Desaster in Frankfurt Oder

Oh, der Italiener am Vortag war nicht so günstig. Das Schachkid ist müde. Aber das Schachkid weigert sich, sein Wochenende nur auf ein Turnier auszurichten und früh ins Bett zu gehen. Das Leben ist schließlich da, um Spaß zu haben.

Das Schachkid spielt gegen Andrejz Legowski. Der Spieler aus Slubice soll eine 1050 haben, hat aber schon gegen Siegfried Preuß remisiert und gegen eine 1580 gewonnen. Schlecht kann er net sein. Der Slubicer sieht aus, wie an sich einen Klischeepolen vorstellt. Mittleres Alter, kräftig gebaut und der typische Schnauzer incl. Lech Walesa-Gedächtnisfrisur. Es könnten Zwillinge sein.

Der nette Gegner will anscheinend Caro-Kann spielen, entscheidet sich aber um. Es wird irgend was passives mit dem Damenbauern. Das Schachkid kann gar nicht sagen, wo in den nächsten Zügen die Partie so brutal kippt. Das das Schachkid im 5. Zug einen Bauern stehen lässt, sehen beide nicht.

Bei 18. c4 schlägt die Engine leicht aus. Aber der Zug sieht so logisch aus. Danach gehts brutal abwärts. Der weißfeldrige Läufer gerät ins Abseits. Der weißfeldrige schwarze Läufer kann sich befreien und demoliert im Alleingang nebenbei noch den weißen Königsflügel. Ein einsamer Springer und die schwarze Dame aus dem Hintergrund erledigen den Rest. Eine unfassbare Partie, wo das Schachkid überrascht ist, wie plötzlich die Stellung so zusammen fällt.

Und der symphatische Andrejz meint in der Analyse noch, er spiele für keinen Verein, sondern sei Amateur. Da ist er aber ein guter Amateur.

Nach verkorkter Vormittagsrunde sitzt das Schachkid am Sportplatz neben dem Spiellokal und schaut der C-Jugend (13 Jahre = C?) beim Punktpiel zu. Frankfurt/Oder spielt gegen Eisenhüttenstadt. Am Spielfeldrand sitzen die Wuchtbrummen. Die Mütter der Spieler, 4 Stück an der Zahl. Zwei rauchen, drei sind blondiert. Alle wiegen geschätzt über 100 kg. Man regt ich über die vielen Asylanten auf. Sieht so die Zukunft eines Ehemannes aus, mit einer solchen Matrone bestraft zu sein? Das Schachkid kann sich ein solches Leben nicht vorstellen und würde schnurstracks die Flucht ergreifen.

Die Mütter unterhalten sich nun über medizinische Wunder. Offenschtlich ist jemand operiert wurden, ihm wurde der Arm verlängert. Dazu habe man ihm Muskeln aus dem „Arsch“ entnommen. Ob er jetzt noch „kacken“ kann?

Das Schachkid lauscht gebannt und sinniert nebenbei, ob der USV Potsdam wirklich der richtige Verein ist und ob es nicht spontan bei Briesen wieder eintreten solle. Wenn man in Brandenburg vor dem Start der Liga für 2 Stunden aus dem Verein austritt, ist man raus. Tritt man nach 2 Stunden wieder ein, knnn man nur noch als Ersatzmann spielen, sofern überhaupt noch ein Platz frei ist. Auch wenn man nur eine Minute aus dem Verein ist, man kann nicht zurück. Das Schachkid hat gewusst, dass vieles im Brandenburger Schach bürokratisch und sinnlos ist. Aber das ist einfach nur sinnlos. So kann man auch die Leute demotivieren. Die dickste Matrone dreht sich derweil behende im Kreis und flüchtet vor einer Biene.

Die letzte Partie ist ein frustrierendes Beispiel dafür, wie man ein Remis mit einem Zug nach drei Stunden wegschmeißt. Der Fürstenwalder Tobias Lenz hatte am Morgen gegen den Neubriesener Nachwuchs Daniel Woithe verloren und bekam jetzt schon wieder einen Briesener vorgesetzt. Daniel spielte derweil eines seiner ersten Turniere, erzielte 3 Punkte und verbreitete Angst und Schrecken. In der letzten Runde ging es gegen Rollmops, der nacch Auskunft des Opas mit Hut saß und stöhnte und prustete.

1. … Sf6. Sehr schön, das erste Mal, dass das Schachkid den Vier-Bauern-Angriff im Aljechin spielen kann. Oder sowas ähnliches, die Variante sitzt noch nicht ganz. So richtig kämperisch agiert keine Seite. Man tauscht so vor sich hin. So kann auch keiner gewinnen.

Erst mit 33. … b4 kommt Leben ins Endspiel. Der Bauer darf wegen der Gabel nicht geschlagen werden, Man tauscht und das Schachkid verliert plötzlich den a-Bauern. Mit f5 findet das Schachkid eine Alternative. Und plötzlich ist jede Menge los auf dem Brett.

Es läuft auf ein remises Endspiel raus. Schwarz gewinnt einen Bauern. Kein Problem, denkt sich das Schachkid. Dafür gibt es halt den Springer. Leider übersieht das Schachkid in der Zeitnot 52. … Sc4. Der Springer muss getauscht werden und der Bauer ist nicht mehr aufzuhalten.

Insgesamt ein recht lauschiges Open, bei dem vor allem der Nachwuchs stark gespielt hat. Daniel Woithe aus Briesen, Moritz Kammer aus Fürstenwalde oder Jonas Kreutz aus Berlin. Da wächst eine neue Generation heran.

Die Hausaufgaben hat das Schachkid erledigt. Letze Partie ausgekämpft und in der Eröffnung Zeit genommen. Vom Ergebnis her ein Desaster, in der ersten Partie wurde der Gewinnzug nicht gesehen. Das dritte Spiel gegen Siegfride Preuß ging gar nicht. Und der Schnitzer in der letzten Runde…

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