16. Juli 2026

45. Schachopen in St. Veit – Lindenwurm bringt es nicht

Dienstag – es ist der vierte Tag in Österreich. Das Frühstück rüstet weiter auf. Das Schachkid kommt wie immer als erstes im Frühstückssaal an und bekommt ein Omelett offeriert. Der leckere Bacon von gestern ist schon wieder verschwunden.

Nach dem kräftezehrenden Abend, das Schachkid muss ja immer lange auf die anderen warten und dadurch lag man erst um Mitternacht im Bett. und überhaupt hat das Schachkid die letzte Nacht wirklich schlecht geschlafen, man macht sich heute jedenfalls auf den Weg nach Klagenfurt. Das ist bekanntlich die Hauptstadt von Kärnten.

Man reißt mit unterschiedlichen Zielen an. Das Schachkid will den Dom sehen, der Schachwizard will Squash spielen und eine Schiebermütze kaufen. Lucky und der Doktor sind aus dem Schachkid unbekannten Gründen auch dabei. Lucky schließlich muss Österreich gezeigt bekommen, denn wer war noch nicht da.

Man fährt durch schöne Natur und man merkt, die Motorlampe leuchtet nicht umsonst. Jedenfalls geht es nicht  in gewohnter Weise den Berg hoch. Vorne genießt man die Natur. Die Rückbank führt anstrengende Diskussionen. Die Squashhalle ist eine Enttäuschung und verdient größenbedingt auch den Namen nicht. Überhaupt scheint es mit modernen Sportarten selbst in der Landeshauptstadt von Kärnten nicht weit her zu sein. Während es in der Welthauptstadt Eberswalde mehrere Kegelbillardvereine sowie wie einige sehr merkwürdige Schachvereine mit merkwürdigen Mitgliedern gibt. Außer Detlef Zoll, den kann das Schachkid wirklich gut leiden.

Die Minisquashanlage, die keine ist, liegt praktischerweise gleich im Zentrum. Das Schachkid gibt den Reiseführer und schreitet nun im ledernen Schuhwerk, denn es soll bald regnen, eilig voraus. Es wird zum Lindwurm navigiert. Dieser ist, siehe Foto dieses Beitrages, sehr berühmt, aber nicht sehr beeindruckend. Nun war man mal da. Wobei der Doktor und das Schachkid schon 2022 gesehen haben, das ist hier nix.

Der Schachwizard sucht in einem Teeladen für die Liebsten daheim nach regionalen Spezialitäten, wird aber nicht fündig. Das zufällig anwesende Schachkid, dass die Hitze draußen vermeidende Schachkid, lässt 100 € da und schleppt nun 1,5 kg Tee durch Österreich. Beim Thema Mozartkugeln für 20 Euro kann sich das Schachkid noch gerade so beherrschen. Es geht zur Kirche, die wirklich hübsch sind. Man merkt, Österreich ist und war katholisch. Da sind die Kirchen hübsch und nicht so nüchtern wie im protestantischen Deutschland. Da hat Martin Luther dem Glauben keinen Gefallen getan.

Der Schachwizard ist Profi und hat ein Bierhaus erspäht. Lucky will Kaffee und kommt nur unter Protest mit. Die Kellnerin weist auch gleich bei der Bestellung darauf hin, man sein ein Bierhaus. Zunächst muss ein Tisch gefunden werden. Im netten Innenhof ist es ausreserviert. Auf der Terrasse an der Straße gibts noch was. Der dicke Doktor hat den richtigen Instinkt und verweist nach innen, als das Schachkid äußert kritisch den Tisch beäugt. Das Bier schmeckt dem Schachkid, dass sehr besorgt den Schachwizard anblickt. Der in einem Bierhaus sitzt und ein Soda trinkt. Das ist nicht normal.

Am Nachmittag geteilte Aktivitäten. Der Schachwizard entschwindet in sein Zimmer. Lucky und der dicke Doktor entschwinden in die Blumenhalle. Hier wird ein Chess960-Blitzturnier mit 5 Runden gegeben im Format hands & brain. Man spielt zu zweit. Einer denkt und benennt eine Figur. Der andere muss die Figur nehmen und auf ein Feld seiner Wahl setzen. Das gelingt überraschenderweise gut. 2,5 Punkte werden geholt und eine Keksdose gewonnen.  Die die beiden bisher  nicht rausgerückt haben.

Das Schachkid versucht derweil, seine Open Claw Instanz zum Laufen zu Kriegen. Was nach zwei Stunden auf gelingt. Jedoch kostet der Chat so richtig Geld. 10 Nachrichten und Tokens im Wert von 7 Euro sind weg. Da muss eine andere Lösung her. Das Schachkid sinniert und will entspannen. Nebenan lärmt es erneut rabiat.

Die österreichische Schachjugend ist ja mit mehreren Dutzend Jugendlichen, die eben auch auf der Etage des Schachkids wohnen. Nebenan scheint man die Möbel umzustellen. Das Schachkid schnauft durch, zieht sich eine Hose an und klopft nebenan an die Türe. Es wird sofort leise, Etwas schaut durch den Türspion. Das Schachkid lässt nicht locker und klopft nun rabiater. Ein kleiner dicker Junge öffnet, entschuldigt sich und erzählt froh, er habe mit seinen Kumpels Fortnite gespielt und man habe das erste Mal mit den Credentials gewonnen. Das Schachkid hat keine Ahnung, was das Kind da erzählt und schaut böse.

Aus einer der anderen Türen guckt ein Erwachsener und zieht sich vorsichtshalber gleich wieder zurück. Das Schachkid hat einen Verdacht und spurtet hin. Und richtig, ein Betreuer. Das Schachkid regt sich auf. Im Hotelfoyer wird dann noch die nette Petra angetroffen und ebenfalls befragt. Volltreffer, auch sie ist eine Betreuerin. Das Schachkid nennt Zimmernummer, Größe und Statur des Störenfrieds. „Die Pichler-Burschen wieder“ bricht es aus der netten Österreicherin heraus und  verspricht Abhilfe. Vorrausschauend fragt das Schachkid an der Rezeption noch einen Zimmertausch an. Die netten Praktikantinnen können nicht recht helfen, notieren sich aber fleissig die Anfrage.

Das Schachkid sitzt nun sehr unentspannt nach einem Toast am Schachbrett. Die Imbissversorgung ist wirklich gut. Der hiesige Verein verfügt über eine Wurstschneidemaschine, diverse Kühlschränke, eine Bierzapfanlage und einen Sandwichtoaster. So gut ist nicht einmal der PSV Potsdam beim Sommeropen  ausgestattet. An das Spanferkel des Briesener Schachvereins des Briesener Opens, das es leider nicht mehr gibt, kommt aber keiner ran.

Nun wird gespielt und man ist nach 20 Minuten fertig. Das Schachkid fragt sich, was der Gegner da eigentlich spielt, warum er seinen Königsflügel aufreißt und was die Sache mit dem vorrückenden h-Bauern eigentlich soll. Jedenfalls geht das Schachkid, ob der aussichtsreichen Stellung auf Toilette und kann, zurück am Brett angekommen, direkt aufgeben. Als es das Elend mit der Springergabel erblickt.

Für den Rest läuft es besser. Der dicke Doktor schiebt heute ein Remis und wechselt erstmal ins Hotel. Der Schachwizard, der nach seiner langen Rochade am vorletzten Brett angekommen war, gewinnt nun und rollt das Feld von hinten auf. Lucky hat gegenüber dem Vorjahr in Pardubice das bessere Händchen und spielt vorne mit und gewinnt schon wieder.

Das Schachkid will derweil auf einem Sofa entspannen und wird jedoch von einem Senior namens Gerhard in ein Gespräch vereinnahmt. Was sich wirklich nett entwickelt. Man versteht sich glänzend und plaudert drei Stunden später immer noch bei einem Bier. Draußen hat man derweil eine Leinwand aufgebaut und überträgt das Halbfinale. Die Remisquote scheint zu steigen. Um 21.30 Uhr steht der halbe Spielsaal jedenfalls draußen und verfolgt das französische Drama. Dem Schachkid ist der Fussball wie immer wurscht und zieht das Bett dem Elend auf und abseits des Schachbretts vor.

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