungleichen Läufer und der günstigen Königsstellung kann das Schachkid das Remis halten.

Der J. gewinnt auch, ist in seiner Gruppe ja auch vorne mit dabei.

Das Schachkid kommt auf sein Hotelzimmer und möchte gerne sein Handy aktivieren. Nach zwei Veruchen, die PIN einzugeben, weigert sich das Handy immer noch. Das Schachkid erinnert sich dunkel, in dieser Woche eine neue PIN vom Provider erhalten zu haben. Die hat das Schachkid natürlich vergessen und die PIN liegt zu Hause. Also wird Abends um 23.00 Uhr hektisch mit dem Diensthandy mit der Hotline von Vodafone telefoniert. Die kann Gott sei Dank helfen. Zwei Tage ohne Handy – Katastrophe!

28. Erfurter Schachfestival – Fazit und Ausblick

Schon ist es wieder vorbei, das 28. Erfurter Schachfestival. Kaum zu fassen, wie schnell hier immer die Zeit vergeht. Daniel Wanzek und sein Team mit sichtbaren und weniger sichtbaren Helfern hinter den Kulissen haben das Turnier wie jedes Jahr souverän über die Bühne gebracht. Eine Organisation ist dann gut, wenn der Gast von möglichen Pannen nichts mitbekommt und sich wohl fühlt.

Das Hotel ist wie ein alter Opa, mit ein paar Macken aber liebenswert. Es ist sehr schön, bei einem Turnier alles unter einem Dach zu haben. Das Zimmer war gemütlich und bot aus dem 13. Stock einen bezaubernden Ausblick auf das weihnachtliche Erfurt. Nur getoppt von dem Ausblick in der Sauna in der 17. Etage. Das Frühstücksbuffet, ein preiswertes Mittagessen und die Bar am Abend bot reichlich Gelegenheit, sich kulinarisch verwöhnen zu lassen. Auch wenn gefühlt jeden Abend nach dem Barbesuch das Bett schwankte, woran das Hotel nun wirklich keine Schuld hatte. Die fleißigen Hotelmitarbeiter, die sich für die Gäste die Feiertage um die Ohren schlagen, sind sehr freundlich und tragen sehr zu dieser entspannten Atmosphäre bei. Die legendären Fahrstühle werden 2019 erneuert und werden smart. Künftig geht es flott zum Turniersaal. Was das Schachkid auch mit ein bisschen Wehmut sieht. Die langsamen Fahrstühle waren stets ein Anlass für nette Gespräche beim Warten. Und wenn man erstmal drin war… Selbst der Hoteldirektor nahm es bei der Siegerehrung mit Humor.

Schachlich lief es nicht so toll. Schnelles Spiel und taktische Flüchtigkeitsfehler bestimmten das Spiel des Schachkids. Der Ralf dagegen war mit seinen Punkten sehr zufrieden.  Und der fuhr gleich weiter zum nächsten Turnier. Wenn das Schachturnier nur den halben Tag beansprucht, reicht es noch für ein Badmintonturnier. Wobei der Ralf genausoviel Badmintonturniere spielt wie das Schachkid Schachturniere. Nur das der Ralf viel fitter ist als das Schachkid.

Ausliegende Aufkleber lassen auf ein 29. Erfurter Schachfestival 2019 hoffen. Das Schachkid freut sich schon und wird in einem Jahr an dieser Stelle von kuriosen Begebenheiten aus der Schachwelt berichten.

28. Erfurter Schachfestival – Taktiktraining tut not

Heute startet die Runde schon um 9.30 Uhr los, also früher ab zum Frühstück. Das Schachturnier nährt sich dem Ende, Silvester naht.  Seniorengruppen balgen mit Schachspielern am Frühstücksbuffet um die Wurst. Wobei alle satt werden und einen Platz finden. Und so unverhofft Tischgemeinschaften zueinander finden.

Der Senior am Nebenbrett wärmt sich mit Sudoku auf. Was ihm nicht hilft, da er gegen seine jugendliche Gegnerin schnell verliert.

Das Turnier endet so, wie es angefangen hat.. Der Gegner gewinnt schnell durch einen einfachen taktischen Zug, den man durchaus schonmal sehen kann. Das Schachkid nimmt sich fest vor, gleich im neuen Jahr mit dem Schachkurs vom GM Huschenbeth anzufangen. Auch Eröffnungstraining tut wohl not. Der Ld7 ist ein Paradebeispiel dafür, wie man seine Figuren nicht hinstellen sollte. Aktiv statt passiv – was nach Erotik klingt, ist auch im Schach gefragt.

Trost findet das Schachkid bei Entenbrust und Köstritzer Schwarzbier im Hotelrestaurant. Das im Foyer befindliche Klavier wird von zwei jugendlichen Spielern bearbeitet – und das erstaunlich gut. Klassik beim Mittagessen mit Filmmusik auf dem Flügel.

Nun denn, der Turnierdirektor Daniel Wanzek ahnt noch nicht, dass der das Schachkid in wenigen Tagen im Potsdam bei der Vorrunde der Deutschen Amateurmeisterschaft schon wieder treffen wird. Wie dieser bei seiner gewohnt launig moderierten Siegerehrung selber sagt, spielen viele Schachfreunde das Trippel Dresden-Erfurt- Potsdam mit. Wahnsinn!

Überhaupt die Siegereherung. Der Hoteldirektor Herr Michael Rosin ist wie schon bei der Eröffnung auch hier zugegen – sicherlich keine Selbstverständlichkeit. Die Helferriege ist prominent besetzt – mit einem Schiri aus der Bundesliga und Bundesnachwuchstrainer IM Bernd Vökler. Schachstars zum Anfassen. Die langjährigen Schiris Albrecht Beer und Wolfgang Gerard werden verabschiedet. Letzt Genannter hat dem Schachkid einiges zum Thema Öffentlichkeitsarbeit beigebracht.  Das Hauptturnier ist fest in Thüringer Hand. Die Sieger kann man ausführlich auf der Homepage des Erfurter Schachfestivals nachlesen.  Dem Schachkid bleibt eine kurzweilige Siegereherung vor vollen Saal in Erinnerung.

Anekdote am Rande – das Schachkid läuft vielen Brandenburgern über den Weg. Was keine Überraschung ist, da das Schachkid in Potsdam wohnt. Und diese Brandenburger begrüßen das Schachkid als Brandenburger, das sich als gebürtiger Schmalkalder noch als Thüringer fühlt. Ganz schön frech, diese Brandenburger!

 

 

28. Erfurter Schachopen – Im Turnier angekommen

Vor dem Spiel nimmt das Schachkid in der Lobby Platz und widmet sich der entspannenden Zeitungslektüre. Im Sessel nebenan hockt ein 13-jähriger Knabe und jammert herum. Fünf Partien gespielt, 25 Stunden am Brett gesessen. Das pisse ihn an. Und die Bedenkzeit sei viel zu kurz mit 2,5 Stunden. Tja, möchte das Schachkid dem Knaben antworten, Zeitmanagement muss man eben auch lernen. Vermutlich wird der griesgrämige Teenager auch mit 5 Stunden Bedenkzeit in Zeitnot kommen.

Das Schachkid hat das Problem eher andersrum –  zu schnell trotz genug Zeit. Zeitmanagement muss eben auch das Schachkid noch lernen. Bei der nächssten Partie haben der Ralf und das Schachkid endlich das Gefühl, im Turnier angekomen zu sein. Man denkt nach und möchte am liebsten die ersten Runden beim Turnierleiter annullieren lassen.

Den Zug 4. c4 hält das Schachkid für abenteuerlich. Das scheint wirklich Theorie zu sein. Aber wer lässt sich freiwillig einen Isolani verpassen, gegen den Schwarz dann spielen kann? Das ist dann auch der Plan des Schachkids. Es wird dann abrer doch der Mehrbauer auf a2. Anschließend gleich den Damentausch zu forcieren ist wohl keine gute Idee für Weiß. Mit weniger Figuren sollte man das Spiel kompliziert halten. Wobei das nun kommende Turmendspiel auch kompliziert genug ist. Man rückt die Steine hin und her, aber die Wende ist wohl 36. g4. Das macht die Bauernstruktur und das Endspiel für Weiß kaputt. Spätesstens ab dem 36. Zug, als Schwarz zwei Bauern mehr hat, ist es entgültig gewonnen. Und das Schachkid ist genervt, das die Gegnerin nicht aufgibt. Das ist zwar ihr gutes Recht. Wann aber eine Stellung aussichtslos ist und der Gegner offenbar die Grundlagen des Endspiels beherrscht, sollte man schon merken.

Zwischen den Runden haben der Ralf und das Schachkid ein straffes Programm. Zuerst wird einmal Geld benötigt. Das benötigen andere Leute auch – die Stadt ist megavoll. Der Weihnachtsmarkt hinter dem Dom wird angesteuert. Ein Glühwein mit Schuss trägt wesentlich zur Vorbereitung auf die nächste Runde bei.

Auf dem Domstufen gibt es neben dem Kreuzritter und nepalesischer Kleidung auch einen Stand mit Bildern mit Geschmack. Das Schachkid sieht sich schon an einem Gemälde rumlecken und tritt interessiert näher heran. Der Künstler malt Bilder und klebt diese kurzerhand auf Flaschen mit klaren Inhalt. Das Schachkid denkt an seine Skatrunde im heimatlichen Potsdam und nimmt ein paar leckere Bilder mit. Der Künstler hat nebenbei den „Kleinen Erfurter“ erfunden.  Den kleinen Erfurter gibt es auf allerlei Dingen zu kaufen und soll vor allem die Erfurter Mundart verbreiten.

Wenn man einmal da ist, wird noch ein Schwätzchen mit dem Kreuzritter gehalten. Der entpuppt sich als Trekkie. Und sorgt für Ralfs und des Schachkids Weiterbildung. Wer hätte auch gedacht, dass Kreuzritter auf Französisch oder Spanisch „Ferrenc“ heißen und die Ferrengi bei Star Trek daher Ihren Namen haben.

Weiter geht’s zu Viba. Der Schmalkalder Süßwarenhersteller hat hier einen schönen Laden. Heureka, eine Goldgrube. Es gibt B-Ware, fünf Fruchtschnitten für 0,75 Euro. Das Schachkid investiert in 5 Packungen.

Auf der Krämerbrücke geht noch ein Eierlikör to go. Danach wird zum Hotel geschwankt.

Das Schachkid hat ein gewisses Mißtrauen gegenüber Männer mit Vollbärten. Der Gegner hat natürlich einen, dazu noch einen sehr zotteligen, der aber um den Mund herum wegrasiert ist. Das Schachkid ist kein Modeberater, kommt aber nicht umhin, ständig den Impuls zu verspüren, eine Rasur zu empfehlen. Zudem der Gegner aus Hessen das Vorurteil auch nicht bestätigt und sehr nett ist. Er gewinnt, wieder einmal durch zu schnelles Spiel des Schachkids, einen Bauern und rettet den Bauern auch im Endspiel, was aber durchaus kompliziert ist und vom Schachkid hätte aktiver gespielt werden können. Zudem hat sich der Gegner ausgerechnet vor einiger Zeit den Maroczy-Aufbau angeguckt, den das Schachkid mal von FM Felix Meißner gelernt hat.

Während der Partie wird geshoppt. Vor der Tür steht ein Händler, der T-Shirts mit lustigen Schachlogos bedruckt. Was für eine schöne Idee, das Schachkid nimmt zwei Shirts und wird sie beim nächsten Punktspiel ausführen.

Der Schachhändler EuroChess nebenan hat allerlei Interessantes dabei. Das Schachkid hat sich vorgenommen, kein Buch zu kaufen, da diese „nur daheim herumstehen“. Das Schachkid nimmt zwei Stück. Ein Eröffnungsbuch kann man zum Nachschlagen schließlich immer brauchen. Und das Buch „Der KGB setzt matt. Wie der sowjetische Geheimdienst die Schachwelt manipulierte“ klingt extrem spannend. Es schildert, wie der Großmeister Boris Gulko, in Erfurt geboren (so schließt sich der Kreis) mit seiner Ehefrau einen Ausreiseantrag aus der Sowjetunion stellt und jahrelange Repressalien in Kauf nehemn muss.

Der Schachhändler ist sich sicher, dass seine Internetseite von russischen Hackern angegriffen wurde, als er das Buch beworben hat. Auch sonst hat er viel Kurioses dabei. Alte Bücher, die als Sammlerstücke bis zu 200,- € kosten. Ein Buch mit einem Autogramm von John Nunn. Und ein Buch zur Aljechin-Verteidigung mit Begleitdiskette!

Der Abend nimmt den üblichen Verlauf – Wildschwein im Naumburgischen Keller und anschließend Gesellschaftstrinken an der Hotelbar.  Ralf riecht, voller Freude über seine heute erzielten 1,5 Punkte am Whisky und das Schachkid fragt sich, wieso man dieses Jahr nicht die Teilnahme am attraktiven Rahmenprogramm mit Skatturnier, Würfelblitz und Doppelkopfturnier schafft.

28. Erfurter Schachfestival – Alle zu schnell

Dritter Tag – es zeigt sich, nach 9.00 Uhr sollte man nicht zum Frühstück erscheinen. Sonst gibt es keine Tische mehr. Das Schachkid sitzt schon eine Weile und liest mit Wonne seine Tageszeitung, neuerdings auf dem IPad. Das macht das Schachkid sehr gerne, daher ist es ihm sehr wichtig. Der Gast, der sich wegen des vollen Raumes an den Tisch des Schachkids begibt, versteht jedoch die Signale nicht. Er murmelt ab und an etwas und stellt dem Schachkid eine Frage. Das Schachkid gibt eine kurze Antwort und widmet sich wieder seiner Lektüre. Was der Tischgenosse zum Anlass nimmt zu fragen: „Darf ich Sie beim Lesen stören?“ – Das Schachkid ist versucht zu antworten: „Nein“ oder „Hast Du gerade, Du Idiot“. Aber nein, das Schachkid ist ja höflich, sieht aus dem Augenwinkel die Lubbes, die auch verzweifelt einen Tisch suchen, und tauscht sich mit dem Tischnachbarn über fehlende Kaffeekannen aus. Zweifellos interessanter als die Analyse der Welt von Trumps neusten Eskapaden.

Nun ein Thüringer aus Mühlhausen. Die können nicht nur Pflaumenmus, sondern auch Schachspieler. Die Eröffnung der Runde folgt. Erfreulicherweise haben sich diverse Dinge wieder angefunden. Die Eröffnungsmusik der Runden, das Hotel hatte die CD verschlampt. Und der Fotograf, dem es erfreulicherweise wieder besser geht und der sogleich loslegt. Dazu noch schöne personalisierte Stifte mit eingeprägten Namen. Das Schachkid hat schon eine schöne Sammlung.

Der Gegner legt los und will offenbar Londoner System spielen. Das Schachkid fühlt sich an die Partie von gestern gegen den Schachfreund Töpfer erinnert und versucht ähnlich zu spielen. Weiß muss einen Läufer tauschen und erhält einen Einzelbauern auf e4. Schwarz beherrscht die c-Linie, eine annehmbare Stellung.

Aber beide Seiten spielen zu schnell, 40 Züge in einer Stunde, und übersehen so ihre taktischen Möglichkeiten. 22. Sxf7 sieht sehr gefährlich aus. Schwarz verpasst dafür den Bauerngewinn mit 29. …. Tc1+ 30. Txc1 Sx2 + 32. Kf1 Sc1 und der a- oder b-Bauer muss dran glauben. Das Remis ist gerechtfertigt. Zu schnelles Spiel und taktische Fehler, diese Schwächen hatte das Schachkid eigentlich schonmal abgestellt.

Ralf findet sich in einem Turmendspiel mit einem Bauern weniger wieder. Laut Karsten Müller ist hier die Remisbreite sehr hoch. Aber der Gegner weiß es besser. Also wieder kein Punkt für den armen Ralf.

Man sucht den mysteriösen Weihnachtsmarkt. Google zeigt ihn vor dem Dom. Ralf mit seinem scharfen Verstand zweifelt und hat ein anderes Navi, er soll hinter dem Dom sein. Ralf ist unerbittlich und jagt das Schachkid die Domstufen hoch. Und tatsächlich, ein wunderschöner Weihnachtsmarkt wie im Mittelalter. Ein Stand mit Brot – das Schachkid fragt nach dem Inhalt des Backbrotes. Die Verkäuferin fragt „Kannst Du Lesen?“ und deutet auf ein Schild. Das Schachkid möchte antworten „Kannst Du verkaufen?“ , spart sich aber die Antwort und isst am nächsten Stand ein Honigsteak bei freundlichen Personal.

Die Mohrenköpfe sind ein Flop – mi Erdbeerschaum, bäh… Das Schachkid erwirbt eine Lederhalskette mit einem Krummsäbel. Der wird Glück bringen. In den Katakomben des Doms sitzt ein Kreuzritter und fragt, ob das Schachkid „Die Rosen von Jericho“ kenne. Das Schachkid kennt nur die Posaunen. Offenbar handelt es sich um 300 Jahre alte Wüstenpflanzen, die grün werden, wenn man sie mit kochendem Wasser übergießt. Das Schachkid ist begeistert und nimmt drei Stück.

Der wunderbare Weihnachtsmarkt ist bedroht und soll nicht mehr stattfinden. Offenbar hat in der Nähe ein Ehepaar ein Haus gekauft und klagt nun wegen Lärmbelästigung. Da muss der Markt nun weg. Der Dom, der 2 m neben dem Weihnachtsmarkt steht und immer zur vollen Stunde bimmelt, kann offenbar noch nicht weggeklagt werden. Armes Erfurt! Eine Petition zum Erhalt des Weihnachtmarktes wird noch vor Ort unterschrieben.

Zweite Partie heute – das Mädel spielt Pirc. Das Schachkid glaubt sich im Franzosen, ist sich aber nicht ganz sicher und geht daher erstmal vorsichtshalber zur Bar, einen grünen Tee holen. Eine Stunde und 13 Züge später machen Weiß und Schwarz Verlegenheitszüge. Offenbar hat das Mädel keine Idee, das Schachkid aber auch nicht und bietet daher probehalber Remis an. Halber Punkt und wieder ab in die Bar, während Ralf noch zu tun hat. Aber dann auch nur ein Remis schafft. Schachlich läuft es dieses Jahr bei keinen so richtig rund.

Ab ins Lousiana  und Alligator essen. Hier es es voll, was für das Restaurant spricht. Danach ab in die Hotelsauna. Hier ist es voll, was für die Sauna spricht. Ab an die Bar. Hier ist es voll, was für die Bar spricht. Heute sind andere Mitarbeiter da und haben die Lage deutlich besser im Griff. Es ist voller und trotzdem geht es schneller und der Service ist aufmerksam.  Sicher ist der Job auch nicht einfach.

Dritter Tag vorbei und mit Bedauern muss das Schachkid feststellen, dass das Turnier sich schon wieder dem Ende neigt und das neue Jahr mit Riesenschritten naht.

28. Erfurter Schachfestival – Das Hotel schwächelt

Zweiter Tag – Es geht gegen den alten Recken Roland Töpfer. Man kennt sich schon seit Jahren und hat schon oft in Erfurt die Klingen gekreuzt.

Die Eröffnung entwickelt sich etwas konfus. Das Schachkid entwickelt spontan den Plan, nach dem Läuferabtausch lang zu rochieren und mit den Bauern am Königsflügel anzugreifen. Allein nach h3 geht es nicht voran und Schwarz hat mit Blick auf das Endspiel eine unschöne Bauernstruktur. Allein soweit kommt es gar nicht. Das Schachkid übersieht eine simple Gabel. Immer wieder der gleiche Fehler – es scheint sehr schwer zu sein, diese taktischen Fehler abzustellen.

Auf zum mittelalterlichen Weihnachtsmarkt am Wenigemarkt. Der scheint jedes Jahr kürzer zu werden – Nachmittag ist schon Schluss. Es reicht aber noch für ein schönes Rostbrätl und einen anständigen Glühwein. Gerüchterweise soll sich hinter dem Dom ein Weihnachtsmarkt befinden, der morgen aufgesucht wird.

Die Sonne scheint. Der Ralf hat auch schnell verloren. So reicht die Zeit noch für einen Spaziergang und einige Pokémons, die gefangen werden wollen. Das Schachkid geht mit der Zeit und hat neue Hobbies.

Nachmittags spielt Ralf stolze drei Stunden, verliert aber doch. Das Schachkid steht ohne Gegner da, da dieser aus privaten Gründen aus dem Turnier aussteigen musste. Bleibt Zeit zum Chillen, auch ganz nett.

Der Abend wird im Goldenen Schwan beschlossen – uriges selbst gemachtes Weihnachtsbier, durchschnittliche Thüringer Klöße, aber zu empfehlen. Schachlich ist man noch nicht so zufrieden. Ralf hat 0,5 Punkte, das Schachkid 1 Punkt – aber beide ohne Leistung.

Das Hotel leistet sich heute so einige Schnitzer. Ganz harmlos liegt das Schachkid auf dem Bett und gibt seine Partie ein. Da öffnet sich die Zimmertüre und eine Dame erscheint. Sie möchte gerne prüfen, ob das Zimmer gereinigt wurde. Das kann die Dame auch gerne tun. Nur Vorheriges Anklopfen wäre ganz nett. Gott sei Dank war das Schachkid bekleidet und saß nicht gerade auf dem WC.

Abends an der Bar, es ist voll. Das Schachkid nimmt am Tresen Platz. Und wartet geschlagene 20 Minuten und wird nicht beachtet. Die anschließende Frage nach der Karte wird mit einem barschen „Einen Moment“ beantwortet. Das Schachkid ist mit einem Gastronomen befreundet und hat daher wirklich Verständnis dafür, wenn es länger dauert, wenn es voll ist. Wenn die Bedienung aber 10 Minuten lang direkt vor dem Schachkid Cocktails mixt und parallel nicht in der Lage ist, kurz zu fragen oder die Karte zu reichen und dann barsch wird, ist das kein guter Service. Das kennt das Schachkid aus vollen Potsdamer Bars anders. Die angepriesene Happy Hour gilt auch nur für wenige ausgewiesene Getränke. Die aber sehr lecker sind.

Die Fahrstühle sind legendär. Heutiger Rekord – 12 Minuten auf dem Weg von der 13. Etage in die 1. Etage. Start – 9.40 Uhrvo der Zimemrtür – Ankunftszeit 9:52 Uhr im Turniersaal.

28. Erfurter Schachfestival – Unmotiviertes Skandinavisch

Es ist wieder so weit, das Jahr nährt sich dem Ende. Das 28. Erfurter Schachfestival steht an. Eine schöne Tradition, hier mitzuspielen. Der Turnierdirektor schmeißt neben dem Erfurter Turnier noch um Weihnachten herum die Vorrunden der Deutschen Amateurturnier in Dresden und Potsdam. Wahnsinn,was mag diesen Mann motivieren? Dieser Mann lebt für das Schach. Das Schachkid vermutet, dass er zweifellos eines Tages den Deutschen Schachbund leiten wird.

Er liest ab und an auch diesen Blog. Lieber Daniel, Vielen Dank, dass Du das in Erfurt so viele Jahre schon möglich machst.

 Im Hotel angekommen sieht schon alles sehr professionell aus. Hartmut Seele, der Schatzmeister des Thüringer Schachbundes, der auch nicht zu altern scheint, wartet auf ankommende Spieler und hütet natürlich die Kasse.

 Lebkuchenteller, den gibt es dieses Jahr nicht. Dafür gibt es nun eine Klimaanlage und ein Tablet. Das Schachkid schläft nun wirklich in vielen Hotels. Aber das hat das Schachkid noch nicht gesehen. Das Tablet bietet Infos zum Hotel. Man kann Essen bestellen und Zeitschriften lesen. Das Schachkid öffnet probehalber mal die Bravo, will dann aber doch nicht die Boyband des Jahres wählen.

Ein Aufzug wird saniert, nur zwei sind verfügbar. Wer das Hotel kennt, weiß – da wird man in den nächsten Tagen viel Geduld brauchen.

Ab zur Bar, diesmal keine lauten Sachsen, aber ein extrem aufmerksamer Service. Und 5 Sorten Kuchen, in den letzten Jahren gab es immer nur eine Sorte. Das Schachkid bestellt spanischen Mandelkuchen und plant imKopf schon die nächste Reise nach Madrid.

 Für das Turnier hat das Schachkid keine besonderen Ziele.Am Black Friday hat das Schachkid einen Schachkurs bei GM Huschenbeth gekauft an dessen neuer Schachschule Chessence. Aber bisher hat das Schachkid noch nicht reingeschaut. Die Turniervorbereitung besteht darin, 5 Minuten die Vorstossvariante in Caro-Cann anzusehen. Wird halt wieder nach Bauchgefüh gespielt. Dieses Jahr im Hauptturnier, für das Amateurturnier hat das Schachkid 8 Punkte zu viel DWZ.

15.36 Uhr – die Sachsen sind da.

Ab auf den Weihnachtsmarkt und 30 € in Nüsse investiert. Das Schachkid fragt sich jedes Jahr, was es mit den ganzen Nüssen soll. Aber bei Nüssen kennt das Schachkid kein Halten. Die reichen bis Juni. Am Eingang zur Krämerbrücke ertönt weihnachtliche Musik. Zwei Geigen mit Gitarrenbekleidung spielen festliche Musik, das Schachkid lauscht ergriffen. Ein Russe, der laut ins Telefon plärrt, stört die weihnachtliche Stimmung. Das Schachkid mahnt höflich zur Ruhe, der Russe gukt grimmig und droht Schläge an. Offenbar war der rotbejackte Russe nicht sehr besinnlich drauf.

Die Eröffnung ist Business as Usual. Kurze Rede, 8 smarte gutaussehende Schiris und die ersten Preise werden verlost. Schlimme Kunde vomWebmaster des Turnieres – er ist am Tag zuvor ins Krankenhaus eingeliefert worden. Von dieser Stelle aus kann man ihm nur alles Gute und baldige Genesung wünschen. Der Schiri hält sich nicht mit langen Erläuterungen des Regelwerks auf und eröffnet flott die erste Runde.

Das Schachkid kommt am Brett an und muss erstmal den Gegner auf die andere Brettseite verscheuchen. Die Farbauslosung des Hoteldirektors für das erste Brett führte hier und da zu Verwirrungen.

Der Gegner sieht ähnlich unmotiviert aus wie das Schachkid. Und so hat man nach 10 Minuten bereits die ersten 15 Züge gespielt, während am Nebenbrett noch die Bauern poliert werden. Das Schachkid kann sich abends immer nicht so recht konzentrieren und fragt sich, warum es nicht zur zweiten Runde eingestiegen ist. Zur Partie ist nicht viel zu sagen. Ein solides Skandinavisch kommt aufs Brett. Es wird schnell gespielt. Und dann kommen taktische Fehler aufs Brett und der Gegner gewinnt ganz simpel, wenn man nicht nachdenkt.

Erleichtertes Durchatmen auf beiden Seiten des Bretts. Man kann endlich zur Bar. Ab der zweiten Runde wird motiviert gespielt.

 

 

Regionalliga Ost: Potsdamer SV Mitte III – ESV 1949 Eberswalde III

Ankunft im Spiellokal – Eberswalder, wohin man guckt. Vorne, hinten, überall. Mit 17 Mann sind sie gekommen. Vermutlich haben sie einen eigenen Mannschaftsbus.

Der Mannschaftsleiter gibt schon wieder Süßes aus. Krapfen – heute ist ja Fasching. Mal sehen, ob jemand um 11.11 Uhr Hellau schreit. Das Schachkid kommt in diesem Schachverein einfach nicht zu seiner Diät. Um 11.00 Uhr fühlt sich das Schachkid auch schon total unterzuckert. Das achte Brett hat Mitleid und spendet seinen Krapfen an das Schachkid. Nach zwei verputzten Krapfen kann sich der Gegner nun warm anziehen.

Mätzkow sen. schießt Fotos. Dem Schachkid geht das Geblitze auf die Nerven. Es überlegt kurz als frisch ernannter Datenschutzbeauftragter des PSV Potsdam Mätzkow sen. darüber zu informieren, dass er nach der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) die Einwilligung der Fotografierten benötigt. Kurz ist das Schachkid versucht, ein paar Artikel aus der DSGVO zu zitieren.

Achtes Brett, beide Seiten sind empört. Die Eberwalder Seniorin ruft laut „Danke schön!“. Entsetztes Stöhnen auf der Potsdamer Gegenseite. Offenbar ging die Dame verlustig. Die Eberswalderin fragt ganz empört: „Haben Sie den Zug denn nicht gesehen?“ und packt zusammen. Sie wird aber schnell darauf aufmerkam gemacht, dass die Partie noch nicht gewonnen habe, da der Gegner weiterspielt. Da half auch der Hinweis „Aber ich habe seine Dame genommen.“ nicht. Eine Partie ist eben erst dann zu Ende, wenn sie zu Ende ist.

Das zweite Potsdamer Brett gleicht um 11.30 Uhr aus und zerrupft seinen Gegner förmlich. Dame und Springer haben den gegnerischen König eingekreist und bringen diesen zur Strecke.

Heute mal mit Weiß, Hoffnung auf Schottisch. Dem geht der Gegner gleich mit 2. … De7 aus dem Weg, und blockiert gleich mal den eigenen Läufer. Die Eröffnung kann nicht gut ein. Es geht munter mit einem Angriff 8. … g5 weiter. Der hier aber mit wenig Sinn und Verstand erfolgt. Es sind einfach keine Figuren entwickelt, die nachstoßen könnten. Weiß hat dagegen deutlichen Entwicklungsvorsprung, kann den aber auch nicht nutzen. 12. … Dxe6 ist ein wenig unsauber gespielt. 12. … Sx6, und der schwarze Springer hat Perspektiven.

Im 16. Zug stellt sich für Weiß die Frage, wie nun weiter? Was ist der korrekte Plan? Wenn man nicht weiter weiß, stellt man eine schlecht stehende Figur besser. Der Abtausch ist ganz gut. Vielleicht können die Türme ja nach d7 vordringen. Aber Schwarz verteidigt sich umsichtig. Aber man nährt sich dem Endspiel. Und das Schachkid ist zuversichtlich, mit einem Springer auf f5 hier besser zu stehen. Mit 21. Lxb6 wird der aktive schwarze Springer abgetauscht. Nun hat Schwarz zwar den Läufer, aber der taugt nix. Die Stellung ist geschlossen. Die schwarzen Bauern stehen auf der Farbe des schwarzen Läufers.

Nun beginnt ein langes Manövrieren. Der Vereinsvorsitzende schaut am Brett vorbei und rollt kurz mit dem Augen. Offenbar sieht das Schachkid den Gewinnweg nicht gleich. Aber schließlich wird der schwarze König abgedrängt. Der weiße Springer dominiert den schwarzen Läufer völlig, der zur Untätigkeit verdammt ist. Ein Bauer fällt, dem nächsten droht das gleiche Schicksal. Schwarz gibt auf.

Daheim reibt sich das Schachkid verwundert die Augen. Die Mannschaft hat 6:2 gewonnen. Danach sah es beim besten Willen nicht aus, als sich das Schachkid vom Acker machte. Insbesondere das erste Brett schien seine Partie vollkommen gedreht zu haben. Erst ein Bauer weniger, dann die Qualität für zwei Bauern mehr – da sitzt halt ein Könner.

PSV III ist  als Spaßmannschaft ohne größere Ambitionen gestartet. Dafür läuft es mit zwei Siegen in Folge dann doch überraschend sehr gut.