16. Schlacht von Dennewitz

Heuer findet das Schnellschachturnier 16. Schlacht von Dennewitz statt, ausgerichtet vom SV Marzahna 57 e.V. Letztes Jahr war das Schachkid auch schon da, es regnete nur. Dieses Jahr scheint die Sonne. Der Saal und überhaupt die ganze Umgebung wirkt gleich viel freundlicher.

Diesmal geht auf dem Weg alles glatt. Man ist pünktlich. Durch eine Baustelle in einem Dorf, durch die man nicht fahren darf, wird kurzerhand forsch durchgefahren. Nicht so pünktlich, sondern mit 20 Minuten Verzug, kommen zwei Spieler aus Norderstedt. Wer fährt von Hamburg aus wegen eines Turnieres bis nach Dennewitz? Die beiden müssen Schach lieben.

Alles sitzt schon. Nun muss neu ausgelost werden. Das findet das Schachkid. nicht schlimm, wenn es dadurch etwas später losgeht. Ganz blöd findet das Schachkid aber diesen einen Spieler, der gleich losquakt, man solle die Mittagspause von einer Stunde auf eine halbe Stunde verkürzen. Die Mittagspause ist dem Schachkid heilig. So ein Stress kann das Schachkid gar nicht leiden. Wenn man für ein Turnier keine Zeit hat, sollte man es nicht mitspielen. Folglich protestiert das Schachkid auch sogleich.

50 Spieler haben sich eingefunden, darunter mit Sergej Kalinitschew ein Berliner Großmeister sowie die Nachwuchstrainerin von Sachsen-Anhalt, ein WGM. Das Schachkid ist auf Platz 43 gesetzt, das wird heute ganz schwer. Der Altersdurchschnitt ist wieder ganz hoch, kein Nachwuchs weit und breit.

Das Schachkid lässt gleich in der ersten Runde gegen die Nr. 16 diverse Bauern stehen. Und spielt viel zu schnell und hat eigentlich auch keine Lust. Nach 5 Minuten ist Schluss. Der Tiarks gewinnt an Brett 9, offenbar in einer wilden skandinavischen Eröffnung. Der Tiarks hat versucht, es dem Schachkid zu erläutern. Dieses weilte jedoch in anderen geistigen Sphären und bekam nicht alles mit.

Zeit, die Umgebung zu erkunden. Dennewitz mit rund 300 Einwohnern hat weder einen Bäcker noch einen Supermarkt, was den hungrigen Tiarks fast rasend macht. Das ist gut, da wird er aggressiv am Brett. Dafür hat es eine Kirche und viele Gedenksteine und ein hübsches Dorfmuseum, dass sich mit der Schlacht von Dennewitz beschäftigt.

In der zweiten Runde geht es gegen die Nr. 30 des Turniers. Nach 5 Zügen packt der Gegner die Brille aus, jetzt wird’s gefährlich. Der Gegner besetzt die zweite Reihe mit Dame und Turm. Das Schachkid greift den gegnerischen Turm mit dem eigenen Turm an, der nicht verteidigt ist. Totaler Blackout, heute scheint es nicht so zu laufen. Der Tiarks muss es ausblitzen, Es wird Remis.

Dritte Runde, endlich mit der Nr. 52 ein schaffbarer Gegner. Der fackelt aber nicht lange, sondern nimmt den Königsflügel den Schachkids auseinander. Leider begeht er dann einige taktische Fehler und versiebt es und verliert.

Der Schrittzähler mahnt die pro Stunde fälligen 250 Schritte an. Das Schachkid stapft los und trifft auf die Sächsisch-königliche Pionierleibgarde, die zufällig in der Gegend weilt und „Preußen klatschen“ will, so das Zitat. Natürlich sind sie nicht gewalttätig, sondern spielen auf die Schlacht von Dennewitz an.

soldat Sächsisch-Königliche Kanonierleibgarde mit Schachkid

Vierte Runde, die ersten beiden Bretter schieben ohne einen Zug Remis, alles Titelträger. Das ist ein wenig schade, wenn wegen der Preise schon so früh nicht gekämpft wird.

Das Schachkid wird irgendwie zusammen geschobenen. Der Tiarks verliert auch. Zeit, sich ein Bier zu gönnen.

Das Mittagessen ist dieses Jahr akzeptabel und das Bier sehr lecker. Beschwingt startet man in die 5. Runde. Des Schachkids Gegner wartet umsonst. Das Schachkid besichtigt spontan das Dorfmuseum, ein wahres Kleinod.

mueseum Szene aus Museum

Der Tiarks spielt lieber Schach, baut aber doch nur ein Remis. Und wirkt sehr unzufrieden.

In der sechsten Runde spielt der Roland Schimmel einen scharfen Sizilianer gegen das Schachkid. Das lässt schon wieder einen Turm spielen. Na ja, was macht das, wenn man im Anschluss mit Eis und Espresso in der Sonne sitzen kann und das Leben genießen kann.

Siebte Runde. Der CM Tiarks, ja er hat seit neuestem einem Titel, spielt immer noch vorne mit. Das Schachkid droht gerne mal ein Matt an. Dummerweise hat der Gegner einen Zwischenzug und schon wieder ist ein Turm weg. In der nächsten Runde wird das Schachkid vorbeugend gleich alle Türme entfernen. Und setzt sich erstmal in die Sonne. Am Nebentisch bestellt eine Dame auf Inlineskates ein Eiscafé, will aber nur halb so viel Sahne draufhaben. Als ob es das jetzt bringt und die Hüften schmelzen lässt.

Achte Runde, Tiarks gewinnt schon wieder und ist ganz vorne mit dabei. Das Schachkid ist ganz hinten mit dabei und stellt in gewohnter Weise einen Turm hin. Macht nix, das historisch Interessierte Schachkid geht die Kirche begucken. Und bekommt dank der reizenden Schwester des Turnierorganisators eine Privatführung. Auch die Kirche ist ein Kleinod und zeichnet sich durch einen Altar mit integrierter Kanzel aus, was wohl ganz selten ist.

kirche Altar mit Kanzel in der Kirche zu Dennewitz

Letzte Runde, der Tiarks am ersten Brett, das Schachkid am letzten Brett, maximaler Abstand voneinander. Aber die Ergebnisse stimmen. Der Tiarks remisiert gegen FM Ferenc Langheinrich. Das Schachkid gewinnt zur Abwechslung und macht aus Versehen einen Punkt.

Das Schachkid hat heute ganz schlecht gespielt, aber den schönen Tag genossen und ist daher zufrieden. Der Tiarks hat es auf Platz 6 geschafft, was für dieses Feld sicher ein gutes Ergebnis ist. Und das Örtchen Dennewitz empfiehlt sich durchaus für historisch Interessierte.

 

 

20. Briesener Open – Trainerfrust und Trainerlust

 

20. Briesener Open – Verflixte Endspiele

Abends um 23.00 Uhr aufs Handy geschaut. Prima, die Auslosung ist da. Bett 1, der nächste Briesener. Auch wenn Sebastian Lischke ein Eisenhüttenstädter ist und somit Neubriesener. Zuletzt spielte man in Jacobsdorf gegeneinander, damals mit Sieg für das Schachkid.  Der Trainer gibt um Mitternacht ein spontanes Mentaltraining und hilfreiche Tipps. Psychologie ist alles.

Tatsächlich, die Trainertipps funktionieren. Die Angriffsfiguren sind schnell abgetauscht, die Stellung lange ausgeglichen.

Trotz des verkorksten Endspiels ist das Schachkid zufrieden mit der Partie. Gründlich nachgedacht und keine schnellen Züge heben die Qualität der eigenen Züge deutlich an.

20. Briesener Open – Alle weg

140 Spieler haben sich im beschaulichen Briesen zum 20. Briesener Open eingefunden. Das ist umso erstaunlicher, da Briesen in Richtung Berlin von der Autobahn abgeschnitten ist. Seit 12 Jahren ist das Schachkid in der Gegend. Und jedes Jahr wird ewig an der A12 gebaut. So eine Autobahn muss doch mal fertig werden. Wenn Unternehmen so „effizient“ arbeiten würden wie Behörden, die Autobahnbaustellen planen…

140 Spieler, aber erstaunlich viele Stammspieler fehlen. Viele Briesener, aber auch sonstige Spieler, die eigentlich zum Inventar gehören.

Das Startgeld ist in diesem Jahr für Erwachsene um 10 € aufgrund gestiegener Kosten höher. U.a. prüft die Gemeinde eine Erhöhung der Hallenmiete. Was gar zum Haus des beliebten Opens führen könnte, wie es am 18.4.2018 in der Märkischen Oderzeitung zu lesen war.

Das Wetter hat dafür ein Einsehen und unterbricht für drei Tage pünktlich zum Freitag die seit Wochen andauernde Hitzewelle, um diese erst nach dem Briesener Open am Montag fortzusetzen.

Natürlich gleich in der 1. Runde trifft das Schachkid mit Lothar Bindernagel auf einen ehemaligen Mannschaftskameraden.

In der Eröffnung geht es gemählich zu. Mit 9. Sxe7 kann Weiß das Läuferpaar von Schwarz spalten. 11. Lxf6 sollte Schwarz nict zulassen, da der Königsflügel dann schon fast strukturell in Trümmern liegt. Aber Schwarz verteidigt hartnäckig. Weiß wird ungeduldig, denkt nicht nach und zieht schnell 21. e5. Schwarz gewinnt den Bauern f5 und der weiße Angrff ist Geschichte.

Nun entwickelt sich ein Manövrieren auf beiden Seiten. Es wird abgetauscht. Letzentlich bringt die Entscheidung die Besetzung der e-Linie durch Weiß und den Gewinn eines Bauern mit 38. Txa7, den Schwarz gar nicht recht verhindern kann. 47. … d4 ist dann noch ein Fehler, wie sie  am Ende von Partien eben häifig passieren.

Der Auftakt hätte auch schief gehen können. Schön, mit dem ehemaligen netten Schuldirektor mal wieder die Klingen gekreuzt zu haben.

GM Jan Gustafsson in Briesen

Was mag sich der Großmeister Jan Gustafsson wohl gedacht haben, als er in das kleine Briesen fuhr… Man weiß es nicht, aber er ist gut drauf und zeigt sich gut gelaunt. Der SV Briesen hat es geschafft, zum 25. jährigen Jubiläum einen der stärksten deutschen Spieler zum Simultan einzuladen. 24 Schachspieler von 8 – 80 nutzen die Chance, mit dem GM die Klingen zu kreuzen. 21:3 geh es am späten Abend aus. Der Großmeister verliert zwei Partien, ausgerechnet gegen den Nachwuchs, unter anderem dem einheimischen Briesener Daniel Woithe. Zwei  Remis gehen gegen Lokalmatadoren weg. Sebastian Schroth und Jens Schneider erzielen den halben Punkt.

gustaffson2

Das Bild zeigt Gustafsson mit dem sehr unvorteilhaft forigrafierten Schachkid (Danke Moritz 🙂 ).

Der Großmeister hat inn allen Partien Weiß. Ein Trick, wie er am nächsten morgen sagt, um auf Angriff spielen zu können. An jedem Brett eröffnet Gustafsson anders. Keine Chance, beim Brettnachbarn  zu lunsen, wie man am besten spielt.

Das Schachkid erwischt einen Königsinder. Lustigerweise weicht Weiß mit 9. Sd2 vom Buch ab. Ein stiller Zug. In den umliegenden Brettern beobachtet das Schachkid, wie Gustafsson so spielt. Gleich angreifen und drauf hauen scheint nicht sein Stil zu sein. Es wird viel manövriert und die Figurenaufstellung immer wieder ein wenig verbessert, ehe zugeschlagen wird.

Auch ein Tipp aus der Trainingssession. Wenn man Züge wiederholen kann, solle man das tun, um mit dem Gefühlen des Gegners zu spielen. Durch Abweichen könne der Gegner einen Fehler machen. Aber nicht verzählen wegen der Stellungswiederholung.

Schwarz kann sich nicht so recht entscheiden, ob am Damen- oder Königsflügel gespielt werden soll. Nach 17. … b5 scheint die schwarze Stellung ok. Man hat Platz. 18. b4 hatte das Schachkid nicht auf der Rechnung. Man tauscht ab und das Schachkid freut sich nach 24, … Lf6 einen Mehrbauern. Aber nun packt der Großmeister seine Endspielkenntnisse und Stellungsgefühl aus. Der Bauer auf a6 wird zum Angriffsprojekt und erbeutet. Schwarz spielt nunehmend unkonzentriert und lässt sogar noch einen Bauern mit 33. Dxb5 spielen. Der weiße Bauern wandert auf b7 und Schwarz hat kaum vernünftige Züge. Weiß sollte langfristig dank des Bauern auf b7 und der  schlecht positionierten Figuren gewinnen. Soviel Aufwand ist gar nicht nötig. Seit vier Stunden läuft das Simultan. Viele Gegner haben schon die Waffen gestreckt. Der Großmeister dreht routiniert seine Runden und greift beim Schachkid den Punkt b6 an.  Das Schachkid verteidigt und lässt vor Schreck die Dame stehen. Den GM freuts, er grinst.

Am folgenden Tag gibt der Schachguru noch ein Training. Partien des gestrigen Simultans werden besprochen. Hier ein lockerer Spruch, dort ein wenig Selbstkritik, da ein verschmitztes Grinsen. Der Mann trinkt Kaffee und ist ein Entertainer. „Geschwätzblitz“ von Chess24 live in Briesen. Jan Gustafsson ist ein auf dem Boden gebliebener Großmeister mit zweifellos großen Unterhaltungswert.

24. Rehberge – Open 2018

Der Tiarks und das Schachkid sind beim 24.Rehberge-Open in Berlin. Hier war das Schachkid noch nie.

Das Turnier eröffnet den Turnierreigen des Berliner Schnellschach-Grand-Prix. Es ist Ferienzeit, es ist sehr warm. Es geht erst um 13.00 Uhr los bis 21.00 mit 11 Runden. An diesen Umständen mag es liegen, dass es für Berliner Verhältnisse wenig Teilnehmer und wenig Titelträger sind. Trotzdem ist es stark besetzt. Der Tiarks ist auf 11, das Schachkid auf 38 gesetzt.

Das Spiellokal liegt in einem sehr rustikalen Bezirk. Ebenso rustikal ist die Wirtin mit dem Charme eines Flintenweibs. Im Spiellokal stehen Schilder, die den Verzehr von mitgebrachten Speisen und Getränken verbieten. Die Wirtin hat sich gleich jemanden erspäht, der eigenes Wasser trinkt und droht mit Rausschmiss.

Tiarks und Schachkid bestellen Brötchen. Die Zubereitung dauert stolze 15 Minuten. Das Schachkid guckt die Wirtin kritisch an. Diese rennt in die Küche und meint dann, die Brötchen hätten erst gebacken werden müssen. Komischerweise sind sie kalt. Merkwürdige schnoddrige Vereinsgastronomie, typisch Berlin. Aber es ist natürlich top und Luxus, als Schachverein ein durchaus schönes Spiellokal mit vielen Räumen und Bewirtung zu haben.

Mit den Brötchen überbrückt man die Wartezeit. 13.00 Uhr soll Beginn sein, 13.20 Uhr geht es los. Schachturniere sind wie Konzerte, gehen nie pünktlich los.

Erste Runde, das Schachkid muss fast gegen den Tiarks spielen. Aber man sitzt dann doch nebeneinander. Die Uhren findet der Tiarks nicht gut. Er punktet trotzdem. Die Uhren sind analog und tatsächlich sehr niedlich, nix für dicke Finger. Was aber keine Ausrede für das Schachkid sein soll, der beim abtauschen den Überblick und dann einen Bauern verliert. Dann im Endspiel keine Tempi mehr, ein sicherer Punkt für den Gegner.

Zweite Runde, ein kleines Nachwuchstalent von Zugzwang zieht die Bauern noch rückwärts, was sich sicher bald ändern wird. Punkt, das Schachkid gönnt sich einen Streuselkuchen.

Der Tiarks kommt und ist sehr empört. Zwei Bauern mehr aber die Leichtfigur stehen lassen. Die Wärme setzt ihn zu. Die heutige Jugend ist nicht sehr robust. An Tagen wie diesen ist alles möglich.

Der Tiarks schleppt ein Glas Wasser an und hat eine Zitronenscheibe drin. Das Schachkid hat in sein Wasser keine Scheibe bekommen. Vermutlich liest die Wirtin diesen Blog und übt so Rache.

Dritte Runde, eine 1980. Das Schachkid kennt den Gegner schon. Der mufft immer etwas und wäscht sich nach dem Toilettengang nicht die Hände, wie das Schachkid bei anderen Turnieren beobachtet hat. Dem mag das Schachkid gar nicht die Hand geben. Der Gegner gewinnt schnell die Qualität. Das Schachkid gibt auf und geht sich im Keller die Hände waschen.

Tiarks grummelt vor sich hin. Er hat gegen eine 1700 verloren und wirkt nun ein wenig angespannt.

Die Wirtin führt ein strenges Regiment. Der Koch wird in der Küche zusammengefaltet, weil das abgewaschene Besteck rumsteht. Der Turnierveranstalter, ein Senior ca. Mitte 70, wird angeblafft, dass er den Raum nebenan in Ordnung bringen solle. Das müsse man doch nicht erst um 22.00 Uhr Ordnung schaffen. Und er habe doch tausend junge Leute da. Der Senior schlürft und baut die Schachbretter ab. Frank Hoppe schaut betroffen drein.

Der Tjarks hat endlich mal gewonnen. Er spielt gegen Mann mit Hund. Zitat „Für 1600 reicht es gerade noch.“ und atmet schwer. Das Schachkid hat nun eine 1000, der übliche Fahrstuhleffekt in so einem Turner. Ein Punkt und gleichauf mit Tiarks.

Auslosung der fünften Runde. Zwei Senioren am Aushang. Senior 1: „Ich krieg nur starke Gegner, Sauerei.“ Senior 2: „Die sind alle stärker als Du.“ Senior 1: „Außer Du.“

Nun macht das Schachkid kurzen Prozess mit der 1900, und gibt nach 2 Minuten auf. Es ist zu warm und das Schachkid stellt alles hin. An der Bar angekommen ordert das Schachkid Eis. Ein zweiter Spieler will Bier und tut kund, dass er 18 Kilo abgenommen hat. Das Schachkid fragt interessiert nach, ob die Haut denn mitgegangen ist. Der Kollege knöpft das Hemd auf und demonstriert seine Brüste. Tatsächlich alles straff.

Der Tiarks kommt schnaufend und hat gewonnen. Ansonsten schwitzt er still vor sich hin.

Das Schachkid überrennt gerade seinen Gegner, den Mann mit dem straffen Busen von eben. Der Tiarks kommt angeschlurft und schaut das Schachkid hungrig an. Das Schachkid stellt den Läufer hin. Der Gegner, eingeschüchtert ob der Überlegenheit der beiden Potsdamer am Brett, bietet Remis.

Der Tiarks hat gegen des Schachkids Gegner aus der dritten Runde gewonnen. Das Schachkid gibt einen Hinweis. Der Tiarks eilt in den Keller zur Toilette und desinfiziert sich die Hände.

Pause nach der 6. Runde. Der Tiarks geht sich Döner suchen. Schlange an der Theke des Spiellokals. Die Wirtin schnauzt die Gäste an. Fünf Spieler in der Schlange entscheiden sich spontan, woanders zu essen.

15 Minuten später. Die Gäste müssen lange auf Ihr Essen warten. Die Wirtin lamentiert, sie habe nix von der Pause gewusst. Zitat „wenn die Vollpfosten da drinnen ihr nix sagen.“ Gemeint ist damit die Turnierleitung. Das Schachkid möchte an dieser Stelle dem Schachverein Rehberge empfehlen, sich ein anderes Spiellokal zu suchen.

Die Wirtin kommt aus der Küche. Der Hund vom Senior flüchtet. Die Wirtin schaut sich suchend um und keift „Der Hund muss mal aus dem Weg.“

Siebte Runde. Der Tiarks hat es endlich den oberen Raum der achten Bretter geschafft, schiebt aber Remis. Nächste Runde hockt er wieder beim Pöbel, quasi in des Schachkids Nähe. Dieses hat endlich mal einen Gegner schön überrannt, der sogar ein wenig stärker war.

Es ist zu warm. Das Schachkid hat keine Lust, über die Runde zu schreiben. Der Tiarks saß zwar nochmals oben, stellt aber den Turm ein. Nächste Runde also wieder Pöbel. Das Schachkid stellt den Bauern ein, gewinnt ihn wieder und noch einen Läufer. Leider sind keine Bauern mehr da, also Remis.

Neunte Runde, Erschöpfung macht sich breit. Der Tiarks sorgt für ein sehenswertes Matt und darf in der nächsten Runde wieder oben bei den Großen spielen. Am Brett 16 angekommen wartet eine 1990 auf das Schachkid. Er denkt lange nach, aber die Denkpausen lohnen sich. Er hat ganz klar das bessere positionelle Verständnis und schiebt das Schachkid langsam Zug um Zug zusammen.

Der Senior mit dem Hund hat offenbar eine Figur eingestellt. Jedenfalls verkündet er lauthals, dass er nun die Nase voll hat und nach Hause geht. Tatsächlich ist er in der nächsten Runde nicht mehr da. Die Wirtin lärmt wieder im Hintergrund rum. Offenbar geht ein Gast vor der Bar auf und ab. Die Wirtin pfeift ihn zusammen. Es sei ihr Laden. Entweder setze er sich hin oder sie würde ihn rausschmeißen. Das Schachkid ist sich nicht ganz sicher, ob diese dralle Gastronomin ihren Beruf richtig verstanden hat.

In der 10. Runde spielt das Schachkid gegen einen Indianer. Langsame und bedächtige Bewegungen, man merkt ihm seine Überlegenheit an. Der Tiarks hat gewonnen, freut sich, kommt langsam in Fahrt und darf auch in der letzten Runde oben spielen.

Das Losglück meint es gut mit dem Schachkid. Ein Jugendlicher mit einer zarten 1200 leistet keinen Widerstand und wird schnell umgehauen. Nächstes Jahr wird er sich bestimmt rächen. Der Tjarks bekommt mit einer 2145 nochmal einen dicken Brocken vorgesetzt. Aber er hat sich nach 10 Runden warm gespielt und gewinnt das Ding. Dumm nur, dass das Turnier jetzt zu Ende ist. Ein versöhnliches Ende.

5 aus 11 sind für die Wärme und die relativ starke Besetzung Gang in Ordnung, wenn die Partien auch qualitativ nicht doll waren. Der Tiarks hatte in den letzten Runden einen Lauf und gewinnt auf Platz 7 noch einen Preis, ein versöhnliches Ende.

Das Turnier war gut organisiert, der gastgebende Verein eine nette Truppe. Und die ungastliche Wirtin bot einen hohen Unterhaltungswert.

 

 

 

 

 

 

 

 

22. Huckeduster Langsamblitz

Heuer ist das Schachkid zum 22. Huckeduster Schnellschachturnier nach Gransee gereist. Da kann man sehen, wie irre man ist, bei 32 Grad Schach zu spielen statt sich an einem See zu legen. Der Huckeduster ist eine urige Kneipe im malerischen Gransee, dass nun wirklich immer eine Reise wert ist.

40 Teilnehmer sind es dieses Jahr. Es ist wieder gut besetzt. Das Schachkid ist auf Platz 26 gesetzt. FM Schulze und Detlef Zoll kennt das Schachkid noch, den Rest nicht.

Gefühlt sind 37 Senioren, zwei Jungs und das Schachkid da. Der hohe Altersdurchschnitt des Turniers fällt auf. Was aber der angenehmen Lockerheit des Turniers kein Abbruch tut. Der Turnierleiter braucht für die Eröffnungsrede genau 3 Sätze. Und erkennt das Schachkid bei der Anmeldung, ohne dass sich selbiges vorstellen muss. Offenbar eilt dem Schachkid ein Ruf voraus.

Auf Nr. 26 von 40 gesetzt sind heute 4,5-5 Punkte realistisch.

Die Kirche gegenüber dem Spiellokal ist eine Arena. Das Schachkid spielt auf Geheiß eines Kollegen Pokémon Go. Die Monster in der Arena sind zu stark. Wieder nix gewonnen.

Die Nr. 16 teilt dem Schachkid Heide mit, dass er Skat kann, aber nicht mag. Das versteht das Schachkid ja nun gar nicht. An der Wand des Turnierlokales hängen grandiose Skatblätter. Die Nr. 16 hat das bessere Händchen im Endspiel mit Dame und Bauer. Das Schachkid spielt zu passiv.

Was das Schachkid ja nun gar nicht mag, sind Leute, die im Weg stehen und es nicht merken. Das kann das Schachkid ja nun wirklich nicht leiden und möchte gerne Tritte in den Allerwertesten verteilen.

Die erste Runde geht es gegen die Nr. 6 des Turnieres. Es läuft ganz gut. Aber dem Gegner gelingt es, seine beiden Türme auf die 2. Reihe zu platzieren. Das kostet das Schachkid einige Bauern.

In der zweiten Runde dann gegen die Nr. 37 des Turnieres. Das Schachkid pflückt hier einen Läufer, dort einen Bauern weg. Ein relativ leichter Sieg. Die normalen Schwankungen der Stärke der Gegner im Schweizer System.

Die Nr. 39 des Turniers kann kaum über den Tisch gucken, kennt dafür aber das Schachkid schon vom Potsdamer Sommeropen. Offenbar eilt dem Schachkid wirklich ein Ruf voraus. Oder es ist die beeindruckende Gestalt. Der Knirps trainiert bei Zugzwang. Er gewinnt eine Leichtfigur, ist sich dann doch etwas unsicher und bietet vorsichtshalber Remis an. Das macht er in einem Jahr nicht mehr.

Die Nr. 36 greift beherzt an, lässt aber Bauern stehen. Der König kann nicht rochieren. Der Turm ist ein großer Bauer. Somit wird der Punkt eingefahren. 2,5 aus 5 ist das Ergebnis in der Mittagspause.

Die Masse ist beim Huckeduster. Das Schachkid mag die rustikale Kost nicht und speist wie jedes Jahr im Büchercafe. Zwei blöde Touris blockieren mit ihrem Softeis den einzigen Tisch im Schatten. Beide tätowiert und mit Glatze, sie und er. Wie die wohl nach Brandenburg kommen. Das Schachkid isst Auberginentörtchen und schwedische Apfeltorte. Die ollen Touris am Nebentisch schmatzen lautstark. Softeis essen will eben gelernt sein.

Die Touris entdecken, dass man in Gransee eine Wohnung mit 140m2 für 1200 mieten kann. Aber in Gransee sei ja nix los. Dann dampfen die nervtötenden Gestalten endlich ab. Das Schachkid wechselt auf den Schattenplatz und fährt mit Rote Beete Kuchen fort.

Nun wird es langsam unangenehm warm. Im Spiellokal angekommen trinkt das Schachkid vorbeugend erstmal ein Bier. Die Hälfte der Spieler hatte schon am Vormittag getankt. Das Bier hilft. Die Nr. 14 greift beherzt mit dem Springer den Läufer des Schachkids an. Leider ist der Springer ungedeckt, sodass das Schachkid beherzt zugreift. Bald fällt auch die gegnerische Dame gegen einen Turm. Sieg und Tagesziel fast erreicht.

1. Runde — die Nr. 18 der Setzliste spielt Paulsen und verliert einen Bauern, wie das Schachkid nach beherzten Durchzählen nach einer Abtauschserie feststellt. Der Gegner bietet Remis. Das ist frech, aberdas Schachkid willigt ein. Es ist warm und das Schachkid zum Denken zu faul.

In der 8. Runde hat sich das Schachkid mittlerweile an Brett 7 vorgekämpft. Die Nr. 21 opfert galant einen Springer. Und plötzlich fällt die Stellung des Schachkids zusammen. Wirklich sehenswert.

5 Punkte aus 9 Runden, Tagesziel erfüllt. Eigentlich kann das Schachkid nun nach Hause fahren. Die Nr. 19 des Turnieres hat einen ungedeckten Turm. Der ist weg, wenn der Bauer davor die Figur des Schachkids nimmt. Einen Läufer mehr, dann noch eine kleine Springergabel, Zack. So werden Punkte gemacht.

Treue Leser des Blogs haben schon bemerkt, dass der Arschlochvater diesmal nicht dabei ist.

An Brett 8 angekommen spielt der Gegner Russisch. Das Schachkid erinnert sich an die Strategie seines ehemaligen Gegners Felix Meißner. Entgegengesetzt rochieren und den Gegner am Königsflüge überrennen. Klappt auch diesmal. Das Schachkid macht kurzen Prozess, ist nach 5 Minuten fertig und freut sich über 6 aus 10.

Das Losglück meint es in der letzten Runde nicht gut mit dem Schachkid. Am Brett 5 wartet ausgerechnet die Nr. 1 der Setzliste mit 2244 Elo. Die Nr. 1 spielt das Schachkid im Königsindisch an die Wand, positionell gesehen. Das Schachkid hat irgendwann schlicht keine sinnvollen Züge mehr.

Die Siegerehrung läuft so angenehm wie die Eröffnung. Kurz und pragmatisch. Mit 6 aus 11 ist das Schachkid hochzufrieden. Platz 15, und für zwei Biere als Preis reicht es auch noch. Die eine oder andere 1800 weggepocht. Sehr gemütliches Turnier.

 

Von meinem iPad gesendet

 

10th International Chess Festival “ISCHIA the Green Island” – Die Machtdemonstation des Schachwizard

10th International Chess Festival “ISCHIA the Green Island” – Limonchello voraus

10th International Chess Festival “ISCHIA the Green Island” – Biertümpel-Freddie – A Star was born

Der Urlaub neigt sich langsam dem Ende, was etwas schade ist. Aber das Schachkid freut sich durchaus schon etwas auf den Alltag, was für etwas Erholung spricht. Gerade kommt beim Schreiben dieser Zeilen eine Omi im Bikini vorbei, was sich wirklich nicht gehört.

Das Schachkid wollte sich soviel auf der Insel angucken. Aber es ist so warm. Und vielleicht hat der Lucky ja recht. Vielleicht entspannt man ja wirklich am besten, wenn man nichts macht. Der Superdave macht auch nix und soll eigentlich losfliegen. Erfreulicherweise kann er dazu bewegt werden zu bleiben, was die Brisanz dieses Urlaubs deutlich aufwertet. Das Schachkid glaubt, das sei ein Lob für den Superdave, aber die Formulierung klingt auch sehr schön.

Maan fährt einkaufen in den Supermarkt. Man nutzt die Gelegenheit, den Superdave, auch bekannt als „Der Psychater!“ zu einer Inselrundfahrt zu entführen. Zweieinhalb Stunden später hat man den Supermarkt immer noch ncith gefunden, aber wirklich fast jede Ecke der Insel erkundet. Außer den heißen Quellen natürlich…

Das Schachkid hat vom Trainer ein Remisverbot bekommen und verliert. Aber nicht wegen des Verbots. Sondern wegen des völlig sinnnlosen 18. … Sxe5. Das Schachkid hat berechnet, die Leichtfigur wieder zu bekommen. Das Schachkid hat zwar die Drohung d7 gesehen, glaubte aber, durch ein Zwischenschach ein Tempo zu gewinnen, um die Drohung abzuwehren. Das bringt natürlich nix. Und den starken Zug 22. … Dxf8 hatte das Schachkid gar nicht gesehen. Aber auch vorher steht das Schachkid sehr beengt. Den 4-Bauern-Angriff kann das Schachkid noch nicht. Vielleicht ist auch 13. … Dxa4 besser. Wobei auch danach kein rechter schwarzer Plan zu sehen ist. So kommt Schwarz zu Sd6 und kann dort einen starken Freibauern bildern.

Der Schachwizard schiebt ein taktisches Remis nach dem anderen ein, ist aber trotzdem Elo-mäßig im Plus, was für seine Taktik und das starke Teilnehmerfeld spricht. Während der Lucky auch zum dritten Mal in Folge remisiert, was aber nicht verwunderlich ist, da er schon wieder nach 10 Zügen 3 Leichtfiguren abgetauscht hat. Das entspricht eigentlich nicht seinem Spielstil.

Das Hotel hat auch ein typisches Klischee zu bieten. Gleich am ersten Abend, als die Reisegruppe dem Skatspiel frönt, wankt ein italienscher verzottelter FM herbei und zeigt den Hitlergruß. Dann setzt er sich zu der Reisegruppe und beginnt sogleich eine Diskussionn zur Geschicht Deutschlands. Er erzählt etwas von einer Nacht der langen Messer, wo die SS die SA oder andersrum um die Ecke gebracht hat. Das Schachkid reagiert etwas ungehalten, hat nun wirklich keine Lust, über Geschichte zu diskutieren. Verpasst aber die günstige Gelegenheit, den Italiener auf Mussolini anzusprechen.

Belgien gewinnt derweil, Uruquay glänz nicht gerade. Das Schachkid nickt gewohnheitsmäßi in der Lobby ein.