Timing ist alles…

Das Schachkid hat in der Nacht tatsächlich 3 Stunden geschlafen und hockt nun gemütlich im Büro herum, genauer in einem Meeting. Nachmittag wird es nach Görlitz gehen. 1,5 Stunden Fahrt – um 17.00 Uhr geht es los.  Abfahrt um 14.00 Uhr reicht dicke.

13.55 Uhr – der Chef will noch was, das ist schnell erledigt. Schnell die Ausschreibung gesucht und parallel das Handy neu gestartet. Die Datenverbindung funzt nicht. Wie war jetzt nur die PIN. Dritter Versuch, diese muss es sein. Handy ist geperrt. Das Handy fordert die PUK. Woher nehmen? Hektik kommt auf.  Das Schachkid versucht, sich im Kundencenter von 1&1 einzuloggen. Wenn es das Passwort wüsste.

Die Hotline wird bemüht. Es ist 14.30 Uhr, noch genug Puffer – das Schachkid entdeckt in der Ausschreibung eine Handynummer, die man anrufen kann. Wenn man später kommt. Die PUK hat Priorität. Ostern ohne Handy, das geht nicht. Die Hotlie rückt die PUK nicht raus, das Schachkid wird langsam ungehalten. Immerhin das Login fürs Kundencenter weiß die Hotline.

15.00 Uhr  – das Handy ist wieder einsatzfähig. Das Schachkid packt zusammen, um 16.30 Uhr wird es in Görlitz sein. Ah, die Kollegen, man quatscht noch ein wenig, das Schachkid wankt zum Auto. Upps, schon halb vier? In 30 Minuten ist Meldeschluss. Der Turnierleiter muss angerufen werden. 1. Versuch – Nummer nicht gültig. 2. Versuch – eine Betonfirma ist am Telefon. Das Schachkid wird böse. 3. Versuch – Schachfreund Liebsch ist dran und sagt, kein Problem, Karenzzeit 60 Minuten. Es ginge vermutlich nicht pünktlich los.

Das Schachkid gibt das Ziel ins Navi ein. „Sie erreichen Ihr Ziel in 2,30 Stunden – Ihre Ankunftszeit ist 18.19 Uhr.“ vekündet das Navi emotionslos. Das kleine Herz des großen Schachkids setzt kurz aus. Oha, da hat es sich wohl etwas verschätzt. Abfahrt um 15.45 Uhr.

189 km – über Landstraße. Schwere LKWs donnern oder besser kriechen über die Bundesstraße. Das Schachkid wird nun aggressiv, es muss auf Toilette, hat aber keine Zeit dafür, verkneift es sich also. Einige gewagte Überholmanöver und großzügige Auslegungen der Straßenverkehrsordnung – das Schachkid fährt 15 Minuten raus. Ankunft um 18.05 Uhr.

Das Auto wird halb auf dem Bürgersteig platziert. Das Schachkid sprintet zum Spiellokal. Vor der Treppe zum Spielsaal gehen ein paar Schachspieler Richtung großen Saal. Einer blockiert die Treppe und macht auch keine Anstalten zu weichen. Das Schachkid sieht sich zu einer unhöflichen Aufforderung genötigt und schiebt den irritierten Spieler sanft zur Seite. Kurz noch auf der Treppe lang gelegt. Holger Borchers brüllt: „Da isser ja.“ Ankunft am Brett – noch 2 Minuten Zeit, Sf6 wird gezogen. Schnell auf die Toilette.

Das Schachkid hat nun 30 Minuten für 36 Züge – und keinen Stift. Der Schiri wird angequatscht. Der wühlt in seiner Tasche nach einem Stift. 5 Minuten sucht er nach einem Kuli und legt dafür 5 andere Stifte zu Setie. Das Schachkid wird wahnsinnig und eilt zu seinem Vereinskameraden Dave. Der zuckt merklich erschreckt zusammen, als das Schachkid ihn antippt, als stehe der Teufel persönlich vor ihm. Natürlich hat er seinen Ersatzstift im Hotel gelassen. Der Schiri findet mittlerweile was.

Das Schachkid fängt an, schnell zu spielen, ohne großartig nachzudenken. Die Qualiät der Partie ist entsprechend. Das Schachkid gewinnt einen Bauern, der kleine Gegner gewinnt ihn zurück. Das Schachkid schafft die 36 Züge in der Zeit und hat den Gegner einzügig vor dem Matt. Das Blättchen des Schachkids fällt. Der Schiri kommt tatsächlich und stellt die Uhr des Schachkids zurück und hält den Schiri für bekloppt. Dieser schaut auch irritiert, als das Schachkid matt setzt. Der Schiri nimmt die Uhr sogleich wieder zur Hand und stellt die Uhr neu.

Dave hat mittlerweile gewonnen. Man geht auf die polnische Seite lecker essen.  Abends kommt das Schachkid im Picobelo an. Für 34,- € ist es erschreckend rustikal. Die Rezeption macht das Schachkid sogleich an, wieso es doppelt gebucht habe. Das Schachkid keift zurück, dass eine Reservierung verweigert wurde. Das Zimmer ist groß und eiskalt. Der kleine Heizkörper kann es nie schaffen, das Zimmer aufzuheizen. Der Fernseher hat 10 Zoll, einee Fernbedienung gibt es nicht. Internet kostet 5 € für 3 Stunden.  Das Schachkid hat schon besser genächtigt.

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