Frankfurter Open in der Frankfurter Steppe

Nach der gestrigen Schmach muss nun ein Punkt her. Kurze Nacht – 0.30 Uhr gibt das Schachkid seine Partie ein. Oder versucht es, der Tag fordert seinen Tribut. Weiter als bis zum 32. Zug kommt das Schachkid net. Frühs um sechs Uhr geht es schon wieder aus dem Bett.

ie Fürstenwalder und Briesener werden ins Auto geladen. Auf ins beschauliche Frankfurt/Oder. Die Besatzung des Autos ist sich einig. Hier kann man nix machen. Die Mutter des kleinen Schachtigers ist entsetzt ob der Einsamkeit des Spiellokals in den Brandenburger Weiten an der polnischen Grenze. Rundherum nur Wüste, und Büsche. Wie in der argentinischen Steppe.

Uwe Hankel wird der Gegner. Leicht wird es nicht, der Gegner sieht motiviert aus. Und kaut auf einem Bonbon rum. Das Schachkid ist genervt. Extrem genervt, wenn es ständig auf der anderen Seite des Bretts schmatzt.

Sizilianisch, das Schachkid weiß wieder nicht, was es nach 4. … Sf6 spielen soll. Also wieder f3, wo das Schachkid letztens rasiert wurde. Das Schachkid schaut in die Datenbank vom Trainer. Oh, f3 stimmt… Trotzdem komischer Zug.

Man entwickelt sich harmonisch. Nach dem 15. Zug sind beide Seiten startklar fürs Mittelspiel, aber was nun? Wo ansetzen und was tun? Man rangiert hin und her. Das mag das Schachkid nicht. Der Zug 18. … Lxa4 überrascht das Schachkid. Die schöne Bauernstruktur ist hin. Egal! Der Trainer meinte neulich in einer Partienalyse, das Schachkid müsse keine Angst vor Doppelbauern haben. Dafür habe man ja die offene Linie und aktives Spiel.

Das setzt das Schachkid sogleich in die Tat um. Es wird auf dem Damenflügel Druck gemacht. Irgendwann geht 28. c5 und es wird ein Bauer gewonnen.

Der Gegner bietet Remis und erklärt, mit ungleichfarbigen Läufern sei es immer Remis. Nein ist se nicht, hat das Schachkid seinen Trainer von der letzten Session im Ohr. Ab und an hört das Schachkid ja auch mal zu.

Mit dem König wird in die gegnerische Stellung eingedrungen. Der Gegner seinersetis ist teils das Aufhalten des Freibauern auf der a-Linie gebunden. Fertig ist der Sieg.

Frühs im Auto, einer der Fürstenwalder freut sich auf seine Partie gegen Rollmops. Viermal habe man schon gespielt, viermal war es Remis. Der Fürstenwalder meint, es sei nun endlich an der Zeit, mal zu gewinnen. Rückfahrt nach Fürstenwalde. Der Fürstenwalder strahlt über alle Backen. Offensichtlich hat er den Rollmops platt gemacht.

Die Vertreter des USC Viadrina laufen mit neuen grünen Vereinsshirts auf. Schöne Farbe. Spruch darauf: „Was für den Bauern das Ende der Welt ist, ist für den Dame der Start ins Leben.“ So ähnlich wars, das Schachkid muss noch mal schauen. Wieso hat das Schachkid eigentlich bis heute kein Shirt seines Vereins bekommen?

Dritte Runde im Spielsaal – es quietscht. 15 Spieler gucken genervt in die Runde und versuchen, die Ursache des Geräuschs zu ergründen. Spieler Nr. 16 ist es, der nervös mit den Schuhen zuckt und reibt. Er wird angestoßen. Spieler Nr. 16 nimmt die Ohrenstöpsel aus den Ohren, wundert sich und fragt „Wat is?“.

Das Schachkid spielt derweil eine Kurzpartie gegen Siegfried Preuß. Pirc ist es, kein Königsindisch. E5 geht ja gar nicht, c5 muss gespielt werden 30 Minuten später sind die Qualität und zwei Bauern weg.

Was für eine grottige Partie. Das Schachkid beschließt, es muss was passieren. Also zwei Kumpels antelefoniert und auf zum Italiener. Vielleicht gibt es ja Grappa.

4 Kommentare zu „Frankfurter Open in der Frankfurter Steppe“

  • opa_mit_hut says:

    FM FM hat natürlich recht: IMMER remis ist es NICHT! Aber Mehrbauern spielen oft keine große Rolle, wenn richtig blockiert werden kann. Deswegen:

    Mich würde interessieren, was du in der Partie gegen Uwe nach 52….Kb6 geplant hattest?!

    Meine Idee ist folgende: Ich schenk dir den d6 und den f6, bringe meinen Läufer nach f4 (provoziere dadurch den Zug h3) und dann pendle ich mit mit meinem König gemütlich von b8 nach a7 und zurück. (Solltest du vor Lf4 den Zug g3 spielen, tausch ich einmal und spiele Lf2, was g4 erzwingt, und geh danach halt nach f4.)

    Varianten wären:

    52….Kb6!? 53.Kd5 Le3 54.Kxd6 (54.g3 hxg3 55.hxg3 Lf2 56.g4 (56.f4 taugt nix wegen 56….gxf4 57.gxf4 exf4 und ich halte einfach den f6 von der langen Diagonale aus) 56….Le3 57.Kxd6 Lf4 58.Ke6 Ka7 59.Kxf6 Kb8 und der König wird zum Pendler) 54….Lf4 55.h3 (sonst 55….Lxh2 ohne großen Unterschied) 55….Ka7 56.Lc4 Kb8 57.Ke6 Ka7 58.Kxf6 Kb8 und nun? Setzt du mich Patt mit Hilfe deines Königs, kann mein Läufer pendeln)

    Eine weitere interessante Möglichkeit wäre 57….Le3!? statt Ld8+.

    Variante hier wäre wohl:

    57….Le3 58.g3 (sonst wie oben) 58….Kb8 59.Kf5 Ka7 60.Kg4 (60.gxh4 bringt nix wegen 60….gxh4 61.Kg4 Lf4 62.Kxh4 (62.h3 ist auch unnütz wegen 62….Lg3 mit ähnlichen Pendeleien wie oben) 62….Lxh2 und hier reicht mir der e5 zum Remis, mit 3 Bauern weniger :D) 60….hxg3 61.hxg3 Lf2! und der König steht seinem g-Bauern im Weg, weswegen 62.f4 einfach mit 62….gxf4 beantwortet werden kann, ohne g4 fürchten zu müssen)

  • Dagnin says:

    Nach 52. Kb6 wollte ich Kd5 spielen. Den Bauern d6 würde ich nicht nehmen. Der wird durch Be4 gehalten. Sondern ich maschiere mit Ke6 und erobere den Bauern f6. Und dann mal schauen.

  • opa_mit_hut says:

    Das ist ja das Problem:
    Nach 52.Kb6 53.Kd5 Le3 54.Ke6 Lf4 55.Kxf6 Ka7 gibts nix mehr „zu schauen.“ 😉

    Ne typische Remisstellung wäre z.B.:

    w: Bauern auf f3,e4,a2 und a6, K irgendwo, L irgendwo
    s: Bauer auf e5, Lf4, Ka7

    Wenn du meinen König dran hinderst, zwischen a7 und b8 zu pendeln, pendelt mein Läufer von f4 nach h2. Und wenn du meinen Läufer daran hinderst, zwischen f4 und h2 zu pendeln, dann weißt du, was mein König tut. 😉

    Ich brings morgen mit zum Training – dann können wirs live „ausfechten“.
    Aber nur, wenn du versprichst, nicht mehr so schnell die Türme zu tauschen! :p

  • opa_mit_hut says:

    Noch einfacher wäre natürlich 52….Kb6 53.Kd5 Lg1, aber das fände ich dann wiederum zu langweilig 😀

Kommentieren