Zimmerchaos und Weibeslaunen beim Schachopen

Auf nach Görlitz. Die Chefmama wurde ins Auto gepackt. Die CD von Zucherro läuft in Dauerschleife. Diesen ialienischen Sänger mag das Schachkid sehr. Los gehts.

Das Schachkid hatte vorher den Routenplaner gefragt und hatte eine kurze Strecke über Land ausgemacht. Über die Autobahn war es fast 80 km länger, aber nicht wesentlich schneller. Da wähnte sich das Schachkid clever. Glaubte das Schachkid.

Drei Stunden später. Man war in Cottbus trotz Navi falsch abgebogen. Die Chefmana funkt den Genossen an, auf das dieser das Schachkid schon mal anmelden möge.

Das Schachkid machte sich derweil so seine Gedanken. Es zeigte sich heute von seiner sehr chaotischen Seite. Im Vorfeld hatte das Schachkid die Zimmer gecheckt. Es wollte gerne mit seinen Vereinsgenossen in der Pension Picobello schlafen. Leider gab es nur noch ein Dreibettzimmer. Also wurde dieses im Februar gebucht.

Mhhh, dachte sich das Schachkid, ob das gut geht? Also wieder storniert. Zwei Wochen später überlegte es sich das Schachkid anders und fragte bei der Pension an, ob es wieder dazu stoßen könnte. Nein, sagte die Pension, man sei voll. Unmöglich, aus dem nun Zweibettzimmer wieder ein Dreibettzimmer zu machen. Um so überraschter war das Schachkid, als es vor Ort feststellte, dass sich seine beiden Vereingenossen in einem Zimmer mit drei Betten befanden. Und dass man wenige Tage voher sogar ein Einzelzimmer reservieren konnte, was das Schachkid selbstredend wieder storniert hatte.

Liebenswerter Weise buchte ein befreundeter Verein in einer anderen Pension. Das Schachkid sollte sich ein Zimmer mit einem Bekannten teilen. Normalerweise kein Problem. Aber manchmal hat das Schachkid so seine launischen Phasen. Leidgeplagte Ehemänner kennen das von Ihren Frauen. Also stornierte das Schachkid, rservierte erneut, stornierte und reservierte erneut. Der arme leidgeprüfte Zimmergenossse.

Nun war es soweit, das Schachkid reiste samt Chefmama zum Ziel. Die Pension, die für die nächsten Tage die Heimat des Schachkids werden sollte, war das Ziel. Das Schachkid kam, sah und stornierte. Genau genommen wurde das Schachkid von der Pensionswirtin ins Zimmer geführt, bekam seinen Zimmerschlüssel und überlegte, dass man am nächsten Tag auch in die Thüringer Heimat fahren könnte. Also gab das Schachkid der verblüfften Pensionswirtin den Schlüssel zurück.

Das Schachkid fuhr mit der Chefmama zum Picobelllo. Sollte doch dort noch ein Zimmer frei sein. War es aber nicht. Groß war das Entsetzen. Stand das Schachkid doch um 17.00 Uhr ohne Zimmer da. Und die 1. Runde des Turnieres lief schon. Ein Zimmer mit Etagendusche war noch frei. Das Schachkid drückte der Chefmama seinen Peronalausweis in die Hand. Diese liebe Frau lief los und buchte. Wenn die Frau nicht schon verheiratet wäre, würde das Schachkid doch glatt zuschlagen.

Mit Paul Emil Gutewort wartete auf das Schachkid ein ganz kleines Schachkid aus Berlin. Dieser spielte aber nicht wie aus Berlin, sondern wie von einen anderen Planeten. Das Schachkid freute sich auf eine kurze und schnelle Partie. Emil hatte andere Pläne und zauberte eine strategische feste Stellung auf Brett. Nach der Eröffnung stand sas Schachkid sehr gedrückt. Das Nehmen des Springers im 12. Zug scheint nicht so gut. Zwar kriegt Weiß einen Doppelbauern auf der b-Linie. Aber die offene A-Linie mit Angriff auf a7 verspricht wohl doch Kompensation. Und den problematischen Bauern wird Weiß mit 23. b4 eleganz wieder los.

Dreimal bot Emil remis an, dreimal lehnte das Schachkid ab. Kein Remis hatte der Trainer gesagt.Nur doof, wenn das Schachkid Turm und Dame im 25. Zug in eine Diagonale stellt und Emil nur den Läufer auf die Diagonale stellen muss. Die Qualität war weg, Emil tauscht ab. Soll man ja so machen, wenn man was mehr hat. Im letzten Zug stellt das Schachkid noch einen Läufer vor den gegnerischen Turm. Aufgabe und Punkt für den kleinen Emil, der eine wirklich saubere Partie spielte. Respekt für den kleinen Mann.

21.30 Uhr – Zeit, um in die Pension zu fahren. Das Zimmer ist in der vierten Etage. Kein Fahrstuhl. Also alles hochschleppen. Das Schachkid kommt in den Flur und sieht, nicht nur die Dusche, auch die Toilette ist auf dem Flur. Das Zimmer ist groß, aber voll extremer Dachschrägen. Die Decke ist 1,4 m hoch, das Schachkid 2 m.

Also schleppt das Schachkid wieder alles runter und will auschecken. Der freundliche Mitarbeiter am Empfang guckt und tut und macht und sieht, ab morgen könnte ein Einzelzimmer frei sein. Gut, denkt das Schachkid, diese eine Nacht wird es schon gehen. Also alles wieder hoch in die vierte Etage geschleppt. Ein Jugendlicher kommt mit und betritt das Nachbarzimmer. Kaum angelangt, beginnt nebenan die Party. Nein, denkt das Schachkid, Ruhe muss sein. Alles wieder runtergeschleppt. Der Mitarbeiter am Empfang ist fassungslos, das das Schachkid schon wieder da ist und auscheckt.

22.00 Uhr, das Schachkid hat kein Zimmer, aber ein Auto und ein Smartphone mit gespeicherterer Telefonnummer von HRS. Auf der polnischen Seite ist was frei, aber ewig fahren will das Schachkid net. Also nur fast reserviert.

22.15 Uhr, das Schachkid zückt die App von HRS: Von 1.4. – 4.4. gibt es nur Zimmer ab 100,. € /Nacht. Aber für die nächsten 3 Nächte sind im zentralen 3-Sterne-Hotel die Zimmer von 100,- € auf 47 € runter gesetzt. Das Schachkid schlägt zu und navigiert hin.

22.25 Uhr, das Schachkid steht vor dem Hotel, kalter Wind pfeift. Das Hotel ist zu und alles ist dunkel. An der Klingel reagiert niemand. Das Schachkid ruft den Nachtportier an, der ist gar nicht da und braucht 5 Minuten zum Hotel.

22.30 Uhr, das Schachkid steht in der Kälte. Ein Jeep kommt angebraust. Der Eigentümer des Hotels erscheint. Das Schachkid fühlt sich spontan an Mario Adorf erinnert und den Film Rossini von Helmut Dietl.

22.35 Uhr, man steht an der Rezeption. Der Eigentümer wundert sich und telefoniert mit seiner Frau. Man sei gar nicht bei HRS, wie das Schachkid denn gebucht habe. Mist, das Schachkid ist im falschen Hotel.

22.30 Uhr – Die Chefmama lädt via SMS zum Rotwein ein und wundert sich, wo das Schachkid bleibt.

22.45 Uhr, der Eigentümer stellt fest, das gesuchte Hotel ist um die Ecke. Der Eigentümer meint, kommse mal mit. Ich zeige ihnen mal, was Ihnen entgeht. Man fährt in die 3. Etage. Die schöne Suite mit Himmelbett für 62,- € hätte das Schachkid haben können. Das andere Hotel ist leider gebucht.

22.50 Uhr – Man hält in der 1. Etage an. Kommse mal mit. Der Hotelchef klopf an eine Tür und öffnet diese. Im Bett liegt ein älterer Mann und schaut fern. Der Hotelchef stellt einander vor und meint, zwei Schachspieler sollten sich kennenlernen und mal miteinander spielen. Tatsache, der Mann hat im Bett ein Schachbrett und zig Schachbücher liegen. Später meint der Hotelchef, der Gast lebe das ganze Jahr im Hotel, sei 75 Jahre alt und habe mal in der Bundesliga Schach gespielt. Das Schachkid staunt.

22.55 Uhr, das Schachkid ist nun im richtigen Hotelzimmer angelangt und fragt sich, warum der ganze Stress. Eigentlich könnte man morgen auch nach Thüringen fahren.

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