Turbulenzen in Leegebruch

Ganz aufgeregt fuhr das Schachkid am 17.1.2015 nach Leegebruch, als Teil einer riesigen Briesener Delegation. Würde das Schachkid heute endlich die 1600 knacken können?

Bei Turnieren diesen Formates ist alles möglich. Von drei aus drei bis hin zu null aus drei Punkten. Man spielt gegen drei gleichstarke Gegner in einer Gruppe jeder gegen jeden. Man hat 60 Minuten für 30 Züge, und 30 Minuten für den Rest der Partie. Die Zeit ist zu kurz für gründliches Nachdenken aber zu lang, um als Ausrede für Schnitzer a la Schnellschach zu dienen. Und man ist, wenn man im Extremfall drei Runden an einem Tag über die volle Bedenkzeit spielt, einfach nur noch platt.

Es ließ sich in der ersten Runde gut an. Das Schachkid war mit zwei Senioren und dem Jugendlichen Robert Richter in einer netten Gruppe gelandet.

Das Schachkid spielte in der ersten Runde einen verkorksten Engländer gegen Arnold Tefs aus der Pferdegegend um Wittstock herum. Irgendwie fühlte sich das Schachkid in seiner Stellung nie so richtig wohl, obwohl ein echter Nachteil nicht recht zu erkennen ist. Dennoch hat Schwarz beständig die Initiative. Erfreulicherweise hatte Arnold eine kurze Nacht gehabt. Er hatte am Vorabend bis um 23.30 Uhr Schach gespielt. So nahm der spätere Gruppensieger das Schachgebot des Schachkids an.

Papa Mylke und Tochter Mylke gewannen beide ihre Partien. Tochter Mykle schaffte dies sogar mit Turm und Läufer weniger. Das Glück ist eben mit dem oder hier der Tüchtigen. Der Geocacher Dirk holte ein Remis.

Regelrecht vom Pech verfolgt während des Turnieres die Cheffamilie des SV Briesen. Der Junior spielte seit langer Zeit mal wieder ein Turnier. Vermutlich wird es auch für lange Zeit das letzte Turnier gewesen sein, denn er nullte durch. Oder den Junior packt nun der Ehrgeiz, was das Schachkid sehr freuen würde.

Die Chefmutter hatte derweil einen Zusammenstoß mit einem anderen netten Schachfreund. Dieser hatte eine leckere Schüssel Soljanka bei und kippte diese nun aus, und zwar über den Arm der Chefmutter. Resultat: Ein verbrannter Arm, der für den Rest des Tages unter Dauerkühlung stand.

Die Kunde vom nächsten Zusammenstoß kam per Telefon. Der Chefvater hatte sein Auto zerlegt, blieb glücklicherweise aber unverletzt. Die Tochter des Hauses schien das drohende Unheil schon geahnt zu haben. Sie blieb gleich im Bett, statt wie geplant mitzuspielen.

In der zweiten Runde ging es gegen den Senior Günter Cansy. Dieser hatte in der ersten Runde über die volle Bedenkzeit gespielt. Und so hoffte das Schachkid auf einen erschöpften Gegner. Dieser war jedoch überraschend vital und wehrte sich zäh. Das Schachkid schob und drohte und drückte gegen die gegnerische Stellung. Doch das Schachkid fand einfach keinen Gewinnweg, also wieder nur Remis. Schwarz wählte den Panov-Angriff. Eine sehr dynamische Variante, die sich das Schachkid noch nicht angeschaut hat, aber für Weiß im Caro-Kann eine echte Alternative zu sein scheint.

Bei Schachturnieren lernt man bekanntlich für das Leben, vor allem in den Pausengesprächen. Politische Diskussionen brachen aus. Lebenserfahrene Schiris außer Dienst (sehr konservativ eingestellt) diskutieren mit motivierten Jungvolk (sozial motiviert). Weiter gings mit Spieltaktiken. Erkenntnis des Tages: „Kinder und Rentner muss man totsitzen.“ Das Schachkid ist sich nicht ganz sicher, von wem dieser Satz kam. Der Redner meinte, dass die Kinder nach einer halben Stunde ihre Konzentration verlieren und Fehler machen. Was der Redner mit den Rentnern meinte, wagt das Schachkid nicht zu spekulieren.

Das Schachkid kann den Robert Richter gut leiden. Aber das Schachkid hat so seine Probleme mit dem Robert Richter. Denn der Robert Richter hat das Schachkid schon zweimal ganz brutal umgenietet. So sah das Schachkid auch mit Bangen dem Spiel mit Robert Richter entgegen. Wie sich raus stellte, zu Recht. Das Schachkid ist ganz fasziniert von dem Umstand, wie oft man die Namen Schachkid und Robert Richter in einen Absatz nennen kann.

Diesmal klappt es mit dem Engländer besser. Das Schachkid gewinnt einen Bauern und steht bis zum 18. Zug ganz passabel. Aber nach 19.d4 bricht die Stellung, für das Schachkid total unverständlich, auf einmal zusammen. Schwarz spielt f4, bekommt einen Riesenangriff. Schwarz tauscht falsch ab und mauert dann noch seinen hilflosen König ein. Das wars…

Aber halt… Das Schachkid dachte sich bei 24.Tg1. Man kann ja mal gegen den König drohen, vielleicht hilft es ja was. Und es half. Der arme Robert übersah das Mattt auf g7, ein glücklicher, aber unverdienter Sieg fürdas Schachkid. Robert spielte den Angriff auf den König sauber durch. Ein früheres Tbf8 oder ein Sf4 und das Schachkid hätte das Brett aus dem Fenster werfen können. Spannend war es allemal.

Das beste Ergebnis, den 1. Platz in der U-Gruppe, legte der erst neunjährige Bruno hin. Das Schachkid konnte diesen beim letzten Training beobachten. Er, also Bruno nicht das Schachkid, spielte wirklich gut. Da wächst vielleicht ein neues Briesener Schachtalent heran. Die restlichen Briesener belegten in ihren Gruppen die Plätze 2-4, perfekt wie eine Gaußsche Verteilung.

Das Schachkid hat ungefähr 18 DWZ gewonnen, für die 1600 hat es nicht gereicht. Das Schachkid ist nicht unzufrieden, aber auch nicht zufrieden. Zwar hat das Schachkid keine Partie verloren, aber auch keine Partie aus eigener Kraft gewonnen. Im Gegenteil, bei einem Remis stand das Schachkid leicht schlechter. Beim nächsten Remis fand das Schachkid den Gewinnweg nicht. Und der Sieg war sehr glücklich und unverdient. Fazit: Das Schachkid steuert auf die 1600 zu. Das scheint auch der momentane Leistungsstand zu sein. Am Aktienmarkt würde man sagen, die Aktie ist fair bewertet. Aber ein höheres Leistungsniveue zu erreichen, wird noch viel Trainingsarbeit erfordern.

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