Lichtenberger Sommer 2019 – Ein Turnier gefühlt voller Verbote

Das Schachkid spielt den Lichtenberger Sommer 2019 mit, das erste Mal überhaupt. Nach dem Kreuzberger Sommer hat das Schachkid Gefallen an dem Format gefunden, täglich eine Runde zu spielen.

Zunächst geht das Schachkid erstmal zum Casting, a Star is born. Netflix sucht für eine Serie 500 männliche Schachspieler. Casting heißt erstmal Anstehen. Die Schlange ist 500m lang. Nach 30 Minuten anstehen kommt eine Dame der Agentur vorbei. Man könne sich auch online anmelden, was das Schachkid auch gleich macht. Gelobt sei das Smartphone. Jetzt muss das Schachkid in eine andere Schlange, um Fotos machen zu lassen. Die ist 400m lang, war vor 30 Minuten aber noch 10 m lang. Da wäre das Schachkid gleich hin, wenn diese dumme Agentur besser informiert hätte. Nun bleibt keine Zeit mehr für Fotos. Das Schachkid muss ja zum Turnier. Montag wird sich sogleich ein Fotograf gesucht. Der Weg zur Filmkarriere ist schwer.

Nun auf zur HTW, der Hochschule für Technik und Wirtschaft. Hier war das Schachkid noch nicht. Parken ist hier ganz schlecht. Das Turnier findet im Audimax statt, das unter Denkmalschutz steht. Das Schachkid weiß mangels architektonischer Kenntnisse nicht, wieso. Der Saal sieht aus wie jeder andere Saal, nicht besonders kunstvoll oder dergleichen, eher sehr nüchtern. Mit dem Roten Rathaus vom letzten Turnier kann er nicht mithalten. Aber jeder hat Platz, gute und angenehme Spielbedingungen.

Vor der Schachpartie hat der Veranstalter riesige Treppen gesetzt, die es zu bewältigen gilt. Das Audimax liegt im 1. Stock. Das faule Schachkid schaut sich suchend um und entdeckt bald den versteckten Fahrstuhl. Nachdem es die Treppe dreimal (!) bewältigt hat.

Der Caterer kommt tatsächlich aus Thüringen und wirbt mit echter Thüringer Bratwurst. Nur heute hat er keine. Er durfte nicht grillen. Aber für Sonntag verspricht er dem Schachkid hoch und heilig Würste.

Überhaupt gibt es viele Verbote. Der dicke Schiri ist da, der dem Schachkid als auch dem CM Tiarks schon einige Male sehr unfreundlich begegnet ist. Die Damentoilette im zweiten Stock ist tabu und darf nicht betreten werden. Irgendwo steht, dass es strengstens verboten ist, den Knopf zur zweiten Etage im Fahrstuhl zu drücken. Was mag die HTW da nur für Auflagen  machen.

Bei der Anmeldung bekommt man ein Turnierbulletin. Eine gute Sache. Die Eröffnungsrede ist feierlich, aber kurz. Alles Wesentliche kann man nachlesen. Sogar ein eigenes Kapitel zur Bedienung der Uhren gibt es. Aber auch hier Verbote:

„Die Spieler dürfen ausschließlich die Knöpfe, die sich oben auf der Uhr befinden, betätigen. Das sind die Knöpfe zum Abschalten der eigenen und Ingangsetzen der gegnerischen Uhr und der mittige Knopf zum Anhalten/Aus- und Einschalten der Uhr. Die Schalter an der Frontseite dienen der Bedienung der Uhr (Einstellfunktionen) und dürfen von den Spielern oder anderen Unbefugten zu keiner Zeit benutzt werden. Eine Zuwiderhandlung kann von den Schiedsrichtern nach Artikel 12.9 bestraft werden.“

Das hat das Schachkid noch nirgendswo gelesen. Das Schachkid hat auch noch nicht nachgeschlagen, wie die Strafe aussieht. Nach Beendigung der Partie verstößt das Schachkid gleich mal gegen das Verbot und hält die erste „Einstelltaste“ lange gedrückt, sodass die Uhr wieder gestellt ist. Hoffentlich wird das Schachkid jetzt nicht bestraft.

Highlight auch ein Zettel am Aushang. „Durch Drücken der Taste F5 aktualisiert sich die Internetseite.“ Offenbar hat der gastgebende Verein schon reichlich Erfahrung mit DAUs (=Dümmster anzunehmender User) gesammelt.

Das Schachkid sitzt am Brett und genießt die Aussicht, die sich so rundherum bietet. Da gibt’s einiges zum Gucken!

Die Partie ist langweilig, Slawische Eröffnung. Es tauscht sich alles ab. Der Gegner, er kann nix dafür, geht dem Schachkid auf die Nerven. Er denkt bei simplen Zügen extrem lange nach. Zum Schluss steht die Uhr beim Schachkid auf 1:19 und beim Gegner auf 0:11 mit dem Ergebnis, dass zum Schluss nach 20 Zügen ein Endspiel mit 6 Bauern auf dem Brett steht. Der Gegner hat das Läuferpaar, das Schachkid Springr und Läufer. Das Schachkid überlegt, zur Königsindischen Verteidigung zurück zu kehren. Da könnte es taktischer werden.

Klare gewonnene Stellung für Weiß. Der König wird frühzeitig aktiviert und an den Damenflügel geholt, während Schwarz völlig passiv steht und diesem langsam aber sicher die Züge ausgehen.

Das Schachkid hofft auf Champagner in Potsdam und hat nun wirklich keine Lust, noch stundenlang dieses Endspiel zu kneten. Also wird aufgegeben und das Leben genossen.

Abends im Bett rätselt das Schachkid, wieso beim Nachwuchs Tyron als auch Johannes verloren haben. Aber das ist offenbar eine andere Geschichte.

Kommentieren