Rochade Europa am Scheideweg?

Das Schachkid hat seit vielen Jahren die Rochade Europa im Abo. Das Schachkid ist mit der Rochade aufgewachsen. Der ehemalige Öffentlichkeitsreferent des Thüringer Schachbundes war einst Mitarbeiter der Rochade. Diese residierte viele Jahre in Sömmerda in Thüringen, dem heimatlichen Bundesland des Schachkids. 2002 hatte das Schachkid sogar ein Vorstellungsgespräch bei der Rochade samt Besichtigung der Druckerei. Das Schachkid wäre sogar eingestellt worden. Aber das Schachkid hatte beschlossen, sich beruflich dem Datenschutz zu widmen. Aber schon interessant, wie das Leben des Schachkids als Mitarbeiter einer Schachzeitung verlaufen wäre…

Seit jeher wird die Rochade Europa von der Schachgemeinde kontrovers diskutiert. Leser mögen den umfangreichen Turnierkalender. Viele Landesverbände publizieren ihre Neuigkeiten. Die thematische Vielfalt suchte ihresgleichen. Nicht zuletzt der günstige Preis machte die Rochade beliebt.

Auf der anderen Seite stehen viele journalistische Schwächen, die die Leser manchmal zweifeln ließen. Das Papier war dünn, die Seiten nur in Schwarz-Weiß. Das farbige Cover vor einigen Jahren war schon eine kleine Revolution.

Legendär ist ein Cover eines Spielers bei einer Siegerehrung mit feuchten Flecken auf der Hose. Dafür gab es 2013 eine Rüge des Deutschen Presserates. Sowas schafft sonst eher die Bildzeitung.

Manche Inhalte hatten wenig mit Schach zu tun. Es werden seitenlange Tipps gegeben, welche Browser oder Antivirenprogramme genutzt werden sollen. Nicht unbedingt Kernthemen einer Schachzeitung.

Internetseiten werden vorgestellt, die zwar schachlichen Charakter haben, aber den geneigten Leser wenig interessieren. Und zwar dann, wenn es um die Seite eines regionalen Schachvereins geht. Das Schachkid selber hatte mal auf der Seite der Thüringer Schachjugend eine Rubrik „Schachseite des Monats“.  Hier hatte ein freier Autor der Rochade vom Schachkid ganz frech abgeschrieben und vom Schachkid schamlos kopiert.

Legendär sind die Ausflüge und Bilderstrecken des Schachmodels Regina. Geschmack ist ja sehr indiduell und Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Aber das Schachkid fand die Beschreibung Schachmodel schon gewagt.

Die Artikel des Autors Peter Krystufek ließen das Schachkid manchmal zweifeln. Der Autor berichtete von Turnieren, beschrieb aber auf drei Seiten zunächst mal seine Anreise und das Wetter. Belangloses, was den  Leser nicht interessiert.

Ein Highlight war immer die Computerschachschule von Carsten …, der regelmäßig Schachprogramme zerlegte und die Partien stolz präsentierte. Manche Leser halten diesen Spieler für einen Gott, andere für einen Komiker. Unterhaltsam war es allemal.

Die Internetseite der Rochade war, nun ja, was war sie eigentlich? Es waren die Ausgaben der Rochade darauf gelistet, mehr aber nicht.

All diese Absurditäten und Kuriositäten machten die Schachzeitung schon wieder zu etwas Besonderen. Keine durchgestylte Zeitschrift war die Rochade, sondern eine liebevoll gemachte Zeitung mit Macken. Als Leser fühlte man sich wie in einer Ehe. Man geht sich auf den Keks, hat sich aber doch aneinander gewöhnt.

Seit 1.1.2015 wird die Rochade Europa nun von der Sensei Handels GmbH herausgegeben. Dieser kleine Verlag hat eher Bücher aus dem Sparten Gesundheit und Kampfsport im Programm. Titel wie „Bandscheibengeflüster“ und „Bruce Lee’s Nunchaku in Action“ lassen aufhorchen. Aber es gibt mit „Die Königsindisch Bibel“ auch ein Schachbuch im Verlagsprogramm.

Wie im Internet hier und da zu lesen ist, soll sich die Rochade nun stark verändern. Die Seite sollen bunter, die Inhalte straffer (mehr Text und weniger seitenlange Tabellen?) und die Regionalteile eingestampft bzw. zu einem Deutschlandteil zusammen gefasst werden?

Schon liest man im Internet wieder viele Kommentare, die die geplanten Änderungen sehr kritisch sehen. Das Schachkid glaubt aber, dass man dieser neuen Rochade eine Chance geben sollte. Möglicherweise kämpft die Zeitung gar ums wirtschaftliche Überleben.

Fakt ist, dass die  Zeitungsbranche einem starken Wandel unterworfen ist. Verkäufe von Zeitungen gehen zurück. Der Leser hat sich an kostenlose Inhalte im Internet gewöhnt. Das wirkt sich auf Zeitungen und Zeitschriften negativ aus, erst Recht auf Nischenblätter wie eine Schachzeitung.

Die Rochade hatte ihre Schwächen und war nicht mehr zeitgemäß. Möchte eine Schachzeitung überleben, ist Qualität und die Konzentration auf ihre Kernthemen gefragt. Das Geschäftsmodell, die billigste Schachzeitung am Markt zu sein und durch eine große Anzahl von Verkäufen zu leben, scheint fragwürdig. Zumindest in anderen Branchen sieht man, dass derartige Geschäftsmodelle bei einem eng begrenzten Absatzmarkt schwierig durchzusetzen sind.

Ein Relaunch der Rochade, eine inhaltliche Straffung und vielleicht die Entwicklung einer lebendigen Internetseite sind Schritte, die der Rochade gut tun werden. Das Schachkid ist jedenfalls gespannt auf die neue Rochade und hat daher heute sein Jahresabo verlängert.

2 Kommentare zu „Rochade Europa am Scheideweg?“

  • Niehoff Peter says:

    Seit dem 1. 1. 2015, gibt es kein Problemteil mehr. nach mehren Beschwerden hat man sich errungen, 2 Studien , die Asbach Uralt sind , ohne Angabe der Herkunft, abzudrucken, die auch noch nicht alle Abspiel, Verführungen enthalten
    Die große Problem – Löserschaft, die Jahre lang eingesendet und Punkte gesammelt haben, werden nun mit Füßen getreten. Ich bestelle mein Abo ab.

  • Walter Rädler says:

    Hallo,
    der Teil von Roman Vidonjak ist großartig, der lokale Teil ist größer als gedacht. Natürlich fehlen die alten Helden aus Absurdistan, das ist klar. Nach jahrzehnetlanger Zwangsehe geht einem was ab. Wenn man ehrlich ist, verpasst man aber nichts. Design, Graphik ist um Welten besser.
    Ich habe SM 64, Jugendschach und Rochade, damit bin ich zufrieden. Meine Tendenz: Ich verlängere.

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