Erfurter Schachfestival – Vergiftete Bauern

1. Tag des Amateurturniers in Erfurt. Das Schachkid ist die Nr. 1 der Setzliste. Nach unzähligen Versuchen bei den letzten Turnierteilnahmen scheint nun ein Turniersieg möglich, alles andere gar abstrus. Das Schachkid freut sich erstmal auf einen entspannten Tag. Zwei schnelle Siege sollten drin sein.

3,5 Stunden später… Das Schachid spielt immer noch. Der Schubi hat schon wieder remisiert und redet sich damit heraus, sein kleines Kampfkind, gegen das er spielen musste, habe viel besser gestanden. Zur Strafe darf Schubi in der nächsten Runde nicht im großen Turniersaal spielen.

Der Michael Müller spielt erst seit 1,5 Jahren Schach. Es mache ihm Spaß, sagt er. Und er spielt auch deutlich besser, als das seine 1190 vermuten lässt. Es wird Schottisch, der Blumenfeldt-Angriff. Das Schachkid kann sich nicht an die Variante erinnern. Stellt aber später erfreut fest, dass es die ganze eingeübte Variante korrekt gespielt hat.

Tragischer Held der Partie ist der Lc8, der nicht einmal zieht. 17. d6 wäre vermutlich der bessere Zug gewesen. Aber das Schachkid sieht ein gewonnes Endspiel mit Mehrbauern auf dem Brett. Und guckt nicht schlecht, als sich Schwarz den Mehrbauern sogleich wiederholt. 24. … Te5 ist dann sicher der entscheidende Fehler.Weiß gewinnt die Qualität. Schwarz gibt netterweise auf und quält sich nicht durch die folgenden Züge.

Man widmet sich nun dem Weihnachtsmarkt. Das Schachkid gibt dem Schubi bekannt, dieses Jahr keinesfalls ein Schachbuch zu kaufen. Es müsse noch die im letzten Jahr gekauften Bücher lesen.

Der Turnierdirektor verlost schon wieder Preise im Minutentakt. Ein Geburtstagskind erhält ein Jahresabo der Zeitschrift Schach64.  Die häufigste Turnierteilnahme wird belohnt (15 Mal). Wobei einige Schachfreunde noch häufiger teilgenommen haben, aber fairerweise nicht jedes Jahr abstauben sollen. EIn 1.000 € Gutschein für eine Schachkreuzfahrt mit Schacheisen Hickl wird auch noch verlost. Und jede Menge Schachmiezenkalender gibt es. Die Schachmiezen sind die am längsten spielenden Frauenbundesligamannschaft, wie der Turnierleiter preis gibt. Was den Nebenmann des Schachkids rausrutschen lässt, das müssten dann ja 90-jährige Jungfrauen sein.

Später am Tage

Der Rolf ist ein zäher Knochen und spielt gefühlt seit einem Jahrhundert Schach. Das Schachkid wundert sich und guckt. Nein, die Dame kann nicht gefangen werden. Und schlägt beherzt 10. … Dxb2. Ein Desaster… Rolf nutzt die Gelegenheit, in eine Stellungswiederholung überzuleiten und grinsend Remis anzubieten. Das Schachkid muss einwilligen, sonst ist die Dame weg. Wäre Sie auch nach 14. Sxc6 mit anschließenden Tf3.

Das Schachkid geht los und kauft beim anwesenden Schachhändler drei Schachbücher.

Der Schubi gewinnt und darf in der 3. Runde wieder vorne im Haupsaal spielen. Man ist schon um 17.15 Uhr fertig. Was macht man da mit dem angebrochenen Abend?

Man macht sich auf in den Schwarzburger Hof, der am 1.9.2018 dringend einen Nachfolger sucht. Überhaupt ist auffällig, dass in Erfurt viele Restaurants zugemacht haben, die Schubi und das Schachkid in den letzten Jahren besucht haben. Das Schachkid ist der Meinung, dass das Universum danach strebt, im Gleichgewicht zu bleiben. Vermutlich gleicht das Universum die Restaurantschließungen durch die Eröffnung von Dönerbuden und Nagelstudios von Asiaten wieder aus.

Sei es drum. Bei einem Bier sinnieren Schubi und das Schachkid über den Schachmiezenkalender. Ein Aktkalender mit schachspielenden Damen wäre mal was. Das Schachbrett könnte an strategisch wichtigen Stellen platziert werden. Vor den Kopf zum Beispiel, wie der Schubi meint.

Sauna und zwei Cocktails an der Bar beschließen den Abend.  Bleibt zu hoffen, dass es morgen besser läuft.

 

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