Kurt Richter Gedenkturnier in Berlin

Manchmal fragt sich das Schachkid, ob es die Sache mit dem Schach nicht etwas übertreibt. Kommende Woche beginnt das Schach-Open in Pardubice. Das Schachkid sitzt am Freitag bis 16.30 Uhr im Büro und brettert von dort aus am 17. Juni 2015 direkt zur 1. Runde zum Kurt-Richter-Gedenkturnier nach Berlin. Es sind 30 Grad, die Sonne knallt. Eigentlich das passende Wetter, um sich an den Helenesee in Frankfurt (Oder) zu legen. Aber es soll ja eh das ganze Wochenende regnen.

Muss es da wirklich noch diese Woche ein Schach-Open sein? Die Antwort ist ein klares Ja. Es ist eine innerliche Leidenschaft wie ein Feuer, die das Schachkid antreibt. Ist es falsch, wenn man mit Begeisterung sein Hobby intensiv ausübt? Vermutlich muss man aufpassen, dass man nebenher das reale Leben nicht. vergisst oder irgendwelche Macken entwickelt. Oder das Schachkid hat diese schon und merkt es nur nicht. Wer findet, dass das Schachkid Macken hat, möge es ihm sagen.

Das Schachkid fährt zum Spiellokal nahe der O2-World.Wohin nur mit dem Auto… Großstädte und Autos sind ein Widerspruch. Das Schachkid sucht sich einen Wolf, erst nach dem Parkplatz, dann nach dem Spiellokal. Die Pforte des Begegnungszentrums des Kiezes ist extrem unscheinbar.

Drinnen warten nette Leute. Narva Berlin ist der Ausrichter. Das Kurt-Richter-Gedenkurnier hat eine lange und sonderbare Geschichte hinter sich. Benannt nach dem Berliner Spieler Kurt Richter fand anno 1985 das erste Turnier statt, dann noch ein oder zwei Mal. Dann passierte 30 Jahre lang nichts. 2011 gab es eine Neuauflage, dan wieder nichts. 2014 fing man wieder an. Erstaunlicherweise wird das Turnier seit Beginn von der gleichen Person, heute 78 Jahre alt, organisiert. Und es gibt Spieler, die tatsächlich jeden Jahrgang des Turnieres mitgespielt haben, was einen Sonderpreis verdient.

Das Schachkid ist nun 37 Jahre alt. Es droht das 40. Lebensjahr und die Mitte des Lebens. Da wird dem Schachkid ganz bang und es fragt sich, kommt da noch was? Vermutlich der Beginn der Midlife Crisis. Da ist das Schachkid ein wenig neidisch auf seinen Trainer und den Schachwizard. Die genießen beide das Leben und haben noch alles vor sich. Ersteres macht das Schachkid auch, aber manche Erfahrung möchte das Schachkid nun auch nicht missen.

Ein nettes Spiellokal, nette Leute, selbst gemachte Gulaschsuppe. Was will man mehr? Einen Strand! Die Sonne brennt vom blauen Himmel, von wegen Gewitter. Die unverwüstliche Mandy ist auch da, mit zwei Jungs im Schlepptau und einer Mama dazu. Irgendwie fühlt sich das Schachkid beim Anblick der Mama an die 80er Jahre erinnert, das hat was.

Das Schachkid freut sich auf eine kurze Partie. Im Vorfeld hat es die Teilnehmerliste gesichtet und fand sich mittig wieder. Also würde es ein total starker Gegner oder ein sehr schwacher Gegner werden. So oder so, eine schnelle Partie winkte.

Mit Duc No Dgoc wurde es ein schwacher Gegner, dachte das Schachkid. Der Gegner hatte keine DWZ, war aber ein schachspielender Papi, der Sohn spielte eine Etage tiefer, der seit 20 Jahren kein Turnier gespielt hatte. Der Papi spielte gut und hat sich mindestens eine 1500 verdient. Etwas Turniererfahrung und der Umgang mit der Zeit als auch der taktische Blick wird besser.

Die Eröffnung läuft mal wieder schlecht. 7. Se3 muss es sein, nicht Le3. Resultat: Ein demolierter Damenflügel. Das Schachkid beschließt, hier anzugreifen. Der König beabsichtigt gleiches am Königsflügel. Das macht aber wenig Sinn, da der weiße König gut geschützt ist. Die schwarze Dame steht igendwie isoliert am weißen Königsflügel herum. Der weißfeldrige schwarze Läufer hat kaum Felder. Weiß hat dafür eine miese Bauernstruktur am Damenflügel, aber das Läuferpaar.

[Event "Kurt-Richter-Gedenkturnier 2015"]
[Date "2015.07.18"]
[Round "1"]
[White "Kellner, Rene"]
[Black "Ngoc, Duc No"]
[Result "1-0"]
[ECO "C45"]
[WhiteElo "1608"]
[PlyCount "59"]

1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. d4 exd4 4. Nxd4 Bc5 5. Nf5 Qf6 6. Nc3 Nge7 7. Be3 Bb4 8.
Nxe7 Qxe7 9. Bd3 O-O 10. O-O Bxc3 11. bxc3 d6 12. a4 Ne5 13. Be2 Qh4 14. f3 Re8
15. a5 Re6 16. c4 Rg6 17. Bf2 Qg5 18. Bg3 h5 19. f4 Qe7 20. fxe5 h4 21. Bf4
dxe5 22. Be3 Bh3 23. Rf2 Rd8 24. Qe1 Be6 25. Bh5 Rf6 26. Bg5 Qc5 27. Bxf6 gxf6
28. Kh1 Kg7 29. Rd2 Rxd2 30. Qxd2 1-0

[/]

Letztendlich entschied die Bauerngabel mit ... Sonst wäre es wohl ein ausgewogener positioneller Kampf im Endspiel Springer gegen Läufer geworden. Das Schachkid fährt zufrieden heim.

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