Mission Bierfaß erfüllt – Pfingstschachturnier des TSV Plaue

Das Schachkid weilt Pfingsten 2015 in der Heimat und spielt das 23. Pfingstschnellschachturnier in Plaue mit. Das Schachkid spielt dieses Turnier schon seit gefühlt 100 Jahren mit. Das Schachkid verleugnet seine Briesener Herkunft und läuft als getarntes Mitglied des SV Schmalkalden 04 auf. Es ist zwar ein Einzelturnier, aber es gibt auch einen Manschaftspreis. Die Schmalkalder wollen das Bierfaß.

Wer glaubt, in Brandenburg oder Berlin seien die Schachturniere merkwürdig, war noch nie in Thüringen. 48 Spieler machen mit, alles sehr merkwürdige Gestalten, das Schachkid eingeschlossen. Dieses wird begleitet von Tommy, den besten Freund des Schachkids, und vom Himmel. Der heißt wirklich so, hat aber keinen Heiligenschein.

Man ist noch müde und donnert durch den Thüringer Wald. Das Schachkid hat sich zum Fahren freiwillig gemeldet. Denn es weiß, die Mitfahrer müssen dann zwangsweise Paddy Kelly hören. Das Album Human hat sich das Schachkid gerade zugelegt und hört es rauf und runter. Die Breitunger Gang ist auch schon da und hat schon den ersten Bierkasten geleert. Pycho meint, das Schachkid sehe komisch aus. Wo der Bauch sei? Den hat das Schachkid versteckt. Eine Bierflasche später tippt Psycho auf die langen Haaare. Von denen hat Psycho nur noch wenig.

Schach ist ein gefährlicher Sport. Man spielt in einer Halle des Schützenvereines. Halten sich mehr als 10 Personen auf, muss eine Brandwache bei sein. Folgerichtig bewacht eine Brandwache der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr das Schachturnier. Gelöscht wird der lokale Brand von den meisten Spielern dennoch mit Bier. Die Halle ist unbeheizt. Man spielt bei 14 Grad Außentemperatur. 47 Schachspieler und eine schachspielende Französin sind hart im Nehmen.

Wie in der Vorwoche beim Potsdamer Sommeropen ist die hiesige Landtagsabgeordnete der Linken hier. Mit wesentlichen Unterschieden. Sie fasst sich erfreulich kurz und ist wesentlich hübscher und ansehnlicher als der Potsdamer Abgeordnete. Die Thüringer haben es eben drauf.

In der ersten Runde geht es gegen Gerome du Maire. Das ist kein Franzose, sondern ein Neuhesse mit mehr als 2150 DWZ. Das Schachkid spielt wie der erste Mensch und stellt gleich die Dame in die Läuferfesselung. Normale Schachspieler machen es anderes herum. Sie fesseln mit dem Läufer eine Dame an. Aufgabe und Zeit für einen Kaffee.

Zweite Runde, das Schachkid bringt die Schottische Eöffnung. Der Gegner tauscht ab und bietet Remis. Das Schachkid lehnt ab , hat nix konkretes und schaltet um auf Psychologie und spielt auf Zeit. Bingo, der Gegner wird nervös und stellt den Turm ein. Punkt fürs Schachkid, draußen wird der Grill angeschmissen.

Dritte Runde gegen Steffen Krannich, ehemaliger Vereinskamerad des Schachkids. Nach 6 Zügen hat das Schachkid den Springer weniger. Skandinavisch mit g3 und Lg2 geht offensichtlich nicht. Das Schachkid verhandelt und bietet für das Remis Bier und Bratwurst an. Steffen bleibt standhaft. Draußen werden die Bratwürste aufgelegt.

Ah, in der vierten Runde ein Gegner, den das Schachkid nicht leiden kann. 1492 DWZ stellen kein Hindernis da. Das Schachkid hat zwei Leichtfiguren mehr. Der Gegner gibt nicht auf. Zwei Türme auf der 7. Reihe sind dann aber doch ein überzeugendes Argument. Der Turnierleiter genehmigt sich einen Klopfer, die Dame bei der Ergebnismeldung gnießt den Sekt. Thüringer sind trinkfreudig, das Schachkid geil auf Bratwurst.

Psycho kauft Striche, es scheint sich um Schnaps zu handeln. Das Schachkid findet Leute nicht gut, die sich besaufen und bereits Mittags in der Ecke liegen. Erst Recht, wenn Kinder bei einem Turnier mitspielen.

Franz Geisensetter aus Sonneberg, der Spielzeugstadt wartete nun. Der Gegner hat eine 2045 DWZ. Das Schachkid opfert trotzdem eine Leichtfigur in den Königflügel rein und gewinnt dafür vier Bauern. Dann den König einmal falsch gesetzt und der Turm ist weg. Mist!

Ronny Schloßer in der 6. Runde meint, dass e5 im Königsinder nicht geht. Das Schachkid denkt, dass es geht, hat nach e5 trotzdem die Qualität weniger. Vermutlich ging es nur in dieser konkreten Stellung nicht, sonst geht es aber.

An der Theke wird derweil geflirtet. Der Plauer Dialekt geht schon stark ins Sächsische. Das würde das Schachkid vom Flirten abhalten. Merkwürdig findet es das Schachkid auch, wenn Gegner vor der Partie jede Figur akribisch zurecht rücken müssen. Und dann mit gespreizten Fingern die Figuren ziehen. Und dann beim Hände schütteln die Hand geben, als trifft man auf Gummi. Sowas macht das Schachkid mißtrauisch.

In der 7. Runde meint der 12-jährige Gegner nach 2 Zügen, ihm sei die Eröffnung sehr vertraut. Nach dem 3. Zug des Schachkids ist der 12-jährige irritiert und denkt in seiner vertrauten Eröffnung lange nach. Nach 12 Zügen und einigen Abtausch verkündet der 12-jährige, er habe nun auf dem Bett aufgeräumt. Offensichtlich nicht genug, wie der wütende Ausruf „Kacke“ um den 20. Zug herum vermuten lässt. Das Schachkid hat den Turm mehr, der 12-jährige bietet Remis. 10 Züge später, das Schachkid hat neben dem Turm nun auch die Dame mehr, bietet der 12-jährige seine ganze Überredungskunnst auf, um ein Remis auszuhandeln. Für das Schachkid ginge es doch um nix. Aber für ihn, ja für ihn sei der halbe Punkt überlebenswichtig, für den Jugendpokal. Das Argument überzeugt, das Schachkid macht Remis.

Das spricht sich offensichtlich rum, der Gegner in der 8. Runde macht 1. e4 und bietet gleich Remis an. Man merkt, man nährt sich dem Turnierende, die Leute sind entspannt. Das Schachkid lehnt ab, der Gegner stellt mit den Worten „Jetzt weißt Du auch, warum ich gleich Remis angeboten habe.“, den Läufer hin. Ausgerechnet dann beginnt er, sich zu konzentrieren und macht dem Schachkid bis zum Punktgewinn das Leben schwer.

Noch vorsichtiger ist der 81-jährige Gegner in der 9. Runde. Er bietet gleich Remis, ohne den ersten Zug zu tun. Das Schachkid lehnt ab und will 4,5 aus 9 Punkten erzielen. Im Laufe der Partie folgen 5 weitere Remisangebote, trotz des starken gegnerischen Freibauern auf der 6. Reihe. Den schraubt das Schachkid mühevoll ab und gewinnt nun seinereits zwei Bauern. Senioren sollen im Alter ruhig und weise sein. Dieser ist es nicht, schmeißt wütend das Brett um und eilt wutschnaubend von dannen. 5 Minuten später, man trifft sich an der Theke wieder, der Senior entschuldigt sich. Davor hat das Schachkid dann Respekt, wenn jemand seinen Fehler einsieht und sich entschuldigt.

4,5 aus 9 Punkten, das beste Ergebnis, was das Schachkid bei diesem Turnier je erzielt hat. Auch wenn es einen halben Punkt verschenkt hat und manche Eröffnungg grottig gespielt hat. Tommy und Himmel haben sogar 5,5 Punkte. Der Krannich wurde überraschend vor Ort angetroffen und steuert ebenfalls 4,5 Punkte zur Vereinswertung bei. Das Bierfass fürs Vereinsfest in zwei Wochen kann gesichert werden.

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