Stress zur 12. Wismarer Stadtmeisterschaft

Seit 2006 will das Schachkid die Wismarer Stadtmeisterschaft mitspielen. Immer war etwas anderes los, so auch diesmal. Das Schachfest im Berliner Hautbahnhof ist eine sehr spannende Veranstaltung. Aber das Schachkid hatte sich ja Silvester 2014 vorgenommen, all die Dinge im Jahr 2015 zu tun, die es schon immer mal machen wollte. Also am 12. Juni 2015 auf nach Wismar.

So war jedenfalls der Plan. Um 13.00 Uhr aus dem Büro nach Hause gehen, in Ruhe Koffer packen. Um 14.00 Uhr los fahren, um 17.00 Uhr im Hotel einchecken und dann um 18.00 Uhr mit dem Turnier los machen.

Nun Murphy von Murphys Gesetz hatte offensichtlich andere Pläne. Der oberste Chef setzte um 13.00 Uhr noch einen Termin an, der sich verschob und verschob und verschob… Erfreulicherweise wurde das Schachkid von seinen Chef um 14.00 Uhr aus dem Dienst entlassen, er musste weiter ausharren. Also um 14.30 Uhr daheim gewesen, aus den Anzug geschält, die Sachen in den Koffer und selbigen ins Auto geworfen und los gehts.

Nach Wismar sind es drei Stunden, bleibt also eine halbe Stunde Puffer. Wenn auf der A19 der LKW sich nicht auf der linken 2m-breiten Spur gedacht hätte, dass er da locker drauf passt. Passte er aber nicht. Auch die Baubrücke, unter der der LKW feststeckte, half nicht wirklich. Der LKW-Fahrer wollte es an diesen Tag offensichtlich wissen, wie hoch und breit sein Fahrzeug war. Stau, das Schachkid ist genervt.

Um 17.55. Uhr endlich angekommen, fürs Hotel war keine Zeit mehr. Seit dem Mittag hatte das Schachkid nichts mehr getrunken und gegessen. Das Schachkid hoffte auf einen Imbiss im Spiellokal.

Das Navi führt das Schachkid zum Campus der Hochschule Wismar. Im Haus 1 soll das Turnier sein. Auf dem Campus sind 25 Häuser. Nirgendswo ein Schild. In 5 Minuten soll es losgehen. Das Schachkid befragt eine Putzfrau. Die weiß nix vom Schachopen, kennt aber Haus 1. Unterwegs zum selbigen trifft das Schachkid auf weitere suchende Schachspieler. Gemeinsam irrt man orentierungslos über den Campus. Ein rauchender Sicherheitsmann hält die Wanderer an. Er hat sofort gesehen, das können nur Schachspieler sein. Er bringt Licht in die Finsternis, weist den Weg.

Kurz nach 18.00 Uhr kommt man an, es ist noch nicht viel passiert. Also fix angemeldet und dann das Hotel angerufen. Das Schachkid könne nicht vor 22.00 Uhr anreisen. Die Schachpartie könne so lange dauern. Schlecht, meint die Rezeptionistin. Sie habe um 21.00 Uhr Feierabend. Komme das Schachkid danach, müsse das Schachkid wohl im Auto schlafen. Ok, dennkt das Schachkid. Um 20.30 Uhr muss die Partie also gewonnen sein oder aufgegeben werden,.

Der Hunger wird nun zum Top-Problem. Das Schachkid schaut sich nach Essbaren um. In einer Abstellkammer sitzt ein Schachfreund vor einer Kaffeekanne. Ja, das Schachkid sei schon der sechste, der nach Essen frage. Aber er sei net eingewiesen, Essen gäbe es frühstens in einer Stunde. Das Schachkid taxiert sein Gegenüber, ob der wohl essbar sein könnte.

Planänderung, die Anmeldung scheint sich noch ewig hinzuziehen. Das Schachkid beschließt, zum Hotel mit der Adresse „An der B 105“ zu fahren. Laut Navi ist es nur 5 Minuten weg. Das Schachkid fährt hin, gelangt zum Ziel (laut Navi) und sieht nix. Nur Felder, und Wiesen und eine Bundesstraße, sonst nix. Es wird ein anderes Navi konsultiert. Das krisenerfahrene Schachkid hat stets mehrere Navis im Autos. Das Hotel liegt 20 km weg. Das Schachkid ruft an, storniert und fährt zum Rewe. Brötchen kaufen und den Hunger stillen.

19.00 Uhr, das Schachkid ist zurück am Spiellokal. Es gibt immer noch nix zu essen. Die Runde sollte um 18.00 Uhr los gehen. Seit 18.50 Uhr läuft die Partie. Irgendwie schlecht organisiert, findet das Schachkid. Die Briesener fangen mit ihrem Open pünktlich an und haben meist schon ein Buffet aufgebaut.

Das Schachkid hat einen Gegner, aber kein Hotelzimmer. Egal, das kennt das Schachkid ja schon aus Görlitz. Dieter Warnecke aus Parchim spielt einen sizilianischen Drachen. Der Trainer hat dem Schachkid gesagt, wie es hier spielen soll. Das Schachid hat aber zwei Wochen lang kein Eröffnunsgtraining gemacht, sondern vor allem Taktiktraining, und erinnert sich daher nicht an die richtigen Züge.

Im 24. Zug bietet der Gegner Remis und erlaubt sich den Hinweis, dass es für das Schachkid sonst sehr schwer werde. Es ist 21.00 Uhr. Das findet das Schachkid überhaupt nicht und glaubt, dass es wesentlich besser steht. Der aktive schwarze Springer auf f5 wird abgetauscht, Dann geht der eigene Springer nach d6 und blockiert das schwarze Lager. Die schwarzen Figuren spielen überhaupt nicht miteinander. Der Bauer d7 ist ein Angriffsziel. Das Schachkid lag mit seiner Einschätzung richtig, um 21.30 Uhr ist die Partie gewonnen.

Zeit, ein Hotel zu buchen. Das Steigenberger am Wismarer Altmarkt ist auf der Hotelseite 30 € billiger als auf einschlägigen Buchungsportalen. Da schau an… Es ist noch hell. Die Altstadt von Wismar macht einen wunderschönen Eindruck. Der Rezeptionist begrüßt das Schachkid, dass es ein Arrangement gebucht habe. Mit Frühstück (kostet sonst 22 € extra) und Abendbrot (sonst 30 €) extra, und freien Eintritt in den Wellnessbereich. Und Eintritt zu einem Weltkulturerbehaus. Ui… Das Schachkid wollte nur ein Zimmer. Das Arrangment ist billiger als sonst das Zimmer. Da hat das Schachkid wohl ein Schnäppchen geschlagen.

Fazit des Tages: Beim nächsten Open nimmt das Schachkid Freitags frei.

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