Wo ist die Partie von gestern? Das Schachkid würde das Drama ja gerne zeigen, aber die gestrige Partie hat sich in Luft aufgelöst. Heute morgen noch im Bett ging das Schachkid zu Werke und gab die Partie bei lichess ein. Eine eigene Studie hat das Schachkid extra erstellt. Das Partieformular wanderte in den Papierkorb. Den zwischenzeitlich die fleißigen Inder ausgeleert haben. Am Nachmittag nun, frisch vom Berg mit dem Jägerwirt herunter gefahren, sollte die Partie bei Chessbase gespeichert werden. Aber nix da. Die Partie ist weg. Bei Lichess ist nix zu sehen. Und die Inder waren ja schon da.
Vielleicht ist es besser, wenn dieses Drama für die Welt nicht mehr zu sehen ist. Das Schachkid hat einen Läufereinschlag auf h7 durchgeführt. Dann Sg5, die Dame nach f3 und das Schachkid steht +8 und Matt in drei Zügen war in Griffweite. Nach 30 Minuten hätte das Schachkid bequem auf dem Sofa sitzen und Zeitung lesen können. Irgendeine Zeitung gibt es schließlich immer zu lesen. Aber nein, drei Stunden wurde gespielt und zum Schluss muss das Schachkid noch um das Remis kämpfen. Der Gegner nervt mit seinem Läufer und den Raucherpausen. Alle 20 Minuten ist der Gegner weg, das Schachkid muss warten und kalten Rauch riechen.
Wenigstens der Vormittag war produktiv. Der Trödelladen gegenüber existiert noch. Lucky flirtet mit der 70jährigen Eigentümerin. Es geht ums schnapseln, nicht zu verwechseln mit dem schnackseln. Schnapseln ist offenbar ein lokales Kartenspiel, dem Skat nicht unähnlich. Die Trödelhändlerin hat eigene Karten dafür. Das Schachkid investiert derweil Geld in ein Bild mit Kaufhauskunst in den 60ern, einen ansehnlichen Pokal mit einer kurvigen Dame (gibts vielleicht beim Vereinspokal), einer Aktentasche und 40 Jahre alten Himbeergeist für den kleinen dicken Schachwizard. Der ist bestimmt noch gut. Alkohol hält ja bekanntlich.
Der Nachmittag wird an einem See fortgesetzt. Der Schachwizard hat ein scharfes Auge und das Restaurant Uferlos am Ufer eines Sees entdeckt. Drei Mann sitzen am Tisch. Lucky stürzt sich erstmal in die Fluten. Offenbar lebt in dem See nichts. Das Wasser ist rostbraun und bei Lucky beißt nichts an. Offenbar ist es jedoch erfrischend, wie der nun unterhosenlose Lucky zu berichten weiß. Das Schachkid hat derweil drei Gänge und benötigt zur Verdauung wahlweise einen Limonchello oder einen Gurktaler. Das Restaurant hat beides nicht. Die Kellner sind dafür schnieke und drumherum gibt es drei Kirchen, die das Schachkid alle noch nicht angeschaut hat.
Zurück im Hotel ist großer Bahnhof. Zwar ist das Hotel schon eine Woche offen. Aber erst heute ist auch offizielle Eröffnung. Der Bürgermeister ist da und hält eine Rede. Der Dompfarrer, ein österreichischer Pfarrer mit dem Format des Pfarrers Braun, gespielt von Ottfried Fischer, segnet das Hotel. Man betet ein Vaterunser. Das Schachkid ist leider nicht sehr textsicher und wohnt dem Umstand daher schweigend bei. Etwas Prominenz ist da – Philipp Hochmair und Larissa Marolt. Schauspieler und Model, das Schachkid muss zugebenermaßen passen. Auch Juliane Grasser aus Sturm der Liebe (der Pfarrer war hier auf dem Laufenden) war dem Schachkid nicht bekannt. Anschließend gab es ein kleines Buffet. Das Schachkid wünscht dem Hotel viel Glück und fragt sich offen gestanden, ob in der Kärnter Provinz das Thema Ayurveda einschlägt.
Bleibt noch etwas Zeit zum Schachspielen. Der Schachwizard hat einen der lauten Pichlerburschen und bläst die Backen auf. Das ist ein gutes Zeichen. Dann steht er besser und so gewinnt er auch. Der dicke Doktor findet sich erst im Turmendspiel und dann im Remis wieder. Der Glanz des Turnieres ist fraglos Lucky, der die Nr. 1 des Turnieres weghaut und vorne mitspielt. Jetzt wird sogar eine zusätzliche Übernachtung diskutiert, falls das Preisgeld lockt.