Taktische Dramen in Friedrichshagen

Das Schachkid ist seit Oktober Mitglied bei den Queer-Springern und absolviert nun sein drittes Punktspiel. Bisher hat sich das Schachkid nicht mit Ruhm bekleckert, obwohl die Gegner wirklich schaffbar sind. Immer wieder sind es kleine taktische Fehler, die den Sieg verhindern.

In der Klasse 1.1 geht es heute gegen Friedrichshagen II. Das Schachkid muss erstmal gucken, wo das eigentlich ist. Berlin ist so groß. Auch wenn es eine Stadt ist, man kann trotzdem eine Stunde unterwegs sein. So auch heute. Das Schachkid macht sich auf den Weg ins urbane kleine Köpenick, eine eigene kleine Welt selbst in Berlin. Selbstverständlich schafft es das Schachkid, erneut zu spät zu kommen.

Man spielt in einen Stadtteilzentrum, wo viele Vereine ihren Sitz haben. Sowas gab es in Fürstenwalde oder Potsdam nicht. Die gegnerische Mannschaft ist sehr jung – alle irgenwo um die 18 Jahre alt und zwischen 1700 und 2000 DWZ angesiedelt.

Das Schachkid erwischt Killian Lischan. Der 18-jährige denkt in den ersten drei Zügen nach jeden Zug mehrere Minuten nach. Das Schachkid denkt sich, ob der wohl kein sizilianisch kennt? Später erklärt Killian, er mache das immer so, um für die Partie runter zu kommen. Eigentlich eine gute Methode. Wie oft ist man zu Beginn einer Partie extrem nervös und kann sich kaum konzentrieren und kommt nicht recht ins Spiel rein. Die killinansche Methode wird das Schachkid beim nächsten Spiel austesten.

Den sizilanischen Drachen konnte er dann doch ganz gut. Das Schachkid kontert mit dem Marotzy-Aufbau.

Dieser ist für Schwarz sehr unangenehm, wie Killian später meinte. Hat FM FM also recht gehabt. Die erste Entscheidung fällt im 15. Zug. Das Schachkid spielt 15. Sd5, das führt gleich zum Abtausch. Aber vielleicht gewinnt Weiiß mehr Raum. Vielleicht wäre 15 Sb4 besser gewesen, um auf einen Bauern oder den Sa5 zu spekulieren. Dieser wude von Schwarz eher suboptimal platziert. Se5 wäre richtig.

Schwarz knallt 16. … Lb2 aufs Brett. Schnell gepielt mit höhrbar erleichterten Schnaufen. Das Schachkid erschrickt sich furchtbar und fühlt sich wie gelähmt. Ist jetzt nicht der Sc2 weg? Nein, ist er nicht, das Schachkid ist trotzdem wie gelähmt und überlegt 30 Minuten lang.

Die Qualität ist wohl hin. Vielleicht kann nach den Abtausch des schwarzen schwarzfeldrigen Läufers ein Mattnetz am schwarzen Königsflügel gestrickt werden. Das Schachkid überlegt lange an Tb1 und sinniert, ob man den Sa5 nach Dxc2 bekommen könnte. Das einfach Txb2 geht und sich dann die weißen Schwerfiguren auf der zweiten Reihe gegenseitig decken, sieht das Schachkid nicht. Wieder mal ein Beweis für die Tatsache, das Schach eine psychische Sache ist und offensichtlich mehr Taktik trainiert werden muss.

Immerhin, die Mannschaft gewinnt mit 4,5:3,5 mit einem Brett weniger. Beate hat es erwischt, Gute Besserung an dieser Stelle. Das Schachkid pfeift sich bei Kaisers frustriert zwei Brötchen rein und fährt nach Moabit zu seinem Freund Harald Kaffee trinken.

Kommentieren