Schachkid und Sergej in Schorfheide

Das Schachkid machte sich mit dem Sergej Karjakin aus Brandenburg, auch Dave Möwisch genannt, auf dem Weg zum Internationalen Schnellschachturnier nach Schorfheide. Dieses Turnier gibt es seit mehreren Jahren. Das Schachkid hatte aber nach dem Lesen der Ausschreibung immer geglaubt, das Turnier sei nur für Kinder.

Sergej mißtraut den Navigationskünsten des Schachkids und hatte am Vortag noch verkündet, auf die Karte zu schauen. Anscheinend war er aber vom Briesener Blitzturnier am Vorabend zu müde gewesen und hat es nicht getan. Bei selbigen Turnier hatte das Schachkid unerklärlicherweise gegen die Brandenburger Sergej-Immitiation verloren. Auf Zeit, mit 2 Sekunden Rückstand. Berlin ist eine Stadt der vielen Gesichter. Die hektische Großstadt wechselt urplötzlich zur urbanen Dörflickeit. Man fährt über obskure Nebenstraßen in Pankow.

Die Grundschule in Schorfheide ist riesig, und gefüllt mit vielen Kindern. Das Schachkid gelangt nach diesem Turnier voller Dankbarkeit zur Erkenntnis, dass es eine gute Entscheidung war, den Lehrerberuf nicht zu ergreifen. Das Schachturnier ist eher bi- denn international. Viele polnissche Spieler sind da und immerhin ein englisch sprechendes Kind. Das Turnier wird tatsächlich für die Schnellschach-Elo ausgewertet. Das hat wohl den waschechten Fidemeister aus Hamburg motiviert, extra in die Schorfheide zu fahren. Das Preisgeld oder spielerische Herausforderungen können es nicht gewesen sein.

1. Runde – der Turnierleiter schmeißt alle Besucher und mitschreibenden und mitfilmenden Eltern aus dem Raum. Das Schachkid klatscht innerlich laut Applaus, Mitleid mit filmenden Vätern hat das Schachkid nur begrenzt. Wobei an dieser Stelle das Schachkid auch die Frage stellen muss, ob man einen ohnehin schon etwas rundllichen Kind bei jedem Schachturnier Pizza verabreichen muss.

Freya Müller heißt die erste Gegnerin. Diese hat zwar nur 1000 DWZ, sieht sich aber trotzdem genötigt, dem Schachkid gleich im vierten Zug einen Bauern abzunehmen, der unverteidigt herum stand. Den holt sich das Schachkid zwar irgendwann wieder, übersieht dann aber gleich eine Möglichkeit, das Mädel einzügig mattzusetzen. Das Schachkid gewinnt. Das muss mit der Konzentration aber besser werden. Segej macht es auch nicht besser und hat, trotz siegreicher Partie, auch Bauern stehen lassen.

Die Schule liegt direkt neben einem Friedhof, wie das Schachkid beim Hinausschauen aus dem Klassenzimmer feststellt. Das ist vorrausschauende Bauweise. Da sieht das Schulkind in der Schule gleich die Zukunft. Wo es begann, wird es eben auch enden, geographisch gesehen.

Zweite Runde. Sergej muss gegen den FM ran und will diesen zeigen, was ein Karjakin ist. Der FM ist unbeeindruckt und gewinnt. Das Schachkid denkt an das Buch Tschick, als es den Sergej sieht. Der FM hat auch einen Junior mit. Der muss aber spielerisch noch reifen.

Das Schachkid spielt gegen Stefan Sprutta Remis. Trotz Mehrbaurn dank Einschlag auf h7 ist das Turmendspiel nicht zu gewinnen. Weiter hinten entlädt sich ein Wutschrei eines Erwachsenen, der gerade gegen einen 8-jährigen verliert.

Zwei Jungen nutzen die Pause, um sich darüber aufzuregen, dass die Männertoilette im Ergeschoss und die Mädchentoilette in der ersten Etage bei den Turnierräumen sei. Da hätten die Mädchen ja einen Vorteil, wenn man immer runter müsse. Tja… Auf der Treppe fragt derweil ein Kind seinen Freund: „Bleibst Du auch zur Siegerverehrung?“

Dritte Runde. Dave verteilt Kaffee auf seinen Tisch. Leicht tänzelnd erhebt er sich, wischt elegant auf und schwebt leichtfüßig zum Papierkorb. Das Schachkid bewundert die Eleganz dieses Denkers, der so romantische Orte wie das poetische Reitwein kennt. Danach holt er sich doch wirlich den Punkt. Das Schachkid auch gegen Gerd Wanka. Am vorletzten Brett wird der wutschnaubende Erwachsene aus der Vorrunde von einem 6-jährigen belehrt, dass man eine berührte Figur auch ziehen müsse.

4. Runde – Dave verliert, das Schachkid zögert nicht und lässt nicht nur aus reiner Solidarität die Dame stehen. Dave, studierter Psychologe der es wissen muss, stellt fest, das das Schachkid grundsätzlich über andere Leute lästert, wenn es verliert.

Roy Milke ist sauer, als er in der 5. Runde gegen das Schachkid verliert. Eine taktisch sehr interessante Partie, in dem Roy ein Dauerschach drinnen hat, aber die Konfrontation sucht. Das geht nach hinten los. Schach ist, das kann man immer wieder erfreulicherweise feststellen, ein emotionales Spiel. Dave gewinnt schon wieder. Der Mann wird dem Schachkid unheimlich.Des Schachkids Auto freikehren vom Schnee, der gefallen ist, will er merkwürdigerweise nicht.

6. Runde – das Schachkid muss gegen den pensionierten Lehrer Fitzke ran und schafft nur ein Remis. Lehrer Fitzke verspricht dem Schachkid seit 5 Jahren, das Briesener Open zu besuchen, findet aber immer wieder neue schöne Turniere im Ausland und erscheint nicht in Briesen. Dave spielt irgendwas, das Schachkid hat es sich nicht aufgeschrieben. Er muss gewonnen haben, denn er spielt in der nächsten Runde doch tatsächlich vor dem Schachkid.

Killermaschine Manfred wartet auf den Karjakin aus dem Oderbruch. Da wird es schwierig für den Herausforderer. Des Schachkids Gegner Kevin Groß spielt Dh4 in der schottischen Eröffnung. Die Variante hat das Schachkid mal gelernt. Nach 10 Zügen ist die Partie gewonnen gegen den symphatischen Gegner.

Am Ende laufen die Partien der anderen Spieler ideal. Das Schachkid wird mit 5 aus 7 etwas unverhofft Dritter. Mit deutlichen Abstand mit 6,5 aus 7 Punkten gewinnt der FM das Turnier gefolgt von Manfred Lennhardt aus Berlin mit gleicher Punktzahl und leicht schlechterer Buchholz.

Ein großes Schachevent in dem kleinen Dorf Schorfheide, das man sicher mal besuchen kann. Die Organisatoren geben sich viel Mühe, ein Turnier mit um die 80 Teilnehmer, darunter viele Kinder, auf die Beine zu stellen. Chapeau!

26. Erfurter Schachfestival – 360 Tage warten

Nachdem am Vortag nichts lief, kann es heute ja nur besser werden. Ein Kampfkind wartet. Vorher gilt es aus dem Zimmer auszuschecken. Was nicht ganz einfach ist, da das alle machen wollen. Und alle vor den Fahrstühlen stehen. Lange, sehr lange…. Es scheint nur ein Aufzug zu fahren, zwei scheinen kaputt und stecken geblieben  zu sein. Tage später wird das Schachkid feststellen, dass es noch seine Zimmerkarte hat. Diese wird das Schachkid, wenn es kommenden Sonntag im Turnierhotel nächtigt, gleich zurück geben.

Der kleine Ben hat ebenfalls starke 3,5 aus 7. Und die hatte er gegen beachtliche, da stärkere Gegner geholt. Das Schachkid konnte also nicht auf einen schnellen Sieg hoffen. Im Gegenteil, eher auf eine schwere Partie. Und so kam es denn auch. Die Eröffnung war kein Problem, Ben kannte sich aus. Insgesamt dachte der Kleine bei jeden Zug gründlich nach. Was das Schachkid daran merkte, dass der Kleine jeden taktischen Kniff im Ansatz verhinderte. Letzlich gelang ein solcher doch mit mit 24. Lh4. Aber danach dauerte es eine ganze Weile, bis der Punkt eingefahren war. Das war ein talentierter 10-jähriger, von dem man sicher noch hören wird.

Kein Jahr ohne Hugendubel. Der ist in Erfurt direkt am Anger und hat drei Etagen. Es ist wunderbar entspannend, in einem Buchladen zu gehen und dorgt zu stöbern.  Das Drama ist dabei, die großen Buchketten haben eine riesige Auswahl, machen aber die kleinen Einzelläden damit kaputt. Spezialisierung scheint das Geheimrezept zu sein. In Schmalkalden gibt es die wunderbare Buchhandlung Lesezeichen. In Berlin gibt es einige Krimibuchhandlungen, z.B. Miss Marple oder den wunderbaren Laden Prinz Eisenherz.

Die Siegerehrung naht. Selten sieht man so eine schicke Schiedsrichterriege wie hier. Im schicken Zwirn stehen sie neben der Bühne aufgereiht. Das Schachopen war dieses Jahr nicht mit ganz so vielen Titelträgern besetzt, dafür wirkt es internationaler. Es gewinnt tatsächlich ein Däne, der IM Jens Ove Friese-Nielsen.

Zusammenfassend war es ein schönes Open. Spielerisch ist das Schachkid leicht unzufrieden. Es lief nicht so schlecht mit 4,5 Puntken aus 8 Partien, aber auch nicht überragend. Das Hotel hatte seine üblichen Schwächen, lahme Bar und Fahrstühle, auf die man ewig warten musste. Insgesamt bietet das Hotel jedoch hervorragende Spielbedingungen.   Von Daniel Wanzek und seinem Team wurde das 26. Erfurter Schachfestival hervorragend organisiert und geräuchlos durchgeführt. Nun heißt es leider wieder 360 Tage warten bis zum nächsten Jahr…

26. Erfurter Schachfestival – Nerven lassen

3,5 aus 5 Punkte, bisher lief es durchwachsen für das Schachkid, Mal schauen, wie es heute weiter geht.

Gegen Thomas Woost spielt das Schachkid die schlimmste Partie im ganzen Turnier. Lange wurde das Schachkid nicht so auseinander genommen in der Eröffnung. So spielt man den Najdorf nicht, schrieb das Schachkid bereits vor einem Jahr an dieser Stelle. Innerhalb von 12 Monaten hat das Schachkid es nicht hinbekommen, sich mit dem Najdorf zu beschäftigen. Da ist noch Luft nach oben.  11.  …. e5 ist der erste fatale Zug, da der weiße Springer nun nach f5 kann und den wichtigen Le7 abtauscht. Der schützt den Königsflügel und den Bd6. Der zweite Fehlgriff 12. … Te8 folgt sogleich. Das Schachkid gibt nach 1 Stunde frustriert auf und bestückt seine Speichelprobe. Da hat der Theo Gungl was zum messen, der Stresslevel muss hier echt hoch gewesen sein.

Das Schachkid begibt sich erneut auf die Suche nach einer Thaimassage und wird fündig. Entweder verspannt man am Brett zu sehr oder das Schachkid wird alt. Jedenfalls haben diese Thaimassagen eine entspannende Technik drauf. Der Rücken wird geklopft wie ein Schnitzel. Arme und Beine werden alle Richtungen verbogen. Gelegentlich trampelt die Masseurin wortwörtlich auf dem Kunden herum. Es ist auf jeden Fall entspannend.

Gegen Dr. Zalewski hat das Schachkid schonmal vor vielen Jahren gespielt. Ein harter Gegner… Das Schachkid erlebt ein Deja Vu mit Variation. Der gleiche Najdorf wie am Vormittag. Diesmal spielt das Schachkid nicht e5, büßt aber dafür die Qualität ein. Das Schachkid überlegt nach einer Stunde im 16. Zug schon wieder, ob es nicht besser aufgeben sollte.  Nur aus Trotz spielt das Schachkid weiter, obwohl diese Art der Verteidigung sehr zermürbend ist. Im 22. Zug kann sich faktisch keine schwarze Figur bewegen. Vielleicht schafft das Opfer der Qualität etwas Intiative. Danach scheint der Plan klar. So viele Bauern wie möglich vom Brett nehmen, dann Figuren abtauschen. Weiß bleibt mit dem Springer zurück und es wird Remis. Leichter gesagt als getan – und doch gelingt es. Die Stellung wird zunehmend offener, der weiße König sieht sich ständigen Schachs ausgesetzt. Aus weißer Perpesketive ist die Partie sicher schwer zum Gewinn zu führen, trotz der Mehrfigur.

Nach dieser langen Partie springt das Schachkid kurz in die Sauna. Dieses hat das Hotel auf die 17. Etage gebaut. Bei 90 Grad Celsius hat man einen Rundumblick über das weihnachtlich verschneite Erfurt. Das ist wirklich wunderschön.

Beim Abendessen fragt das Schachkid den Bundesbernd, ob dieser noch aktiv spiele, womöglich sogar für seinen Heimatverein, die TSG Apolda. Der Bundesnachwuchstrainer schaut sichtlich irritiert. Und erwähnt, dass sein letztes Spielgeschehen in der Bundesliga gewesen sei. Das Schachkid muss zugeben, dass es die Nachrichtenlage zum Schachgeschehen nur sehr selten verfolgt. Da tun sich dann schon mal Bildungslücken auf.

Seine umfassenden Fähigkeiten demonstriert der Bundesbernd dann sogleich. Doppelkopf kann er auch. Liegt am Tisch aber trotzdem hinter dem Schachkid. Tissch- und Spielerwechsel. Es kommen einfach keine Karten. De Punkestand dreht ins Minus. Leides Jauchzen am Nachbartisch. Der Turnierorganisator hatte im Vorjahr noch den letzten Platz belegt. Offensichtlich hat er geübt. Dieses Jahr gewinnt er freudestrahlend das Doppelkopfturnier, was ihm die Anwesenden von Herzen gönnen. Das Schachkid übernimmt die Medaillenvergabe, der Gewinner kann sich ja nicht selber ehren.

26. Erfurter Schachfestival – Schachkid räumt ab

Das Hotel kann Frühstück und holt erneut Punkte beim Schachkid. Ein Frühstück in Ruhe und dabei Zeitung lesen, so muss Urlaub sein. Vorher erschrickt sich das Schachkid fast zu Tode. Vorige Woche guckt das Schachkid noch die Videoserie Königsindisch von der Melanie Lubbe bei Chess24. Selbige steht prötzlich am Buffet vor dem Schachkid und wird von diesem fast über den Haufen gerannt. Ein bisschen Prromifeeling beim Frühstück…

Das Schachkid komm in den Spielsaal. Der Turnierdirektor fragt, wie es beim Skat gelaufen sei. Das Schachkid meint, so la la…Es geht los, Preise werden verlost, fürs Skatturnier. Es gibt die Schnecke zu gewinnen, für den letzten Platz im Skatturnier. Das Schachkid denkt schon an die Partie und hört aus der Ferne seinen Namen.  Was ist das? Letzter beim Skatturnier geworden? Und das dem Thüringer, der Skat mit der Muttermilch eingesaugt hat?

Der Turnierleiter Daniel Wantzek eilt freudig auf das Schachkid zu. Der Schlingel, der eben noch scheineilig das Schachkid befragt hat. 10 Jahre spielt das Schachkid nun schon in Erfurt mit, nun hat es endlich mit einem schönen Pokal geklappt.

schnecke

Es geht weiter mit einer Verlosung. Das Schachkid wird schon wieder aufgerufen. Heute läuft es. Der Turnierleiter bringt einen hübschen Schachkalender vorbei. Der passt gut zum Kugelschreiber mit dem eignen Namen drauf, den heute jeder Teilnehmer erhalten hat.

kalender

Diese Aufmerksamkeiten machen das Erfurter Schachfestival neben den sehr guten Spielbedingungen wirklich zu etwas besonderen.

Eine junge Dame wartet mit etwas über 1000 DWZ. Das Schachkid hofft auf einen schnellen Sieg. Wird nix. Die junge Dame macht das, was das Schachkid auch ab und an tun sollte, bei jeden Zug lange nachdenken.

Schottisch wirds… Auf 4. … Sf6 hat  das Schachkid noch kein Rezept. Das Schachkid sollte sich wirklich mal die Theorie angucken. Die Gegnerin agiert noch etwas zaghaft. 7. …dc  statt bc ist ein Fehler und ermöglicht Weiß, die schwarze Stellung zu demolieren. 12. … Le6 statt …Lg4 wäre etwas zäher gewesen. So wird der Läufer gleich vertrieben. Es fallen einige Bauern und nach einigen Abtauschen kann Schwarz den Bauerneinzug nicht verhindern. Dran bleiben heißt es für Schwarz. Aber vielleicht wäre das Amateurturnier statt des brutalen Hauptturniers die motivierendere Wahl für die Spielstärke gewesen.

Das Schachkid muss, so will es das vibrierende Ding am Arm, Schritte tun. Also ab in die Innenstadt. Auf zu einer neuen Thaimassage, der Rücken schmerzt.  Der Laden sieht komisch aus. Das Schachkid beschließt, lieber in ein Mittagessen zu investieren. Oh ein Bierladen. Tatsächlich hat Erfurt nun anscheinend einen Bierladen, wo es internationale Biere gibt, Bierseminare inclusive.

Auf dem Weihnachtsmarkt angekommen wird nochmal in Nüsse investiert. Nüsse kann man nie genug haben. Dazu ein kleines Rostbrätl. Das Schachkid beißt beherzt hinein. Geschmacksexplosion auf der Zunge… Braten können nur die Thüringer. Das Schachkid denkt sogleich an eine Rückkehr in die Thüringer Heimat nach und schickt Abends eine Bewerbung los.

Paulsen kommt aufs Brett. Das Schachkid ist sich ziemlich sicher, dass es die Theorie hier falsch spielt. Es wird bei Gelegenheit in den vier Schachbüchern nachschlagen, die es heute beim Stand von Eurochess erworben hat. Die Frage ist, wohin mit dem weißen Läufer im 12. Zug? Der Abtausch macht wenig Sinn. 14. Ld3 hofft auf einen möglichen Königsangriff. Statt 21. Taf1 könnte man aucch g4 spielen, um denn schwarzen weißfeldrigen Läufer zu blocken und den Turm nach h3 zu bewegen. Dies ist dem Schachkid aber nix, seine Königsstellung so aufzureißen.  Schwarz macht mit 22. … f6 einen kapitalen Fehler. Die schwarze Königsstellung öffnet sich nun und ist nicht mehr zu halten. Das Endspiel ist gewonnen, wenn Weiß nicht schon vorher matt wird.

Abends steht noch ein Würfelblitz an. Das Schachkid erwägt kurz die Sauna. Die Aussicht auf lustiges Schach obsiegt. Im Würfelblitz würfelt man die Bedenkzeit aus. Im Extremfall hat eine Seite 2 Minuten Zeit, die andere Seie 6 Minuten. Diese Idee könnte man zum Briesener Open importieren. Es spielen eindeutig zu viele Titelträger mit, die finden das Format offensichtlich auch sehr reizvoll. Das Schachkid macht 3,5 Punkte aus 9, kein tolles Ergebnis, aber lustig.

 

26. Erfurter Schachfestival – Gänsekeule zum Synthesizer

Das Schachkid wird wach und wühlt sich gestresst und noch nicht im Turniermodus angekommen. Manchmal dauert das irgendwie ein paar Runden.

Heuer betätigt sich das Schachkid wissenschaftlich und nimmt an einer Studie des mitspielenden Theo Gungl teil. Dieser erforscht gemeinsam mit der TU Dresden, wie Schachspieler unter Stress stehen. Dazu gilt es, den Stresshormonspiegel zu messen. Also wird vor und nach jeder Partie eine Speichelprobe genommen und ein kleiner Fragebogen ausgefüllt. Da ist das Schachkid auf das Ergebnis gespannt.

Heute mal eine Schachspielerin. Das Schachkid glaubt an einen Gewinn, ist innerlich aber noch nicht so recht angekommen. So wird auch gespielt.

10. … Sxe4, wo kam der jetzt her? Das Schachkid schaut überrascht seinem Bauern hinterher. Die Gegnerin verzieht keine Miene. Wie nun weiter? Schwarz hat einen Mehrbauern, aber eine rückständige Entwicklung. Vielleicht sollte man nun auf Angriff spielen. Oder Weiß verfolgt einen etwas sicheren Plan und sollte auf die offene B-Linie spielen in der Hoffung, den Bauern zurück zu gewinnen. Weiß macht weder das eine oder andere, sondern opfert irrsinnig auf e6 und hat danach eigentlich nichts rechtes in der Hand.

Beim Schachkid vibriert es.  Das Schachkid trägt seit neuestem einen Fitnesstracker am Arm spazieren. Dieses Teil misst den Puls, die Schrittzahl und weiß der Geier was alles. Das Teil soll beim Abnehmen helfen und erinnert daran, dass man doch 250 Schritte innerhalb einer Stunde sich bewegen solle. Das Schachkid steht also auf und läuft im Foyer mehrere Runden. Die Stellung wird nicht besser.

Das Schachkid gewinn den Bauern mit 21. Dxg7 zurück. Die Gegnerin denkt angestrengt nach, beim Schachkid vibrierts schon wieder. Also wieder aufstehen und bewegen. Zurück am Brett hat die Gegnerin erfolgreich nachgedacht und hackt kurzerhand auf g2 rein. Den Todesstoß gibt es mit dem schönen letzten Zug von Schwarz.

Das Schachkid gibt auf. Die Gegnerin tröstet und merkt an, das Schachkid solle sich nicht grämen. Sie habe vor zwei Wochen eine 1800 umgehauen. Na toll, das tröstet jetzt auch nicht. Aber gut hat sie gespielt, die Marlies.

So geht es nicht weiter. Erstmal eine Gänsekeule im Hotel futtern, während aus der Decke leichte Synthesizerklänge erklingen. Entspannnungsmusik und Essen kann das Hotel. Danach bewegt sich das Schachkid zur Thaimassage. Kein Termin frei. Also ab zum Teegut. Hier gibt es Wasser aus Norwegen in styischen Flaschen zum aberwitzigen Preis von 2,- € der halbe Liter. Das Schachkid liebt die schönen Dinge und greift probehalber zu.

Zeit, um den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt zu besuchen. Der ist auch nicht mehr das, was er letztes Jahr war. Viel weniger Buden und macht schon morgen zu, statt bis zum 30. offen zu haben. Das Schachkid begibt sich zu dem Stand mit den Nüssen, um die geliebten Lebkuchen und Wasabinüsse zu kaufen. Der Verkäufer sieht das Schachkid herantreten, guckt und beginnt wortlos, Wasabinüsse in eien Tüte zu schaufeln. Offensichtlich ist das Schachkid schon bekannt.

Ab an die Bar. Die macht laut Schild erst um 15.00 Uhr auf. Der Kellner erscheint dann auch pünktlich um 15.15 Uhr. Das Schachkid ist experimentierfreudig und bestellt erneut einen großen Kaffee. Und tatsächlich, es wird einer gebracht, mit allerlei Gedöns drumherum. Für den Kuchen braucht der Kellner geschlagene 25 Minuten. An dem Punkt muss das Hotel echt noch arbeiten.

Auf dem Weg zur Partie fährt das Schachkid Fahrstuhl mit einem Rollifahrer. Dieser erzählt, dass er seit 15 Jahren im Rollstuhl sitzt aufgrund eines unverschuldeten Unfalls. Ein besoffener Autofahrer sei in ihm rein gefahren und habe dafür nur kurz im Gefängnis gesessen. Das Schachkid ist dankbar und regt sich im Grunde genommen nicht ernsthaft über lahme Kellner auf.

Mit Udo Vetter wartet ein alter Bekannter. Der Sömmerdaer spielst seit vielen Jahren das Erfurter Open mit. Und doch sieht man sich das erste Mal am Brett.

Man spielt so vor sich hin. Weiß bietet mehrfach Remis an. Das Schachkid hat keine Lust auf Remis, das Skatturnier geht erst um 21.30 Uhr los, die Happy Hour an der Bar erst um 20.00 Uhr.Das norwegische Wasser schmeckt nicht. Thüringer Waldquell aus des Schachkids Heimatstadt Schmalkalden tut es auch.

Im 20. Zug fällt die Vorentscheidung. Weiß muss die Dame gegen zwei Leichtfiguren geben. Weiß wird nervös und schnupft aufgeregt Schnupftabak. Wieso muss man zum Rauchen vor die Tür und am Schachbrett darf geschnupft werden? Ein weiteres Mysterium auf dieser Welt.

Nun sollte es zügig gewonnen sein. Schwarz spielt daher auch zügig, um sich nach 31. Ld5 verwundert die Augen zu reiben. Da ist die Dame wieder weg. Statt das Schwarz einfach mal mit dem Zurm auf a2 schlägt und den Läufer auf g2 gewinnt, was seit zig Zügen geht.

Das Schachkid hat Glück. Es geht eine kleine Kombi. Das Schachkid verbleibt mit einem Mehrbauern, der Rest ist Technik, wie man so sagt, da Weiß das Endspiel sehr passiv spielt.

Happy Hour, das Schachkid sitzt schon wieder an der Bar. Das Personal hat gewechselt. Nun läuft es rund. Die Cocktails sind zügig da und ziemlich lecker, das Hotel punktet. In der genmütlichen Lobby findet das Skatturnier statt. 2×12 Spiele gib es, jeweils an verschiedenen Tischen. Das Schachkid wird mit 248 Punken an seinen Tisch zweiter. Am Nachbartisch schwebt der Vorjahressieger Mario Geißhirt schon in anderen Regionen. Dies konnte auch der Skatfreund nicht verhindern, der im Strandoutfit mit Sonnenbrille ein Pokerface mimt.

Ein Bier, Pommes und ein neuer Tisch, es läuft nix mehr. Das Schachkid bekommt nur Murks auf die Hand und geht sogar mit einem Minus vom Tisch.  Das er nicht nur Schach spielen kann, bewies der Bundesbernd. Der Bundesnachwuchstrainer gewann das Skatturnier und löste den Beitunger Seriensieger Marco Geißhirt ab. Dieser schwor Rache für das am Donnerstag statt findene Doppelkopfturnier.

26. Erfurter Schachfestival – Prost!

Das Schachkid ist in Erfurt angekommen.Das Schachhotel hat eine Macke. Es wird im nächsten Leben Hoteltester werden. Denn es meckert immer am Hotel rum, obwohl es im Grunde genommen total ok ist. So auch hier. Das Schachkid findet es im Grunde genommen sehr angenehm, meckert aber erstmal wieder rum.

Diesmal ein Zimmer in der 4. Etage. Das Schachkid will höher hinaus, wozu hat das Hotel schließlich 17. Etagen. Der Rezeptionist entgegnet, das Schachkid sei ein treuer Kunde und habe deshalb ein Zimmer einer höheren Kategorie erhalten. Da ist das Schachkid ja mal gespannt. Und in der Tat… Hatte in den einfachen Zimmern Dusche und WC eine gemeinsame Tür eines Bades mit 1,5 m² hat das Bad nun gefühlt 2 m² und für Dusche und WC eine separate Tür. Eine Kofferablage ist nirgends zu sehen. Das Kingsizebett rettet das Zimmer.  Im Grunde genommen, ganz nett… Die Ruhe und die Aussicht auf dem Dom.

Das Schachkid begibt sich in  die Bar, um entspannt zu lesen. Das Hotel und eine nervende Erfurterin wissen das zu verhindern. Das Hotel hat umgeräumt. Die gemütliche Ecke mit den Sesseln an der Bar gibt es nicht mehr. Die steht jetzt fast in der Lobby. Dort hat sich eine feiernde Erfurter Runde breit gemacht. Dort brüllt eine angeheiterte Mitdreißigerin das Foyer zusammen. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn sie nicht extrem sächseln würde und eine derart quitische Stimmlage hätte, dass im Vergleich Verona Feldbusch als Opernsängerin durchgehen würde.

Das Schachkid setzt sich zu einer Omi und bestellt einen Pot Kaffee (=große Tasse) mit Stollen. Die Omi beschwert sich beim Schachkid über die geringe Größe des Apfelkuchens, die dem Preis absolut nicht angemesssen sei. Der Kellner bringt eine kleine Tasse Kaffee. Der Schubi informiert aus der Ferne, dass das Schachkid bereits zum 10. Mal vor Ort sein.

Die Omi geht, eine neue Omi kommt zum Tisch des Schachkids. Das Schachkid hofft, dass sich der Kellner nur verhört hat und bestellt nun explizit eine große Tasse Kaffee. Die Omi ist genervt, verdreht erst die Augen und dann sich zur sächselnden und quitschenden Erfurterin am Tisch 5 m weiter. Der Kellner bringt erneut eine kleine Tasse Kaffee. Das Schachkid fragt nach. Eine große Tasse gäbe es nicht, auch keine Alternative, sagt der Kellner. Das Schachkid ist verwundert. Ein Hotel mit vier Sternen, dass es nicht fertig bringt, eine große Tasse Kaffee zu servieren. Genau die hat das Schachkid die letzten 9 Jahre am gleichen Ort getrunken. Am Nebentisch bestellt jemand ein Kännchen Kaffee.

Die Omi geht, zwei ältere Herren kommen. Diese beschließen, sich vor der Runde vorzubereiten, am besten mit zwei Bier. Das Schachid schließt sich mit einem böhmischen Schwarzbier an. Der Kellner braucht bei drei besetzten Tischen 20 Minuten, das Bier zu bringen. Das Schachkid nutzt die Wartezeit und bestellt ein Probeabo der Men’s Health, der Lifesstyle-Zeitschrift für den Mann von heute.

Die Eröffnung verläuft in gewohnter Weise. Musik von „Herr der Ringe“ oder was ähnlich epochales zum Auftakt. Das Schachkid muss sich dringend nach dem Soundtrack erkundigen. Der Hoteldirektor fasst sich kurz und launig. Der smarte Turnierorganisator Daniel Wanzek haut gleich wieder Preise raus und wirkt auch sonst wie ein Typ, den sich jede Schwiegermutter sofort daheim unters Sofa legen würde oder gleich selber der Schwiegertochter ausspannnen würde. Er stellt sein buntes Schiriteam vor. Michael Nagler aus Sachsen ist da. Den trifft das Schachkid alle zwei Monate auf einem Open. Exilbrandenburger müssen zusammen halten. Der Bundesbernd (aka Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler) ist auch da. Bundesbernd ist ein Spitzname, der dem armen Nachwuchstrainer von U.W. aus B. verpasst wurde. Dieser ist neuerdings Gastwirt und betreibt in den Thüringer Bergen eine Bergbaude, wie das Schachkid aus sicherer Quelle erfuhr.

Raphael Petri ist der Meinung, er habe schon mal gegen das Schachkid gespielt. Er hatte recht, beim Ramada-Cup in Köln-Brühl hatte das das Schachkid 2015 verloren. Seitdem hat sich das Schachkid stark verbessert, Raphael allerdings auch. Diese Partie ist merkwürdig. Weiß eröffnet mit g3, das Schachkid versucht, ins Königsindische zu lenken. Und unterschätzt dann doch den weißen Angriff am Damenflügel. 12. … Sb6 darf angezweifelt werden, 12. … Sc5 wäre es gewesen. Nach 15. … b6 spielen Springer und Turm von Schwarz erstmal nicht mehr mit. Ab dem 26. Zug hat das Schachkid nun Qualität und zwei Bauern mehr. Aber wie würde Niclas Huschenbeth in einen seiner tollen Videos auf Youtube sagen, Weiß hat genug Kompensation. Hier das Läuferpaar und Angriff auf den schwachen weißen König. Das Schachkid hilft mit 27. … Te7 noch tatkräftig mit. Danach kann Schwarz aufgeben.

Jesus to a Child

George Michael ist tot, das findet das Schachkid traurig. Denn es hat die Musik von George Michael sehr gemocht. Wie z.B. mein Lieblingslied „Jesus to a child“.

 

26. Erfurter Schachfestival

Das 26. Erfurter Schachfestival naht – höchste Zeit, diesen Blog wieder mit Leben zu füllen. Das Jahr ist vorbei und war ziemlich stürmisch, mit Höhen und Tiefen. Wobei das Schachkid schachlich mit 1752 DWZ auf einem neuen Allzeithoch ist. Das Training verläuft trotzdem unbefriedigend. Von seinem Ziel, 60 Minuten pro Tag zu trainineren, ist das Schachkid weit entfernt. Es gibt eben doch noch andere Dinge im Leben. Immerhin 2-3 Stunden schafft das Schachkid pro Woche, das allerdings trainerlos. Beide vermisst das Schachkid sehr, aber aus unterschiedlichen Gründen ist eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich. Interessierte Trainer mögen sich daher gerne melden. Das Eröffnungsrepertoire bleibt eine Baustelle.

Durch widrige Umstände hat das Schachkid den USV Potsdam verlassen. Interessierten Potsdamern kann das Schachkid den Verein empfehlen, nette Leute da. Nur das Vereinsleben könnte mehr Schwung vertragen. Potsdam ist als Stadt auch zu empfehlen, zum Leben und Anschauen. Aber das ist ein anderes Thema.

Mittlerweile hat das Schachkid beim Berliner Verein  Queer-Springer SSV eine neue Heimat gefunden.  Ein aktives Vereinsleben gibt es da, Weihnachtsfeier mit Feuerzangenbowle inclusive. Das Schachkid hat es auch schon geschafft, sich der Vereinsvorsitzenden vor die Füße zu werfen, wenn auch unfreiwillig. Das Schachkid ist gestolpert.

Nun steht das 26. Erfurter Schachfestival  an. Dieses Mal das erste Mal seit Jahren ohne Schubi, der die Zeit nutzt, die Familie zu besuchen. Richtig so, Schach ist nicht alles.

Das Schachkid freut sich auf erholsame Tage und wird die Zeit nutzen, um Pläne für das neue Jahr zu schmieden nach dem doch sehr intensiven 2016, das viele Veränderungen mit sich brachte. Vieles gilt es, neu zu bewerten. Da ist das Open doch mehr Zertreuung nebenbei…

Das Schachkid möchte noch auf das Internationale Spandauer Weihnachtsopen hinweisen.  Hier spielen neben vielen Potsdamern auch der gewaltige Briesener Dave Möwisch mit, der seinereit unterhaltsames auf den Seiten des SV Briesen schreiben wird.

Briesener Sommeropen

Der Schachwizard packte am 10. Juli 2016 seine beiden Schüler ins Auto, das Schachkid und den Junior, um sich nach Jacobsdorf zum Schachopen zu begeben. Der SV Briesen hatte zum dreirundigen Sommeropen eingeladen. Für den Junior war es das erste Turnier. Ganz aufgeregt war er.

Frühs um sieben geht es los. Man muss sein Hobby schon mögen, um so früh unterwegs zu sein. Auf der Rückbank wird über Fußball gefachsimpelt. Der Junior ist ein großer Fan und hat Ahnung, während der Schachwizard Kaffeeduft verbreitet. Das Schachkid am Lenkrad nimmt Witterung auf.

Die Polen kontrollieren wieder an der Grenze. 20 km Stau. Die warnenden Schilder hat das Schachkid vorher ignoriert. Hätten ja auch vom Vortag sein können. Waren sie aber nicht. Zeit, um kreativ zu werden. Das Schachkid brettert über den Standstreifen und zeigt anschließend den Potsdamern auf der Rückbank exklusiv das schöne Briesen.

Das Schachkid wurde sogleich gegen Dave Möwisch gelost. Das Schachkid staffiert sich aus und löst eine Wette ein. Ein Turnier lang Hut und Brille tragen.

Angstvolle Blicke von Kindern. Der Schiri will das Schachkid nullen. Die Oberchefin erkennt im Schachkid einen Clown und will selbigen zu den Kindern stecken.

Dave ist ein Kumpel und beweist Humor. Man einigt sich auf diese Runde, dann legt das Schachkid ab.

Rache für Guben, da wurde das Schachkid von seinen Vereinskameraden ungenietet. Dave spielt Caro-Cann. Das Schachkid überlegt im 3. Zug 5 Minuten lang. Blackout, Züge vergessen. Dave spielt merkwürdig, verliert eine Leichtfigur, um danach umso druckvoller anzugreifen. Allein das Mehrmaterial entscheidet für das Schachkid.

Der bekennende Schachspieler Sebastian Schrodt meinte zum Schachkid, er habe gestern mit seinen Kindern opfern geübt. Das habe ihm zur Erkenntnis geführt, dass er das heute auch mal machen könne. Gesagt getan, dass war es mit der Stellung vom Schachwizard.

Am Nebenbrett gibt es Stress. Weiß gewinnt und staucht dann den Gegner zusammen, dass dieser absichtlich mit dem Kuli geklackert habe. Der kleine Gegner ist ganz verschreckt.

Jens aus Berlin und der Lockabob sind auch da, leider nicht in der Gruppe vom Schachkid. Schade, das hätte lustig werden können.

In der zweiten Runde bekommt das Schachkid es mit dem Fürstenwalder Tobias Lenz zu tun. Dieser pflegt ein eher ruhiges positionell geprägtes Spiel. Diesmal spielt er die Eröffnung aber komisch. Der Königsflügel bleibt unentwickelt. Entwickelte Figuren machen nix. Trotzdem sieht das Schachkid nix, opfert scheinbar die Qualität und versucht, Chaos zu stiften. Das Schachkid bietet zweimal Remis an, der Fürstenwalder will es lieber ausspielen. Argument: Remis bringt ihm spielerisch nix. Da hat er im Grunde genommen recht.

Der Schachwizard spielt gegen denn Viadriner Noack. Dieser teilt dem Schachkid an der Theke freudig mit, er stehe auf Gewinn. Sieht wirklich auf den ersten Blick so aus. Bauern mehr und nur noch Leichtfiguren und je ein Turm auf dem Brett. Der Schachwizard denkt intensiv nach, kneift die Augen zusammen und wirkt plötzlich sehr fokussiert. Das macht er immer, wenn er intensiv nachdenkt. Diesmal erfolgreich, er gewinnt. Das Schachkid kennt die Partie leider nicht.

Dritte Runde,es geht gegen den eigenen Vereinskameraden Tobias Röhr. Der 13jährige hat eine beachtliche 1900, taucht aber komischerweise in der Brandenburger Berichterstattung nie auf.

Diese ist offensichtlich sehr einseitig und scheint sich nur auf einen Jugendlichen zu konzentrieren, obwohl es anscheinend noch mehr starken Nachwuchs in Brandenburg gibt. Das Schachkid erinnert sich spontan an fünf Pressemeldungen im Juli. Das aber zum Beispiel auch Vereine in der Jugendbundesliga spielen und den Klassenerhalt schaffen, erscheint keinen Artikel wert.

Die Partie entwickelt sich der spannend. Das Schachkid gewinnt einen Bauern, übersieht dann aber eine Springergabel und muss die Qualität geben. Dave Möwisch hatte es bei Turnierbeginn dem Schachkid prophezeit. Eine Springergabel wird kommen und vom Schachkid übersehen werden. Im Endspiel hat das Schachkid zwei Läufer gegen den Turm. Doch der kleine Röhr spielt mutig angriffslustig, holt den König ran und greift die Läufer mit dem Turm an. Fast wie aus dem Lehrbuch, gut gespielt von dem kleinen Potsdamer.

Der Schachwizard demonstriert in der dritten Runde seine Endspielkenntnisse. Jede Seite hat sechs Bauern und einen Springer. Es wird manövriert. Der Gegner aus Magdeburg verliert einen Bauern. Weiteres scheinbar stundenlanges Manövrieren a la Carlsen. Der Schachwizard fährt den Punkt ein.

Zufrieden fährt der Schachwizard mit seinen beiden Schülern heim. Der Junior hat in seinem ersten Turnier gleich den zweiten Platz gemacht und zwei Punkte geholt. Das Schachkid glaubte, in seiner Runde durchzunullen und hat aus Versehen zwei Gegner umgelegt und den dritten knapp verfehlt. Auch der Schachwizard war mit zwei Punkten noch gut dabei. So fuhr der Meister mit seinen Schülern von dannen, alle drei mi Dauergrinsen auf den Backen.

22. Emanuel-Lasker-Gedenkturnier – nix zu holen

Die Nacht war kurz, zu holen gibt es heute beim 22. Emanuel-Lasker-Gedenkturnier am 19.6.2016 nix. Das Schachkid ist spät dran, gibt Gas und wird prompt zweimal geblitzt. Business als Usual. Angekommen, der Rollmops ist auch schon da, sieht aber nicht allzu gut aus. Hinten in die Schlange bei Familie Röhr eingereiht. Das Schachkid wird kurzerhand dazu gewunken. Siehe an, es gibt Vereinsrabatt.

Kurzes Inne halten. Die verzweifelte Suche nach Kaffee beginnt.

Überraschung bei der Eröffnung. Die kaffeeausschenkende Thekenkraft ist die Bürgermeisterin von Thyrow mit beeindruckendendem Haarvolumen. Das Geburtshaus von Lasker zerfällt zusehends, verkündet die Bürgermeisterin. Die Gemeinde will es nun loswerden. Falls ein Schachfreunde Interesse hat…

Erste Runde, das Schachkid findet sich am vierten Brett unter lauter Titelträgern wieder. Da gehört das Schachkid auch hin, in ein paar Jahren mit Titel. Man braucht ja Visionen. Der Machotzky-Aufbau gegen Raphael Rehberg funktioniert nicht. Er spielt ja auch keinen Drachen. Die Dame wird schließlich durch den gegnerischen Läufer an den König angefesselt. Am Nebenbrett legt FM Schulz Oliver Röhr um.

Zweite Runde. Der Gegner hat Weiß, drückt die Uhr und schaut das Schachkid fragend an. Dieses drückt ebenfalls die Uhr und guckt fragend zurück. Weiß macht den ersten Zug. 30 Züge später wie in der Vorpartie. Dame an den König gefesselt. Punkt für das Schachkid.

Am Nebenbrett ist der Gegner durch den Wind und drückt laufend die falsche Uhr. Sein Gegner Oliver Röhr empfiehlt, eine Tasse Kaffee zu trinken. Der Kleine hat Ahnung, das Schachkid ist schon bei Nr. 2.

Neben dem Spiellokal macht eine Gruppe Damen rhythmische Sportgymnastik mit Hanteln. Das Schachkid hat einen Kater und fragt sich, wie man sich nur so quälen kann am Sonntag um halb elf. Mit Sport und Hanteln…

Dritte Runde gegen Rollmops. Mit der schottischen Eröffnung hat dieser so seine Schwierigkeiten. Kein Wunder, das Schachkid wird ja auch auf Schottisch trainiert. Interessante sehr taktische Partie mit Chancen für beide Seiten. Beide haben nur noch 50 Sekunden auf der Uhr. Das Schachkid übersieht ein Schach. Verflixte neue Schnellschachregeln.

Vierte Runde gegen den Nachwuchs. Nun muss ein Punkt her. Das Schachkid opfert eine Figur. Der Kleine kann den Damenabtausch erzwingen. Das wars mit dem Angriff.

Fünfte Runde, das Schachkid hat Hunger und Durst. Seit drei Runden versucht das Schachkid, ein Wasser zu kriegen. Allein die barkeepende Bürgermeisterin ist nirgends zu sehen. Nach der Runde soll es was vom Grill geben, der noch nicht mal steht. Das wird nie was, weiß das Schachkid als Thüringer und erfahrener Griller einzuschätzen. Das Schachkid gewinnt. Der Gegner ist sehr redselig, vor allem mit sich selbst. Zum Gegenschlag will er ausholen. Und Pferde ma eg er anscheinend nicht. Jedenfalls schimpft er ständig auf das „Scheiß Sprungvieh“.

Die sechste Runde wird vorgezogen, der Grill braucht noch. Am selbigen ist das Schachkid schnell angelangt, da gegen den unterirdischen Gegner extrem schlecht gespielt wird. Der Griller weigert sich, mehr als eine Hand voll Würste aufzulegen. Er hat Angst, dass sie nicht alle werden. Die 80 hungrigen Schachspieler, die ihn gleich überrollen werden, hat er wohl übersehen.

Siebte Runde, das Schachkid spielt gegen eine junge und sehr attraktive Dame aus Brandenburg. 14.00 Uhr -Mittagstief. Das Schachkid nickt alle paar Minuten am Brett ein. Und schreckt hoch, um festzustellen, dass es schon wieder dran ist. Es ist ein Rätsel, wie diese Partie gewonnen wurde.

Achte Runde, das Schachkid ist definitiv zu müde und übersieht ein Doppelschach. Auch egal, heute hat das Schachkid keinen Ehrgeiz. Der vorherige Abend war lustig und der heutige wird es zweifellos auch werden.

Letzte Runde. Wieder ein Kleiner aus Potsdam, der schüchtern Remis anbietet. Das lehnt das Schachkid natürlich ab. Was der Kleine zum Anlass nimmt, die taktischen Zähne auszufahren und das Schachkid umzunieten.

Haken an das Turnier. Das nächste Mal bleibt das Schachkid im Bett und macht sich einen gechillten Sonntag.

Tabelle