Nach einigen Jahren Pause geht es mal wieder nach Österreich, nach St. Veit an der Glan um gang genau zu sein. Das Schachkid hatte einst zu Zeiten von Corona das Open entdeckt. Die Ösis haben, Corona hin, Masken tragen her, immer durchgezogen und seit 1981 nicht einmal ausgesetzt. Man sieht, hier ist eines der Schachzentren von Österreich. Dank Fritzi, der später noch als Organisator vorgestellt wird.
Der dicke Doktor kennt es schon. Für den Schachwizard und Lucky ist es neu. Man reißt schon am Freitag an. Die obligatorische Übernachtung in Bamberg entfällt. Der dicke Doktor erkundet neue Wege mit dem Zug, und zwar nach Hof. Der Bahnhof sieht historisch aus, der davor wartende Doktor in kurzer Hose und Basecap (alles beige) wie ein dicker deutscher Tourist auf Safari in Namibia. Stramme Waden hat er, das muss man ihm lassen. Man muss ihm zugutehalten, er hat eine Banane und Schinkenbeißer mit. Wobei erstere von der Straß, letztere vom Fleischer aufgelesen sind.
Der Schachwizard und das Schachkid sind da schon drei Stunden unterwegs, seit 7.30 Uhr, genaugenommen seit 7.40 Uhr. Der Schachwizard verweigert die Produktion eines Lunchpaketes und hat auch kein Bier mit. So muss der Proviant vom Bäcker kommen. Was zu einer leichten Verspätung von 30 Minuten beim Doktor führt und zu leichten Unmut.
Erstmal muss getankt werden. Auf die Einfahrt nach Hof kam man an vier Tankstellen vorbei. Aber man will erst zum Doktor, der schon wartet. Auf der Herausfahrt taucht komischerweise nicht eine Tankstelle auf. Und wenn doch, fährt entweder das Schachkid nicht ran oder die Tankstelle ist auf der falschen Straßenseite. Der Schachwizard eilt zur Hilfe und benennt eine Tankstelle im nächsten Ort. Hier muss man eh zur Autobahn. Zweimal eine rote Ampel und eine Bahnschranke – 20 Minuten Zeitverlust. Aber man ist entspannt, man hat Urlaub.
Die Tankstelle ist voll, es ist kurz vor 12.00 Uhr kurz vor der Preiserhöhung. Eine absolute Nonsensmaßnahme, die sich die Bundesregierung ausgedacht hat. Denn nun ist jeden Tag zur Mittagszeit die Tankstelle voll. Das Schachkid kann nicht rauf fahren. Also wird am Kreisverkehr gewendet und dann rauf gefahren. Leider blockiert das Hermesauto zwei Zapfsäulen und beginnt gerade den Ladevorgang. Weitere 20 Minuten Zeitverluste, aber man hat ja Urlaub und bleibt gelassen. Der Schachwizard ergreift die günstige Gelegenheit und erkundet die lokale Toilette, während das Schachkid mit dem Tankrüssel kämpft.
Zu Mittag ist es endlich geschafft und man bewegt sich schnurstracks Richtung Österreich. Trotz des Ferienbeginns hält sich der Verkehr in Grenzen. Nervig eher die LKW, die sich auf zwei Spuren im Schneckentempo überholen. Manche Autofahrer krachen trotzdem ineinander. Und so hat man die wunderbare Gelegenheit bei einer Stauumfahrung das wunderbare Deggendorf zu erkunden. Das Schachkid erspäht ein prächtiges Kloster, darf aber auf Drängen der Beifahrer nicht anhalten. Das ist tragisch, denn alle paar Kilometer lauert eine prächtige Kirche.
Mit einer weiteren Stunde Zeitverlust ist auch der Stau geschafft und man kommt in Österreich an. Auf den Raststätten gibt es typische Restaurants namens Landzeit. Man wirbt mit frischen Produkten. Das Schachkid ersteht einen Apfelstrudel, eine Tasse Kaffee (Verlängerter) nebst einen Apfelstrudel und blecht 21 Euro. Härter trifft es die nachfolgende Familie. Man reist zu viert und macht offenbar Mittagspause und hat normales, nun ja, Kantinenessen. Ein Schnitzel und dergleichen auf einen Tablett. Eine Bedienung ist hier nicht vorhanden. Mit 167 € ist die Mama dabei. Da helfen auch entsetze Blicke zum Vater der Familie nicht. Der Doktor und der Schachwizard sind schlauer und investieren an der Tankstelle gegenüber je 5 € in ein langes Baguette.
Der Rest der Reise erfolgt erfreulicherweise ohne weitere Zwischenfälle. Im Hotel wird man freundlich empfangen. Man ist jetzt auf Ayurveda spezialisiert. Dies ist eine traditionelle indische Gesundheitslehre („Wissen vom Leben“), die Körper und Geist ganzheitlich betrachtet und mit Ernährung, Kräutern, Yoga und Reinigungsritualen arbeitet. Das ist dem Schachkid eigentlich egal, so lange die Zimmer des Hotels eine Klimaanlage haben. Es sei nur an Bad Wimpfen erinnert. Der Schachwizard befürchtet schlimmes für das Frühstück. Jedenfalls sind gleich drei Inder zur Stelle, die ein Wasser reichen und den geneigten Gast aufs Zimmer führen. Sehr freundlich der Service…
Lucky muss noch arbeiten und steigt Abends in den Nachtzug, als das Schachkid im Bett verweilt. Vorher hat man noch an der Bar einen Rotwein genossen. 16 Stunden sind für die Bahnfahrt eingeplant. 22 Stunden werden es zum Schluss. In Berlin angekommen wird der gute Lucky erstmal nach Hannover geschickt, in die falsche Richtung. Von da an gehts gen Süden. Als das Schachkid am Samstag sitzt, ist Lucky immerhin in München, pfeift auf seinen Fahrplan, der sowieso überfällig ist und steigt tapfer, hier zeigen sich Luckys Überlebensinstinkte, in den Zug nach Salzburg ein. Das Zielland ist ja schon mal richtig. Um 16.00 Uhr kommt er dann, stark männlich duftend, in St. Veit an. Mit voll aufgedrehter Klimaanlage gehts dann zum Hotel. Hier angekommen ist man wieder vereint und kann in den Urlaub starten.