Schach am Strassenstrich

Das Schachkid fährt am 31. Mai 2015 zum Schnellschachturnier nach Berlin. Eigentlich hat das Schachkid keine Lust und fühlt sich erholungsreif. Am Vorabend war es in Berlin mit Freunden zur Show Briefs und war erst um halb zwei im Bett.

Briefs Second Coming from browndog on Vimeo.

Nachmittags wäre noch eine Wohnungsbesichtigung. Und überhaupt müsste sich das Schachkid erholen. Das Schachturnier im schönen Schöneberg ist stark besetzt. Nur 10 Mann unter 1700 spielen mit. Das Schachkid ist auf der Setzliste 10. von hinten, es wird wohl spielerisch nicht viel zu holen sein.

Das Schachkid weiß daher gar nicht, wieso es gerade offensichtlich im Zug sitzt und wie es dahin gekommen ist. Der DWZ-Preis U1700 könnte schuld sein. 50 € und nur 10 Mann spielen um den Preis mit? Mhhhh…. Die Sonne scheint? Mhhhh….. Daheim sterben die meisten Leute, sagte Oma immer? Mhhh….. Schwupps, schon saß das Schachkid im Zug.

Die Schachfreunde Berlin haben übrigens ein Einsehen, das Turnier geht erst um 11.00 Uhr los, sehr löblich. Das Spiellokal liegt zentral im kiezigen Schöneberg. Der Straßenstrich ist in der Nebenstraße. Aber ob die Damen auf frustrierte Schachspieler warten, so vertrocknet, wie letztere aussehen.

Das Schachkid hat sich angemeldet und will eigentlich gleich wieder gehen. Platz 55 von 66 auf der Setzliste. Platz 1 bis Platz 22 nur Titelträger, normale Berliner Verhältnisse. Spruch gleich zur Begrüßung eines Schachfreundes zu zwei anderen. „Ah, Großmeister unter sich.“ Man sieht es den Leuten nicht an , dass sie Großmeister sind. Entweder sehen sie total verlottert aus oder wie ein Lausbub.

Das Schachkid pielt in der ersten Runde gegen FM Martin Schulz von Empor Potsdam. Es sieht nicht schlecht aus. Dem Schachkid gelingt sogar ein kleiner Angriff, lässt dann aber einen Turm stehen.Immerhin beweist der FM Geschmack. Er hat die gleiche Armbanduhr wie das Schachkid.

Pause, der Schiri gibt den Anwesenden von der Bühne herab einen Schnellkurs zum Thema: „Wie stellt man eine diitale Schachuhr?“

Neben dem Schachkid sitzt ein Double von Walter Steinmeier. Volker Schmalzried in der zweiten Runde ist vereinslos, aber kein Anfänger. Der Königsinder geht schief. Was ist das nur immer mit dem Bauern auf e5 da, den das Schachkid verliert? Eine wenige Züge gehen noch ein Bauer und der Springer verlustig. Das Schachkid beschleicht das Gefühl, dass es zu Hause hätte bleiben sollen.

Ein neuer Spieler erwartet das Schachkid in der 3. Runde. Er ist Asiate und sieht mit seinem Dutt aus wie ein Samurai. Gott sei Dank zieht er kein Schwert, sondern lässt sich die Dame fangen. Als Ausgleich lässt das Schachkid später fast die Dame stehen, aber eben nur fast.

Nach errungenen Punkt ist das Schachkid ein Brötchen mit Bauchfleisch, es schmeckt nicht.

Ein Dr. ist der Gegner in der vierten Runde Spielerisch stark, aber kein Händedruck. Das Schachkid schläft am Brett fast ein und stört sich auch nicht weiter daran, dass der Gegner auf die 7. Reihe eindringt und alles abräumt. Das Schachkid hat inzwischen eine mentale Entspannung wie nach Dope erreicht, nur ohne Dope. Verdammt war die Nacht kurz

Partie weg, das Schachkid ißt ein Brötchen mit Leberkäse. Es schmekct nicht. Essen können die Berliner einfach nicht. Mit Wehmut erinnert sich das Schachkid an die Bratwürste beim Schachturnier eine Woche zuvor.

Nun geht es gegen Jens Kutschke. Das Schachkid hat eben verloren, kriegt aber trotzdem einen stärkeren Gegner. Das Schachkid sieht den Zug, den es nicht machen darf. Denn danach kommt eine Gabel. Das Schachkid macht den Zug trotzdem und versucht, den Gegner mit dreimaligen Niesen zu erschrecken. Funktioniert nicht, die Gabel kommt. Egal, das Schachkid hat das Turnier eh abgeschrieben und konzentriert sich im wesentlichen darauf, seine Partien schnell aufzugeben, um sich in die Sonne zu setzen. Das Schachkid findet das sehr erholsam.

Zuvor geht das Schachkid vor die Tür, um mal auf die Straße zu schauen, nach den leichten Mädchen gucken. Die Tür fällt ins Schloss, das Schachkid steht vor dem Spiellkoal und kommt nicht mehr rein. Also einmal drumherum gelauefn und ans Fenster geklopft. Es kommt keiner. Es dauert 10 Minuten, bis das Schachkid die Klingel entdeckt und wieder Einlass findet. Zeit für einen Kaffee.

Selbiger wirkt sogleich. NikolaTipic wartrt, mit einer zarten 1680 DWZ. Das Schachkid, nun wach, gewinnt eine Leichtfigur. Der Gegner pielt trickreich und dreht die Stellung so, dass es fast noch Patt wird. Aber das Schachkid passt ganz genau auf und freut sich über den zweiten Punkt.

Den Apfelkuchen hätte das Schachkid lieber mal nicht gegessen. Der nun wartende Gegner kauerte sich wie eine Schlange vors Brett, auf Augenhöhe mit dem König. Diese Perspektive half. Der Gegner sah mehr als das Schachkid und wurde mir reichlich Material belohnt.

Das Schachkid ist vermutlich der einzige Schachspieler, der mit Laptop, Tablet und Handy zu einem Schachturnier anreiset. Irgendwie muss man ja Verbindung zur Außenwelt halten.

Das Motto des Schachkids lautet: „Gegner bis 1700 DWZ stellen kein Hindernis dar.“ – so wird mit dem nächsten Gegner, er hat glatt 1700, kurzer Pozess gemacht und im Mittelspiel eine Dame gewonnen. Das hat das Schachkid bewerkstelligt, indem es einen Bauern zur Dame umwandelte. Die Dame musste sich das Schachkid am Nebenbrett borgen, das die Dame freundlicherweise verlieh.

Nach 7 Runden ist das Schachkid eingespielt. Es läuft. Also lief. Schachfreund Schlittermnn überspielt das Schachkid wie immer in der Eröffnung und gewinnt einen Bauern. Mühevoll muss das Schachkid seinen König in Sicherheit bringen. Der gGegner übersieht den Läufereinschlag auf h7. Das Schachkid gewinnt den Bauern zurück und dazu die Qualität. Schlittermann lässt sich nicht lumpen, greift nun seinerseits an und gewinnt die Qualität zurück. Problem dabei, sein Läufer und der andere Turm stehen n ch auf der Grundreihe und spielen nicht mit. Schlittermann frisst den nächsten Bauern, das Schachkid setzt matt. Eine spannende Partie war das.

Da ist das Schachkid aber sehr zufrieden mit 4 aus 9 Punkten bei dem starken Feld. Sonnenschein, schön draußen sitzen, Erholung pur. Nur am Essen müssen die Berliner noch arbeiten. Dah haben es die Thüringer einfach drauf.

 

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