Schablonenhaftes Spiel in Potsdam

Samstag 5.00 Uhr, wieso ist es so hell draußen? Wo ist das Schachkid? Ach ja im heimischen Bett, kurze Orientierungsschwierigkeiten. Nächstes Jahr nimmt sich das Schachkid ein Zimmer, ganz sicher.

Das Schachkid sitzt gerade im Zug, der Bahnstreik ist gerade beendet. Und das Schachkid hat tatsächlich einen Zug erwischt. Und das Schreiben geht besonders leicht von der Hand, wenn das Schachkid Musik hört. Besonders, wenn es geile Musik ist, von Michael Patrick Kelly zum Beispiel, dessen neues Album.

Zwei Sitze weiter vorne sitzt ein Fahrgast. Der behauptet, Afrikaner zu sein, Krokodile und Menschen zu essen. Ersteres glaubt das Schachkid sofort, der Mann ist schwarz. Zweiteres kann das Schachkid ausdrücklich aus eigener Erfahrung empfehlen, Krokodil ist extrem lecker.

Ach ja, das ist ja ein Schachblog. Vielleicht macht das Schachkid mal demnächst einen kulinarischen Blog auf, oder einen Blog über die Erlebnisse eines Zugfahrers. Der Afrikaner schwafelt lautstark vorr sich hin. Andere Fahrgäste blicken zunehmend genervt umher. Das Schachkid hört nix, denn es hört Paddy Kelly. Und spürt gerade einen Schreibflow. Der Afrikaner hat einen Lachanfall.

Mit 2 aus 4 Punkten startet das Schachkid zufrieden in den Samstag. Am Tag zuvor ging es gegen Erhard Bornhoeft. Mehr als 100 Spieler nehmen an den Turnier teil. Aber das Schachkid kriegt natürlich den Junior, Stefan Bornhoeft, mit einer starken 1868 ausgestattet, in der 5. Runde.

Es entwickelt sich eine sehr taktische Partie. Mal hat der eine einen Bauern mehr, mal der andere. Das Schachkid sieht nicht den Gewinnweg 25. … Tf7. Wie der Trainer später kritisch anmerkt. Das Schachkid hat einen Bauern mehr, tauscht ab und glaubt, gewinnen zu können. Aber im Grunde genommen ist es vermutlich Remis, wenn Weiß nicht einzügig die Partie einstellt, was Weiß erreulicherweise tut.

Das Schachkid ist zufrieden, überlegt, ob es das Ipad, was es seit einer Woche im Kofferraum spazieren fährt, zurück zu Saturn fahren soll. Das Schachkid entscheidet sich gegen Saturn und für den leckeren Käsekuchen, den es erfreulicherweise wieder gibt. Da das Schachkid offiziell das Amt des Käsekuchenbeauftragten des SV Briesen inne hat, kommt es nicht umhin festzustellen, die Potsdamer können den besseren Käsekuchen.

Schon wieder so ein starker Gegner, Sebastian Lawrenz mit einer 1846. Vor einem Jahr wäre das Schachkid noch bestürzt gewesen, heute hat es keine Angst mehr vor großen Tieren. Im 12. Zug steht das Schachkid schon wieder gedrückt. Das Schachkid müsse dringend an seinen Eröffnungen arbeiten, meint der Trainer.

Ein Fahrgast bittet den Afrikaner, ruhig zu sein, Dieser rät seinem Gegenübeer, die Fressse zu halten. Wilde Blicke werden ausgetauscht,

Im 21. Zug bietet das Schachkid seine Dame zum Tausch an, weil es einen Figurenverlust sieht. Nach dem Damentausch hat das Schachkid trotzdem einen Bauern weniger. Der Trainer kritisiert 23. Te1 und schlägt 23. Sc4 vor. Das Schachkid scheut sich vor dieser Stellung, sieht der Turm doch sehr eingeengt aus. Macht nix, meint der Trainer. Das Schachkid müsse immer genau gucken und dürfe nicht schablonenhaft spielen. Das muss es wohl sein, was Alexander Suetin in einen seiner Bücher mit schlechten automaischen Spiel meinte.

30. Sxb4 findet der Trainer ganz schrecklich, Das Schachkid solle doch lieber den Freibauern nehmen. Nein, wendet das Schachkid ein, lieber dem Gegner einen Einzelbauern verpassen. Gut, meint der Trainer, und zaubert eine Variangte aufs Brett, wo das Schachkid gar verliert.

Gleich gibts Prügel im Zug. Das Schachkid ist sich unschlüssig, wer die besseren Chancen hat.

Wenn ein junger Ende 20 im Anzug abends um 20.25 Uhr im Zug schon die zweite Flasche Bier kippt, kann das kein gutes Zug sein. Das Schachkid sitzt zur gleichen Zeit im Zug und entspannt sich beim Schreiben und Musik. Hat das Schachkid schon „Human“ von Paddy Kelly erwähnt? Der ist übrigens genauso alt wie das Schachkid.

Bei 43. Sxd3 ist es aber nun wirklich Remis. Allein, der Gegner siehts net ein und lehnt Remisgebote des Schachkids ab und guckt stundenlang auf die Partie. Das geht dem Schachkid auf den Keks. Draußen scheint die Sonne, das Schachkid hätte besseres zu tun als eine remisige Stellung zu beackern. Zum Beispiel einen gewissen anderen Spieler am Schal zu ziehen und ihn zum Singen aufzufordern. Er ist aber nicht willig. Das Schachkid ist eben omnipotent und kann wähend einer Partie verschiedene Dinge machen.

7 Züge später hat der Gegner ein Einsehen und bietet Remis. Das Schachkid überlegt 5 Minuten lang, ob es nun selbst aus reiner Bosheit ablehnt. Aber die Sonne scheint… Es erscheint daher dringend erforderlich, sich in selbige zu setzen. Das Schachkid ist zufrieden, 1,5 aus 2 an einen Tag gegen wesentlich stärkere Gegner. Da kann das Schachkid sein Glück kaum fassen.

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