Erfurter Schachfestival – Unverdiente Siege

Morgens um 8.00 Uhr fahren Schachspieler im Fahrstuhl im Bademantel durch die Gegend. Vor dem Frühstück in die Sauna, das wird das Schachkid morgen auch mal ausprobieren. Vielleicht stimuliert das ja die Gehirnzellen.

Nach dem Frühstück drapiert sich das Schachkid in der Lobby. Der Schubi kommt hereinspaziert und blickt sich suchend um. Das Schachkid winkt im fröhlich zu. Der Schubi guckt und geht davon. Manchmal ist er blind. Oder wird alt und braucht dringend eine Seehilfe.

Oh ein schöner Kuli auf dem Brett. Das Schachkid spielt nun wirklich viele Turniere mit und dürfte im DSB bald die meisten Auswertungen haben. Aber dem Schachkid ist kein anderes Turnier bekannt, wo jeder Spieler einen Kuli mit seinem Namen darauf erhält. Daheim hat das Schachkid bereits eine stattliche Sammlung.

In der dritten Runde gibt es mit Jens Grönke-Reimann mit 1294 DWZ immerhin den bisher nominell stärksten Gegner. Der Gegner ist erstmal sympathisch, wird dies aber noch verspielen. Das Schachkid kann es gar nicht leiden, wenn der Gegner nach der Partie angefressen davon rennt, die Figuren nicht richtig aufbaut, die Partieformular nicht unterschreibt und sich gar auf seinem Formular noch einen nicht vorhandenen Sieg einträgt. Gut, dass das Schachkid aufpasst. Dazu kaut der Gegner noch Cantuccini in einer Lautstärke, dass es kracht. Das Schachkid liebt dies Gebäck sehr, kaut es aber am Brett nicht dem Gegner vor. Am benachbarten achten Brett nervt Schwarz mit Remisangeboten im 15-Minutentakt.

Die Eröffnung ist verhunzt, die Partie gewinnt das Schachkid völlig unverdient. 6. e5 muss kommen, eigentlich sollte das Schachkid die Theorie kennen. 8. f3 erschwert die Rochade. Gott sei Dank sieht der Gegner den Einschlag 10. … Sxe4 nicht. Im Hauptturnier wäre die Partie wohl jetzt schon beendet.

Nach 12. 0-0 ist für das Schachkid die Welt erstmal wieder in Ordnung. 12… d5 hilft eigentlich nur Weiß, da es die Stellung öffnet, was dem Läuferpaar dienlich ist. 19. Lxh7 sieht das Schachkid leider nicht. Zum Ausgleich nimmt Schwarz mit 24. … Lxc4 einen Bauern und übersieht die deckende Dame. Danach geht nix mehr, Schwarz gibt auf.

Das Hotel zeigt dieses Jahr keine Schwächen. Der Tee kam bei den nächsten Bestellungen lose und nicht schon ertränkt im Wasser. Die Bar reagiert flott, man wartet nicht mehr stundenlang. In der Happy Hour gibt es leckere Cocktails. Und auch das Servicepersonal beim Frühstück hat die Lage gut im Griff. Da hat wohl die Kritik der letzten Jahre gefruchtet.

Zum Mittag essen mus trotzdem der Weihnachtsmarkt her halten. Thüringer Bratwurst muss es sein, denn das gibt es in der tweiten Heimat des Schachkids in Brandenburg nicht. Schubi, ein Thüringer Ureinwohner, spricht das undenkbare aus. Er will zum Inder oder Griechen. Das sagt ein Thüringer in thüringens Landeshauptstadt. Kulinarischer Frevel.

wein

Zurück geht noch ein „Eierlikör to Go“ auf der Krämerbrücke.

Das Schachkid hat es an Brett 1 zurück geschafft und bekommt einen Jugendlichen vorgesetzt, der schon 3 aus 3 hat. Gleiche Eröffnung wie heute früh mit dem Unterschied, das Schachkid kann sich nun an die Theorie erinnern.

Alsbald hat Schwarz einen beeindruckenden Trippelbauern und den König in der Mitte. Das Schachkid spielt allerdings ungenau. 13. 0-0-0 wäre die bessere Alternative gewesen. 21. h3 hält den Königsflügel zusammen. So gewinnt Weiß zwar zwei Bauern. Die laufen aber nicht weg. Mit dem Bauerntausch am Königsflügel auf g3 und dem Schlagen des Springes kommt Schwarz auf einmal ins Spiel und droht allerlei. nach 27. c5 bietet Schwarz Remis an, hätte aber sicher seinen vierten Punkt machen können. Schwarz gewinnt beide Bauern zurück und steht auch sonst sehr gut. Unfassbar, wie das Schachkid diese gewonnene partie versiebt hat. Der Eddi kämpfte mit viel Biss und wird sicher in diesem Turnier weit vorne landen. Das Schachkid verabschiedet sich derweil vom angestrebten Turniersieg und versucht es mal mit einer Top10-Platzierung.

Der Schubi kämpfe an des Schachkids Seite am Brett 2 gegen die Nummer 2 des Turniere. Zahlen passen hier gut zusammen. Das Schachkid trug dem Schachfreund Krebs noch auf, ja gegen Schubi zu verlieren, damit dieser keine schlechte Laune bekommt. Da spielt der Schubi aber nicht mit und lässt sich einzügig matt setzen.

Man tröstet sich im schönen Augustiner mit einem Bier und einen kleinen Rostbrätl und hofft auf die morgigen Partien.

 

Kommentieren