6. November 2019

Schachopen Falkensee 2019 – Siege für den PSV Potsdam

Es ist frappierend, wie schnell so ein Schachturnier vorbei ist. Letzter Spieltag beim Schachopen Falkensee. Bisher war man gut dabei. Der mitfahrende Doncho plant im Auto schon mal den FM-Titel für sich und den anwesenden Schachwizard ein. Während der Superdave sich lauthals über nächtliche Walgesänge des Schachkids beklagt. Immerhin ist man pünktlich da und platziert sich im Parkverbot. Vermutlich will heute am Sonntag keiner in die Schule, deren Zufahrt das Schachkid gerade blockiert.

Heute ein Greifswalder, ein Clubkamerad des ehrgeizigen Willi Woll. Und erste Gelegenheit, die neu erworbenen Königsindisch-Kenntnisse zu testen.

Weiß spiel auch gleich ambitioniert die Fianchetto-Variante. Das Schachkid erinnert sich, hier greift man nicht am Königsflügel, sondern am Damenflügel an. Das Schachkid laviert hin und her. Erkenntnis des Tages – wenn man sich Zeit zum Nachdenken nimmt, und man es nicht mit der Brechstange versucht, findet man wirklich Züge. Die Lage am Damenflügel entwickelt sich erfreulich. Weiß zieht die Bauern vor, b3 wird zum Angriffsobjekt. Weiß plant mit 21. a5, sich einen Freibauern zu schaffen. Weiß hat die Rechnung aber ohne das Schachkid gemacht, mit 21. … b4 wird der weiße b-Bauer blockiert. Der den a-Bauer nun nicht stützen kann.

Der Gegner denkt nun nach und das Schachkid an Bouletten. Zeit für ein zweites Frühstück. Mit 23. Se2 bricht die weiße Stellung nun ein. Weiß wird auf allen Ecken des Brettes unter Druck gesetzt, der Punkt ist nur eine Frage der Zeit. Der Schachwizard ist schon nach 2,5 Stunden gegen seinen alten Vereinskameraden Jakob Bielick siegreich.  Da dreht sich die Lage beim Schachkid wieder, wie immer taktischer Einsteller. So ein Springer hat viele Gabelmöglichkeiten und zack, schon ist die Qualität weg.

Ein Kind befragt im Laufe des Tages das Schachkid, wie es heißen würde, wenn man beide Qualitäten habe. Das Schachkid weiß keine Antwort, aber die Frage ist wirklich berechtigt.

Jetzt muss das Schachkid nachdenken. Der Rückgewinn der Qualität gelingt. Damenendspiel mit Minusbauern, es findet sich ein Dauerschach, der halbe Punkt ist gerettet.

Der Superdave wehrt sich lange verbissen am 1. Brett gegen den Turnierfavoriten Tom George, muss dann aber doch die Waffen strecken.

Bei der kurzen Auswertung vor der Tür ist der Gegner der Meinung, das Schachkid denke in entscheidenen Situationen am Brett nicht lange genug nach. Sonst würde das Schachkid stärker spielen. Der Schachwizard und der Superdave, die hungrig daneben stehen, pflichten lauthals bei. Offenbar ein Ansatzpunkt fürs heimische Training.

Heute griechisch essen. Die Runde gönnt sich Ouzo. Der schmeckt wie Hustensaft, kann nur gesund sein. Das Schachkid trinkt vosichtshalber einen zweiten Ouzo. Damit die Grillplatte im Magen nicht so alleine ist. Beschwingt startet man so in die Abschlussrunde.

3 Turniere im Sommer und Herbst – dreimal muss das Schachkid gegen Angela Jacoby ran. Das Mädel führt mit 1,5 – 0,5 gegen das Schachkid. Schon wieder Königsindisch. Was in der Partie zuvor funktioniert hat, kann jetzt nicht falsch sein. Also wieder Angriff am Damenflügel. Wobei Weiß kein Königsindisch spielt, sondern irgendwas… Das Schachkid bemüht sich um Königsindische Strukturen.

Mit 22. Ta7 plant Weiß den Gegenschlag im Zentrum auf e7. Der weiße Turm steht am Damenflügel aber etwas einsam. Das Schachkid greift unverdrossen am Damenflügel an. Mit 25. Dd3 stellt Weiß den c-Bauern ein. Völlig von der Rolle spiel Weiß weiter. Unnötig war das Läuferopfer 26. Lxg6. Nun muss abgetauscht werden. Das Weiß auch noch mit Turm und Läufer Matt drohen kann, beweist 37. Le5+. Nun aber wird zum Gegenschlag ausgeholt. Mit 38. Lg1+ wird der weiße König hinausgelockt. Und übers Feld gejagt. Der zuschauende Schiri Michael Fuhr sieht ein 2-zügiges Matt, wie er später sagt. Das Schachkid und die Engine sehen es nicht. Reicht auch so. Ein Bauer wird noch gewonnen. Weiß gibt auf und die Blianz ist ausgeglichen.

Etwas unausgelichen sind die hier wohnenden Jugendlichen, die es sich am Hinterausgang des Spielsaales bequem gemacht haben und fleißig gegen die Türe klopfen und herum brüllen. Ein Spieler geht raus, weist darauf hin, dass hier ein Schachturnier sei. Er trifft auf wenig Verständnis. Der Spieler droht mit der Polizei. „Die Bullen“ schrecken die pubertierenden Jugendichen, die in dem Alter schon aus Protest gegen jegliche Autorität immun sind, nicht. Der Schiri verdreht die Augen und geht vor die Tür. Der  Mann hat graue Haare, ist über 50 und hat Kinder, ein Mann mit Lebenserfahrung. Offenbar löst er das Problem auf väterliche Art. Nach kurzer Zeit herrscht Ruhe.

Dem Superdave gelingt nochmal ein tolles Remis gegen den starken Aaron Gröbel. Der Schachwizard hat den Turnierchef Mario Oberling zum Gegner. Es wird eine lange Partie. Für das Schachkid sieht es immer Remis aus. Aber Endspiele knetet der Schachwizard a la Carlson ja gerne. Aus der Ferne sieht das Schachkid den Schachwizard verschmitzt vor sich hin grinsen. „Jetzt hat er den Gewinnzug gefunden.“ raunt das Schachkid dem Superdave zu. Und so ist es auch. Na hoffentlich darf da der Schachwizard 2020 mitspielen, wenn er den Turnierchef umhaut.

Ein zufriedendenstellendes Turnier. Das Schachkid hat 2,5 Punkte und 30 Punkte DWZ gewonnen. Ideal, so ist das Schachkid gerade noch unter der 1600 und kann beim Erfurter Weihnachtsopen das C-Open und bei der Deutschen Amateurmeisterschaft eine Gruppe tiefer spielen. Der Schachwizard hat mochmal Zähne gezeigt und darf sich mit 4 Punkten über den 5. Platz freuen, mit besserer Buchholz hätte es für mehr reichen können. Der Superdave folgt mit 3,5 Punkten auf Platz 7 knapp dahinter. Am letzten Spieltag hat er nur 0,5 Punkte erzielt, aber dafür auch Wahnsinnsgegner gehabt.

Die Favoriten strauchelten in diesem Jahr. Überraschungssieger ist Horst Prüsse von der SG Neubrandenburg mit 4.5 Punkten. Etwas hinter den Erwartungen ist wohl Adrian Faust mit seinen 3 Punkten geblieben,  Aus Sicht des PSV Potsdam gelingt dem weithin bekannten Schatzmeister Andreas Greber ein sensationeller 3. Platz, der im vom Trio Infernale vom Herzen gegönnt wird.

Das Schachkid freut sich schon auf das Falkenseer Open 2020.

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