3. November 2019

Schachopen Falkensee 2019 – Mit Sambuca spielts sich besser

Heute ist man ambitioniert. Der mitfahrende Doncho ist auf dem Weg zum Großmeister. Der Schachwizard übt den üblichen bösen Blick, den er am besten am frühen Morgen kann, ist aber für die Uhrzeit und diese frühe Stunde für seine Verhältnisse geradezu euphorisch gut gelaunt. Aber wo ist nur der Superdave… Man steht am Bahnhof und wartet und wartet… Zwei Ausgänge hat der Bahnhof, eine 50/50-Chance, den richtigen Ausgang zu erwischen. Superdave, der sonst im Job den ganzen Tag statistisch gesehen Matrizen transponiert, ergreift die Chance und nimmt den falschen Ausgang. Wieso er dann 5 Minutne benötigt, um den Bahnhofstunnel zu nehmen, ist dem Schachkid ein Rätsel. Der Bahnof hat nur 2 Gleise, man ist hier nicht in Berlin.

Gut ist dann die Stimmung im Auto. Da können sich die Gegner freuen. Heute geht es gegen den Einheimischen Manel Seitz. Er spielt fast genau so viele Turniere wie das Schachkid. Am Brett ist man sich jedoch noch nicht begegnet. Chessbase wirft völlig überraschend bei Angabe seines Namens ein Foto von ihm aus. An dieser Stelle fragt sich das Schachkid, wieso eigentlich kein Foto des Schachkids im Spielerlexikon von Chessbase zu finden ist.

Abtauschvariante in Caro-Kann. Die Variante mit Ld3 gilt für Weiß als reichlich unambitioniert. Nebenan sitzt wieder Bernhard Riess und guckt zu. Der schnieke Schiri hatte gestern ein Hoodie von den Berliner Adlern an. Heute trägt er ein T-Shirt von den Berliner Adlern. Offenbar hat er eine heimliche Leidenschaft für American Football. Das Schachkid hats genau beobachtet.

Das Schachkid sitzt auch prakischerweise in einer Sichtachse mit dem Superdave und dem Schachwizard. Während der Superdave stoisch wie eh und je am Schachbrett sutzt, beherrscht der Schachwizard im Vergleich zu Arnold Schwarzenegger eine erstaunliche mimische Bandbreite. Man blickt ihn an und man weiß sofort, wie er steht. Die Blicke jedenfalls sagen nichts Gutes. Der Schachwizard ist auch der einzige, den das Schachkid kennt, der am Schachbrett Glubschaugen machen kann.

Das Schachkid lässt schon wieder einen Bauern stehen. Obwohl das 11. Dxb7 nicht gesund aussieht. Aber Nach 11. … Tb8 kann aber auf b2 eine ganze Weile nicht wieder genommen werden, weil Weiß den schwarzen Turm einsperren kann. Das Schachkid überlegt hin und her und ist später ganz stolz, als der Computer bestätigt, das das Schachkid offenbar die Hauptvariante gefunden hat.

Der Schachwizard rennt schon wieder mit der 5. Tasse Kaffee durch die Gegend. Das Schachkid schöpft beim Verspeisen einer Boulette neue Kraft. 5 Züge später wird der Bauer zurück geschlagen. Nicht geschlagen wird der Läufer mit 17. … T8xb5. Rechentraining ist vonnöten… Unter 2000 DWZ werden die Partien ja offenbar durch  simple taktische Einsteller entschieden.

Es ist Mittagszeit, man befindet sich in einem langwierigen Schwerfigurenendspiel. Das geht zur Mittagszeit nicht. Das Schachkid bietet Remis an. Schlaue Gegner, die dies lesen, arbeiten psychologisch und ziehen das Schachkid über die Mittagszeit.

Beobachtung am Rande  – was machen Senioren nach der Partie? Am Handy Candy Crush zocken. Verzockt hat sich jedenfalls der Chinese, bei dem man beim Spiellokal um die Ecke speist. Bei deutschen Bier kann man nichts falsch machen. Das Essen kommt flott, aber ist so la la. Danach wurde der Kellner nicht mehr gesehen. Dem Schachkid dürstet es nach etwas Kräftigen.  Die Sichtachse zum Kellner wird durch eine schrecklich kitschige Vase blockiert. Der Superdave schlägt vor, diese zu beseitigen. Der Kellner, endlich am Tisch angekommen, versucht, den Sambuca anzuzünden. Seine Performance misslingt gründlich. Keine Flammen zu sehen. Was er geschafft hat, ist den Sambuca oben zu erhitzen, unten ist er kalt. Der Schachwizard hat es kommen sehen und ist lieber gleich auf Esspresso umgestiegen.

Der Rückweg ist ein wenig beschwerlich. So ein kleines Bierchen samt Sambuca wirkt aber auch schnell. Für den Gegner heißt das jetzt, er wird nicht mit einem langen Endspiel gequält. Er muss schnell ausgeknockt werden. Das Schachkid spielt gegen einen fröhlichen Sachsen. Der auch fröhlich im Dialekt vor sich hin sächselt.

Das Schachkid wählt Schottoisch und den Sokolski-Angriff. Das Schachkid glaubt, das die Variante so heißt. Leider kann sich das Schachkid nicht mehr genau erinnern. 8.Dd2 wäre korrekt gewesen. Reicht aber trotzdem zum Angriff, vom Feuer des Sambuca getragen.  Gewaltig auf die Nerven geht dem Schachkid das dicke Kind am Nachbarbrett. Der eine ganze Tüte Gummbibären in 20 Minuten futtert und alle 20 Sekunden in eine Plastetüte greift und damit rum gruschelt.

Das Schachkid muss wirklich dringend Rechentraning machen. Dann hätte das Schachkid wohl gesehen, dass 16. Sxc7 falsch ist und 16. Sd4 korrekt ist. Der Angriff bleibt bestehen. So kippt die Stellung.

Irgendwas kippt auch am Hinterausgang. Hier wohnendende Jugendliche können sich offenbar nicht leiden und betiteln sich lautstark mit „Alte Votze“, das der guten Stimmung im Turniersaal keinen Abbruch tut.

Nach 18. … Da5+ teilt das Schachkid dem Gegner mit, dass dieser Zug nun aber sehr unangenehm ist. Der Gegner läuft kurz rot an. Dann bricht es aus ihm heraus. Unangenehm sei, was das Schachkid hier mit ihm mache und wie ihn das Schachkid hier quäle. Nun offenbar taugt die Variante was. Das Schachkid lässt sich vorsichtshalber zur Kompensation eine Boulette schmecken.

Bilanz des 2. Spieltages. Völlig überraschend spielt der Superdave das Turnier seines Lebens – und hat 3 aus 3 Punkte. Und brennt gegen den Nachwuchs ein Taktikfeuerwerk ab unter Einsatz von Figurenopfern.

Der Schachwizard ist ein wenig eingerostet. War er früher selber mal der Jugendschreck, wird er heute von der Jugend verschreckt. Zweimal muss er gegen den Nachwuchs ran, unter anderem gegen den schnell stark gewordenen Daniel Lippert aus Fankfurt Oder, und zweimal um das Remis kämpfen. Das tut er jedoch mit Minusbauern und erstaunlicher Zähigkeit. Unter Druck läuft er zur Hochform auf. Das Schachkid verkneift sich an dieser Stelle jegliche Spektakulation, wieso der Schachwizard mit Minusbauern dasitzt. Vermutlich ins Geschäft gesteckt…  Da wird sich der Nachwuchs in Frankfurt Oder was anhören müssen, warum mit Mehrbauern nicht gewonen wird.

Bei Bellabomba klingt der Tag aus. Bellabomba, ein Likör für alle Lebenslagen. Alexa von Amazon sorgt auf Anfrage für Nachschub.

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