Zweiter Turniertag – ein entspannter Tag, zumindest für das Schachkid. Beim CM und beim Doktor wird es heute nicht so entspannt zugehen.
Nicht ganz so entspannt ist das Schachkid am frühen Morgen. Es zeigt sich mal wieder. Bier und Rotwein ohne begleitendes Wasser am Abend sind keine gute Melange. Nachts zahlt man den Preis in Form von wachen Stunden und schlechten Schlaf. Kurz, von Alkohol während eines Turniers ist abzuraten. Zumindest wenn es ungekühlter Rotwein ist, der offenbar auch kein guter Jahrgang ist.
Beim Frühstück herrscht noch Ruhe. Der Reisebus voller Senioren kommt erfreulicherweise erst am nächsten Tag. Dann ist es mit der Ruhe beim Frühstück vorbei.
Schachlich wiederholt sich der Tag von gestern. Morgens eigentlich ein schaffbarer Gegner, wo das Schachkid gut aus der Eröffnung kommt und dann nicht weiter weiß. Folgerichtig wird die Runde verloren. Dann am Nachmittag ein leichter Gegner. Hier werden relativ leicht Bauern erbeutet. Der Gegner wird ohne größere Mühen besiegt. Und wie immer in so Fällen versäumt der Gegner die rechtzeitige Aufgabe zu einem Zeitpunkt, wo eine Aufgabe noch von Anstand zeugt.
Etwas schwer hatten es da schon der CM und der Doktor. Wer mit zwei aus zwei vorne mitspielt, ist nicht nur am Livebrett zu bewundern, sondern muss auch mit Titelträgern rechnen. Gut, der CM ist nun auch so einer. Aber muss es gleich ein GM als Gegner in der 3. Runde sein? Immerhin Julian Kramer ist nur wenig älter. Und seine Lieblingskombination stammt, wie auf der HSK-Seite zu lesen ist, aus einer früheren Partie mit dem CM. Das Schachkid weiß nicht, ob der CM heute was kombiniert. Als das Schachkid schon beim Salat in der Bar sitzt, spielt er immer noch und erringt ein stolzes Remis.
Der titellose Doktor, der Doktortitel zählt aus schachlicher Perspektive leider nicht, bekommt eine Kategorie tiefer, nämlich den IM Zude. Der IM mag sich denken, dass man eine 2.000 eben auch erstmal umhauen muss. Der Doktor spielt jedenfalls auch lange und verliert dann leider doch. Da der Doktor nicht schlecht gelaunt ist, muss es eine gute Partie sein.
Beim Turnier geht es relativ ruhig zu. Komische Leute spielen offenbar nicht mit. Überraschenderweise gibt es aber nach den ersten Runden schon viele Aussteiger. Die beiden Schiris, hier hat man aufgerüstet und die Anzahl der Schiris verdoppelt, haben jedenfalls wenig zu tun. Was sicher sehr erfreulich ist.
Richtig zu tun hat nun schon wieder der CM. Der bekommt die freundliche und wirklich sehr sympathische WIM Lara Schulze zugelost. Ihres Zeichens immerhin Nationalspielerin und somit keine leichte Nuss zum knacken. Das Schachkid rät dem CM, schöne Augen zu machen. Keine erfolgsversprechende Taktik, hier zählt nur die Sicht aufs Schachbrett.
Der Doktor legt zur Erholung ein zügiges Remis ein. Der Vorteil einer Liveübertragung ist, dass man bequem vom Hotelzimmer aus zuschauen kann und Dank der Engine alles besser weiß. Und so sitzen Schachkid und der Doktor auf dem Zimmer und verfolgen erstaunt, gebannt und auch entsetzt die Geschehnisse. Dazu kann man prima via Whats App lästern. Als Fazit kann man sagen, beide brauchen offenbar einen Schachcoach, der spezialisiert auf Endspiele ist. Der Doktor und das Schachkid haben mit dem Schachwizard auch diesen bei der Hand und sofort einsatzbereit. Es muss nicht immer ein Karsten Müller sein. In eben diesen Turmendspiel steht der CM mit Nachteil -2, dann wieder ausgeglichen, dann +5, dann wieder ausgeglichen, dann -6 und doch wieder +3. So geht es hin und her. Letztendlich gewinnt wohl die Erfahrung. Lara fährt erst den Punkt ein und dann zum Italiener.
Selbigen hat man auch im Visier. Denn das Restaurant Derby im Hotel ist nicht nur teuer, sondern hat auch zu. Erfreulicherweise gibt es mit eben diesen Italiener um die Ecke eine wirklich schöne Alternative. Die WIM gastiert mit Begleitung am Nebentisch. Und so kann man es sich nach einem spannenden Schachtag schmecken lassen. Wenn das Schachkid denn mal aus der Jacke kommt. Hier hat sich der Reißverschluss verklemmt und das Schachkid muss akrobatische Übungen machen, um das Kleidungsstück loszuwerden. Da sind der feixende CM und Doktor keine große Hilfe. Sonst geht alles gut. Einziges Manko – der Limoncello steht auf der Karte, ist aber aus. So kann das Schachkid nicht vernünftig gastieren.