Prag – Klischees allerorten

Was haben die Tschechen nur mit ihren Hotels. Wie in Pardubice, 4 Sterne für 48,- € die Nacht, WLAN kostet einen Euro extra, ist dafür aber superschnell. Auch dies ist ein ehemaliges Interhotel, 17 Etagen hoch, furchbar enge Zimmer, Möbel na ja… Das Bad hat keine Tür, sondern eine Art zweiflügelige Schranktür. Sozusagen ein begehbarer Kleiderschrank, in dem ein Bad eingebaut ist.

Das Frühstück ist bescheiden. Immerhin, das Zimmer wartet mit einer Klimaanlage auf, die bei 40 Grad Außentemperatur erfreulich gut kühlt.

Das Schachkid bleibt erstmal im Zimmer und macht sich später auf in die Stadt. Da das Schachkid zum dritten Mal in Prag ist, kennt es sich gut aus. Der Metroautomat nimmt keine Scheine, wird eben schwarz gefahren. Wer die U-Bahn in Berlin kennt, wundert sich in Prag. Rolltreppen tragen einen in wahnwitziger Geschwindigkeit in 70 m Tiefe. Nix für schwache Nerven.

Der Wenzelsplatz ist mitterlerweile für Autos gesperrt. An allen Ecken und Enden wird saniert. Kaum zu glauben, dass dies hier mal sozialistischer Mief war. Berlin sieht heute an vielen Ecken und Enden noch übler aus.

Prag ist berühmt für seine Kaffeehäuser. Das Schachkid probiert das orientalische Kaffeehaus aus. Drumherum keine Tschechen, nur Klischees. Am Nebentisch sitzen zwei junge hübsche Japanerinnen. Kameras sind obligatorisch, Strohschirm auch – und beide tippen nur auf den Handys rum.

Ein Tisch weiter, vier junge Franzosen – gerade 20 Jahre alt. Trinken natürlich Wein und unterhalten sich zivilisiert in ihrer wunderschönen Sprache.

Noch ein Tisch weiter. Drei deutsche, Bayern augenscheinlich. Bier trinkend, rauchend und ziemlich laut. Die Welt ist ein Dorf.

Heute ist die 2. Runde vom Prager Sommeropen. Mehr als 200 Spieler nehmen teil. Das Schachkid spielt sein erstes Spiel. Auch hier ein Feeling von Pardubice. Lauter bekannte Gesichter. Ein Großteil der Spieler ist offensichtlich gleich von Pardubice nach Prag gezogen. GM Teske ist auch da und ist Favorit. Das Schachkid entdeckt sogar ein kleines Mädchen, gegen das es in Pardubice spielen musste.

Diesmal keine kleinen Mädchen, sondern mit Josef Bara ein 43-jähriger Tscheche. Das Schachkid erschrickt sich. Hoffentlich sieht es nicht selbst mit 42 Jahren so alt aus. Das Schachkid beschließt umgehend, einen Abnehmkurs zu machen.

Französisch kommt aufs Brett. Das Schachkid kann sich wieder nicht an die Variante vom Trainer erinnern, die Tarrasch-Vaiante. Das Schachkid wählt daher die Abtauschvariante. Es sieht schon bald komisch aus, besonders unangenehm ist der schwarze Lg4. Mit 14. … c6 unterläuft Schwarz ein Schnitzer. Weiß gewinnt einen Bauern.

Der Plan für die Partie ist nun klar. Figuren abtauschen. Den eigenen schlechten Läufer möglichst gegen den schwarzen Springer tauschen. Dann einen Bauer am Damenflügel durchbringen. Schwarz macht auch alles mit. Nach 70 Minuten ist der Punkt eingefahren. Mission 40 Punkte zurück holen ist erfolgreich gestartet.

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