Unsportlichkeit am Schachbrett

Manchmal fragt sich das Schachkid wirklich, was sich so mancher Spieler bei sich denkt und ob man es wirklich nötig hat, mit aller Macht zu gewinnen. Das Drama spielte sich im Hauptturnier in der 7. Runde am 48. Brett in der Partie Lutz Ruben (USV TU Dresden) – Markus Nico (SV Sangerhausen) ab. Ersterer ist 9 Jahre und hat 1536 DWZ, zweitgenannter ist 35 Jahre alt und 1699 DWZ. Für beide geht es um nichts mehr, keine Chance auf einen Preis.

Nach drei Stunden ist die Stellung Remis. Beide Seiten haben sieben Bauern und je einen Springer. Die Bauernstruktur ist relativ symmetrisch. Die Könige und Springer haben keine Chance, in die gegnerische Stellung einzudringen. Der kleine Lutz Ruben bietet mehrfach Remis, Markus Nico lehnt mehrfach ab. Der Kleine bricht in Tränen aus und hat Angst, über die Zeit gedrückt zu werden. Es ist herzzerreißend. Der Kleine zerfließt am Schachbrett. Schwarz laviert unbeirrt sinnlos hin und her. Sechs andere Spieler und drei Schiris stehen drumherum, beurteilen alle die Stellung als Remis und versuchen, Markus Nico zum Remis zu bewegen. Dieser lehnt weiter ab.

Der Schatzmeister des Thüringer Schatzbundes und Schiri Hartmut Seele nimmt den Kleinen und zieht ihn vor die Tür. Das Schachkid kann nur rätseln, was die gute Seele von Hartmut Seele den Kleinen sagte, dieser kommt auf jeden Fall ruhiger herein. Markus Nico qält den Kleinen sage und Schreibe noch 90 Minuten, bis ein Ergebnis fest steht – Nämlich Remis!

Das Schachkid fragt sich schon, was das für ein Mensch und A… ist und wodurch dieser angetrieben wird, der versucht, ein weinendes Kind in absolut remislicher Stellung stundenlang über die Zeit zu drücken.

Das Radisson Blue gibt sich derweil alle Mühe, die verunglückten Wiener vom ersten Spieltag wett zu machen. Der Ausblick vom Zimmer auf den beleuchteten Dom ist wunderschön. Das Frühstücksbuffet schmeckt hervorragend. In den Spielsälen herrschen hervorragende Spielbedingungen. Und das Schachkid liebt es, in der Lobby im Ledersessel herum zu sitzen und der loungigen Musik zu lauschen.

Gespielt wurde natürlich auch.  Die erste Partie am 29.12.2014 brachte einen ruhigen Gegner, der die ganze Partie sitzen blieb und kein Zeichen von Erregung zeigte. Das Schachkid fragt sich immer, wie das geht. Das Schachkid hat die Stellung im Griff, hat die Initiative, rechnet ewig herum und übersieht dann doch mit 29. …c5 einen simplen Abzug in der Variantenberechnung. Der Gegner kommentierts mit „Sonst war alles Ok.“ Der Gegner vom Schubi kommentiert seinen letzten Siegeszug mit „Aus die Maus.“ Das Schachkid möchte an dieser Stelle siegenden Schachspielern Dieter Nuhr ans Herz legen: „Manchmal einfach mal die Fresse halten.“

Auf zu Hugendubel und zum anstehenden Frustkauf eines Buches. Wenn das Schachkid noch ein paar Partien verliert, muss es sich bald ein neues Buchregal kaufen.

Die nächste Partie brachte mit Detlef Siegl einen Einheimischen, den Chef des Apoldaer Schachvereins. Die Partie war sehr erfreulich, denn das Schachkid hatte sich Weihnachten die Hauptvariante von Caro-Kann angeschaut. Diese kam auch, die ersten 12 Züge waren von beiden Seiten in drei Minuten gespielt. Dann ging das Geschiebe los. Keine Seite erreichte einen Vorteil. 38. Tb2 sah der Gegner Gott sei Dank nicht, da hatte das Schachkid Glück. Also eine gerechte Punkteteilung.

Das Schachkid ist mit drei Punkten sehr zufrieden, hatte es doch immer stärkere Gegner.

Mittag gab es heute im Wirtshaus „Zum Schildchen“. Der Gast speist wahlweise im Herrenzimmer, im Folterkeller, im Eisernen Handschuh… Schubi und das Schachkid entschieden sich für den „Afrikanischen Bereich“. Schubi, auf einem Sofa sitzend, und das Schachkid kamen sich wie in einer Kolonie vor. Die in einem mittelalterlichen Gewand gewandete Kellnerin brachte die Speisekarten in Form von zusammengerollten Pergamenten. So wie im Mittelalter die Herolde diese hatten. Das Schachkid musste die Speisekarte gut festhalten. Denn dreimal rollte diese sich einfach zusammen. Wirklich ein Erlebnis…

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